Lamellenpilz m. schwarzem Stiel ??

UmUlmHerum, (vor 3882 Tagen)

Hallo miteinander!

Geht Ihr gerade nicht in den Wald? In den letzten Tagen erreichten mich 2 SMS, in denen von zahlreichen Kelchbecherlingsfunden hier in der Region berichtet wurde...
Gestern fand ich einen Lamellenpilz mit auffällig schwarzem Stiel, der auf den ersten Blick an einen Horngrauen Rübling erinnert, zu dem ich gerne Eure Meinungen wissen würde:

So kam er aus dem Wald:
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Trocken, aber nicht getrocknet (das Zeug an der Stielspitze ist kein Ring, sondern abgebrochene Lamellen):
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Standort:
Jüngerer Fichtenforst (Stamm-Ø 15 - 20 cm) auf 490m NN im Donautal über kalkigem Endmoränenschotter. Der einzelne Fruchtkörper wuchs direkt neben der Wurzel einer Fichtenstubbe im Moos, im Abstand von 5-6m standen noch 2 armselig eingequetschte Eschen, ansonsten nur Fichten.

Hut:
Ø 40 mm, mittig leicht gebuckelt, Rand glatt, (sehr) dünnfleischig, nass speckig, trocken samtig, stark hygrophan: nass dunkelbraun mit hellem Rand, trocken heller Milchkaffee; Trama dunkelbraun (!)

Lamellen:
ausgebuchtet angewachsen, stark untermischt, breit, Schneiden feinschartig, fuchsig-ocker

Stiel:
Ø 5 mm x 40 mm lang, langfasrig, zur Basis hin ein wenig hohl, durchgehend bereift (zur Spitze hin stärker), außen und innen schwarzbraun - nach oben hin etwas heller werdend

Geruch: ohne
Geschmack: nussig-grasig, leicht adstringierend

Sporen:
ellipsiod, sehr hyalin, Melzers = neg.,
(7,0)...8,60...(9,8) x (3,7)...4,14...(4,9) aus 14 Messungen

Zystiden:
ÜBERALL, Prototyp siehe nächstes Foto, wie Eiszapfen mit geblähter Basis, teilw. mit Inhalt, der in Melzers gelbbraun wird. Die meisten Zystiden befinden sich am Stiel, die wenigsten auf den inneren Lamellenflächen, d.h. sie sind nicht nur auf der Lamellenschneide, sondern auch drumrum, aber etwas entfernt von den Schneiden findet man sie nur selten. Auf der HDS sind sie sehr unterschiedlich lang.

Ist das nicht der Hit?
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So sehen die Lamellenschneiden mit ihren Zystiden unter Auflicht (20/80x) aus:
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Schnitt durch den Lamellenansatz (80x), man beachte, dass die Färbung bis in die Lam.-Trama reicht:
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Schnitt durch die Fruchtschicht/Lamelle (320x):
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Cheilozystiden in Melzers (800x):
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Sporen auf der Fruchtschicht (800x):
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Schnitt durch den Stiel (80x):
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Massig Kaulos auf dem Stiel (kongorot, 320x):
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Selbige in "groß" (kongorot, 800x):
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So sehen die Zystiden auf der Huthaut aus (kongorot, 800x):
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Ich denke hier im Prinzip schon an einen der nicht-wurzelnden Rüblinge, komme aber mit dem GPBW-Schlüssel irgendwie nicht weiter. Vielleicht ist es ja auch was ganz anderes... Was meint Ihr?

Viele Grüße – Rika

Re: Lamellenpilz m. schwarzem Stiel ??

Wolfgang P., (vor 3882 Tagen) @ UmUlmHerum

Hi Rika,

roch der Pilz zufällig stark nach Lebertran - fauler Gurke?

Dann sind die großen Zystiden namensgebend für die Gattung...

Gruß,

Wolfgang

Re: Lamellenpilz m. schwarzem Stiel ??

Gernot, (vor 3882 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

"Geruch: ohne"

Schwer zu glauben… Schau mal bei Macrocystidia cucumis.

Schöne Grüße
Gernot

Re: Macrocystidia cucumis – Sammeldank

UmUlmHerum, (vor 3882 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Gernot & Wolfgang!

Herzlichen Dank für Eure prompte Aufklärung! Die Gurken-Schnitzlinge hatte ich um diese Jahreszeit gar nicht auf dem Radar.

: "Geruch: ohne"
[quote]Schwer zu glauben… Schau mal bei Macrocystidia cucumis.
Schöne Grüße
Gernot[/quote]

Vermutlich habe ich deswegen nichts gerochen, weil der Frk. einfach zu kalt war – gestern frisch vom Wald, heute frisch von der Terrasse, als ich anfing zu mikroskopieren. Jetzt steht die Box seit über 10 Std. in der Wohnung – und der Pilz riecht, wie es sein soll: nach alten Gurken. Dann hatte ich noch einen falschen Ansatz: ich ging von weißem Sporenpulver aus.

[quote]... Dann sind die großen Zystiden namensgebend für die Gattung...
Gruß, Wolfgang
[/quote]

Ja, die Zystiden sind bombastisch! Die wären mir doch glatt entgangen, wenn der Gute gleich im Wald arttypisch gerochen hätte! Ich war sehr begeistert von der Zell-Landschaft in diesem Pilzchen, zoomte mich stundenlang durch Zystidenwälder... ;-)

Viele Grüße – Rika

Re: Macrocystidia cucumis – Sammeldank

Thomas Pruss, (vor 3882 Tagen) @ UmUlmHerum

Moin Rika,
Aufklärung ist ja schon erfolgt. Der Gurkenschnitzling wächst bei mir massenhaft im Garten, und es sind nicht zuletzt die großen Zystidien, die dem Pilz so ein angenehm samtiges Braun verleihen – wenn er denn frisch ist.
Schade, dass man den Gurkenschnitzling nicht essen kann: Mit seinem DUft würde er ganz gut zu Stint passen ;-)

Grüßlis

Thomas

Re: Macrocystidia cucumis – Sammeldank

Joschi Siembida ⌂, (vor 3882 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

hatte mich schon gewundert wieso Du einen Gurkenschnitzling einstellst, bis ich in den Antworten gesehen habe das er nach nix riecht.

Das ist einer der Pilze die ich nur ungern anfasse, nicht wegen möglicher Giftigkeit, sondern weil danach die Finger über Stunden tranig-gurkig stinken und jede weitere Geruchsbestimmung zwecklos ist. Selbst waschen im Bach nutzt nix.

Gruß Joschi

Re: Macrocystidia cucumis – Sammeldank

UmUlmHerum, (vor 3882 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Rika,
hatte mich schon gewundert wieso Du einen Gurkenschnitzling einstellst, bis
ich in den Antworten gesehen habe das er nach nix riecht.
Das ist einer der Pilze die ich nur ungern anfasse, nicht wegen möglicher
Giftigkeit, sondern weil danach die Finger über Stunden tranig-gurkig
stinken und jede weitere Geruchsbestimmung zwecklos ist. Selbst waschen im
Bach nutzt nix.
Gruß Joschi

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Hallo Joschi,

es ist wirklich unglaublich, wie wenig dieser Gurkenschnitzling riecht. Er ist nun schon seit über 24 Std. in der feuchte Box in der Wohnung – gerade habe ich noch mal reingerochen: kaum wahrnehmbar! Dann habe ich mir den Hut direkt unter die Nase gehalten: na gerade mal erkennbar nach alten Gurken – mehr is´ nicht, die Finger riechen gar nicht... eigentlich habe ich ein "gutes Näschen", und erkältet bin ich auch nicht. Auch beim Zerlegen für Mikro hat er sich nicht durch Geruch geoutet.

Blätterpilze habe ich bislang noch kaum mikroskopiert, deswegen könnte ich über die tollen Zystiden nur staunen, sie aber niemanden zuordnen. Dadurch habe ich mir jetzt einen Allerweltspilz richtig genau angeschaut ;-)

Viele Grüße – Rika