Cortinarius multiformis (?)

Helmut, (vor 3768 Tagen)

Liebe Phlegmacienfreunde,

beim Aufarbeiten von unbestimmtem Material ist mir vom Juli 2011 der abgebildete Schleimkopf in die Hände gefallen. Ergänzende Merkmale:
- Stiel und Fleisch weißlich, Geruch o. B.
- Sporen bis 10,5 (11,5) x 5-6 µm, nur rel. schwach warzig ("rauh")
- Cortina weißlich bis gelblich (oder gilbend)
- KOH am Hut kräftig rot (Exsikkat)
- Standort in einem Mischforst Mit Buche, Kiefer, Fichte u. a. auf Sandboden über Kalk im Landkreis Regensburg

Gelandet bin ich bei der Nadelwald-Varietät von Cortinarius multiformis. Da ich bei den Cortinarien nicht so zu Hause bin, frage ich enfach mal nach: Einwände? Ist's heute vielleicht schon eine eigene Art?

Gruß

Helmut

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Re: Cortinarius multiformis (?) - Sporen

Helmut, (vor 3768 Tagen) @ Helmut

Hier noch ein Sporenbild. Interessant dabei: Ich hatte mit Baumwollblau-Milchsäure experimentiert und festgestellt, dass sich die unreifen Sporen damit anfärben lassen, die reiferen nicht mehr. Ob das von taxonomischem Wert ist, kann ich nicht sagen, da ich das nicht konsequent weiterbetrieben habe. Die Bildqualität lässt leider zu wünschen übrig (war damals eine billige Mikroskop-Kamera).

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Re: Cortinarius multiformis (?)

Andreas ⌂, (vor 3768 Tagen) @ Helmut

Liebe Phlegmacienfreunde,
beim Aufarbeiten von unbestimmtem Material ist mir vom Juli 2011 der
abgebildete Schleimkopf in die Hände gefallen. Ergänzende Merkmale: -
Stiel und Fleisch weißlich, Geruch o. B.
- Sporen bis 10,5 (11,5) x 5-6 µm, nur rel. schwach warzig ("rauh")
- Cortina weißlich bis gelblich (oder gilbend)
- KOH am Hut kräftig rot (Exsikkat)
- Standort in einem Mischforst Mit Buche, Kiefer, Fichte u. a. auf Sandboden
über Kalk im Landkreis Regensburg
Gelandet bin ich bei der Nadelwald-Varietät von Cortinarius multiformis. Da
ich bei den Cortinarien nicht so zu Hause bin, frage ich enfach mal nach:
Einwände? Ist's heute vielleicht schon eine eigene Art?

Lieber Helmut,

Sandboden über Kalk? Was ist denn das? Ist der Sand denn kalkhaltig? Oder sind das entkalkte Flugsande von der Donau, Binnendünen sozusagen?

Aktuelle Literatur zum Thema:
BRANDRUD TE, DIMA B, SCHMIDT-STOHN G, BELLÚ F, FROSLEV TG, OERTEL B, SAAR G & SOOP K (2015): Cortinarius subgenus Phlegmacium section Multiformes in Europa. - Journal J. E. C. 16: 162-199

Hier werden molekular gestützt 10 Arten in Europa anerkannt.

Die erste Frage ist ob Laub- oder Nadelwald. Bei Dir unklar. Da aber die Laubwaldarten alle recht hell sind, und Sporen unter 9 (9,5) µm haben - mit Ausnahme von C. pallidirimosa - gehe ich mal von einer Nadelwaldart aus.

Nächste Frage wäre, ob die Fruchtkörper (leichte) bläuliche Töne in den jngen lamellen und im Stielfleisch haben. Stielfleisch beduetet eigentlich im Stielrindenbereich an der Stielspitze. Makroskopisch käme für deinen Pilz C. caesiolamellatus in Frage, aber ich kann eben keine Blautöne erkennen (besser leichte violettliche Tönung ....), und außerdem sind die Sporen eigentlich zu groß.
Also weiter bei "ohne blaue Töne": Sporen deutlich mandelförmig, oder eher elliptisch-mandelförmig. Da würde ich auf eher letzteres tippen, so wirklich ganz klar mandelförmig sind die nicht die ich auf deinem Foto sehe.
Hut stark aprikosen-rotbraun, mit deutlichen Wasserflecken - passt nicht, dann lieber die Alternative "Hut ocker- bis löwenbraun, gewöhnlich ohne Wasserflecken".
Dann hast Du nur noch die Wahl zwischen einem eher schlanken Pilz ohne deutlich gerandete Knolle und nahezu ohne Velumreste, sowie einem robusten mit sehr deutlichen Velumresten am Hut- und Knollenrand.
Ersterer wäre C. multiformis, letzterer C. armenicorius (nur aus Russland und Frankreich bekannt).

beste Grüße,
Andreas

Re: Cortinarius multiformis (?)

Helmut, (vor 3768 Tagen) @ Andreas

Servus Andreas,

herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! Ja, das ist ein verrückter Wald! In der Umgebung meines Wohnortes gibt es mehrere Waldgebieten, bei denen auf kalkhaltigen Grundlagen (Ausläufer des fränkisch-oberpfälzer Jura) offenbar aufgewehte Sandschichten - z. T. meterdick - liegen. Das führt dazu, dass man oben die typischen Pilze von Sand-Kiefernwäldern hat und weiter unten die kalkholden Arten.

In dem Fundgebiet gibt es sogar ncoh ein Besonderheit: Da kommt eine Artenzusammensetzung vor, wie man sie sonst eher im montanen Bereich der Alpen findet mit Schweinsohr, Habichtspilz, Hydnellum peckii, Lactarius scrobilatus - und vielen Phlegmacien.

Zu dem Schleimkopf hier: Es gab keinen Blauton, der Stiel war bei jungen Exemplaren knollig mit einem leicht gerandeten Ansatz, der sich im Alter verliert. Ich hänge mal noch ein paar Foto-Ausschnitte an.

Gruß

Helmut

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Re: Cortinarius multiformis (?) - Stielbasis jung

Helmut, (vor 3768 Tagen) @ Andreas

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Re: Cortinarius multiformis (?) - Hut jung

Helmut, (vor 3768 Tagen) @ Andreas

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Re: Cortinarius multiformis (?)

Günter Saar, (vor 3767 Tagen) @ Andreas

Lieber Helmut,
Sandboden über Kalk? Was ist denn das? Ist der Sand denn kalkhaltig? Oder
sind das entkalkte Flugsande von der Donau, Binnendünen sozusagen?
Aktuelle Literatur zum Thema: BRANDRUD TE, DIMA B, SCHMIDT-STOHN G, BELLÚ F,
FROSLEV TG, OERTEL B, SAAR G & SOOP K (2015): Cortinarius subgenus
Phlegmacium section Multiformes in Europa. - Journal J. E. C. 16: 162-199
Hier werden molekular gestützt 10 Arten in Europa anerkannt.
Die erste Frage ist ob Laub- oder Nadelwald. Bei Dir unklar. Da aber die
Laubwaldarten alle recht hell sind, und Sporen unter 9 (9,5) µm haben -
mit Ausnahme von C. pallidirimosa - gehe ich mal von einer Nadelwaldart
aus.
Nächste Frage wäre, ob die Fruchtkörper (leichte) bläuliche Töne in den jngen
lamellen und im Stielfleisch haben. Stielfleisch beduetet eigentlich im
Stielrindenbereich an der Stielspitze. Makroskopisch käme für deinen Pilz
C. caesiolamellatus in Frage, aber ich kann eben keine Blautöne erkennen
(besser leichte violettliche Tönung ....), und außerdem sind die Sporen
eigentlich zu groß.
Also weiter bei "ohne blaue Töne": Sporen deutlich mandelförmig,
oder eher elliptisch-mandelförmig. Da würde ich auf eher letzteres tippen,
so wirklich ganz klar mandelförmig sind die nicht die ich auf deinem Foto
sehe.
Hut stark aprikosen-rotbraun, mit deutlichen Wasserflecken - passt nicht,
dann lieber die Alternative "Hut ocker- bis löwenbraun, gewöhnlich
ohne Wasserflecken".
Dann hast Du nur noch die Wahl zwischen einem eher schlanken Pilz ohne
deutlich gerandete Knolle und nahezu ohne Velumreste, sowie einem robusten
mit sehr deutlichen Velumresten am Hut- und Knollenrand.
Ersterer wäre C. multiformis, letzterer C. armenicorius (nur aus Russland und
Frankreich bekannt).
beste Grüße,
Andreas

Hallo Ihr Cortinariophilen,

vom Habitus her scheint mir das eine Art aus der Sektion Multiformes zu sein. Und am ehesten (Standort!) kommt hier C. caesiolamellatus in Frage. Aber....die"großen" Sporen lassen auch am C. fulminoides denken, der auch eine rote KOH-Reaktion auf der Huthaut hat.
Es wäre schön, hätte man ein Sporenbild in vedünnter KOH und die Maße dort erhoben.

schöäne Grüße ins Forum
Günter

Re: Cortinarius multiformis (?)

Helmut, (vor 3765 Tagen) @ Günter Saar

Servus Günther,

habe nochmal nachmikroskopiert. Die Sporengröße lag in KOH 3% bei (8,5) 9-10,5 (11,5) x (5) 5,5 (-6,5) µm, wobei die "normalen" Sporen im Bereich von 9-10,5 x 5,5 µm lagen (die Breite recht konstant!), die "übergroßen", rel. selten, bis 11,5 (12) x 6,5 µm. Ich hänge mal ein Foto des Umrisses an und danach ein Foto der Oberfläche.

Gruß

Helmut

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Re: Cortinarius multiformis (?)

Helmut, (vor 3765 Tagen) @ Helmut

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Re: Cortinarius multiformis (?)

Günter Saar, (vor 3763 Tagen) @ Helmut

Hallo Helmut,

es würde mich nicht wundern, wenn bei einer Sequenzierung C. caesiolamellatus herauskäme.

so long
Günter