Kunst an welchem Pilz?

UmUlmHerum, (vor 2869 Tagen)

Hallo miteinander!

Gestern fand ich in einem Buchen-Eichen-Wald an einem liegenden Laubholzast diesen creme-ockerfarbenen Zähnchen-(Rinden-)Pilz. Der ganze Ast (L ca. 80 cm, Ø ca. 4cm) war auf einer Längsseite überzogen mit dieser resupinaten Schicht, die sich nur teilweise gut ablösen ließ.

Das Subikulum ist ca. 0,3 mm dünn.
Die Zähnchen sind bis zu 3 mm lang, an der Spitze teilweise gewimpert, innen dunkel rotbraun.
Die zylindrischen Sporen sind sehr durchsichtig, vor allem die Sporenhülle kommt einem wie eine elastische Folie vor. Der Sporeninhalt ist zumeist kugelig mit einem Appendix(!), manchmal aber auch aus verschieden großen Tröpfchen bestehend. Größe 7,5...10 x (4,5)5...6,3, Q = 1,4...1,8 (immer unter 2).

Inzwischen habe ich ein bisschen rumgelesen (GPBW, Aufsatz von JAHN zu Zähnchen-Pilzen, verschiedene Hyphodontien im Web angeschaut...) – solche Zähnchen-Pilze soll ja ziemlich schwierig zu bestimmen sein. Was meint Ihr – bestehen Chancen, wenn ich weiter mikroskopiere und die Zystiden suche/anschaue? Oder kann ich mir die Mühe gleich sparen? Ich habe nämlich dafür eigentlich gerade überhaupt keine Zeit... Vielleicht gibt es ja einen heissen Tipp, der Zeit spart?!

Beim Auflicht-Anschauen fielen mir diese interessanten Fäden auf, mit allen möglichen Formen (hauptsächlich Kügelchen) dran. Rein farblich und von der Struktur her könnten die "Formen" durchaus zum Pilz gehören... Sieht jedenfalls toll aus:

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Jetzt der Pilz am Fundort, auch hier kann man die Fäden mit dem pilzfarbenen Zeug dran erkennen:
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Und das sind die Sporen 320x bzw. die Vergrößerung aus 800x:
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Danke & viele Grüße – Rika

Re: Kunst an welchem Pilz?

Ulysses, (vor 2868 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

mmh... mit diesen sehr breiten Sporen sollte das m.E. Cerocorticium molare (Gezähnter Reibeisenpilz) sein. Die Kügelchen gehören m.E. aber nicht dazu, hab ich so auch noch nicht gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich um Klebefäden von Spinnen handelt (evtl. aus dem Altweibersommer), an denen sich Tautropfen und darin dann Sporen, Hyphen, etc. angesammelt haben.

LG
Josef

Hallo miteinander!
Gestern fand ich in einem Buchen-Eichen-Wald an einem liegenden Laubholzast
diesen creme-ockerfarbenen Zähnchen-(Rinden-)Pilz. Der ganze Ast (L ca. 80
cm, Ø ca. 4cm) war auf einer Längsseite überzogen mit dieser resupinaten
Schicht, die sich nur teilweise gut ablösen ließ.
Das Subikulum ist ca. 0,3 mm dünn.
Die Zähnchen sind bis zu 3 mm lang, an der Spitze teilweise gewimpert, innen
dunkel rotbraun.
Die zylindrischen Sporen sind sehr durchsichtig, vor allem die Sporenhülle
kommt einem wie eine elastische Folie vor. Der Sporeninhalt ist zumeist
kugelig mit einem Appendix(!), manchmal aber auch aus verschieden großen
Tröpfchen bestehend. Größe 7,5...10 x (4,5)5...6,3, Q = 1,4...1,8 (immer
unter 2).
Inzwischen habe ich ein bisschen rumgelesen (GPBW, Aufsatz von JAHN zu
Zähnchen-Pilzen, verschiedene Hyphodontien im Web angeschaut...) – solche
Zähnchen-Pilze soll ja ziemlich schwierig zu bestimmen sein. Was meint Ihr
– bestehen Chancen, wenn ich weiter mikroskopiere und die Zystiden
suche/anschaue? Oder kann ich mir die Mühe gleich sparen? Ich habe nämlich
dafür eigentlich gerade überhaupt keine Zeit... Vielleicht gibt es ja
einen heissen Tipp, der Zeit spart?!
Beim Auflicht-Anschauen fielen mir diese interessanten Fäden auf, mit allen
möglichen Formen (hauptsächlich Kügelchen) dran. Rein farblich und von der
Struktur her könnten die "Formen" durchaus zum Pilz gehören...
Sieht jedenfalls toll aus:


Jetzt der Pilz am Fundort, auch hier kann man die Fäden mit dem pilzfarbenen
Zeug dran erkennen:

Und das sind die Sporen 320x bzw. die Vergrößerung aus 800x:

Danke & viele Grüße – Rika

Re: Kunst an welchem Pilz? Radulomyces molaris

UmUlmHerum, (vor 2868 Tagen) @ Ulysses

Hallo Rika,
mmh... mit diesen sehr breiten Sporen sollte das m.E. Cerocorticium molare
(Gezähnter Reibeisenpilz) sein. Die Kügelchen gehören m.E. aber nicht
dazu, hab ich so auch noch nicht gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass
es sich um Klebefäden von Spinnen handelt (evtl. aus dem Altweibersommer),
an denen sich Tautropfen und darin dann Sporen, Hyphen, etc. angesammelt
haben.
LG
Josef

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Hallo Josef,

herzlichen Dank für Deine Unterstützung!

Der Gezähnte Reibeisenpilz ist sehr wahrscheinlich. Das Substrat ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Eiche, was auch gut passt. Ich hatte schon mit dem Reibeisen-Rindenpilz (Basidioradulum radula) und den Hyphoderma-/Hyphodontia-Arten verglichen, aber nirgends passten die Sporen. Nach Zystiden hätte ich dann vergeblich geschaut... In einem Threat von 2009 in diesem Forum fragte Ditte ebenfalls diesen Pilz an – Ingo Wagner wies damals darauf hin, dass bei Cerocorticium molare bzw. aktuell Radulomyces molaris das Innere der Zähnchen dunkel ist. Wenn dies ein Alleinstellungsmerkmal ist, dann sollte die Benamsung stimmen. Laut GPBW kommt die Art eher in tieferen Lagen vor – mein Fundort liegt auf 650 mNN: bis 200mNN = 19 Funde, 201-400 = 112; 401-600 = 50; 601-800 = 9; 801-1000 = 2.

Auch Deine Erklärung für die "Kunst am Pilz" hört sich sehr plausibel an! Zum Teil haben sich da regelrechte Schnüre gebildet, die dann in die Frk.-Oberfläche übergingen. Hätte ich halt mal mikroskopieren sollen...

LG – Rika