Welches Samthäubchen?

UmUlmHerum, (vor 3471 Tagen)

Hallo miteinander!

Zur Zeit bin ich wieder in Uffing am Staffelsee (Obb.), heute habe ich mir endlich mal 2...3 Std. Wald gegönnt. Die Waldböden sind sehr trocken, aber auch in anmoorigen Bereichen bei artesischen Hangquellen wächst einfach NICHTS Pilziges. Trotz verschiedener Biotope habe ich nur genau zwei verschiedene Arten mit Hut & Stiel gesehen: einen (in Zahlen: 1) Fichtenzapfen-/Nitrat-Helmling – bereits luftgetrocknet, und eine Ansammlung dieser Conocybe. Gleich vorweg – ich habe weder Literatur noch Mikro dabei.

Habitat:
In fortgeschrittener Verrottung befindlicher großer Haufen aus Moor-Grasschnitt, etwas Rinderdung mit Stroh, Moos aus dem Vertikulierer. Auf der Ostseite des Haufen wuchsen entfernt-gesellig oder vereinzelt an die 30 dieser Pilzchen zwischen Moos, Brennnesseln, keimenden Springkraut etc. Der Platz befindet sich zwischen einer geschotterten Forststraße und einem älteren Fichtenforst auf gut 660m NN.

Hygrophane Hüte (fuchsig-braun bis mittel-beige), jung + feucht speckig, älter gerieft, anfangs kegelig, später ausgebreitet mit Buckel, Rand weiß beflockt, Ø 0,8 - 2 cm.
Lamellen bauchig, ausgebuchtet breit angewachsen, Lamellenschneiden hell (da werden sich heftig viele Zystiden befinden, vermute ich).
Stiel fein genattert, an der Basis schwach verdickt und heller (weißlich).
Den Rest, z.B. genauerer Habitus, Farben sieht man ja auf den Fotos.

Traut sich jemand einen Tipp zu?

Merci & viele Grüße – Rika

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Re: Welches Samthäubchen?

Andreas ⌂, (vor 3470 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo miteinander!
Zur Zeit bin ich wieder in Uffing am Staffelsee (Obb.), heute habe ich mir
endlich mal 2...3 Std. Wald gegönnt. Die Waldböden sind sehr trocken, aber
auch in anmoorigen Bereichen bei artesischen Hangquellen wächst einfach
NICHTS Pilziges. Trotz verschiedener Biotope habe ich nur genau zwei
verschiedene Arten mit Hut & Stiel gesehen: einen (in Zahlen: 1)
Fichtenzapfen-/Nitrat-Helmling – bereits luftgetrocknet, und eine
Ansammlung dieser Conocybe. Gleich vorweg – ich habe weder Literatur noch
Mikro dabei.
Habitat: In fortgeschrittener Verrottung befindlicher großer Haufen aus
Moor-Grasschnitt, etwas Rinderdung mit Stroh, Moos aus dem Vertikulierer.
Auf der Ostseite des Haufen wuchsen entfernt-gesellig oder vereinzelt an
die 30 dieser Pilzchen zwischen Moos, Brennnesseln, keimenden Springkraut
etc. Der Platz befindet sich zwischen einer geschotterten Forststraße und
einem älteren Fichtenforst auf gut 660m NN.
Hygrophane Hüte (fuchsig-braun bis mittel-beige), jung + feucht speckig,
älter gerieft, anfangs kegelig, später ausgebreitet mit Buckel, Rand weiß
beflockt, Ø 0,8 - 2 cm.
Lamellen bauchig, ausgebuchtet breit angewachsen, Lamellenschneiden hell (da
werden sich heftig viele Zystiden befinden, vermute ich).
Stiel fein genattert, an der Basis schwach verdickt und heller (weißlich).
Den Rest, z.B. genauerer Habitus, Farben sieht man ja auf den Fotos.
Traut sich jemand einen Tipp zu?
Merci & viele Grüße – Rika

Hallo Rika,

das dürfte Pholiotina brunnea sein.

beste Grüße,
Andreas

Re: Welches Samthäubchen?

interhias ⌂, (vor 3470 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
das dürfte Pholiotina brunnea sein.
beste Grüße,
Andreas

Servus zusammen,

angesichts des letzen Fotos würde ich auch Pholiotina vestita nicht ausschließen.

LG
Hias

Re: Welches Samthäubchen → Glockenschüppling

UmUlmHerum, (vor 3470 Tagen) @ interhias

Hallo Rika,
das dürfte Pholiotina brunnea sein.
beste Grüße, Andreas
Servus zusammen,
angesichts des letzen Fotos würde ich auch Pholiotina vestita nicht
ausschließen.
LG
Hias

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Hallo Andreas & Hias,
herzlichen Dank für Eure prompten Antworten!

Also ein Glockenschuppling ist das – mit dieser Gattung hatte ich bisher noch nichts zu tun. Zur Ehrenrettung war ich mit Samthäubchen immerhin sehr dicht dran ;-). Eigentlich hätte ich mir denken können, dass die Hüte für eine (echte) Conocybe zu weit aufgeschirmt sind. Gibt es (echte) Conocybe mit Velumflöckchen am Hutrand? Oder ist das ein Trennmerkmal zu Pholiotina?

Was nun die Art-Frage betrifft, so werde ich wohl oder übel die Cheilos anschauen müssen. Meine 3 Frk. habe ich gerade zum Trocknen gelegt... dann geht es erst in der Karwoche weiter, wenn ich wieder zuhause bin.

Nachdem, was ich im Netz über Ph. vestita gesehen habe, sollte der Behangene Glockenschüppling schon recht struppig sein (siehe insbesondere das Bild bei pilze-deutschland?!). Deswegen tendiere ich im Moment eher zu Ph. brunnea, dem Zwitter-Glockenschüppling. Bei den Beschreibungen der jeweiligen Standorte hatte ich mir Aufschluss erwartet, nachdem mein Fund ja auf dieser ausgesprochen nährstoffhaltigen "Miste" (Brennnesseln) wächst?! Weiß jemand, ob die Hygrophanität ein Trennmerkmal zwischen diesen beiden Arten ist?

Viele Grüße – Rika

P.S.. Als Dankeschön noch ein OffTopic-Bild vom derzeit "blühenden" Bärlapp – es gab ja trotz fehlender Pilze viel zu sehen...

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Re: Welches Samthäubchen → Glockenschüppling

Andreas ⌂, (vor 3470 Tagen) @ UmUlmHerum

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Hallo Andreas & Hias,
herzlichen Dank für Eure prompten Antworten!
Also ein Glockenschuppling ist das – mit dieser Gattung hatte ich bisher noch
nichts zu tun. Zur Ehrenrettung war ich mit Samthäubchen immerhin sehr
dicht dran ;-). Eigentlich hätte ich mir denken können, dass die Hüte für
eine (echte) Conocybe zu weit aufgeschirmt sind. Gibt es (echte) Conocybe
mit Velumflöckchen am Hutrand? Oder ist das ein Trennmerkmal zu
Pholiotina?
Was nun die Art-Frage betrifft, so werde ich wohl oder übel die Cheilos
anschauen müssen. Meine 3 Frk. habe ich gerade zum Trocknen gelegt... dann
geht es erst in der Karwoche weiter, wenn ich wieder zuhause bin.
Nachdem, was ich im Netz über Ph. vestita gesehen habe, sollte der Behangene
Glockenschüppling schon recht struppig sein (siehe insbesondere das Bild
bei pilze-deutschland?!). Deswegen tendiere ich im Moment eher zu Ph.
brunnea, dem Zwitter-Glockenschüppling. Bei den Beschreibungen der
jeweiligen Standorte hatte ich mir Aufschluss erwartet, nachdem mein Fund
ja auf dieser ausgesprochen nährstoffhaltigen "Miste"
(Brennnesseln) wächst?! Weiß jemand, ob die Hygrophanität ein Trennmerkmal
zwischen diesen beiden Arten ist?
Viele Grüße – Rika
P.S.. Als Dankeschön noch ein OffTopic-Bild vom derzeit "blühenden"
Bärlapp – es gab ja trotz fehlender Pilze viel zu sehen...

Hallo Rika,

Velum ist das makroskopische Trennmerkmal zwischen Conocybe und Pholiotina - Conocybe hat nie welches, Pholiotina am Hutrand odr als Ring, aber oft sehr vergänglich. Pholiotina hat nicht so einen bereiften Stiel wie die Conocybe-Arten aus der Sektion mit nur kopfigen Stielzystiden, aber da gibt es eine oder zwei Ausnahmen bei Pholiotina die eben doch bereift sind (subnuda z.B.).
Mikroskopisch ist es die Form der Cheilozystiden, wobei die von brunnea denen von Conocybe ziemlich ähneln, daher der deutsche Name "Zwitter-Glockenschüppling".
Für mich ist das spärliche Velum, das so schmale schlanke Zacken bildet, fast wie feine Stacheln, das Erkennungsmerkmal für brunnea, aber ich prüfe so gut wie immer mikroskopisch nach.

Ökologisch kommen alle Pholiotinen an nährstoffreichen Stellen vor, wie Wegränder, Holzlagerplätze, gestörte Stellen in und außerhalb von Wäldern, auf stark vermulmten Laubholzstämmen, und eben auch auf Kompost.

Die Gattung ist eine ideale Mikroskopieanfängergattung, weil sie überschaubar ist in der Artenzahl, die Merkmale in der Regel gut sichtbar und eindeutig interpretierbar sind, und daher nicht nur die Gattung einfach bestimmbar ist (hymeniforme HDS!!) sondern im Normalfall auch die Arten problemlos bestimmbar sind.

beste Grüße,
Andreas

beste Grüße,
Andreas

Re: Welches Samthäubchen → Glockenschüppling

UmUlmHerum, (vor 3470 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
Velum ist das makroskopische Trennmerkmal zwischen Conocybe und Pholiotina -
Conocybe hat nie welches, Pholiotina am Hutrand odr als Ring, aber oft
sehr vergänglich. Pholiotina hat nicht so einen bereiften Stiel wie die
Conocybe-Arten aus der Sektion mit nur kopfigen Stielzystiden, aber da
gibt es eine oder zwei Ausnahmen bei Pholiotina die eben doch bereift sind
(subnuda z.B.).
Mikroskopisch ist es die Form der Cheilozystiden, wobei die von brunnea denen
von Conocybe ziemlich ähneln, daher der deutsche Name
"Zwitter-Glockenschüppling".
Für mich ist das spärliche Velum, das so schmale schlanke Zacken bildet, fast
wie feine Stacheln, das Erkennungsmerkmal für brunnea, aber ich prüfe so
gut wie immer mikroskopisch nach.
Ökologisch kommen alle Pholiotinen an nährstoffreichen Stellen vor, wie
Wegränder, Holzlagerplätze, gestörte Stellen in und außerhalb von Wäldern,
auf stark vermulmten Laubholzstämmen, und eben auch auf Kompost.
Die Gattung ist eine ideale Mikroskopieanfängergattung, weil sie überschaubar
ist in der Artenzahl, die Merkmale in der Regel gut sichtbar und eindeutig
interpretierbar sind, und daher nicht nur die Gattung einfach bestimmbar
ist (hymeniforme HDS!!) sondern im Normalfall auch die Arten problemlos
bestimmbar sind.
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

hab´ herzlichen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen! Wieder was dazu gelernt.
Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich mir die Cheilos mit dem Mikro anschauen (auch wenn mir das mit Exsikkaten keinen besonderen Spaß macht).

Gute Nacht – Rika

P.S.: Endlich hat es auch hier in Uffing geregnet, die beiden 200-l-Wassertonnen sind voll. Das lässt hoffen!

Re: Glockenschüppling: weder-noch

UmUlmHerum, (vor 3456 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo miteinander, inbesondere Andreas & Hias!

Inzwischen ist der Uffinger Glockenschüppling unterm Mikro gewesen – mit nur schnell Cheilos anschauen, war es nicht getan: es ist nämlich weder Pholiotina brunnea noch P. vestita – für beide Arten sind die Sporen zu groß! Aus 26 Messungen: 10,22 (8,8...12,0) x 5,36 (4,0...6,1) – Q = 1,92 (1,7...2,25). Die Sporen haben einen deutlichen Keimporus. Die Cheilozystiden haben diverse Formen und nur selten Köpfchen.

Mit diesem Wissen versuchte ich mich im GroPiBaWü-Schlüssel und kam auf 3 mögliche Arten: dentatomarginata, velata, exannulata. Aufgrund tlw. fehlender Beschreibungen war hier erst mal Schluss, also weiter im Internet recherchiert. Dabei fand ich einen genialen Schlüssel in einer Veröffentlichung der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft in der Österr. Z. Pilzk. 16 (2007), "Beiträge zur Kenntnis der Bolbitiaceae 11. Unberingte Arten der Gattung Pholiotina", siehe http://www.zobodat.at/pdf/OestZPilz_16_0035-0116.pdf . Mit solchen Schlüsseln macht es richtig Spaß – klar und eindeutig zügig zum Ziel. Und dann noch die ganzen ausführlichen Beschreibungen inkl. Mikro-Zeichnungen und Fundlisten!

Ich bin also gelandet bei Pholiotina nemoralis und bin mir nur nicht Klaren, ob var. dentatomarginata oder var. nemoralis – nach Autor H. Hausmann: "Pholiotina nemoralis (HARMAJA) BON var. dentatomarginata (WATLING) HAUSKN., comb. & stat. nov. ... = Pholiotina dentatomarginata (WATLING) ENDERLE 198" bzw. "Pholiotina nemoralis (HAR.MAJA) BON 1991 var. nemoralis ... = Pholiotina mutabilis (WATLING) BON 1991"

Unterm Mikro habe ich noch was Interessantes gefunden: Kristalle in den Lamellen – verschieden große, 3-dimensionale Segmente aus ursprünglicher Kugelform, siehe letztes Foto.

Vielleicht habt Ihr eine Meinung zu (a) dem Artnamen und (b) den Kristallen ?

Viele Grüße – Rika

Sporen, 320 bzw. 800x:
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Cheilos, 320x:
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Cheilos, 320x:
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"Kristalle", 800x:
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