Lactarius albocarneus im Moor

interhias ⌂, (vor 3876 Tagen)

Servus zusammen,

mich würde interessieren, an welchen Standorten ihr Lactarius albocarneus findet. Bei der Bestimmung eines Milchlings, den ich mitten im Sphagnum in einem kleinen Moor im Gebirge fand, bin ich auf ziemlich widersprüchliche Angaben zur Ökologie dieses Milchlings gestoßen.

Hier erstmal die Schwammerln:
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HDS:
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Sporen:
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Folgt man Gröger und FNE2 (Fungi of Northern Europe), so wächst L. albocarneus auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Böden und hätte demnach in einem Moor mitten im Sphagnum nichts zu suchen. In GpBW wird dieselbe Art dagegen durchaus auch in Torfmoospolster verpflanzt. L. trivialis und L. utilis würden vom Standort aber wohl besser passen. Die beiden Arten werden bei Gröger und in FNE2 getrennt, in FN (Funga Nordica) aber überraschenderweise zu Synonymen erklärt. FN schlüsselt albocarneus und trivialis einfach anhand der Hutfarben aus, wonach L. albocarneus von Anfang an immer sehr blass gefärbt ist, verweisen dann aber auf das Foto bei Basso (Fungi Europaei 7), wo ein fast dunkelbrauner Pilz abgebildet ist. L. trivialis hat nach meiner Erfahrung jung immer violette Töne und vor allem Flecken, die erst im Alter vergehen. Bei der vorliegenden Kollektion ist das überhaupt nicht der Fall. Die Milch von L. trivialis trocknet außerdem immer graugrün und nicht gelblich ein. L. utilis und trivialis werden zudem immer als mäßig scharf beschrieben, ganz im Gegensatz zu dem vorliegenden höllisch scharfen Milchling. Mikroskopisch spricht eigentlich alles für L. albocarneus: Die teils zebrierten, teils sogar schwach netzigen Sporen passen nicht zu L. utils/trivialis, deren Sporen nach FNE2 niemals ganze Maschen aufweisen. Letztere haben nach FNE2 auch ein stark verflochtenes Ixotrichoderm und nicht so parallel aufsteigende Hyphen wie beim vorliegenden Fund, die den HDS-Darstellungen von L. albocarneus in PDS6, FNE2 und bei Basso viel eher entsprechen.

Hier noch die Beschreibung der Kollektion:
Funddaten: 29.09.2015; MTB 8235-4-2-3, 1170 m; D-By-Reichersbeuern, Greiling, Vorberg, Kehrberg; Bergmischwald (Tanne, Fichte, Buche) in der Flyschzone (überwiegend Piesenkopfschichten und Zementmergel); bei Fichte und Tanne in einem kleinen Moor zwischen Sphagnum; gesellig (ca. 8 Fk);

Bemerkung: alle jungen Fk sind anfangs vollständig mit einem weißen, filzigen Velum überzogen, das im Alter verschwindet;
Hut: bis 5,5 cm breit, schleimig und klebrig, beigegrau, ungezont;
Stiel: bis 5 cm lang und 1,6 cm breit, basal stets verjüngt, etwas glitschig, aber weder schleimig noch klebrig, cremefarben;
Lamellen: habituell herablaufend, gedrängt, cremefarben;
Fleisch: cremeweiß;
Geruch: schwach obstig;
Milch: weiß, eingetrocknet hellgelb;
Geschmack: Milch auf der Zungenspitze zuerst stark adstringierend und nach wenigen Sekunden brennend scharf (echt höllisch!); mit KOH unveränderlich;
Sporenpulver: IIc;
Mikromerkmale vom Exsikkat:
HDS: ca. 175-250 µm dickes Ixotrichoderm, Zellen senkrecht aufsteigend, parallel, nur wenig verflochgen, locker in dicker Gelschicht, teils auch mit Gelmantel, aber intakt, septiert, schlank, ca. 2-3,5 µm breit, mit abgerundeten, selten etwas keulig erweiterten, bis an die Oberkante reichenden Enden; darunter eine Schicht aus dicht gepackten, zylindrischen, liegenden Zellen; Pigment unauffällig, sehr blass, nirgends deutlich inkrustierend;
Sporen: ellipsoid, zebriert-gratig, aus teils ziemlich langen Graten und wenigen isolierten Warzen, Grate teils nur wenig (Sporen dann zebriert wirkend), teils stark verbunden und dann gratig-teilnetzig, ganze Maschen nicht häufig, aber ohne Schwierigkeiten zu finden; Ornament kaum über 1 µm hoch; Maße: 9,0 x 7,0 (8,2-9,5 x 6,5-7,5), Q=1,29;

Beste Grüße
Hias

Re: Lactarius albocarneus im Moor

Ufo, (vor 3876 Tagen) @ interhias

Hallo Matthias,
wir finden albocarneus regelmässig bei Hornberg an einem sehr feuchten Standort ( Bachlauf) im Moos (kein Shpagnum) auf deutlich saurem Boden ( Buntsandstein).
Typisch sind die sehr hellen Farben, mit viel weisser Milch die leicht gelblich abtrocknet. Die Fruchtkörper sind sehr schleimig.
Wichtig ist die strenge Bindung an Weisstanne.
In der Nähe wächst auch trivialis, der jung immer einen violetten Grundton hat.
oft hat trivialis dunkler konzentrische Flecken.
utilis kenne ich leider nicht.

beste Grüße
Uwe

Servus zusammen,
mich würde interessieren, an welchen Standorten ihr Lactarius albocarneus
findet. Bei der Bestimmung eines Milchlings, den ich mitten im Sphagnum in
einem kleinen Moor im Gebirge fand, bin ich auf ziemlich widersprüchliche
Angaben zur Ökologie dieses Milchlings gestoßen.
Hier erstmal die Schwammerln:


HDS:
Sporen:

Folgt man Gröger und FNE2 (Fungi of Northern Europe), so wächst L.
albocarneus auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Böden und hätte demnach in
einem Moor mitten im Sphagnum nichts zu suchen. In GpBW wird dieselbe Art
dagegen durchaus auch in Torfmoospolster verpflanzt. L. trivialis und L.
utilis würden vom Standort aber wohl besser passen. Die beiden Arten
werden bei Gröger und in FNE2 getrennt, in FN (Funga Nordica) aber
überraschenderweise zu Synonymen erklärt. FN schlüsselt albocarneus und
trivialis einfach anhand der Hutfarben aus, wonach L. albocarneus von
Anfang an immer sehr blass gefärbt ist, verweisen dann aber auf das Foto
bei Basso (Fungi Europaei 7), wo ein fast dunkelbrauner Pilz abgebildet
ist. L. trivialis hat nach meiner Erfahrung jung immer violette Töne und
vor allem Flecken, die erst im Alter vergehen. Bei der vorliegenden
Kollektion ist das überhaupt nicht der Fall. Die Milch von L. trivialis
trocknet außerdem immer graugrün und nicht gelblich ein. L. utilis und
trivialis werden zudem immer als mäßig scharf beschrieben, ganz im
Gegensatz zu dem vorliegenden höllisch scharfen Milchling. Mikroskopisch
spricht eigentlich alles für L. albocarneus: Die teils zebrierten, teils
sogar schwach netzigen Sporen passen nicht zu L. utils/trivialis, deren
Sporen nach FNE2 niemals ganze Maschen aufweisen. Letztere haben nach FNE2
auch ein stark verflochtenes Ixotrichoderm und nicht so parallel
aufsteigende Hyphen wie beim vorliegenden Fund, die den HDS-Darstellungen
von L. albocarneus in PDS6, FNE2 und bei Basso viel eher entsprechen.
Hier noch die Beschreibung der Kollektion: Funddaten: 29.09.2015; MTB
8235-4-2-3, 1170 m; D-By-Reichersbeuern, Greiling, Vorberg, Kehrberg;
Bergmischwald (Tanne, Fichte, Buche) in der Flyschzone (überwiegend
Piesenkopfschichten und Zementmergel); bei Fichte und Tanne in einem
kleinen Moor zwischen Sphagnum; gesellig (ca. 8 Fk);
Bemerkung: alle jungen Fk sind anfangs vollständig mit einem weißen,
filzigen Velum überzogen, das im Alter verschwindet;
Hut: bis 5,5 cm breit, schleimig und klebrig, beigegrau, ungezont;
Stiel: bis 5 cm lang und 1,6 cm breit, basal stets verjüngt, etwas
glitschig, aber weder schleimig noch klebrig, cremefarben;
Lamellen: habituell herablaufend, gedrängt, cremefarben;
Fleisch: cremeweiß;
Geruch: schwach obstig;
Milch: weiß, eingetrocknet hellgelb;
Geschmack: Milch auf der Zungenspitze zuerst stark adstringierend und nach
wenigen Sekunden brennend scharf (echt höllisch!); mit KOH unveränderlich;
Sporenpulver: IIc;
Mikromerkmale vom Exsikkat: HDS: ca. 175-250 µm dickes Ixotrichoderm,
Zellen senkrecht aufsteigend, parallel, nur wenig verflochgen, locker in
dicker Gelschicht, teils auch mit Gelmantel, aber intakt, septiert,
schlank, ca. 2-3,5 µm breit, mit abgerundeten, selten etwas keulig
erweiterten, bis an die Oberkante reichenden Enden; darunter eine Schicht
aus dicht gepackten, zylindrischen, liegenden Zellen; Pigment unauffällig,
sehr blass, nirgends deutlich inkrustierend;
Sporen: ellipsoid, zebriert-gratig, aus teils ziemlich langen Graten und
wenigen isolierten Warzen, Grate teils nur wenig (Sporen dann zebriert
wirkend), teils stark verbunden und dann gratig-teilnetzig, ganze Maschen
nicht häufig, aber ohne Schwierigkeiten zu finden; Ornament kaum über 1 µm
hoch; Maße: 9,0 x 7,0 (8,2-9,5 x 6,5-7,5), Q=1,29;
Beste Grüße
Hias

Re: Lactarius albocarneus im Moor

Andreas ⌂, (vor 3876 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

außer in den Alpen/Alpenvorland, Schwarzwald und Bayerischer Wald düfte es kaum wo gebiete in Europa geben, wo die Tanne auf Moor trifft. Daher ist diese Kombination auch eher selten, für manche Autoren vielleicht auch unbekannt.
Wie Uwe schon sagt, ist Lactarius albocarneus ein ubiquist mit obligater Bindung an Weißtanne.
Dennoch muss er irgendwelche Parameter außer der Tanne noch benötigen, denn die Art ist in Thüringen meines Wissens noch gar nicht nachgewiesen oder zumindest extren selten, während Lactarius salmonicolor und Russula cavipes überall auftauchen wo die Tanne vorkommt.

beste Grüße,
Andreas

Re: Lactarius albocarneus im Moor

Ufo, (vor 3875 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
es gibt L. albocarneus in Thüringen.
Auf der Cortinarienagung haben wir die Art bei Schalkau gefunden
In dem Fall auf Kalk und eher trocken, aber wie es sein soll rund um eine Weisstanne
Gruss
Uwe

Re: Lactarius albocarneus im Moor

Helmut, (vor 3875 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

Milchlinge sind auch eine Gattung, die ich mir gerne näher ansehe, aber die Art fehlt mir noch in meiner Sammlung, ebenso wie utilis. Deshalb hier nur zwei weitere Lit.-Quellen:

Galli beschreibt auch das Vorkommen unter Tanne und bodenvag ("indifferente al substrato"). Galli nennt Tanne oder Fichte, auch in Mischwäldern mit Tanne und Buche, montan, geht aber nicht näher auf die Bodenbeschaffenheit ein. Beide Autoren sehen utilis als eigene Art.

Gruß

Helmut

zweite Lit. muss Basso heißen, nicht nochmal Galli

Helmut, (vor 3875 Tagen) @ Helmut

- kein Text -

Re: Lactarius albocarneus im Moor

Andreas ⌂, (vor 3875 Tagen) @ Helmut

Hallo,

ich glaube die Bestimmung von Hias muss nicht diskutiert werden, das ist schon L. albocarneus.
L. utilis und L. trivialis sind viel größere Pilze, wesentlich massiver. Beide haben eher fleischockergraue Farben, nicht dieses blasse graubraun von albocarneus. lactarius utilis, wie ich ihn aus Skandinavien kenne, wirkt auf den ersten Blick fast ein wenig wie ein Mönchskopf. l. trivialis ist an den Farben bzw. dem Farbwechsel von violettlich-schiefergrau zu ockercremegrau gut zu erkennen, zumindest wenn man eine Kollektion vorliegen hat. Und natürlich das graugrüne Eintrocknen der Milch bei trivialis/utilis, das albocarneus nicht zeigt.

beste Grüße,
Andreas

Re: Lactarius albocarneus im Moor

Rudi, (vor 3874 Tagen) @ Andreas

Liebe Laktarienfreunde!

Meine albocarnei finde ich seit 2013 in einem trockenen Tannenwald, ca 5 km vom Blutsee entfernt, aber schon im nördlichsten B/W bei gerchsheim:
http://pilzseite.de/Pilzgalerie/Lactarius/albocarneus/FrameSet.htm

Dort stehen die meisten Schwammerl in den benachbarten Douglasienparzellen, aber das sind ja auch irgendwie Tannen.
Natürlich gibts da noch so allerhand Tannenzeugs- ein paar einschlägige fehlen mir aber noch.

Sowas wie utilis hab ich 2014 mal im Harz mit dem Hartmut gefunden(Kramershai- also saurer, nasser Fichtenwald). Leider war der eine FK schon ganz zerfressen und gab keinen Sporenabwurf mehr her.
S.Bild

LG Rudi

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