Russula-Frage

UmUlmHerum, (vor 3364 Tagen)

Hallo miteinander!

Am Montag war ich tatsächlich mal wieder ausführlich im Wald (Hochsträß UmUlmHerum) – ein bisschen was gibt es, aber man muss viel laufen und sorgfältig schauen...

Unter Buchen fanden sich drei dieser milden Täublinge, die ich schon seit Jahren dort sehe – sie variieren ihre Farbe kaum, aber ich habe mich noch nie an deren Bestimmung gewagt. Nun also ein Versuch ... with a little help from my friends (und leider ohne passende Chemie):

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Habitat:
Große Buchen, etwa 20m entfernt auch Fichten, vielleicht auch die eine oder andere Eiche (aber nicht unmittelbar). Dicke Laubschicht mit Humus, darunter Lösslehm auf Kalk. 580 mNN. Begleitpilze: Rotstieliger Leder-Täubling (R. olivacea), Semmelstoppel.

Hut:
Ø max. 8 cm; jung eingerollter Rand, reif verflachend mit leichtem Buckel in der Mitte; nur alt + trocken am äußersten Rand leicht gerieft (max. 5 mm breit); Huthaut trocken (auch mit Spucke nicht nicht klebrig), 1/3 bis 1/2 abziehbar, Fleisch darunter weiß; festfleischig; Farbe: helles Ziegelrot, vor allem am Rand intensiv und anhaltend - lachs-orange – im Schatten und im Alter ausblassend zu beige – hellocker

Lamellen:
Gerade angewachsen, nicht bauchig, auffallend dicht stehend, relativ elastisch, weiß

Stiel:
Ø 1,5...2 cm x 5 cm lang, leichte Keulenform - zur Basis hin etwas verdickt, außen fein schuppig oder flockig, innen wattig, innen + außen = weiß, keine Verfärbung (auch nicht beim Trocknen)

Geschmack: mild
Geruch: ohne (weder frisch im Wald noch zuhause im Schnitt noch nach 2 Tagen im Kühlschrank)

Sporen:
SPP weiß (Ia/b); Größe 6...6,5 x 5,3...5,7 µm
isoliertwarzig mit einzelnen Graten, großer Hillarfleck (ist das ein Bestimmungsmerkmal bei Täublingen?), großer Appendix

[image]

[image]

Das Ding sollte sich doch mit diesen Angaben bestimmen lassen?! Kann mir jemand einen Tipp geben? Oder mitteilen, was ich (ohne Chemie) noch genauer anschauen sollte, um auf einen Namen zu kommen (R. vesca ist es nicht).

Danke & gute Nacht – Rika

Re: Russula-Frage

Andreas ⌂, (vor 3363 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo miteinander!
Am Montag war ich tatsächlich mal wieder ausführlich im Wald (Hochsträß
UmUlmHerum) – ein bisschen was gibt es, aber man muss viel laufen und
sorgfältig schauen...
Unter Buchen fanden sich drei dieser milden Täublinge, die ich schon seit
Jahren dort sehe – sie variieren ihre Farbe kaum, aber ich habe mich noch
nie an deren Bestimmung gewagt. Nun also ein Versuch ... with a little
help from my friends (und leider ohne passende Chemie):

Habitat: Große Buchen, etwa 20m entfernt auch Fichten, vielleicht auch die
eine oder andere Eiche (aber nicht unmittelbar). Dicke Laubschicht mit
Humus, darunter Lösslehm auf Kalk. 580 mNN. Begleitpilze: Rotstieliger
Leder-Täubling (R. olivacea), Semmelstoppel.
Hut: Ø max. 8 cm; jung eingerollter Rand, reif verflachend mit leichtem
Buckel in der Mitte; nur alt + trocken am äußersten Rand leicht gerieft
(max. 5 mm breit); Huthaut trocken (auch mit Spucke nicht nicht klebrig),
1/3 bis 1/2 abziehbar, Fleisch darunter weiß; festfleischig; Farbe: helles
Ziegelrot, vor allem am Rand intensiv und anhaltend - lachs-orange – im
Schatten und im Alter ausblassend zu beige – hellocker
Lamellen: Gerade angewachsen, nicht bauchig, auffallend dicht stehend,
relativ elastisch, weiß
Stiel: Ø 1,5...2 cm x 5 cm lang, leichte Keulenform - zur Basis hin etwas
verdickt, außen fein schuppig oder flockig, innen wattig, innen + außen =
weiß, keine Verfärbung (auch nicht beim Trocknen)
Geschmack: mild
Geruch: ohne (weder frisch im Wald noch zuhause im Schnitt noch nach 2 Tagen
im Kühlschrank)
Sporen: SPP weiß (Ia/b); Größe 6...6,5 x 5,3...5,7 µm
isoliertwarzig mit einzelnen Graten, großer Hillarfleck (ist das ein
Bestimmungsmerkmal bei Täublingen?), großer Appendix


Das Ding sollte sich doch mit diesen Angaben bestimmen lassen?! Kann mir
jemand einen Tipp geben? Oder mitteilen, was ich (ohne Chemie) noch
genauer anschauen sollte, um auf einen Namen zu kommen (R. vesca ist es
nicht).
Danke & gute Nacht – Rika

Hallo Rika,

das ist mit 99,9% Sicherheit Russula velutipes (= R. aurora). Ich meine sogar den typischen feinflockig-netzigen Überzug an der Stielspitze zu erahnen.
Wäre mit Guajak recht einfach zu verifizieren, da auf dem Stiel negativ und in den Lamellen schwach positiv. Auch die SV-Reaktion leuchtend fuchsia-eosinrot auf der Stieloberfläche wäre gut, damit weißt Du dann schon dass es nur velutipes oder minutula sein kann (also eine Roseinae),und R.minutula kommt nicht in Frage bei deinen Pilzen.

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula-Frage

leofelsle, (vor 3363 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
das ist mit 99,9% Sicherheit Russula velutipes (= R. aurora). Ich meine sogar
den typischen feinflockig-netzigen Überzug an der Stielspitze zu erahnen.
Wäre mit Guajak recht einfach zu verifizieren, da auf dem Stiel negativ und
in den Lamellen schwach positiv. Auch die SV-Reaktion leuchtend
fuchsia-eosinrot auf der Stieloberfläche wäre gut, damit weißt Du dann
schon dass es nur velutipes oder minutula sein kann (also eine
Roseinae),und R.minutula kommt nicht in Frage bei deinen Pilzen.
beste Grüße,
Andreas

für R.velutipes sprächen auch die sehr zahlreichen gegabelten Lamellen...
Gruß
Michael

Morgenrot-Täubling

coco, (vor 3363 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,

wieso eigentlich velutipes? Beim Index Fungorum wird aurora von Krombholz priorisiert, wovon sich wohl dieser schönste unter den deutschen Pilznamen ableitet.

LG von Coco

Re: Morgenrot-Täubling

Andreas ⌂, (vor 3363 Tagen) @ coco

Hi Andreas,
wieso eigentlich velutipes? Beim Index Fungorum wird aurora von Krombholz
priorisiert, wovon sich wohl dieser schönste unter den deutschen Pilznamen
ableitet.
LG von Coco

Hallo Coco,

diese roten Täublinge haben unsere Altvorderen schon genauso durcheinandergebracht, bzw. die Interpretation der verschiedenen Tafeln und Beschreibungen. So ist die Interpretation von KROMBOLZs Russula aurora eben auch nicht so ganz unumstritten. Noch schlimmer ist es mit dem Namen Russula rosea - so hieß velutipes-aurora auch schon eine ganze Zeit lang. Die Identität von Russula velutipes dagegen scheint eindeutig zu sein, jedenfalls wurden da bislang noch nie Zweifel geäußert. Daher hat es durchaus auch Gründe DIESEN Namen zu verwenden, auch wenn aurora älter ist.
Ich persönlich hab mich einfach noch nicht an den recht jungen Namenswechsel gewöhnt, nachdem ich 25 Jahre lang den Pilz als velutipes kenne ....

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula-Frage

Doris, (vor 3363 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,
diese Morgenrot-Täublinge wachsen gerade in dem von Dir beschriebenen Habitat recht häufig, ich habe sie sogar das erste Mal gegessen.
Aber am schönsten bei Täublingen sind doch ihre wunderschönen, ganz eigenen Farben.

Grüße
Doris

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

UmUlmHerum, (vor 3363 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Andreas, Michael, Coco & Doris!

herzlichen Dank für all Eure Antworten! Jetzt (er-)kenne ich einen Täubling mehr, noch dazu so ein hübsches Ding, das man zu allem Überfluss auch noch essen kann. Den Kleinen hatte ich ins Mischgericht geschnitten – eher Masse als Klasse, würde ich sagen. Wie hat er Dir, Doris, geschmeckt? (Es gibt also doch Pilze bei Dir?!)

Ich sehe schon: entweder muss ich die Finger von der Täublingsbestimmung lassen oder endlich mal wieder bei Andreas im Mykoshop einkaufen...

Über die beiden o.a. Artnamen hatte ich ebenfalls bei Index Fungorum sowie Mycobank nachgesehen. In letzterer gibt es beide als gültige Namen, bei velutipes steht aurora als Synonym – umgekehrt bei aurora aber nicht. Ohmannohmann – vielleicht doch keine Russula-Chemie kaufen?? Oder wie Stephan vermehrt die deutschen Namen verwenden – der Morgenröte-Täubling bietet sich auf alle Fälle dafür an.

Viele Grüße – Rika

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Doris, (vor 3362 Tagen) @ UmUlmHerum

. Wie hat er Dir, Doris, geschmeckt? (Es

gibt also doch Pilze bei Dir?!)

Hallo Rika,

ich habe ein paar gebratene Morgenrot-Schnitzel über den grünen Salat drappiet, nicht schlecht aber muss ich nicht wiederholen, Frauen-, Grüngefelderter- und Mandel-Täublinge haben mehr Geschmack.
Du kennst das vielleicht, wenn man lange keine Frischpilze gegessen hat und endlich mal wächst was, probiert man mal was Neues.
Gestern konnte ich im Laubwald verstärktes Pilzwachstum feststellen, div. Täublingsarten, Milchlinge, Rüblinge, Scheidenstreiflinge, Perlpilze, Trichterlinge...es war richtig schön.
Im Schutze einer alten Eiche ein junger
Anhängsel-Röhrling

Grüße
Doris

[image]

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

UmUlmHerum, (vor 3362 Tagen) @ Doris

Hallo Doris,

merci für die Info, das Foto und die Anregung! Bei mir gab es vorhin neben Parasol auch einen Frauentäubling, jeweils in verquirrltes Ei gedrückt und in Butter gebraten mit Basmati-Erbsen-Reis und einer restlichen Pilzrahmsoße (Stockschwämmchen, Ledertäubling, Perlpilz, Sommersteini,...). Der Frauentäubling war richtig schmackhaft, ähnlich wie der Parasol, aber fester im Biss. So gebraten also echt zu empfehlen!

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
ich habe ein paar gebratene Morgenrot-Schnitzel über den grünen Salat
drappiet, nicht schlecht aber muss ich nicht wiederholen, Frauen-,
Grüngefelderter- und Mandel-Täublinge haben mehr Geschmack.
Du kennst das vielleicht, wenn man lange keine Frischpilze gegessen hat und
endlich mal wächst was, probiert man mal was Neues.
Gestern konnte ich im Laubwald verstärktes Pilzwachstum feststellen, div.
Täublingsarten, Milchlinge, Rüblinge, Scheidenstreiflinge, Perlpilze,
Trichterlinge...es war richtig schön.
Im Schutze einer alten Eiche ein junger
Anhängsel-Röhrling
Grüße
Doris

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Andreas ⌂, (vor 3361 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo,

Oder wie
Stephan vermehrt die deutschen Namen verwenden – der Morgenröte-Täubling
bietet sich auf alle Fälle dafür an.

naja - also ich kenne den unter dem namen "Netzflockger Rosa-Täubling" ....

Vielleicht also R. velutipes = Netzflockiger Rosa-Täubling und R. aurora = Morgenröte-Täubling? *ggg*

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Stephan Weißer, (vor 3361 Tagen) @ Andreas

naja - also ich kenne den unter dem namen "Netzflockger
Rosa-Täubling" ....
Vielleicht also R. velutipes = Netzflockiger Rosa-Täubling und R. aurora =
Morgenröte-Täubling? *ggg*

R. velutipes = derjenige, bei dem schon Frischexemplare SV-positiv sind
R. aurora = derjenige, bei dem das erst am Exsikkat funktioniert
... und natürlich leicht abweichende Basenpaare...
*ggg zurück*

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Andreas ⌂, (vor 3361 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo,

Über die beiden o.a. Artnamen hatte ich ebenfalls bei Index Fungorum sowie
Mycobank nachgesehen. In letzterer gibt es beide als gültige Namen, bei
velutipes steht aurora als Synonym – umgekehrt bei aurora aber nicht.

das stimmt nicht, da hast Du nicht genau genug hingeschaut! In Mycobank ist R. aurora nicht als Synonym bei R. velutipes aufgeführt, sondern nur R. aurora f. irgendwas und R. aurora var. cretacea.
Mycobank führt R. aurora und R. velutipes als zwei getrennte Arten, Index fungorum dagegen hät sie für Synonym ...

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Peter Reiter, (vor 3361 Tagen) @ Andreas

Hallo,
das stimmt nicht, da hast Du nicht genau genug hingeschaut! In Mycobank ist
R. aurora nicht als Synonym bei R. velutipes aufgeführt, sondern nur R.
aurora f. irgendwas und R. aurora var. cretacea.
Mycobank führt R. aurora und R. velutipes als zwei getrennte Arten, Index
fungorum dagegen hät sie für Synonym ...
beste Grüße,
Andreas

hallo an alle,

R. velutipes hat aber kein weißes Spp!

Grüße,
Peter

doch!

Andreas ⌂, (vor 3361 Tagen) @ Peter Reiter

hallo an alle,
R. velutipes hat aber kein weißes Spp!
Grüße,
Peter

Hallo,

zumindest frisch ist es weiß(-lich).
Trocken soll es creme werden (IIa-b), was ich manchmal beobachten konnte aber manchmal ist es auch weißlich geblieben.

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Stephan Weißer, (vor 3361 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo Peter,
erst letzte Woche habe ich einen aussporen lassen: frisch 1b.
FG
Stephan

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Peter Reiter, (vor 3360 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Peter,
erst letzte Woche habe ich einen aussporen lassen: frisch 1b.
FG
Stephan

Danke für eure Rückantwort,
dann beziehen sich die Angabe der Sporenpulverfarben im Tintling und in Pilze der Schweiz wohl alle auf getrocknete, ältere Abwürfe???

GRüße,
Peter

Re: Russula aurora/velutipes – Sammelantwort

Andreas ⌂, (vor 3360 Tagen) @ Peter Reiter

Danke für eure Rückantwort,
dann beziehen sich die Angabe der Sporenpulverfarben im Tintling und in Pilze
der Schweiz wohl alle auf getrocknete, ältere Abwürfe???
GRüße,
Peter

Hallo Peter,

zu TINTLING kann ich nix sagen, aber bei Pilze der Schweiz würde es mich wundern wenn es NICHT aus Trockenmaterial wäre, denn die haben ja den Versuch unternommen, diese Spp.-Abwürfe einzuscannen und die Farbzusammensetzung zu bestimmen. Das war also sicherlich kein Frischmaterial.
Bei der Gelegenheit: Das Spp.-Farbtäfelchen bei R. vesca ist versehentlich falsch in PdS, das sollte natürlich weiß sein ....

beste Grüße,
Andreas