trüffel

Holger2, (vor 9793 Tagen)

Bei uns im Wald soll es angeblich viele Trüffel geben.
Kann mir jemand sagen ob man die auch ohne Hund oder Schwein findet?
Gibt es Zeigerpflanzen? Welchen Boden liebt er?
Danke
Holger

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Re: trüffel

Boris, (vor 9793 Tagen) @ Holger2

Bei uns im Wald soll es angeblich viele Trüffel geben.
Kann mir jemand sagen ob man die auch ohne Hund oder Schwein findet?
Gibt es Zeigerpflanzen? Welchen Boden liebt er?

Hi, ich selbst suche auch bis jetzt vergeblich. Trueffeln lieben offenbar lehmig-kalkigen Boden und sind von Anfaengern nur zu finden, wenn sie den Boden durchbrechen. Insbesondere Choiromyces macht das gern. Profis erkennen die Pilze mitunter auch an der Erdwoelbung, der Veraenderung im Grasbewuchs oder der Anwesenheit von Trueffelfliegen. Wenn jemand was findet, sollte er das unbedingt im Forum erwaehnen, mich interessiert doch sehr ob diese Pilze wirklich so selten sind, wie es einem manche Leute glauben machen wollen. Fakt ist, dass in vielen Regionen (wie meiner) Waelder auf Kalkuntergrund grossraeumig Landwirtschaft und Weinbau zum Opfer gefallen sind. :-(

"Einige Arten bevorzugen geradezu die Wintermonate und sind bis ins Fruehjahr hinein zu ernten, wie Austernseitlinge, Samtfussrueblinge und Wintertrueffeln (Suedbaden und Suedfrankreich). Trueffeln zu suchen ist besonders interessant und duerfte manchen Pilzfreund locken. Besonders begehrt ist die auch in Deutschland vorkommende Sommertrueffel, Tuber aestivum. Man achte im Walde, besonders unter Kiefern, auf Stellen, die gegenueber dem mehr frischen Gruen des uebrigen Bodens verkuemmerte heugruene Graeser aufweisen, die besonders aus rotem Schwingel bestehen. Meist handelt es sich um kreisfoermige Stellen, die gruendlich nach kleinen Buckeln abgesucht werden muessen. Sie verraten die Trueffeln. Wenn man in einer Hoehe von 30 cm auf dem Boden herumkriecht und die Luft scharf einzieht, so kann man durch den Geruch auf Trueffeln aufmerksam werden. Wer intensiv sucht, wird frueher oder spaeter Erfolg haben. Wer dies einige Male erlebt hat, hoert mit dem Suchen nicht mehr auf.
Besonders zu empfehlen ist das Suchen am Waldrande und an den benachbarten Freistreifen. Neben essbaren Trueffeln gibt es auch eine ganze Reihe ungeniessbarer Trueffelarten, so z.B. die weitverbreitete Hirschtrueffel, die vom Wilde gern aus dem Boden gescharrt wird. In Daenemark sind insgesamt 17 verschiedene Trueffelarten festgestellt worden."

Hennig, "Handbuch fuer Pilzfreunde", Bd. I, 1.Aufl.

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Re: trüffel

Dieter Langenfelder, (vor 9791 Tagen) @ Holger2

Bei uns im Wald soll es angeblich viele Trüffel geben.
Kann mir jemand sagen ob man die auch ohne Hund oder Schwein findet?
Gibt es Zeigerpflanzen? Welchen Boden liebt er?
Danke
Holger

Hallo Holger,
Ich hab bisher nur die ungenießbare Hirschtrüffel
gefunden,eine darauf parasitierende Zungenkeule
hat sie mir verraten, und ich mußte nur noch
nachgraben. Ob die Zungenkeule auch auf anderen
Trüffelarten wächst kann ich nicht sagen, aber
vielleicht hat ja jemand hier mehr Ahnung, würde
mich interessieren.
Ein Bekannter von mir hat schon eine weiße Trüffel
gefunden, als diese etwas aus dem Boden spitzte

Gruß
Dieter

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Re: trüffel

Boris, (vor 9791 Tagen) @ Dieter Langenfelder

Hallo Holger,
Ich hab bisher nur die ungenießbare Hirschtrüffel
gefunden,eine darauf parasitierende Zungenkeule
hat sie mir verraten, und ich mußte nur noch
nachgraben. Ob die Zungenkeule auch auf anderen
Trüffelarten wächst kann ich nicht sagen, aber
vielleicht hat ja jemand hier mehr Ahnung, würde
mich interessieren.
Ein Bekannter von mir hat schon eine weiße Trüffel
gefunden, als diese etwas aus dem Boden spitzte

Ich selbst hab schon mal die zur Not auch essbare Rötliche Wurzeltrüffel gefunden als sie aus der Erde herausschaute (ist aber eigentlich ein Bauchpilz und keine Trüffel). Ausserdem einmal Hirschtrüffeln die offenbar ein Wild an die Oberfläche gescharrt hatte.

Zungen- und Kopfkeulen wachsen leider nur auf den verschiedenen Hirschtrüffelarten, einige Arten wachsen auch auf toten Insekten.

Boris

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Re: trüffel

Andreas Gminder, (vor 9790 Tagen) @ Boris

Bei uns im Wald soll es angeblich viele Trüffel geben.
Kann mir jemand sagen ob man die auch ohne Hund oder Schwein findet?
Gibt es Zeigerpflanzen? Welchen Boden liebt er?

Hi, ich selbst suche auch bis jetzt vergeblich. Trueffeln lieben offenbar lehmig-kalkigen Boden und sind von Anfaengern nur zu finden, wenn sie den Boden durchbrechen. Insbesondere Choiromyces macht das gern. Profis erkennen die Pilze mitunter auch an der Erdwoelbung, der Veraenderung im Grasbewuchs oder der Anwesenheit von Trueffelfliegen. Wenn jemand was findet, sollte er das unbedingt im Forum erwaehnen, mich interessiert doch sehr ob diese Pilze wirklich so selten sind, wie es einem manche Leute glauben machen wollen. Fakt ist, dass in vielen Regionen (wie meiner) Waelder auf Kalkuntergrund grossraeumig Landwirtschaft und Weinbau zum Opfer gefallen sind. :-(

Hallo an alle,
vielleicht interessiert in diesem Zusammenhang meine bisherige Erfahrung mit den unterirdischen Knollen:
Alle meine Funde waren Zufallsfunde, ich habe nie gezielt gesucht. Ich kenne aber im Donaueschinger Raum Leute, die gezielt Hypogäen suchen und einer davon (Heinz Frings) fand selbst bei unserer Frühjahrstagung im MAI und obwohl er die Gegend nie vorher besucht hatte, bei jeder Exkursion mehrere Arten von unterirdisch wachsendem Zeugs. Insegsamt auf 3 Exkursionen 11 verschiedene Arten.
Also denke ich mal, dass es auch bei den Hypogäen häufige (und seltene) Arten gibt.

Aus meinen (Zufalls-)Funden zu schließen sind durchaus häufig:
Elaphomyces granulatus - Warzige Hirschtrüffel
Säurezeiger, unter Fichte
Rhizopogon roseolus - Rötliche Wurzeltrüffel
stets unter Kiefer, auf basischem Boden, während Rh. vulgaris eventuell mehr saure Böden bevorzugt
Hymenogaster variegatus/broomeianus - Bunte Schleimtrüffel
stets unter Laubbäumen, auf neutralem Boden

etwas weniger häufig sind wohl:
Choiromyces maeandriformis - Mäander-Trüffel
vor allem unter Fichte und Tanne auf Kalkboden (Ostschwarzwald)
Tuber aestivum - Sommertrüffel
im eigenen Garten (!) unter Blutbuche auf Knollenmergel (neutral). Ob ihr's glaubt oder nicht, im Stuttgarter Raum scheint diese Trüffel nicht so welten zu sein, liegen mir aus 1997 alleine 4 verschiedene Fundmeldungen vor nachdem der erste Fund in der Stuttgarter Zeitung publiziert wurde !
Alpova-Arten sind im Alpenraum unter Grünerle nicht selten

Nur einmal habe ich folgendes Trüffelartige gefunden, wobei die kleinwüchsigeren Arten durchaus häufig sein könnten, aber dann nur bei gezielter Suche gefunden werden
Hysterangium separabile - Schwanztrüffel
Fichte, Muschelkalk
Tuber excavatum - Hohle Trüffel
Lehmboden (neutral bis basisch), Laubbäume
Tuber maculatum - Gefleckte Trüffel
geschotterter Wegrand im Buntsandstein, unter Fagus
Tubur rufum - Rötliche Trüffel
in Walter Pätzolds Pilzgarten, unter Koniferen (!) auf Buntsandstein (!).
Gyrocratera ploettneriana
Ein Fund aus dem Rheintal auf kalkfreiem Sandboden, zufällig beim Fotografieren von Rißpilzen gefunden ...
Chamonixia caespitosa - Blaunuß
Dieses Jahr in Einsiedeln (Schweiz), unter Fichte und Tanne auf Kalkboden, 900 m NN
Zelleromyces stephensii - Milchlingstrüffel
Sehr reichhaltiger Fund unter Laubbaum auf neutralem Mergelboden

Wer sich für Hypogäen-Suche interessiert:
Geplant ist ein Treffen im südöstlichen Schwarzwald (Gegend Donaueschingen), bei dem auch Suchtechniken etc. erläutert werden. Organisiert wird dies von einigen Leuten, die in den Wäldern des Fürsten von Fürstenberg mit diesem auf Trüffelsuche gehen und bisher rund 70-90 Arten in ihrem Gebiet gefunden haben. Die Gegend dort war schon Soehner und Schwärzel als sehr hypogäenreich bekannt (durch Dr. Haas und Anna Mark). Wer Interesse an einer Teilnahme hat, kann mir dies gerne bekunden und ich werde versuchen, keinen zu vergessen wenn dieses Treffen zustande komme sollte.

Grüße aus Stuttgart,
Andreas

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Re: trüffel

Bruno, (vor 9790 Tagen) @ Andreas Gminder

Vielen Dank für diesen Supi-Beitrag. Ich wär gern dabei!
Bruno

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Re: trüffel

Holger2, (vor 9781 Tagen) @ Andreas Gminder

Hallo Andreas
super Beitrag, ich wohne nur 20 km von Donaueschingen entfernt und die Wälder des FF grenzen direkt an meine Felder an. Ich hätte größtes Interesse an dieser exkursion teilzunehmen. Wäre echt toll wenn du mich informieren könntest.
Grüße aus Engen
Holger