Entoloma vernum mit Fragen

Harald Andres Schmid, (vor 3812 Tagen)

Hallo, zusammen,
[image]

Wir haben uns in der Mikroskopgruppe
gestern Sonntag einen Nachmittag Zeit genommen,
eine Nolanea genauer und detailliert anzuschauen.

Da tauchen natürlich Fragen auf.
Wir haben deutliche Abweichungen zu den Angaben in der Literatur.
Hat jemand mirkoskopische Erfahrungen mit der Art?

1. Schnallen:
Wir haben in der Huthaut keine Schnallen,
in den Tramahyphen in fünf Präparaten 1 (!) Schnalle gefunden.
Laut Ludwig sind Schnallen
"im Hymenium reichlich, andernorts selten oder fehlend".
In Grosspilze Baden-Württembergs, Band 4, schlüsselt sich der Pilz
in Schlüsselschritt 19, S. 146 pauschal "mit Schnallen".

Pigment der Huthaut:
Wir haben nur spärlich intrazelluläres Pigment gefunden.
Laut Literatur sollten die Hyphen inkrustiert sein.
Grosspilze Baden-Württembergs, Schlüsselschritt 13, S. 146:
"Pigment inkrustiert, manchmal zusätzlich auch intrazellulär".
Ludwig: "Pigment in der HDS deutlich inkrustierend".
Funga nordica: "Pigment incrusting, sometimes in addition intracellular".
Gröger: 4a, S. 525: "Hh-Pigment inkrustierend, daneben meist noch intrazellulär."

Hutfarbe:
Siehe Abbildung.
Längere Zeit gründlich befeuchtet ist der Hut kastanienbraun.
Funga nordica: "Cap dark brown to almost black"
(Hut dunkelbraun bis fast schwarz).
Grosspilze Baden-Württembergs, 33, S. 147:
"Hut braun bis dunkelbraun".

Es war für die Mitglieder der Mik-Gruppe so nicht ganz einfach,
den Pilz ohne Anleitung und Hilfe zu schlüsseln.
Sie schafften es sofort mit "Gröger", da dort die Frage
nach den Schnallen entfällt, und die Frage nach den
Huthautpigmenten erst im letzten Schlüsselschritt auftaucht.

Entoloma vernum - Lundell - Gefurchtstieliger Frühlings-Glöckling

[image]

Ich freue mich, wenn jemand etwas dazu sagen mag.

Hier noch die vollständigen Ergebnisse unserer mikr. Untersuchung:

Huthaut mit spärlichem, intrazellulärem Pigment, ohne Schnallen,
Sporen im Schnitt 11 Tausendstel, heterodiametrisch, Q = 1.4,
mit 5-7 ausgeprägten Ecken,
Tramahyphen lang, bis 600, mit schlanken Enden,
Septen ohne Schnallen (1 Ausnahme),
Basidien 4-Sporig,
Kaulozystiden an der Stielspitze zylindrisch, einige schwach keulig.
Cheilozystiden keine gefunden

Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Entoloma vernum mit Fragen

Andreas ⌂, (vor 3812 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald,

ich glaube kaum dass das E. vernum ist - weder Statur noch Farbe passen. Ich halte das für E. cuneatum, oder eine nah verwandte Art die leider oft alle unter E. cetratum subsummiert werden - zu Unrecht meiner Meinung nach.

beste Grüße,
Andreas

Hallo, zusammen,

Wir haben uns in der Mikroskopgruppe
gestern Sonntag einen Nachmittag Zeit genommen,
eine Nolanea genauer und detailliert anzuschauen.
Da tauchen natürlich Fragen auf.
Wir haben deutliche Abweichungen zu den Angaben in der Literatur.
Hat jemand mirkoskopische Erfahrungen mit der Art?
1. Schnallen:
Wir haben in der Huthaut keine Schnallen,
in den Tramahyphen in fünf Präparaten 1 (!) Schnalle gefunden.
Laut Ludwig sind Schnallen
"im Hymenium reichlich, andernorts selten oder fehlend".
In Grosspilze Baden-Württembergs, Band 4, schlüsselt sich der Pilz
in Schlüsselschritt 19, S. 146 pauschal "mit Schnallen".
Pigment der Huthaut:
Wir haben nur spärlich intrazelluläres Pigment gefunden.
Laut Literatur sollten die Hyphen inkrustiert sein.
Grosspilze Baden-Württembergs, Schlüsselschritt 13, S. 146: "Pigment
inkrustiert, manchmal zusätzlich auch intrazellulär".
Ludwig: "Pigment in der HDS deutlich inkrustierend".
Funga nordica: "Pigment incrusting, sometimes in addition
intracellular".
Gröger: 4a, S. 525: "Hh-Pigment inkrustierend, daneben meist noch
intrazellulär."
Hutfarbe:
Siehe Abbildung.
Längere Zeit gründlich befeuchtet ist der Hut kastanienbraun.
Funga nordica: "Cap dark brown to almost black"
(Hut dunkelbraun bis fast schwarz).
Grosspilze Baden-Württembergs, 33, S. 147: "Hut braun bis
dunkelbraun".
Es war für die Mitglieder der Mik-Gruppe so nicht ganz einfach,
den Pilz ohne Anleitung und Hilfe zu schlüsseln.
Sie schafften es sofort mit "Gröger", da dort die Frage
nach den Schnallen entfällt, und die Frage nach den
Huthautpigmenten erst im letzten Schlüsselschritt auftaucht.
Entoloma vernum - Lundell - Gefurchtstieliger Frühlings-Glöckling

Ich freue mich, wenn jemand etwas dazu sagen mag.
Hier noch die vollständigen Ergebnisse unserer mikr. Untersuchung: Huthaut
mit spärlichem, intrazellulärem Pigment, ohne Schnallen,
Sporen im Schnitt 11 Tausendstel, heterodiametrisch, Q = 1.4,
mit 5-7 ausgeprägten Ecken,
Tramahyphen lang, bis 600, mit schlanken Enden,
Septen ohne Schnallen (1 Ausnahme),
Basidien 4-Sporig,
Kaulozystiden an der Stielspitze zylindrisch, einige schwach keulig.
Cheilozystiden keine gefunden
Lieben Gruss, Harald Andres

Re: Entoloma vernum mit Fragen

Harald Andres Schmid, (vor 3812 Tagen) @ Andreas

Hallo Harald,
ich glaube kaum dass das E. vernum ist - weder Statur noch Farbe passen. Ich
halte das für E. cuneatum, oder eine nah verwandte Art die leider oft alle
unter E. cetratum subsummiert werden - zu Unrecht meiner Meinung nach.
beste Grüße,
Andreas

Hallo, Andreas,

Danke!
Eine verflixte Gattung...
Wir hatten unsere Bestimmung nicht in Zweifel gezogen,
weil die Abbildung in Ludwig so zu passen schien.
Die Abbildungen in Ludwig, zum Komplex von E. cetratum, passen aber tatsächlich auch recht gut.
E. cetratum würde sich über 2-sporige Basidien schlüsseln,
E. cuneatum passt da tatsächlich besser, wenn man sie im Gröger aufsucht.
Die erwähnte helle Papille war beim Aufnehmen deutlich.
Mikroskopisch - das Problem mit den Huthautpigmenten wäre dann gelöst,
allerdings soll die Art ebenfalls Schnallen in den Tramahyphen haben.

Lieben Gruss aus der Schweiz,
Harald Andres

Re: Entoloma vernum mit Fragen

Andreas ⌂, (vor 3811 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo, Andreas,
Danke!
Eine verflixte Gattung...
Wir hatten unsere Bestimmung nicht in Zweifel gezogen,
weil die Abbildung in Ludwig so zu passen schien.
Die Abbildungen in Ludwig, zum Komplex von E. cetratum, passen aber
tatsächlich auch recht gut.
E. cetratum würde sich über 2-sporige Basidien schlüsseln,
E. cuneatum passt da tatsächlich besser, wenn man sie im Gröger aufsucht.
Die erwähnte helle Papille war beim Aufnehmen deutlich.
Mikroskopisch - das Problem mit den Huthautpigmenten wäre dann gelöst,
allerdings soll die Art ebenfalls Schnallen in den Tramahyphen haben.
Lieben Gruss aus der Schweiz,
Harald Andres

Hallo Harald,

Shcnallen zu finden ist bei Entoloma ein echtes Problem, weil sie klein sind und die Hyphen meist dick. Je dünner die Hysphen desto eher zu sehen.
Wenn der Pilz überall Schnallen hat, dann ist oft die Stielrinde ein guter Platz zum suchen. Ansonsten im Hymenium an jungen (!) Basidien suchen - je älter die werden um so undeutlicher die Schnallen.

beste Grüße,
Andreas

Antwort von Gerhard Wölfel

Harald Andres Schmid, (vor 3812 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo, zusammen,

[image]

Gerhard Wölfel hat mir per Mail folgende Einschätzung
unseres Fundes zukommen lassen
(er ist einverstanden, dass ich es hier poste):

Hallo,

Vor Jahren habe ich mich intensiv mit dem Formenkreis um Entoloma vernum beschäftigt. Wenn man in dies Gruppe einsteigt, meint man E. vernum in mindestens drei Arten aufteilen zu können. Genaue Standortbeobachtungen usw. belegen aber im Laufe der Zeit dass es sich um nur eine, sehr plastische Art handelt. Eine Ausnahme bildet vielleicht Entoloma proterum. Ihr Fund kommt dem sehr nahe wie in der Literatur diese Art beschrieben wurde. Ob dies allerdings - trotz anderer Pigmentierung und anderer Sporenform - wirklich eine gute Art ist, müssen wohl erst DNA-Untersuchungen klären. Ich habe da inzwischen so meine Zweifel.

Hinsichtlich der Schnallenverhältnisse gilt für viele Arten der Untergattung Nolanea der Hinweis aufs Hymenium.; d.h. nur in der Fruchtschicht sind vereinzelt Schnallen zu finden, niemals in der Huthaut!

Hoffe ich habe Ihnen etwas weiter geholfen.

Mit herzlichem Gruß

Gerhard Wölfel

Re: Antwort von Gerhard Wölfel

Andreas ⌂, (vor 3811 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo,

nun wage ich doch das erste Mal seit ich ihn kenne Herrn Wölfel zu widersprechen oder doch zumindest nochmal insistierend nachzuhaken: Meiner Meinung nach ist dieser Pilz nicht in den Kreis um E. vernum einzuordnen, dazu ist zu viel Gelb in der Färbung und der Pilz zu glockig, zu zerbrechlich. Ich bleibe bei E. cuneatum (oder E. pallescens, das ich nicht kenne).

beste Grüße,
Andreas

Gerhard Wölfel hat mir per Mail folgende Einschätzung
unseres Fundes zukommen lassen
(er ist einverstanden, dass ich es hier poste): Hallo,
Vor Jahren habe ich mich intensiv mit dem Formenkreis um Entoloma vernum
beschäftigt. Wenn man in dies Gruppe einsteigt, meint man E. vernum in
mindestens drei Arten aufteilen zu können. Genaue Standortbeobachtungen
usw. belegen aber im Laufe der Zeit dass es sich um nur eine, sehr
plastische Art handelt. Eine Ausnahme bildet vielleicht Entoloma proterum.
Ihr Fund kommt dem sehr nahe wie in der Literatur diese Art beschrieben
wurde. Ob dies allerdings - trotz anderer Pigmentierung und anderer
Sporenform - wirklich eine gute Art ist, müssen wohl erst
DNA-Untersuchungen klären. Ich habe da inzwischen so meine Zweifel.
Hinsichtlich der Schnallenverhältnisse gilt für viele Arten der Untergattung
Nolanea der Hinweis aufs Hymenium.; d.h. nur in der Fruchtschicht sind
vereinzelt Schnallen zu finden, niemals in der Huthaut!
Hoffe ich habe Ihnen etwas weiter geholfen.
Mit herzlichem Gruß
Gerhard Wölfel

Sporenfoto

Harald Andres Schmid, (vor 3809 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo, zusammen
[image]
Herr Gerhard Wölfel hat mich gebeten, ein Sporenfoto einzustellen.

Wir haben die Pilze im Kühlschrank gehätschelt
(sie haben sich erstaunlich gehalten)
und sie uns gestern Abend nochmals vorgenommen.

Schnallen:
An Basidiolen tatsächlich zu finden.

Farbe Hut:
Angetrocknet im Kühlschrank noch blasser strohfarbener geworden.

Erneutes gründliches Befeuchten eines Hutes:
Noch weniger nachgedunkelt als letztes Mal,
Ich würde es diesmal als sattbraun bezeichnen,
ohne die rötliche Komponente,
auf keinen Fall als ausgeprägt dunkelbraun.
(wobei: der Pilz ist seit Samstag im Kühlschrank!)

Die Sporen:

[image]

Lieben Gruss, Harald Andres