Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

UmUlmHerum, (vor 3900 Tagen)

Hallo miteinander!

Den ganzen Herbst über hat sich hier kaum ein Täubling blicken lassen – und heute (= gestern) gleich 5 Stück! Und was für hübsche Dinger! Tief im Moos eingebettet, schauten nur die roten Köpfchen raus.

Standort:
Hochsträß bei Ulm, 640m NN, Lösslehm über Kalk, am Rande eine Weißtannenwaldes mit Eiche, Buche, Fichte nebendran, im Moos.

Hut:
Ø 4 cm; feucht schmierig, trocken seidig-matt; jung glatt, älter grob gerieft (= zwischen den Lamellen eingefallen); Rand lange leicht eingerollt; dünnfleischig (auf 1/4 scheint die rote Huthaut durch, wenn man den Pilz ins Licht hält und auf die Lamellen schaut); Huthaut am Rand abziehbar (weniger als 1/4 des Radius); Farben: leuchtendes dunkelrot mit einem Stich ins Violette, weißliche Flecken, weißlicher Rand (sehr auffällig).

Lamellen:
relativ entfernt stehend; kräftig; ohne Zwischenlamellen; am Grund leicht anastomisierend; cremeweiß.

Stiel:
Ø 8 mm x 40 mm lang, voll; Basis etwas spindelig verjüngt; weißlich, feucht creme-grau.

Geschmack:
ordentlich scharf, aber nicht so heftig wie die Spei-Täublinge; ob da noch "bitter" dabei war, kann ich nicht sagen.

Mikro:
Sporen mit Stacheln, Warzen und kurzen Graten; Maße 8,7...10,4 x 8,3...10,4
Massenhaft Zystiden – auf der Lamellenfläche "gerade Hörner" mit abgerundeten Spitzen, manchmal mit kleinem Köpfchen – auf der Huthaut entweder lange, dünne Pileos oder Haare?

Zum Namen habe ich schon einen Verdacht, das Einzige, was nicht passt, sind die zu großen Sporen. Aber dafür könnte es einen Erklärung geben: ich habe fast nur 2-sporige Basidien gesehen! Eigentlich hat man diese Art hier in der Gegend + weiteren Umgebung noch nicht gefunden bzw. kartiert :-/

In Anbetracht der Uhrzeit stelle ich jetzt erst nur die Standort-Fotos ein, die Mikros folgen "morgen" (= heute, aber deutlich später). Tipps werden gerne + jederzeit entgegengenommen!

Guten Nacht – Rika

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Re: Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

Andreas ⌂, (vor 3900 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo,

optisch würde ich mal auf Russula atrorubens tippen.

beste Grüße,
Andreas

Re: Rote Täublinge – vermutl. Russula luteotacta

UmUlmHerum, (vor 3900 Tagen) @ Andreas

Hallo,
optisch würde ich mal auf Russula atrorubens tippen.
beste Grüße, Andreas

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Hallo Andreas,

an R. atrorubens mag ich nicht recht glauben – es fehlt der weiße Hutrand + die weißen Flecken auf dem Hut, und die Sporen sind noch kleiner.

Mein Tipp ist der Gelbfleckende Täubling Russula luteotacta – vor allem nachdem das Hutstück über Nacht getrocknet und gelb geworden ist. Eine Eiche, mit der dieser Täubling ja verbandelt sein soll, stand vielleicht 5 m entfernt. Hier nun weitere (Mikro-)Fotos.

Könnt Ihr mir meine Bestimmung bestätigen? Oder auch was anderes vorschlagen?

Václav Melzer / Julius Schäffer haben lt. Wikipedia noch eine Varietät beschrieben, die ich event. in Betracht ziehen möchte, vor allem wegen der Anastomosen: Russula luteotacta var. oligophylla
Die Varietät ist ähnlich wie die Typusart, aber robuster und weniger stark gilbend. Die Lamellen stehen weiter entfernt und sind mehr oder weniger runzelig oder anastomosieren. Die Guajakreaktion ist schwach positiv. Die Mikroskopische Merkmale sind wie beim Tpy. Häufig hygrophil.

Merci & viele Grüße – Rika

Getrocknetes Stück auf weißem Papier:
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Sporen 800x:
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Pleurozystiden 800x:
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Pileozystiden 800x:
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Re: Rote Täublinge – vermutl. Russula luteotacta

Andreas ⌂, (vor 3900 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

nein, Russula luteotacta ist ein kirschroter Pilz ohne jeden Ton von Violett.

Wenn der Pilz gegilbt hat, dann dürfte es ziemlich sicher Russula atropurpurea sein. Ohne mir jetzt allerdings die Mikromerkmale angeschaut zu haben ....

beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,
an R. atrorubens mag ich nicht recht glauben – es fehlt der weiße Hutrand +
die weißen Flecken auf dem Hut, und die Sporen sind noch kleiner.
Mein Tipp ist der Gelbfleckende Täubling Russula luteotacta – vor allem
nachdem das Hutstück über Nacht getrocknet und gelb geworden ist. Eine
Eiche, mit der dieser Täubling ja verbandelt sein soll, stand vielleicht 5
m entfernt. Hier nun weitere (Mikro-)Fotos.
Könnt Ihr mir meine Bestimmung bestätigen? Oder auch was anderes vorschlagen?
Václav Melzer / Julius Schäffer haben lt. Wikipedia noch eine Varietät
beschrieben, die ich event. in Betracht ziehen möchte, vor allem wegen der
Anastomosen: Russula luteotacta var. oligophylla
Die Varietät ist ähnlich wie die Typusart, aber robuster und weniger stark
gilbend. Die Lamellen stehen weiter entfernt und sind mehr oder weniger
runzelig oder anastomosieren. Die Guajakreaktion ist schwach positiv. Die
Mikroskopische Merkmale sind wie beim Tpy. Häufig hygrophil.
Merci & viele Grüße – Rika
Getrocknetes Stück auf weißem Papier:
Sporen 800x:
Pleurozystiden 800x:
Pileozystiden 800x:

Re: Rote Täublinge – vermutl. Russula luteotacta

UmUlmHerum, (vor 3900 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
nein, Russula luteotacta ist ein kirschroter Pilz ohne jeden Ton von Violett.
Wenn der Pilz gegilbt hat, dann dürfte es ziemlich sicher Russula
atropurpurea sein. Ohne mir jetzt allerdings die Mikromerkmale angeschaut
zu haben ....
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

R. atropurpurea hat aber nicht diesen weißen Hutrand!? Soll ja auch ein etwas größerer Pilz sein, wobei man um diese Jahreszeit da nicht unbedingt darauf gehen kann. Die Huthaut ist nicht nur "klebrig" – sie war vor Ort richtig glitschig (ohne Spucke), das Glänzen sieht man auch auf den Bildern. Die Lamellen sind bei R. atropurpurea viel dichter als bei meinem Fund. Die Schärfe war schon heftig, trotz Mundausspülen hat es noch einige Minuten gebrannt.

Gerade habe ich mir noch mal die Hutfarbe angesehen: das Rot geht jetzt (leicht angetrocknet) eher in Richtung Rostrot als in Richtung Violett. "Kirschrot" ist ja auch eine recht variable Farbe ;-)

Hättest Du noch ein anderes Ass im Ärmel?

Viele Grüße – Rika

Re: Rote Täublinge – vermutl. Russula luteotacta

Andreas ⌂, (vor 3900 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

hab ich nicht - aber mit DER Farbe gehört der Pilz nicht in die Emeticinae und auch nicht zu luteotacta oder persicina.
Da hilft nur in Ruhe komplett durchzubestimmen. Inkl. Sporenpulverfarbe, Guajak-Reaktion, HDS, Sporenmaße und -struktur.

Anbei zwei Bilder von Achim Bollmann von R. luteotacta

beste Grüße,
Andreas ________________________________________________________________________________

Hallo Andreas,
R. atropurpurea hat aber nicht diesen weißen Hutrand!? Soll ja auch ein etwas
größerer Pilz sein, wobei man um diese Jahreszeit da nicht unbedingt
darauf gehen kann. Die Huthaut ist nicht nur "klebrig" – sie war
vor Ort richtig glitschig (ohne Spucke), das Glänzen sieht man auch auf
den Bildern. Die Lamellen sind bei R. atropurpurea viel dichter als bei
meinem Fund. Die Schärfe war schon heftig, trotz Mundausspülen hat es noch
einige Minuten gebrannt.
Gerade habe ich mir noch mal die Hutfarbe angesehen: das Rot geht jetzt
(leicht angetrocknet) eher in Richtung Rostrot als in Richtung Violett.
"Kirschrot" ist ja auch eine recht variable Farbe ;-)
Hättest Du noch ein anderes Ass im Ärmel?
Viele Grüße – Rika

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Re: Rote Täublinge – vermutl. nicht R. luteotacta

UmUlmHerum, (vor 3900 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
hab ich nicht - aber mit DER Farbe gehört der Pilz nicht in die Emeticinae
und auch nicht zu luteotacta oder persicina.
Da hilft nur in Ruhe komplett durchzubestimmen. Inkl. Sporenpulverfarbe,
Guajak-Reaktion, HDS, Sporenmaße und -struktur.
Anbei zwei Bilder von Achim Bollmann von R. luteotacta
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

danke für die Vergleichsfotos! Ich habe mir gerade die ganzen Russula-Bilder auf http://www.pilzfreun.de/pilzgalerie/b-21/ angeschaut – tja, da ist auch nichts dabei, was auf den ersten, makroskopischen Blick hin passen könnte. Und dann ist es mit den Farben bei dieser Gattung bekanntlich eh nicht einfach, sprich: ziemlich variabel. Trotzdem hast Du vermutlich schon recht, dass mein Fund nicht kirsch-/hellrot genug ist für Emeticinae.

Zur Bestimmung der SPP-Farbe wirft der mitgenommene Frk. nicht genug ab – keine Chance. Allerdings habe ich die 3 jüngeren Frk. im Wald stehen gelassen. Das Wetter würde ja passen, damit sie sich weiterentwickeln.

Die Reagenzien, die man zur Russula-Bestimmung braucht, habe ich alle nicht (außer Ammnoniak). In GPBW steht, dass bei kaum einer Gattung die Verwendung von Reagenzien so wichtig ist, wie bei Russula :-(

Mikrobilder zu den Zystiden und Sporen (auch deren Ornament) gibt es, und es können weitere gemacht werden. Ich könnte noch versuchen, das Sporenornament mit Melzers anzufärben, wenn ich schon nicht stacken kann.

Bloß wenn ich die Schlüssel in GPBW ansehen, dann werde ich so vermutlich nicht weiterkommen. Vielleicht hat ja jemand Mitleid mit mir und diesen schönen Täublingen...

Viele Grüße – Rika

Re: Rote Täublinge – vermutl. nicht R. luteotacta

Lothar, (vor 3900 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika und Andreas,

also schon richtig: das schwarzrot-purpurne spricht gegen luteotacta. Wenn der Pilz aber laut Rika stark gegilbt hat - und dazu die durchaus passenden deutlich entfernt stehenden Lamellen (genau so kenne ich luteotacta), dann würde ich die Art noch nicht so schnell aussortieren. Farben bei Täublingen sind ja bekanntlich so eine Sache ...
Wenn es aber doch was anderes ist, dann gilt mal wieder: "si tacuisses ...."

LG von Lothar

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Hallo Andreas,
danke für die Vergleichsfotos! Ich habe mir gerade die ganzen Russula-Bilder
auf http://www.pilzfreun.de/pilzgalerie/b-21/ angeschaut – tja, da ist
auch nichts dabei, was auf den ersten, makroskopischen Blick hin passen
könnte. Und dann ist es mit den Farben bei dieser Gattung bekanntlich eh
nicht einfach, sprich: ziemlich variabel. Trotzdem hast Du vermutlich
schon recht, dass mein Fund nicht kirsch-/hellrot genug ist für
Emeticinae.
Zur Bestimmung der SPP-Farbe wirft der mitgenommene Frk. nicht genug ab –
keine Chance. Allerdings habe ich die 3 jüngeren Frk. im Wald stehen
gelassen. Das Wetter würde ja passen, damit sie sich weiterentwickeln.
Die Reagenzien, die man zur Russula-Bestimmung braucht, habe ich alle nicht
(außer Ammnoniak). In GPBW steht, dass bei kaum einer Gattung die
Verwendung von Reagenzien so wichtig ist, wie bei Russula :-(
Mikrobilder zu den Zystiden und Sporen (auch deren Ornament) gibt es, und es
können weitere gemacht werden. Ich könnte noch versuchen, das
Sporenornament mit Melzers anzufärben, wenn ich schon nicht stacken kann.
Bloß wenn ich die Schlüssel in GPBW ansehen, dann werde ich so vermutlich
nicht weiterkommen. Vielleicht hat ja jemand Mitleid mit mir und diesen
schönen Täublingen...
Viele Grüße – Rika

Re: Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

Stephan Weißer, (vor 3900 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,
wie meine Vorschreiber bin ich auch der Meinung, dass wir die Emeticinae-Gruppe aufgrund der vorhandenen Violetttöne auf dem Hut ausschließen können. Emeticinae haben stets ein ziemlich reines Rot, das mal kräftiger oder blasser sein kann.
Der SARNARI bietet zu deiner Bestimmungsanfrage folgendes an:
1) R. atropurpurea: die Pileozystiden passen exakt: lang, nicht oder nur kaum septiert, oft mit Köpfchen. Grauende Stiele ebenfalls. Was nicht passt, sind all die anderen Geschichten: deutlich scharfer Geschmack; Sporen, die 10 My überschreiten, keine Eichen ringsum (zumindest hattest du keine angegeben), sehr kleine Statur.
Also eher nicht; da passt einfach zu Vieles nicht.
2) R. fragilis: Hutfarben und große Sporen passen, auch der Standort unter Nadelbäumen ist nicht so ungewöhnlich. Dafür passen die Pileozystiden nicht, die bei R. fragilis vielfach septiert, teilweise kurzgliedrig-kettig daherkommen, und das ist schon ein sehr starkes Kriterium.
Also auch eher nicht.
3) R. alnetorum/pumila: diese sind sehr bekannt für die stark grauenden Stiele, die Hutfarbe passt auch sehr gut. R. alnetorum ist auch relativ großsporig. Leider ist R. alnetorum nur ganz leicht pikant im Geschmack, aber nicht scharf. Außerdem müsste dann dort eine Erle gestanden haben (du hattest keine angegeben).
Fazit: nicht schlecht, aber doch eher unwahrscheinlich.
4) R. betularum: ein Pilz, den man fast nur in der ausgeblassten Form kennt und der zunächst einmal im Bestimmungsbuch übersehen/überlesen wird. Wie wäre es aber, wenn mal solch stark gefärbte Exemplare aufträten?
R. betularum hat lange, un- oder nur wenig septierte Pileozystiden, große Sporen, die lt. Sarnari 10 My mühelos überschreiten können, der Pilz schmeckt ziemlich scharf. Es handelt sich um einen ziemlich kleinen Täubling, somit würde die geringe Fruchtkörpergröße auch passen. Eine herumstehende Birke ist schnell übersehen. Der Standort im Moos ist jedenfalls typisch.
Fazit: R. betularum halte ich für die wahrscheinlichste Möglichkeit.

Das Sporenornament anzuschauen, ist in der Sektion Atropurpurinae nicht so wichtig, wenn man sich bestimmungstechnisch schon darin befindet. Atropurpurinae haben alle irgendwie netziges oder zumindest teilnetziges Ornament. Wichtiger ist m. E. die Sporengröße.

FG
Stephan

Ergänzung 5)

Stephan Weißer, (vor 3900 Tagen) @ Stephan Weißer

5) R. atrorubens: weist besonders kleine Sporen auf, die lt. Sarnari 8 My nie überschreiten; damit fällt R. atrorubens aus, die obendrein auch noch mehrfach septierte Pileozystiden hat.

Re: Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

Andreas ⌂, (vor 3900 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

atropurpurea: die Pileozystiden passen exakt: lang, nicht oder nur kaum
septiert, oft mit Köpfchen. Grauende Stiele ebenfalls. Was nicht passt,
sind all die anderen Geschichten: deutlich scharfer Geschmack; Sporen, die
10 My überschreiten, keine Eichen ringsum (zumindest hattest du keine
angegeben), sehr kleine Statur.

doch, Eiche steht da auch dabei laut Rika "am Rande eine Weißtannenwaldes mit Eiche, Buche, Fichte nebendran"
Und das starke Gilben ist auch typisch für R. atropurpurea. Duetlich scharf kann die schon auch sein, muss ja nicht gleich brennend-scharf heißen ...
Und die Sporen müsste man eben auch sicher aus Abwurf messen, und selbst dann sind mir im Winter und womöglich bei Frost gewachsene Pilze da nie so ganz geheuer ....

Russula betularum hat zwar kein so knalliges Rot wie die anderen Emticinae, aber denn och kein Violett sindern ein reines Rosa.
Lothat merkt zwar richtig an, dass das so eine Sache ist mit den farben bei Täublingen, aber so manche Grenzen gibt es eben selbst bei denen. So wie ein Frauentäubling trotz seines Farbspiels eben nie rot oder orange ist, so sind die Emeticinae nie violett und die Atropurpurinae nie rot. "Nie"? o.k. Russula aquosa liegt dazwischen und vermittelt zu R. grisescens .... Aber die beiden kommen ja nicht in Frage. An R. betularum mag ich auch wegen fehlender Birke nicht glauben.

beste Grüße,
Andreas

Re: Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

UmUlmHerum, (vor 3900 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

herzlichen Dank für Deine detaillierte Diskussion der möglichen Arten!! Dies ist für mich besonders hilfreich, weil ich keine spezielle Russula-Literatur besitze, also nur in GPBW und hauptsächlich Wikipedia nachlesen kann. Da steht z.B. nirgends was über die Septen der Zystiden.

Hier ein paar Stichworte zu verschiedenen Kriterien:

Eiche war definitiv am Standort (hatte ich auch schon geschrieben), rund 5 m entfernt. Birke will ich nicht ausschließen, sie kommt in diesem Wald schon gelegentlich vor, Erle hingegen nicht.

Die Sporen haben zwischen den Stacheln deutlich erhabene Grate, die aber nicht miteinander verbunden sind, also kein Netz + keine Maschen bildend. Manche Sporen (vor allem die kleineren) haben keine Grate. Die Stacheln sind unterschiedlich lang, sie können die Länge des Apiculus erreichen.

Gerade habe ich den restlichen Frk. auf der Terrasse besucht und noch mal einen Huthaut-Abzieh-Test gemacht: es bleibt bei 1/4 des Radius.

Bei den mit Birke verbandelten Arten, die Du aufführst, finde ich nirgends eine Angabe darüber, dass sie beim Trocknen gilben. Ich vermute, dass wäre schon ein relativ hartes Kriterium – oder nicht? Ist damit R. betularum aus dem Rennen? Lothar (danke für Deine Antwort!) will ja R. luteotacta noch nicht ganz ausschließen...

Wie kommen wir weiter? Was könnte ich noch untersuchen?

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
wie meine Vorschreiber bin ich auch der Meinung, dass wir die
Emeticinae-Gruppe aufgrund der vorhandenen Violetttöne auf dem Hut
ausschließen können. Emeticinae haben stets ein ziemlich reines Rot, das
mal kräftiger oder blasser sein kann.
Der SARNARI bietet zu deiner Bestimmungsanfrage folgendes an: 1) R.
atropurpurea: die Pileozystiden passen exakt: lang, nicht oder nur kaum
septiert, oft mit Köpfchen. Grauende Stiele ebenfalls. Was nicht passt,
sind all die anderen Geschichten: deutlich scharfer Geschmack; Sporen, die
10 My überschreiten, keine Eichen ringsum (zumindest hattest du keine
angegeben), sehr kleine Statur.
Also eher nicht; da passt einfach zu Vieles nicht.
2) R. fragilis: Hutfarben und große Sporen passen, auch der Standort unter
Nadelbäumen ist nicht so ungewöhnlich. Dafür passen die Pileozystiden
nicht, die bei R. fragilis vielfach septiert, teilweise
kurzgliedrig-kettig daherkommen, und das ist schon ein sehr starkes
Kriterium.
Also auch eher nicht.
3) R. alnetorum/pumila: diese sind sehr bekannt für die stark grauenden
Stiele, die Hutfarbe passt auch sehr gut. R. alnetorum ist auch relativ
großsporig. Leider ist R. alnetorum nur ganz leicht pikant im Geschmack,
aber nicht scharf. Außerdem müsste dann dort eine Erle gestanden haben (du
hattest keine angegeben).
Fazit: nicht schlecht, aber doch eher unwahrscheinlich.
4) R. betularum: ein Pilz, den man fast nur in der ausgeblassten Form kennt
und der zunächst einmal im Bestimmungsbuch übersehen/überlesen wird. Wie
wäre es aber, wenn mal solch stark gefärbte Exemplare aufträten?
R. betularum hat lange, un- oder nur wenig septierte Pileozystiden, große
Sporen, die lt. Sarnari 10 My mühelos überschreiten können, der Pilz
schmeckt ziemlich scharf. Es handelt sich um einen ziemlich kleinen
Täubling, somit würde die geringe Fruchtkörpergröße auch passen. Eine
herumstehende Birke ist schnell übersehen. Der Standort im Moos ist
jedenfalls typisch.
Fazit: R. betularum halte ich für die wahrscheinlichste Möglichkeit.
Das Sporenornament anzuschauen, ist in der Sektion Atropurpurinae nicht so
wichtig, wenn man sich bestimmungstechnisch schon darin befindet.
Atropurpurinae haben alle irgendwie netziges oder zumindest teilnetziges
Ornament. Wichtiger ist m. E. die Sporengröße.
FG
Stephan

Re: Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

Andreas ⌂, (vor 3900 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Wie kommen wir weiter?

muss ich leider gandenlos sagen: Ohne Sporenpulverfarbe und Chemie vermutlich gar nicht.
Und dann brauchst Du Russula-Literatur, bei unklareren Fällen kommt man mit Ba.-Wü.-Flora halt nicht mehr so recht weit und mit Pilze der Schweiz auch nicht.

Vielleicht kontaktierst Du mal Felix Hampe direkt, möglicherweise hat er Interesse an der Kollektion, weil das Datum ja schon etwas besonderes ist.

beste Grüße,
Andreas

Re: Rote Täublinge (??) vom 28.1.16 (!!)

Stephan Weißer, (vor 3899 Tagen) @ UmUlmHerum

Die Sporen haben zwischen den Stacheln deutlich erhabene Grate, die aber
nicht miteinander verbunden sind, also kein Netz + keine Maschen bildend.

... spricht wiederum für R. atropurpurea, die von den Atropurpurinae die am wenigsten netzigen Sporen ausbildet. Eiche war am Fundort auch vorhanden, habe ich gehört.
Also spricht gar nicht mehr so viel gegen R. atropurpurea.
FG
Stephan

Re: Rt. Täubling @ Andreas & Stephan & al. – Fotos

UmUlmHerum, (vor 3898 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Andreas & Stephan!

Genau 1 Stunde bevor Andreas diesen Satz geschrieben hat:

Vielleicht kontaktierst Du mal Felix Hampe direkt, möglicherweise hat er
Interesse an der Kollektion, weil das Datum ja schon etwas besonderes ist.

...kam eine Mail von Jesko.
Jesko & Felix hatten gerade diese Thread gelesen und haben, falls wirklich keine Grau- oder Schwarz-Erle dort steht, gesteigertes Interesse → Verdacht auf Russula pumila. Daraufhin war ich heute wieder am Standort: 7 weitere Fruchtkörper entdeckt – und keine Erle! Im Umkreis von 8m wächst: Eiche, Sorbus spec., Hainbuche, Fichte, Weißtanne und Geißblatt. Und ein unbekanntes Gehölz mit daumendicken "Stangen" (ähnliche Wuchsform wie junge Hasel), die sich weiter oben vielfach verzweigt, Höhe rund 4 m. Auffällig ist eine schwarzbraune, dünne Rinde mit hellen "Augen". Leider keine eindeutig zuordenbaren Blätter, keine Früchte. Hier ein Foto der "Stangen" des selben Gehölzes, das schon etwas größer ist und 100...200 m weit weg stand:

[image]
Weiß jemand, was das sein könnte?

Nun noch ein paar Bilder von den heutigen Russula-Funden, sehr versteckt im Moos und unter Blättern, eine Augenweide:

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Ein weiteres Merkmal fand sich beim Längsschnitt der beiden erwachsenen Frk., die ich heute mitgenommen habe: der Stiel ist beim erwachsenen Pilz gekammert:
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Morgen werde ich mir die Sporen (die gerade auf einen Objektträger fallen) mal mit Melzers anschauen, bin schon gespannt, wie dann das Ornament rauskommt.

Viele Grüße – Rika

Faulbaum (Frangula alnus) - Rhamnaceae

Ulysses, (vor 3898 Tagen) @ UmUlmHerum

- kein Text -

Re: Faulbaum (Frangula alnus) - Rhamnaceae

UmUlmHerum, (vor 3898 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

super - das passt wie Faust auf´s Auge!
Dann hatte ich doch die richtigen Blätter aufgesammelt – es waren die einzigen, die ich nicht kannte bzw. zuordnen konnte, siehe Foto. Aber vermutlich hat der Faulbaum eh nix mit den Täublingen zu tun... Die gestrige Aufsammlung trocknet gerade für Jesko & Felix (und wird dabei mittelgelb), dann werden wir ja sehen. Vielleicht ist es ja eine nivicole Art und wurde deshalb noch kaum gefunden ;-)

Viele Grüße – Rika

[image]

Re: Faulbaum (Frangula alnus) - Rhamnaceae

Ulysses, (vor 3896 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

neben den recht typischen Blättern gibt es noch drei weitere gute Merkmale zur Ansprache des Faulbaums:

-Rinde und Holz riechen (und schmecken) muffig (daher der dt. Name);
-die Äste stehen fast stets in "Etagen", soll heißen: mehrere Äste dichtstehend am Stamm, dann länger nichts, dann wieder ein Ast"büschel", usw. (diese Etagen entsprechen ziemlich gut dem Alter des Stamms, da jedes Frühjahr ein solches Astbüschel gebildet wird);
-die Art ist innerhalb von Wäldern ein typischer Licht- und Störungszeiger, und wächst deshalb bevorzugt am Waldrand bzw. entlang von Wegen.

LG
Josef

Russula cavipes!

Andreas ⌂, (vor 3897 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

hättest Du uns gleich verraten dass dort Weißtanne steht, dann hätte ich Dir sofort geraten, den Pilz mal durchzuschneiden - auch Russula cavipes hat eine sehr starke Tendenz zum Gilben, schon beim bloßen rumliegen über Nacht werden die mal mehr mal weniger gelb.

Also den kannst Du als bestimmt abhaken, da lehne ich mich mal so weit aus dem Fenster ;-)

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula cavipes!

UmUlmHerum, (vor 3897 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
hättest Du uns gleich verraten dass dort Weißtanne steht, dann hätte ich Dir
sofort geraten, den Pilz mal durchzuschneiden - auch Russula cavipes hat
eine sehr starke Tendenz zum Gilben, schon beim bloßen rumliegen über
Nacht werden die mal mehr mal weniger gelb.
Also den kannst Du als bestimmt abhaken, da lehne ich mich mal so weit aus
dem Fenster ;-)
beste Grüße,
Andreas

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Oh Andreas,

da bin ich aber völlig unschuldig – der zweite Satz bei meinem Eingangsbeitrag lautet:
Standort: Hochsträß bei Ulm, 640m NN, Lösslehm über Kalk, am Rande eines Weißtannenwaldes mit Eiche, Buche, Fichte nebendran, im Moos.

Der erste Frk. vom Mittwoch, den ich schon durchgeschnitten hatte, war innen noch wattig-voll, also noch nicht gekammert. Dieses Merkmal sah ich erst bei der zweiten Aufsammlung vom Freitag – etwas reifere Fruchtkörper.

Die Richtung R. cavipes ist sicher gut und gaanz dicht dran... Inzwischen bin ich mit Felix im Austausch (die Exsikkate + Sporenabwurf schicke ich ihm dieser Tage), der dazu noch eine weitergehende Idee hat, weil ein paar Merkmale nicht wirklich passen. Aber das ist seine Baustelle, da halte ich mich raus. Wenn Du mehr wissen, musst Du ihn selber fragen.

Gestern habe ich mir das Sporenornament noch mit Melzers angeschaut, das kommt richtig gut! Schließlich ist dies erst der zweite Täubling, den ich unterm Mikro habe. Jetzt weiß ich auch, was ein Hilarfleck ist. Es macht Spaß, immer was Neues dazu zulernen.

Dank´ Dir und viele Grüße – Rika

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Re: Russula cavipes!

Lothar, (vor 3897 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas und Rika,
also: ich will R. cavipes nicht komplett ausschließen, aber für diese Art ist das Foto aus meiner Sicht sehr untypisch. Bei uns ein Massenpilz und für mich sieht der (typisch jedenfalls) anders aus. Es wuchsen ja auch Buche und Eiche. Für mich ist das nicht als cavipes abgehakt.
Roch der Pilz denn fellea-artig? Oder vielleicht nach Pelargonien - da gäbe es ja auch noch Kandidaten? Sehe gerade: zum Geruch schreibst Du nichts - schade ...
LG von Lothar

Re: Russula cavipes?

UmUlmHerum, (vor 3897 Tagen) @ Lothar

Hallo Andreas und Rika,
also: ich will R. cavipes nicht komplett ausschließen, aber für diese Art ist
das Foto aus meiner Sicht sehr untypisch. Bei uns ein Massenpilz und für
mich sieht der (typisch jedenfalls) anders aus. Es wuchsen ja auch Buche
und Eiche. Für mich ist das nicht als cavipes abgehakt.
Roch der Pilz denn fellea-artig? Oder vielleicht nach Pelargonien - da gäbe
es ja auch noch Kandidaten? Sehe gerade: zum Geruch schreibst Du nichts -
schade ...
LG von Lothar

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Hallo Lothar,

mit dem Geruch war ich mir bei der ersten Aufsammlung noch unsicher. An der zweiten vom Freitag habe ich ausführlich & mehrfach geschnuppert, im Kalten wie im Warmen: intensiv obstartig. Wie riecht "fellea"?? Ist das die beschriebene Wurstbrühe? Ammoniak war positiv (rosarot), Guajak bringt morgen ein Kollege mit zu unserem AMU-Treff.

Wie schon geschrieben, ist Felix jetzt dran. Auch er hat einen gewissen Verdacht, dass es nicht R. cavipes ist, will aber sequenzieren, um sicher zu gehen.

Mich (und sicher auch Jesko + Felix) würde sehr interessieren, woran Du Deine cavipes-Zweifel festmachst! Ein Punkt ist für mich die Huthaut, die man bei weitem nicht ganz abziehen kann, über den Geruch lässt sich streiten. Ein anderer die Farben – wobei wir uns natürlich darüber einig sind, dass sie bei Russula sehr variabel sein können. Aber so ganz ohne Braun- und Olivtöne? Und kein Gelb auf dem Hut? Nur weiß - rot - violett.

Bist Du Dir eigentlich im Klaren darüber, dass Du an diesem Fund eine Mitschuld trägst? Nachdem Du hier Deine zwei (immer noch nicht komplett benamsten!) Weißtannen-Funde vorgestellt hast, bin ich – wie so einige Andere auch – in meine Weißtannenbestände gucken gegangen. Raus kam diese Russula und die Tectella...

Viele Grüße – Rika

Re: Russula cavipes?

Lothar, (vor 3897 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,
mir ist Dein Pilz einfach zu rot für cavipes - cavipes kenne ich violett oder grün und Mischfarben von violett und grün. Auch sonst - er sieht für mich einfach nicht aus wie cavipes. Bin auch gespannt, was Felix sagen wird. Ich bin ja kein Superkenner der Gattung Russula.
LG von Lothar

Bist Du Dir eigentlich im Klaren darüber, dass Du an diesem Fund eine
Mitschuld trägst? Nachdem Du hier Deine zwei (immer noch nicht komplett
benamsten!) Weißtannen-Funde vorgestellt hast, bin ich – wie so einige
Andere auch – in meine Weißtannenbestände gucken gegangen. Raus kam diese
Russula und die Tectella...

... die Tannen-Funde? Soviel ich weiß, hatte ich neulich Panellus violaceofulvus und Cyphella Digitalis gezigt ...

LG von Lothar

Re: Russula cavipes?

UmUlmHerum, (vor 3897 Tagen) @ Lothar

Hallo Lothar,

dank´ Dir für Deine Einschätzung zur Russula + die Namen der Tannenbegleiter!

Ich hatte mir etlichen Bilder von R. cavipes im WWW angesehen, fand überwiegend violette Farben mit Übergängen ins Grünliche, kaum weiße Flecken, geschweigedenn die weißen Hutränder und i.d.R. robustere Fkr. mit längeren (oft gelblichen) Stielen. Aber was weiß ich schon von Russula...

Auf die endgültige Meinung von Felix werden wir noch ein bisschen warten müssen – bisher hat er nicht einmal die Exsikkate.

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
mir ist Dein Pilz einfach zu rot für cavipes - cavipes kenne ich violett oder
grün und Mischfarben von violett und grün. Auch sonst - er sieht für mich
einfach nicht aus wie cavipes. Bin auch gespannt, was Felix sagen wird.
Ich bin ja kein Superkenner der Gattung Russula.
LG von Lothar
... die Tannen-Funde? Soviel ich weiß, hatte ich neulich Panellus
violaceofulvus und Cyphella Digitalis gezigt ...
LG von Lothar

Re: Russula cavipes?

Andreas ⌂, (vor 3896 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo,

Ammoniak war positiv (rosarot),

damit also der letzte Beweis dass es H. cavipes ist* - nur der und R. sardonia reagieren mit Ammoniak!

In Thüringen sind die cavipes vorwiegend violett und rot, kaum grün gefleckte Exemplare dabei und schon gar keine ganz grünen. Solche kenne ich vom Schwarzwaldrand, aber merkwürdigerweise nicht aus Thüringen. Die Art wurde hier übrigens überhaupt 2004 erstmals nachgewiesen, ist relativ selten (weil halt auch Tannen recht selten sind hier), aber letztes Jahr war eine richtige Schwemme von der Art.

beste Grüße,
Andreas

*außer Felix macht ne bisher unbeschriebene Art draus - das gilt dann nicht! ;-)

Re: Russula cavipes?

UmUlmHerum, (vor 3896 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

hast Du nicht ein Foto von Deinen Thüringer Hohlfüßen? Würde ich gerne sehen! Rein rot-violette Exemplare sind auch im Web recht selten. Ich könnte mir vorstellen, dass Felix an einer Aufsammlung Deiner Funde ziemlich interessiert wäre – sprich doch mal mit ihm.

Viele Grüße – Rika
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Hallo,
damit also der letzte Beweis dass es H. cavipes ist* - nur der und R.
sardonia reagieren mit Ammoniak!
In Thüringen sind die cavipes vorwiegend violett und rot, kaum grün gefleckte
Exemplare dabei und schon gar keine ganz grünen. Solche kenne ich vom
Schwarzwaldrand, aber merkwürdigerweise nicht aus Thüringen. Die Art wurde
hier übrigens überhaupt 2004 erstmals nachgewiesen, ist relativ selten
(weil halt auch Tannen recht selten sind hier), aber letztes Jahr war eine
richtige Schwemme von der Art.
beste Grüße,
Andreas
*außer Felix macht ne bisher unbeschriebene Art draus - das gilt dann nicht!
;-)

Re: Russula cavipes?

leofelsle, (vor 3895 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Andreas,
hast Du nicht ein Foto von Deinen Thüringer Hohlfüßen? Würde ich gerne sehen!
Rein rot-violette Exemplare sind auch im Web recht selten. Ich könnte mir
vorstellen, dass Felix an einer Aufsammlung Deiner Funde ziemlich
interessiert wäre – sprich doch mal mit ihm.
Viele Grüße – Rika

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hallo Rika,
ein Bildchen von R.cavipes kann ich Dir bieten - aus dem Hohenlohischen!
Gruß
Michael

[image]

Re: Russula cavipes?

UmUlmHerum, (vor 3895 Tagen) @ leofelsle

hallo Rika,
ein Bildchen von R.cavipes kann ich Dir bieten - aus dem Hohenlohischen!
Gruß
Michael

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Hallo Michael,

dank´ Dir für Dein Foto! Auch Dein Exemplar ist in einem Violett mit einem leichten Braunton, jedenfalls nicht in Richtung Rot. Und im Gegensatz zu meinem Fund hat Deiner auch nicht diesen weißen Rand, dafür einen längeren + stämmigeren Stiel. Gestern hatte ich ein frisches Exemplar bei unserem AMU-Monatstreffen dabei, und auch Christian, der R. cavipes oft in seinen Weißtannenwäldern findet, meinte, das sei etwas anderes. Der Guajak-Test war übrigens negativ und verblüffenderweise ein erneuter Ammoniak-Test an zwei frischen Frk. nun ebenfalls negativ!?!?! Felix wird meine Funde nun sequenzieren, dann sehen wir weiter...

Viele Grüße – Rika

Re: Russula cavipes?

Andreas ⌂, (vor 3894 Tagen) @ UmUlmHerum

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Hallo Michael,
dank´ Dir für Dein Foto! Auch Dein Exemplar ist in einem Violett mit einem
leichten Braunton, jedenfalls nicht in Richtung Rot. Und im Gegensatz zu
meinem Fund hat Deiner auch nicht diesen weißen Rand, dafür einen längeren
+ stämmigeren Stiel. Gestern hatte ich ein frisches Exemplar bei unserem
AMU-Monatstreffen dabei, und auch Christian, der R. cavipes oft in seinen
Weißtannenwäldern findet, meinte, das sei etwas anderes. Der Guajak-Test
war übrigens negativ und verblüffenderweise ein erneuter Ammoniak-Test an
zwei frischen Frk. nun ebenfalls negativ!?!?! Felix wird meine Funde nun
sequenzieren, dann sehen wir weiter...
Viele Grüße – Rika

Hallo Rika,

ich hab leider keine Fotos von unseren Thüringer Funden - ich komm in den Kursen nicht so recht selber zum fotografieren.
Aber Felix hat bestimmt selber welche, der kennt ja die Standorte.

Die Ammoniak-Reaktion funktioniert bei frischen Exemplaren oft schlecht oder verzögert - bei angetrockneten Exemplaren ist es besser. oder eine viertel- bis halbe Stunde warten, dann sollte es reagiert haben auch bei frischen. Jedenfalls mit 25% Ammoniak und nicht nur mit Dampf.

beste Grüße,
Andreas

Re: Russula cavipes? NH3

UmUlmHerum, (vor 3894 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
ich hab leider keine Fotos von unseren Thüringer Funden - ich komm in den
Kursen nicht so recht selber zum fotografieren.
Aber Felix hat bestimmt selber welche, der kennt ja die Standorte.
Die Ammoniak-Reaktion funktioniert bei frischen Exemplaren oft schlecht oder
verzögert - bei angetrockneten Exemplaren ist es besser. oder eine
viertel- bis halbe Stunde warten, dann sollte es reagiert haben auch bei
frischen. Jedenfalls mit 25% Ammoniak und nicht nur mit Dampf.
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

nachdem Du von rot-violetten Frk. ohne Grüntöne geschrieben hattest, war ich hellhörig geworden ("hellsichtig" passt da ja nicht, auch wenn ich Dich nicht höre...). Aber wenn er sie eh schon kennt... Mich hätten weitere Vergleichsfotos von Deinen Rot-Violette natürlich interessiert, aber egal.

Tja, mit dem Ammoniak: vorgestern Nacht bin ich extra noch mal aus dem Bett, nachdem mir eben diese Idee gekommen war, dass die neuen Frk. vielleicht zu frisch/zu nass gewesen sein könnten. Habe dann von zwei Hüten, die bereits seit 8 Std. zum Aussporen im Warmen lagen, je ein Tortenstück abgeschnitten und an den Lamellen mit NH3 (25%) bestrichen, dann aus Frust auch noch die Huttrama traktiert... nix! Auch am nächsten morgen nix. Vorhin habe ich ein wenig auf Lamellen + Stiel vom Exsikkat getan – wieder nix. keinerlei Reaktion, nur ätzender Gestank. Wer hat Russula cavipes nur mit NH3-Dampf komplett zum Erröten gebracht?

Jedenfalls ist heute die Post an Felix raus ... und er will das Zeug schon bald sequenzieren.

Viele – Rika

Re: Russula cavipes? NH3

Andreas ⌂, (vor 3893 Tagen) @ UmUlmHerum

Tja, dann hast Du wohl eine Mischkollektion, oder uns mit der Ammoniak-Reaktion aufs Glatteis geführt ....
Der halbierte Fruchtkörper, mit dem gekammerten Stiel, wenn DER mit Ammoniak rot reagiert hat, dann sollte das schon zwingend cavipes sein.
Wenn deine nicht-rötenden dann zusätzlich auch noch keine gekammerten Stiele haben, dann ist das wohl in der Tat nicht alles dasselbe ...

beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,
nachdem Du von rot-violetten Frk. ohne Grüntöne geschrieben hattest, war ich
hellhörig geworden ("hellsichtig" passt da ja nicht, auch wenn
ich Dich nicht höre...). Aber wenn er sie eh schon kennt... Mich hätten
weitere Vergleichsfotos von Deinen Rot-Violette natürlich interessiert,
aber egal.
Tja, mit dem Ammoniak: vorgestern Nacht bin ich extra noch mal aus dem Bett,
nachdem mir eben diese Idee gekommen war, dass die neuen Frk. vielleicht
zu frisch/zu nass gewesen sein könnten. Habe dann von zwei Hüten, die
bereits seit 8 Std. zum Aussporen im Warmen lagen, je ein Tortenstück
abgeschnitten und an den Lamellen mit NH3 (25%) bestrichen, dann aus Frust
auch noch die Huttrama traktiert... nix! Auch am nächsten morgen nix.
Vorhin habe ich ein wenig auf Lamellen + Stiel vom Exsikkat getan – wieder
nix. keinerlei Reaktion, nur ätzender Gestank. Wer hat Russula cavipes nur
mit NH3-Dampf komplett zum Erröten gebracht?
Jedenfalls ist heute die Post an Felix raus ... und er will das Zeug schon
bald sequenzieren.
Viele – Rika

Re: Russula cavipes? NH3

UmUlmHerum, (vor 3893 Tagen) @ Andreas

Tja, dann hast Du wohl eine Mischkollektion, oder uns mit der
Ammoniak-Reaktion aufs Glatteis geführt ....
Der halbierte Fruchtkörper, mit dem gekammerten Stiel, wenn DER mit Ammoniak
rot reagiert hat, dann sollte das schon zwingend cavipes sein.
Wenn deine nicht-rötenden dann zusätzlich auch noch keine gekammerten Stiele
haben, dann ist das wohl in der Tat nicht alles dasselbe ...
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

es schneit zwar schon wieder, aber ich will niemand auf´s Glatteis führen ;-) Es war & ist ja eine Bestimmungsanfrage und kein Rätsel. Zum Rätseln gibt es aber trotzdem genug bei dieser Kollektion.

Also:
Bei allen halbwegs erwachsenen Frk. war der Stiel gekammert, nur bei einem recht jungen Frk. war er noch wattig gefüllt, bei einem sehr alten Frk. fast komplett hohl – das passt schon weit schon.
Es gab nur 1 Frk., der sich mit 25% NH3 an der Stielspitze (außen) ein wenig orangerot verfärbt hat, an den Lamellen kann man eine Verfärbung nur erahnen. Diesen Pilz hatte ich am 27.1.16 (Mi.) bei der ersten Aufsammlung mitgenommen. Er lag dann bis 30.1.16 (Sa.) auf der Terrasse in einer halbgeöffneten Box und gammelte vor sich hin, hatte aber keinen (sichtbaren) Schimmel. Spät in der Nacht machte ich dann mit diesem Frk. den NH3-Test, weil alle anderen Frk. inzwischen beim Trocknen waren.

Nachdem alle anderen getesteten Frk. NH3-negativ waren, vermute ich inzwischen, dass die Rotfärbung bei diesem Einen vielleicht mit einem Befall oder anderem Gammel zu tun haben könnte – siehe Foto unmittelbar nach dem NH3-Auftrag.

Peter P. hat mir gestern ein Foto mit einer schönen Kollektion Eurer Thüringer R. cavipes geschickt – so sehen die bei Lothar + Christian + Michael auch aus. Wie ich das sehe, durchgehend violett mit gelegentlichen Grüntönen, ohne weißen Hutrand, ohne so kräftiges Rot.

Du magst wohl nicht recht glauben, dass es neben R. cavipes noch eine andere Art geben könnte?

Viele Grüße – Rika

[image]

Re: Russula cavipes? NH3

Stephan Weißer, (vor 3893 Tagen) @ UmUlmHerum

Du magst wohl nicht recht glauben, dass es neben R. cavipes noch eine andere
Art geben könnte?

Hallo Rika,

nun, das soll eigentlich kein Ratespiel werden - von dem niemand wirklich was hätte. Der Deal ist so: du lieferst diverse Daten zu deinem angefragten Pilz, manches passt davon zusammen, anderes nicht. Die Jungs im PilzePilzeForum bemühen sich darum, deinen Datenkumulus in der Gesamtsicht zu würdigen und eine Art vorzuschlagen, die deinem Datenkumulus AM EHESTEN entsprechen könnte. Das ist was anderes, als wenn man selbst eine Aufsammlung tätigt und diese eigenhändig durchbestimmt.

Andreas nennt deinem Fund cavipes, Lothar hält luteotacta für möglich, ich habe mich dazu durchgerungen, atropurpurea dazu zu sagen, obwohl ich im Leben noch keine atropurpurea hatte, die "deutlich scharf" gewesen wäre (ein Prickeln auf der Zunge ist im Russologendeutsch noch lange nicht "deutlich scharf"). Von Felix kriegst du vielleicht später noch eine Aussage.
Jetzt ist es damit gut, und nun kommt folgendes: an dir selber liegt es, dich für die aus deiner Sicht wahrscheinlichste Option zu entscheiden.

Eine untypisch aussehende Russula cavipes (oder luteotacta oder atropurpurea...) bestimmt man nicht mal so nebenbei übers Internet. Zuerst macht man sich via Literatur klar, wie man Täublingen der Sektion Atropurpurinae und der verwandten Sektionen bestimmungstechnisch zu Leibe rücken kann, dann wendet man eben diese Techniken an und kommt anschließend zu einem Ergebnis, hinter dem man, wenn absolute Sicherheit nicht erreicht werden kann, doch so einigermaßen stehen kann.

Ich wünsche dir - absolut ernstgemeint - viel Erfolg bei deinen künftigen Russula-Bestimmungen. Ich hoffe, du bekommst meine klaren, doch sachlichen Worte nicht in den falschen Hals.

FG
Stephan

Re: Russula cavipes? NH3

UmUlmHerum, (vor 3893 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Deinen letzten Beitrag zu beantworten, finde ich nicht einfach.

Du warst der Erste (und im Forum der Einzige), der sich bei der Diskussion um diesen Fund ausführlich mit den Mikro-Merkmalen befasst und sich systematisch durch den Russula-Wust gekämpft hat! Deine Aufzählung möglicher Arten, vor allem mit den Angaben, was dafür oder dagegen spricht, fand ich sehr informativ und hilfreich! Mir ist auch klar, dass Du für Deinen Beitrag einiges an Zeit investiert hast. Für diese Mühe möchte ich mich noch einmal ausdrücklich bei Dir bedanken!

Noch während ich über Deine Vorschläge recherchierte, kam die Mail von Jesko, der u.a. – sehr vereinfacht ausgedrückt – schrieb: vergiss alles, was über „Emeticinae“ und „Atropurpurinae“ gesagt und geschrieben wird... Daraus entwickelte sich ein zweiter Diskussionsfaden, der als Erstes zu R. pumila führte – was ich Euch hier im Forum auch mitgeteilt hatte. Der gekammerte Stiel kam halt erst bei meiner zweiten Aufsammlung zum Vorschein und damit R. cavipes ins Gespräch. Du wirst hoffentlich verstehen, dass ich den ganzen Email-Austausch zwischen Jesko, Felix und mir nicht 1:1 hier ins Forum kopieren kann und darf – aber vermutlich war meine Diskussion auf zwei verschiedenen Plätzen zumindest hier im Forum nicht immer nachvollziehbar. So versuche ich Deinen Frust, da ja deutlich rüberkommt, zu erklären.

Eigentlich hatte ich ja gedacht, die Diskussion hier wäre beendet, nachdem sich Felix um diesen Fund kümmern will – real, bis hin zur Sequenzierung. Dieser Thread ist mittlerweile auch dermaßen lang, dass er völlig unübersichtlich geworden ist. Kein Wunder, dass so einige Informationen darin untergegangen sind.

Die momentane Quintessenz ist: diese Russula ähnelt R. cavipes zwar am meisten, es gibt aber abweichende Merkmale, weswegen Felix eine unbeschriebene Art vermutet (die ihm nicht zum ersten Mal begegnet ist). Die Sequenzierung wird dann zeigen, ob es eine untypische R.c. ist oder was anderes.

An dieser Stelle möchte ich noch mal Allen danken, die zur Aufklärung und Diskussion beigetragen – hier im Forum, mit privater Mail sowie meinen Vereinskollegen, die mich am Montag mit Guajak und verschiedenen Russula-(cavipes)-Information versorgt haben!

Viele Grüße – Rika

Re: Russula cavipes? NH3

Stephan Weißer, (vor 3892 Tagen) @ UmUlmHerum

Jesko, der u.a. – sehr vereinfacht ausgedrückt – schrieb: vergiss alles, was über
„Emeticinae“ und „Atropurpurinae“ gesagt und geschrieben wird...

Hallo Rika,

ich habe Jesko schon kennengelernt und weiß, wie er üblicherweise argumentiert. In meinen Augen sind dies Totschlagargumente, die man gegenüber Hobby-Wald-und-Wiesen-Pilzkundlern, wie wir es sind, nicht gebrauchen sollte. Fast hat man den Eindruck, dass von Mitteldeutschland aus die 200jährige Täublingsbestimmungsgeschichte mitsamt der daran aktiv beteiligten Gattungskenner wie SCHÄFFER, SINGER, ROMAGNESI, EINHELLINGER, SARNARI... aus den Angeln gehoben werden könnte.

Für mich selber sind diese Autoren die Bestimmungsreferenzen Nr. 1 und sorry, das bleiben sie zunächst auch. Denn wenn Jesko recht hat, wären diese Werke alle nicht mehr brauchbar (und ich habe sie mir doch für teuer Geld angeschafft, schnüffz!), und ich selber könnte die Täublingsbestimmung dann gleich aufgeben, weil ich keinen Zugang zu den neuen Forschungsergebnissen habe - ehrlich gesagt auch keine Lust darauf habe, sie mir zu ergattern, so lange sie nicht in Form käuflicher Literatur vorliegen. Obsolet wären ebenfalls alle Seminare und Ausbildungsveranstaltungen zur Täublingsbestimmung, die auf dem Markt so angeboten werden.

Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass ein kleiner abgeschlossener Zirkel sagt, Täublinge (oder Risspilze, oder...) sind ab sofort so und so zu bestimmen, und es ist niemand da, der dies kritisch nachprüfen könnte. Täublingsbestimmung würde so zu einer ziemlich elitären Angelegenheit, bei der unsereins nicht wirklich mitmischen könnte, meinst du nicht auch?

LG
Stephan

Re: Russula cavipes? NH3

UmUlmHerum, (vor 3891 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

wie Du ja mitbekommen hast, bin ich beileibe keine Russula-Spezialistin, habe noch kein Geld in die teure Spezialliteratur investiert – und bin jedes Mal furchtbar frustriert, wenn ich mich an den R.-Schlüsseln in GPBW versuche... Im aktuellen Fall habe ich über R. cavipes die Beschreibungen von BRITZELMAYR, dann im Sinne von HEIM und dann in GPBW nach SCHÄFFER gelesen – wie soll man mit teilw. sehr unterschiedlichen und auch lückenhaften Angaben einen Pilz bestimmen? Beispiel Geruch: BRITZELMAYR schreibt intensiv obstartig mit Honigkomponente und beruft sich dabei auf EINHELLINGER. HEIM sehr angenehm nach reifen Quitten die beiden Angabe sind sich ja immerhin noch ähnlich, aber krass wird es in GPBW schwach nach Wurstbrei... Bei Angaben der Mikromerkmale sind Schwankungen von + - 5% ganz normal... (und hier macht man sich ins Hemd, wenn Q mal um 0,1 außerhalb des angegebenen Wertes liegt).

Da muss man sich doch fragen, ob alle wirklich den gleichen Pilz beschreiben? Ich denke, das ist der Ansatz von Jesko und Felix. Um mit einer DNA etwas anfangen zu können, muss der Pilz zu allererst penibel beschrieben sein = absolute Grundvoraussetzung, denn es hilft nix, wenn man zwar eine tolle Sequenz hat, aber nicht weiß, von wem. Deswegen ist das Schlüsseln im klassischen – morphologischen – Stil nachwievor angesagt und wird auch so bleiben. Die Beiden sind dran, neue Schlüssel zu entwerfen, in die sie ihre genetischen Erkenntnisse einfließen lassen – Sie versuchen zu klären, ob z.B. ein von der Erstbeschreibung abweichendes, morphologisches Merkmal in die normale Bandbreite einer Art gehört oder ob es sich deswegen (damit unterscheidbar) um eine andere Art handelt. Also, ich finde das gut, siehe mein Frust im 1. Abschnitt. Natürlich habe ich da leicht reden, weil sich in meinem Gehirn noch keine Russula-Subgeni, Sektionen etc. etabliert haben... Aber keine Sorge, es werden keine Rindenpilze in die neuen Sektionen aufgenommen ;-)

Ich naives Greenhorn erhoffe mir dadurch mehr Klarheit und weg von der unseligen Russula-Bestimmung nach Hut- und Stielfarben. Warte es mal ab – ich vermute, Du wirst längst nicht alles über den Haufen werfen müssen, sondern nur ein paar Grenzen neu ziehen.

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
ich habe Jesko schon kennengelernt und weiß, wie er üblicherweise
argumentiert. In meinen Augen sind dies Totschlagargumente, die man
gegenüber Hobby-Wald-und-Wiesen-Pilzkundlern, wie wir es sind, nicht
gebrauchen sollte. Fast hat man den Eindruck, dass von Mitteldeutschland
aus die 200jährige Täublingsbestimmungsgeschichte mitsamt der daran aktiv
beteiligten Gattungskenner wie SCHÄFFER, SINGER, ROMAGNESI, EINHELLINGER,
SARNARI... aus den Angeln gehoben werden könnte.
Für mich selber sind diese Autoren die Bestimmungsreferenzen Nr. 1 und sorry,
das bleiben sie zunächst auch. Denn wenn Jesko recht hat, wären diese
Werke alle nicht mehr brauchbar (und ich habe sie mir doch für teuer Geld
angeschafft, schnüffz!), und ich selber könnte die Täublingsbestimmung
dann gleich aufgeben, weil ich keinen Zugang zu den neuen
Forschungsergebnissen habe - ehrlich gesagt auch keine Lust darauf habe,
sie mir zu ergattern, so lange sie nicht in Form käuflicher Literatur
vorliegen. Obsolet wären ebenfalls alle Seminare und
Ausbildungsveranstaltungen zur Täublingsbestimmung, die auf dem Markt so
angeboten werden.
Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass ein kleiner abgeschlossener Zirkel
sagt, Täublinge (oder Risspilze, oder...) sind ab sofort so und so zu
bestimmen, und es ist niemand da, der dies kritisch nachprüfen könnte.
Täublingsbestimmung würde so zu einer ziemlich elitären Angelegenheit, bei
der unsereins nicht wirklich mitmischen könnte, meinst du nicht auch?
LG
Stephan

so isses aber halt nun mal, Stephan ...

Andreas ⌂, (vor 3890 Tagen) @ Stephan Weißer

... finde dich damit ab, dass du das Pech hast, in einer Zeit des Umbruchs Hobbymykologe zu sein und dann auch noch das zusätzliche Pech hast, dich mit den Täublingen für eine Gruppe zu interessieren, die besonders davon betroffen ist. Wie heißt es so bösartig aber trotzdem treffend: "Wenn Dir die Pilze zu schwierig sind, dann werd hOalt rnithologen (mit der Bitte um Entschuldigung an alle Vogelkundler ....)
Fakt ist aber, dass die molekularen Untersuchungen eine sehr gewichtige neue Sicht auf Verwandtschaftsverhältnisse mit sich bringen (egal auf welcher Rangstufe), die dem Amateurmykologen nicht immer schmecken. Die ihm deshalb nicht schmecken, weil er unbedingt seinen Funden einen Namen verpassen möchte, der auch höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Davon sollten wir versuchen uns zu lösen!
Beispiel Samtfußrüblinge: Eine Pilzart, die für den normalen Pilzler überhaupt kein Problem darstellt. Winterpilz, samtiger Stiel => kein Problem. Irgendwann bekommt man mit, dass man in entsprechender Literatur noch andere Samtfußrüblinge findet: Einen der an Hauhechel wächst (F. fennae), einen der ganz blass ist (F. fennae). Gut, akzeptiert, aber mein Samtfußrübling ist weder blass noch wächst er auf dem Boden. Dann kommt der nächste der weiß, dass es eine Studie gibt die besagt, dass es neben F. velutipes noch F. elastica (größere Sporen), F. populicola (andere HDS) und F. rossica (andere HDS und größere Sporen) gibt. Nun gut, man besorgt sich diesen Artikel und bestimmt fürderhin seine Samtfußrüblinge perfekt nach der neuesten Fachliteratur und ist damit natürlich überaus happy. Bis zu dem Tag, wo jemand kommt und sagt: Alles schön und gut, aber wenn man die Kollektionen sequenziert, dann stimmt das so nicht mehr. Publiziert in einem sehr guten, auch für unsereinen verständlichen weiteren Fachartikel 2010. Da wird glasklar dargestellt, dass es zwar molekular trennbare Arten gibt, aber dass die bisher benutzten Merkmale "Sporengröße" und "HDS-Aufbau" so nicht verwendbar sind. Dieser Artikel liefert auch gleich einen anders aufgebauten Schlüssel für einen Teil der Flammulina-Arten, lässt aber die Trennung von vleutipes-elastica weiterhin offen. Die Studie ist ein Ergebnis einer Masterabriet (glaube ich), die drei Jahre einer Studentin gedauert hat. Ebenso werde an ganz vielen Stellen derzeit bisher für uns als eindeutig bekannte Arten kritisch der Sequenz-Analyse unterzogen, und dabei kommen oft erstaunliche Ergebnisse zu Tage. Und die müssen erst mal analysiert und dann daran weiterbearbeitet werden. Wobei "weiterbearbeiten" für die Uni-Mykologen (völlig zurecht) bedeutet, die Artenbildung innerhalb des Komplexes aufzudröseln, erst mal unbeschadet der praktischen Anwendung.
Wie wir Hobbymykologen mit unseren Mitteln unsere Pilze bestimmen, das ist erst mal nicht die Fragestellung, und das sollten wir auch erst mal akzeptieren. Die universitäre Mykologie mit ihren Möglichkeiten hat nicht primär den Sinn und das Ziel, uns Hobbymykologen das Leben zu erleichtern! Forschung generell hat das Ziel, etwas zu erforschen. Punkt. Ob das Ergebnis jemandem schmeckt oder stört, was dabei herauskommt oder nicht, ist völlig irrelevant!

Natürlich wünschen wir uns, dass diese Ergebnisse, die für uns natürlich erst mal nicht praktikabel sind, dann auch morphologisch so unterstützt werden, dass wir in der praktischen Bestimmungsarbeit davon profitieren. Aber das ist ein nächster Schritt - und da muss ich uns Hobbymykologen wirklich bitten Verständnis zu haben - der meist den Unimykologen nicht mehr soooo brennend interessiert. Denn dann muss man anfangen aufgrund der molekularen Ergebnisse nach Merkmalen zu suchen, dke die molekular erkannten Arten auch morphologisch trennen. Das ist oft schwierig, und von den Unimykologen, die ja oft gar nicht über die Felderfahrung verfügen wie wir, aucb gar nicht leistbar. Wie denn auch? Wie soll ein paarundzwnazigjähriger Student/Studentin denn über den morphologischen Erfahrungsschatz verfügen wie die Mehrzahl der Hobbymykologen, die seit gefühlt 100 Jahren im Wald rum rennen?

In diesem Dilemma stecken wir hier vielfach, dass wir zur Zeit entdecken, dass in vielen Gruppen der Pilze unsere bisherigen als Trennmerkmal angesehen Merkmale von den molekularen Ergebnissen nicht gestützt werden. Und es wird ein langwieriger Prozess werden, nun diese Pilzgruppen aus dem Blickwinkel der molekularen Ergebnisse - die definitiv höherwertig einzustufen sind erst ein mal als unsere morphologische Konzepte - neu anzuschauen, uns Gedanken zu machen "was trennt denn die molekular trennbaren Arten morphologisch" - und da sind wir Feldmykologen wieder gefragt. Diese Zusammenarbeit alleine wir zum Ziel führen, ein Konzept aufzustellen, dass molekular gestützt und gleichzeitig morphologisch erklärbar(= bestimmbar) ist.
Aber momentan befinden wir uns eben auf dem Weg dorthin. Es gibt viele Gruppen, in denen man weiß, dass es moleklar basiert unerkannte (= kryptische) Arten gibt. Es gibt Gruppen, wie die Griseinae der Täublinge, wo man molekular alle bekannten Arten trennen kann anhand der Typusbelege - aber nicht die nach herkömmlicher Literatur bestimmten Aufsammlung. Will heißen: Molekular geshen sind die Typusbelege aller 14 Arten der Girseinae verschieden - aber die nach den Schlüssel bestimmten ebenfalls molkular untersuchten Kollektionen fínden sich wild verstreut. Das bedeutet, die 14 Arten gibt es wirklich, aber die Trennmerkmale, die wir derzeit verwenden, taugen nichts (oder nur bedingt). So eine Studie ist als Masterarbeit absolut o.k. und publizierungswürdig. Was wir Hobbymykologen damit anfangen, das ist wiederum erst mal nicht das Problem der Forschung! Das sollten wir akzeptieren, und statt zu lamentieren lieber das nutzen was WIR leisten können: Gut dokumentierte herbarisierte Kollektionen zur Verfügung stellen, die denjenigen, die zwar das Equipement haben, aber nicht die Erfahrung, die Möglichkeit zu geben, ihre molekularen Ergebnisse auch morphologisch interpretieren zu können. Und damit schließt sich dann der Kreis, denn DANN profitieren wir Hobbymykologen letztlich davon, dass molekulare Befunde, die wir ja nicht erstellen können, auch morphologisch umgesetzt werden (was die Unimykologen meist nicht können), was dann wiederum in von uns benutzbare Schlüssel mündet.

Es gibt noch ein paar Unis, wo man Myologie in irgendeiner Form studieren kann, wo sich die Professoren bemühen, ihren Studenten auch Feldmykologie angedeihen zu lassen (Marburg z. B. , auch Kassel, Frankfurt, Regensburg und was weiß ich noch wo.). Aber wir müssen doch auch sehen, dass man heute als Prof. doch seinen Studenten gar nicht mehr guten Gewissens zu eine morphologisch ausgerichteten oder gar feldmykologisch orientierten Promotionsarbeit raten kann! Man möchte als Prof. doch seinen Studenten einen guten Start ins universitäre Leben ermöglichen - mit feldmykologischen Studien gelingt das kaum .....
Darum meine Bitte: Unterstüzt die universitären Mykologen, die neben ihren universitären Pflichten sich zusätzlich für Artbestimmung, für Artenvielfalt, für feldmykologische Aspekte interessieren, nach Leibeskräften! Freut euch über jeden Studenten/jede Studentin die sích draußen im Wald um Pilze kümmern mag! Bedenkt bitte: Wer von uns Feldmykologen hat denn mit paarundzwanzig Jahren eine tolle Pilzkenntnis gehabt?! Wann seid IHR den PSV-DGfM geworden, wenn ihr es denn seid? Mit 25?? Sicher die wenigsten - Drum meine Hochachtung vor jedem Student, der mit Anfang zwanzig seine PSV-Prüfung macht, meine Hochachtung vor jedem Prof, der seine Studenten ermutigt, Zeit und Energie in Feldmykologie zu stecken! Nur wenn diese Verbindung zwischen uns Hobbymkologen mit der Felderfahrung und den universitären Mykologen mit dem wissenschaftichebn Knowhow lebendig bleibt, dann bringen wir die Pilzkunde vorwärts!Und zwar für beide "Seiten" mit großem Erfolg.

Haha, jetzt tät ich gerne eine Umfrage starten, wer sich tatsächlich bis hierhin durch den ganzen Text gequält hat *ggg*

Seid mir nicht böse, aber es muss unbedingt gesagt werden, dass die Unimykologie und die Sequenziererei nicht unser Feind ist, sondern auch uns letztlich weiterbringt!

neste Grüße,
Andreas

Hallo Rika,
ich habe Jesko schon kennengelernt und weiß, wie er üblicherweise
argumentiert. In meinen Augen sind dies Totschlagargumente, die man
gegenüber Hobby-Wald-und-Wiesen-Pilzkundlern, wie wir es sind, nicht
gebrauchen sollte. Fast hat man den Eindruck, dass von Mitteldeutschland
aus die 200jährige Täublingsbestimmungsgeschichte mitsamt der daran aktiv
beteiligten Gattungskenner wie SCHÄFFER, SINGER, ROMAGNESI, EINHELLINGER,
SARNARI... aus den Angeln gehoben werden könnte.
Für mich selber sind diese Autoren die Bestimmungsreferenzen Nr. 1 und sorry,
das bleiben sie zunächst auch. Denn wenn Jesko recht hat, wären diese
Werke alle nicht mehr brauchbar (und ich habe sie mir doch für teuer Geld
angeschafft, schnüffz!), und ich selber könnte die Täublingsbestimmung
dann gleich aufgeben, weil ich keinen Zugang zu den neuen
Forschungsergebnissen habe - ehrlich gesagt auch keine Lust darauf habe,
sie mir zu ergattern, so lange sie nicht in Form käuflicher Literatur
vorliegen. Obsolet wären ebenfalls alle Seminare und
Ausbildungsveranstaltungen zur Täublingsbestimmung, die auf dem Markt so
angeboten werden.
Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass ein kleiner abgeschlossener Zirkel
sagt, Täublinge (oder Risspilze, oder...) sind ab sofort so und so zu
bestimmen, und es ist niemand da, der dies kritisch nachprüfen könnte.
Täublingsbestimmung würde so zu einer ziemlich elitären Angelegenheit, bei
der unsereins nicht wirklich mitmischen könnte, meinst du nicht auch?
LG
Stephan

Re: so isses aber halt nun mal, Stephan ...

Der Juergen, (vor 3889 Tagen) @ Andreas

*fingerstreck* ich hab den ganzen Text gelesen;-) hätte es aber beinahe nicht Kund getan, da ich mich in dieses Forum jedesmal neu einloggen muss;-)

der Vergleich mit der Ornithologie ist gemein und gut, aber ich würde doch eher die Orchideologen rannehmen *g*

Grüßle
Jürgen

p.s.: Wenn mal die Sequenziererei in der Garage machbar ist (ist sie ja eigentlich jetzt schon - Stichwort: Biohacking), dann sieht es für den Amateur auch wieder anders aus. PCR- und Gelelektrophorese-Geräte bekommt man schon günstig auf dem Gebrauchtmarkt;-) Die Technik lässt sich auch erlernen.

Re: so isses aber halt nun mal, Stephan ...

Andreas ⌂, (vor 3889 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

der Vergleich mit der Ornithologie ist gemein und gut, aber ich würde doch
eher die Orchideologen rannehmen *g*

AUA!

Findest Du wirklich Ophrys im Mittelmeerraum einfacher als Telamonien oder irgendeine andere Pilzgruppe?
Also ich finde die Orchidologen haben zumindest teils einen nochmal um ne Zehnerpotenz stärkeren Splittungsdrang as die Pilzler ....

beste Grüße,
Andreas

Re: so isses aber halt nun mal, Stephan ...

Stephan Weißer, (vor 3889 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

toll, dass ich dich mit meiner überspitzten Provoziererei aus der Deckung locken und zum Schreiben eines solch tiefgehenden Beitrages bringen konnte. Er geht optimal auf die Fragen ein, die mich als Hobbypilzkundler bzw. als PSV (Hobbymykologe oder gar Amateurmykologe mag ich mich schon gar nicht mehr nennen!) umtreiben. Gerne würde ich auf deinen Beitrag als Ganzes antworten, aber seine Länge macht es etwas leichter mit der Einhake-Technik.

Wie heißt es so bösartig aber trotzdem treffend: "Wenn
Dir die Pilze zu schwierig sind, dann werd hOalt rnithologen (mit der
Bitte um Entschuldigung an alle Vogelkundler ....)

Och nöö, Vogelkunde ist doch langweilig ;-)

weil er unbedingt seinen Funden einen Namen
verpassen möchte, der auch höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt.
Davon sollten wir versuchen uns zu lösen!
Beispiel Samtfußrüblinge

Der Amateurmykologe könnte das Namensproblem z. B. dadurch lösen, dass er einen von ihm gefundenen Pilz nur noch als Samtfußrübling (oder, sofern im Mesobrometum bei Hauhechel gewachsen, als Hauhechel-Samtfußrübling) und nicht mehr als Flammulina velutipes/onotis/... benennt, d. h. einfach keine botanischen Namen mehr verwendet, wenn sie sich doch eh gerade in Luft auflösen. So weit hört es sich einfach an.

Aber wie macht man's jetzt bei einem Hohlstieltäubling? Schließlich gibt es ja etliche Täublinge mit hohlem Stiel, nicht nur die violetten scharfen Cremesporer unter Tanne. Man kann ja nicht immerzu sagen: mein Pilz ist das, was man früher Russula cavipes genannt hat, mein Pilz gehört in das R. cavipes-Aggregat, mein Pilz gehört in die Gruppe um R. cavipes... Was schreibt man z. B. auf das Schild bei der Pilzausstellung, was sagt man bei der Lehrexkursion? Irgendwie traut man sich ja fast nicht mehr, sich auf einen botanischen Namen festzulegen, wenn man nicht weiß, ob der vor ein paar Monaten durch einen Fachartikel pulverisiert wurde. Oder auf eine Internet-Anfrage einen Namen zu nennen, wenn man weiß, zwei Tage später meldet sich jemand mit der Aussage: die Bestimmungsmerkmale in dieser Sektion kannst du alle vergessen, der Pilz ist so nicht benennbar. Das ist schon ziemlich frustrierend. Kennst du schon eine Lösung für dieses Problem?

Die universitäre Mykologie mit ihren Möglichkeiten hat nicht
primär den Sinn und das Ziel, uns Hobbymykologen das Leben zu erleichtern!
Forschung generell hat das Ziel, etwas zu erforschen. Punkt.

Die universitäre Mykologie hat wie jede Disziplin mMn aber auch die Aufgabe, ihre Forschungsergebnisse an die Hobbymykologen zu kommunizieren. Sonst würde sie mit großer Energie raketengleich von der Erde abheben und im All schweben, womit letztlich niemandem gedient wäre: nicht den Hobbymykologen, aber auch nicht den Wissenschaftlern selber, die ja schon auch wollen, dass ihre Forschungsergebnisse irgendwann mal das allgemeine Bewusstsein erreichen und die von der pilzkundlichen "Basis" in der Feldforschung unterstützt werden sollen.

Jetzt: was ist die pilzkundliche "Basis", mit der die universitäre Mykologie kommuniziert? Wie sich die Sachlage momentan darstellt, sind das einige Dutzend Personen, die Zeit und Lust haben, sich Zugang zu Fachartikeln zu verschaffen. Seither waren es Tausende und Abertausende, mit denen die Kommunikation über die Instrumente Pilzbuch (Vademecum, MHK, Pareys, Gattungsmonografien...), Lehrwanderung, Tagung und Seminar lief. Unter den jetzt bekannten Umständen wäre es vielleicht besser, erst einmal keine der etablierten Pilzbücher aufzulegen, keine Lehrseminare (wohlgemerkt: nicht Workshops!) jenseits der PSV-Ebene mehr abzuhalten und keine Lehrwanderungen mehr zu veranstalten, so lange zu befürchten ist, dass alles "Wissen", was dort an die Basis kommuniziert wird, Pseudowissen und letztlich Datenschrott ist. Ich für meinen Teil erwäge gerade, erst einmal meine Seminar-Anmeldungen zu stornieren und auch keine weiteren Fachbücher zu kaufen, bis sich der Erkenntnisssturm gelegt hat, und werde auch interessierten Dritten Entsprechendes empfehlen.

Natürlich wünschen wir uns, dass diese Ergebnisse, die für uns natürlich erst
mal nicht praktikabel sind, dann auch morphologisch so unterstützt werden,
dass wir in der praktischen Bestimmungsarbeit davon profitieren.

Ich würde mir wünschen, dass ich von diesen Ergebnissen zunächst einmal erfahre, und zwar nicht häppchenweise, sondern in Form einer Übersicht. Erst dann ist an eine weitere Zusammenarbeit mit der universitären Mykologie zu denken. Dieser sollte klar sein, dass der jetzige Zustand zu einem massiven Abbröckeln der "Gewährsleute"-Basis (wie sie von KIRCHNER und EICHLER genannt und auch von G. KRIEGLSTEINER in sein BW-Projekt eingebunden wurde) führen könnte.

Denn dann muss man anfangen aufgrund der
molekularen Ergebnisse nach Merkmalen zu suchen, dke die molekular
erkannten Arten auch morphologisch trennen.

Jetzt wird's spannend. Ich hatte mich schon immer bei Täublingen gefragt, wie es kommt, dass ein im Feld vorgefundener Täubling aus einem referenziellen Katalog von 14 Merkmalen immer nur 10 bis 12 Merkmale, eigentlich nie aber alle 14 Merkmale gleichzeitig aufweist. Bei Risspilzen ist die Quote meiner Erfahrung nach noch schlechter. Der wohl richtige Schluss, der daraus zu ziehen ist: die referenziellen Merkmalskataloge sind mangelhaft, da sie Merkmale enthalten, die zur eindeutigen Artkennzeichnung nicht taugen. Einer Klärung dieser Phänomene sähe ich mit äußerst großem Interesse entgegen. Z. B. würde ich mich sofort bei einem Täublingskurs anmelden, der diesen neuen Erkenntnissen den Rang einräumt, den diese offensichtlich haben. Und selbstverständlich würde ich mir von jemandem, der Zugang zu den neuen Erkenntnissen hat und mit der Basis kommuniziert, erhoffen, dass dieser nicht nur sagt: alles, was seither über Täublings-/Risspilzbestimmung publiziert wurde, ist Käse, sondern auch klar benennt, wie man nach neuem Kenntnisstand stattdessen vorgehen sollte. Sonst endet es ja damit, dass es in Europa nur drei, vier Hansels gibt, die Täublinge und Risspilze bestimmen können. An einem solchen Zustand kann niemand Interesse haben.

Wie soll ein
paarundzwnazigjähriger Student/Studentin denn über den morphologischen
Erfahrungsschatz verfügen wie die Mehrzahl der Hobbymykologen, die seit
gefühlt 100 Jahren im Wald rum rennen?

Insoweit kann es der universitären Mykologie also doch nicht ganz egal sein, ob ihre Erkenntnisse von den Feldmykologen rezipiert werden.

In diesem Dilemma stecken wir hier vielfach, dass wir zur Zeit entdecken,
dass in vielen Gruppen der Pilze unsere bisherigen als Trennmerkmal
angesehen Merkmale von den molekularen Ergebnissen nicht gestützt werden.

Nun, die Entdeckung selbst ist nicht das Dilemma. Auch die Kommunikation der Ergebnisse nach unten ist kein Dilemma, höchstens ein Problem, vielleicht auch nur eine Aufgabe.

statt zu lamentieren lieber das nutzen was
WIR leisten können: Gut dokumentierte herbarisierte Kollektionen zur
Verfügung stellen,

Was wir jetzt aber ein paar Jahre lang wohl nicht mehr leisten können: fröhliche Kommunikation mit Hobbypilzkundlern über die Speise-/Giftpilzmorphologie hinaus. Das hier diskutierte Problem hat sich an der Atropurpurinae-Emeticinae-Problematik entzündet, aber kann andere Täublingssektionen natürlich genau so betreffen, ebenso wie andere Gattungen, an denen bisher nur nicht genügend herumgeforscht wurde.
Oder siehst du das anders?

Darum meine Bitte: Unterstüzt die universitären Mykologen, die neben ihren
universitären Pflichten sich zusätzlich für Artbestimmung, für
Artenvielfalt, für feldmykologische Aspekte interessieren, nach
Leibeskräften!

Aber mit was? Nur mit dem Zusenden von Exsikkaten und dem Mitlaufenlassen bei Exkursionen? Oder mit mehr?

Seid mir nicht böse, aber es muss unbedingt gesagt werden, dass die
Unimykologie und die Sequenziererei nicht unser Feind ist, sondern auch
uns letztlich weiterbringt!

Feind trifft es selbstverständlich nicht, aber die neue Art der Forschung schafft schon Probleme für die Kommunikation mit der Basis (nicht für die PSV-Speisepilz-/Giftpilzmorphologie der DGfM, aber für alles darüber Hinausgehende), für die irgendwann Lösungen hersollten.

LG
Stephan

Re: so isses aber halt nun mal, Stephan ...

Andreas ⌂, (vor 3889 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

das ist mittlerweile etwas lang geworden umdarauf im Einzelnen einzugehen ...
Der Kern des Problems - so wie ich es sehe - liegt aber eh gleich im zweiten Punkt, auf den Du zwar geschrieben hast, aber dabei genau das aufgezeigt hast, was ich als (Dein) Problem ansehe:

Die ihm deshalb nicht schmecken, weil er unbedingt seinen Funden einen Namen verpassen möchte, der auch höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Davon sollten wir versuchen uns zu lösen!<<

Und die ganzen Klagen über die neuen Ergebnisse lassen dich mit einem Mal kalt, wenn Du nicht versuchen wollen würdest, jedem Pilz den du da findest unbedingt einen genauest definierten Namen zu geben, am besten sollte der dann auch in 100 Jahren noch Bestand haben. Egal ob deutsch oder lateinisch, das Problem ist dasselbe.
Eine der Erkenntnisse die meine Teilnehmer am Cortinarien-Kurs von Anfang an lernen müssen ist, dass es meistens gut genug ist, seine Cortinarien in Sektionen einzuordnen, oder in Artengruppen, und das selten ein unumstößlicher Artmame dabei rauskommt. Oder dann eben nur mit sehr viel Aufwand.
Wieso kann der Hohlstiel-Täubling nicht weiterhin einer sein - wen von denen mit denen Du redest interessiert es so brennend, ob da vielleicht noch eine kryptische bisher unbenannte Art im Spiel ist. Warum nicht "iner der Hohlstiel-Täublinge" oder ich für meinen Teil wäre je nachdem (vielleicht nicht grad im Täublingsseminar ....) auch mit "einer der wechselfarbigen Spei-Täublinge" zufrieden.
Meinst Du, jemand bestimmt Habichtskräuter oder Brombeeren? Außer den dreineinhalb Freaks die dann aber auch fast nix anderes mehr tun. Ich hab noch auf keine Kräuterwanderung jemanden erlebt, der sich beschwert hat, dass ich ihm nicht genau sagen konnte welche exakte "Art" von Haselblatt-Brombeere das ist, was ich ihn für einen Tee sammeln lasse.
WENN Du dich so tief reinstürzen willst, dass du wirklich an den neuesten und oft noch nicht publizierten Erkenntnissen life und aus erster Hand teilnehmen willst, dann geht das mit entsprechendem (zeitlichen) Aufwand sicherlich, aber nicht in mehr als ein oder zwei Gattungen oder Gruppen. Du wirst schnell merken, wo da die Grenzen liegen.

Und das zweite was ich anmerken will (ein drittes kommt auch noch ...) ist, dass ich schon finde, Du stellst da ein wenig Ansprüche an die Uni-Mykologie, die ich öhm, wie sag ich's, anmaßend finde. O.k., vielleicht ein etwas hartes Wort, wenn es eine Stufe drunter als Wort geben würde würde ich das nehmen ...
Ich verstehe auch deine ganzen Probleme nicht, wieso das Auswirkungen auf die Feldführer und auf Anfängerkurse haben soll. Ein Steinpilz ist auch weiterhin einer und er ist auch weiterhin essbar. Und du kannst dann Fortgeschrittenen auch den Unterschiede zwischen den verschiedenen Steinpilzarten erklären. Und wenn Du tief in der Materie bist, dann kannst Du ihnen auch erzählen, dass es einen subedulis gibt an der Ostsee unter Kiefer im Sand mit grauem Hut. Und was es mit betulicola auf sich hat (jedenfalls was du dazu weißt) und so weiter. Das ist doch jetzt auch schon bereits unüberschaubar. Das macht die Sequenziererei doch nicht schlimmer als es schon ist, in vielen Fällen sogar im Gegenteil. Und deine Beschäftigung mit den Steimpilzen doch auch nicht.
Ehrlich gesagt verstehe ich das Problem nicht. Wem ist es denn nun schlimm, sagen zu müssen "das ist ein Samtfuß-Rübling". Welche Art genau ist derzeit nicht bestimmbar. Es gibt 4 oder 5 nahe verwandte Arten, die man über Sporengröße und HDS versucht hat auseinander zu halten, aber die molekularen Untersuchungen zeigen dass diese Merkmal nicht gut geeignet sind. Also können wir den Samtfuß-Rübling derzeit nur als Sammelart auffassen. Wer denn damit ein Problem? Ganz gewiss nicht deine Anfangssemester - sondern dann höchstens du als Vermittler des Wissensstandes. Ich habe damit keines das so in meinen Kursen anzusprechen.
Warum sollten die Unimykologen ein so großes Interesse daran haben, dass die Ergebnisse ihre Untersuchungen von den HOBBYMYKOLOGEN nachvollzogen und benutzt werden können? Das meiste das an den Unis geforscht wird über Pilze hat gar keinen Bezug zur Feldmykologie. natürlich haben Unis einen Forschungsauftrag sind irgendwo auch rechenschaftspflichtig gegenüber dem Steuerzahler. Aber nicht gerade speziell gegenüber den Hobbymykologen. Es ist WÜNSCHENSWERT, SINNVOLL, - aber sicherlich nicht VERPFLICHTEND. Die Feldmykologie ist ja auch nur ein sehr sehr SEHR kleiner Teil des Spektrums Mykologie. Und einer, mit dem sich kein Geld verdienen lässt. Warum um alles in der Welt sollte ein Student ein paar Jahre Zeit opfern, nur damit DU all deinen Samtfußrüblingskollektionen vier verschiedene Namen geben kannst und nicht F. velutipes agg. sagen musst.

Ich formuliere bewusst überspitzt, Stephan, und du weiß hoffentlich dass ich nicht DICH persönlich meine oder gar angreifen will, wenn ich DU schreibe - ich meine damit grundsätzlich alle die ähnliche Bedneken und Befürchtungen haben.

Die von die angesprochenen Benennungsprobleme sind aber mehr dann ein Problem des Selbstbewusstseins vielleicht. Wenn ich im Forum antworte, das ist der "Hohlstiel-Täubling", weil alle Merkmale passen (um mal bei dem Beispiel zu bleiben, ohne dass ich damit hetzt Rikas Pilz meine!), und dann kommt ein Thüringer Dahergeholzt und sagt ne, das ist aber Russula pseudocavipes, der ist molekular trennber, aber pssst, der wird erst noch beschrieben demnächst, dann hab ich natürlich mehrere Möglichkeiten:
- ich ärgere mich und schreibe "na toll du arroganter A...., woher soll ich denn sowas wissen
- ich freue mich und schreibe: "coool, jetzt kriegen wir schon Pilze bestimmt und lernen sie kennen bevor es sie gibt.
- ich versuche mein vermeintlich angekratzes Image zu retten und schreibe" naja, nach aller herkömmlicher Literatur ist es aber Russula cavipes, und eine pseudocavipes gibt es halt noch nicht, und solange ist das cavipe, basta!
Wahrscheinlich gibt's noch drei Möglichkeiten ...

Natürlich stimme ich Dir insofern zu, als dass es nicht wünschenswert ist, dass man nur sagt "alles klassisch bestimmte ist nicht molekular gestützt, die Merkmale taugen also nichts, die Gruppe ist nicht bestimmbar" - aber that's life ... Das nachzuweisen geht halt relativ schnell. Ein neues Konzept aufzubauen dass auf lichtmikroskopisch nachvollziehbarer Morphologie basiert, das ist dagegen eine Arbeit, an der ganze Teams Jahre verbingen können und trotzdem nicht ohne molekulares auskommen. Siehe die sehr gute Arbeit üner die Hebeloma crustuliniforme-Gruppe von Eberhardt et al.
Nochmal: Kein Botaniker hat ein Problem damit nicht jede apomitkische Hieracium-Sippe ansprechen zu können, selbst wenn er sich noch so bemüht. Warum müssen wir, wo die Pilze sogar noch ein insgesammt schwierigeres Feld als die Blümchen sind, das unbedingt wollen?
Ach ja, noch was: In der Flammulina-Arbeit über F. fennae und Verwandte werden axplizit zwei Kollektionen als Hybriden bezeichnet, weil die erste Hälfte der Sequenz F. fennae entspricht und die zweite Hälfte F. rossica (oder so ähnlich, habs auswendig nicht mehr genau im Kopf). Nur so als Anmerkung, um noch etwas Salz in die Wunde zu streuen *ggg*

Ja, drittens hatte ich eigentlich schon angesprochen:
Dei Probleme mit der Artabgrenzung bzw. Aufspaltung, die betreffen doch gerade die Feldführer und die Anfängerseminare noch am allerwenigsten. Und die Wissenzuwachsschiene "100-Arten-Pilzbuch-Lehwanderung-Seminar-Workshop-..." die betrifft das doch auch nicht. Ich verstehe gar nicht, wieso Du denkst dass sich da irgendwas ändert? Wärst Du glüclicher also mit deinem Hohlstiel-Täubling, wenn du NICHT wüsstest, dass es noch einen zweiten Hohlstiel-Täubling gibt, denn du zwar noch nicht unterscheiden kannst momentan, aber du weißt molekular dass es ihn gibt, und du folglich deinen Kursteilnehmern sagst "der ist halt so variabel, so kann der auch ausschauen", obwohl es die Parallelart ist? Ich würde mich besser fühlen zu sagen "der ist halt so variabel, so kann der auch ausschauen, allerdings soll es noch eine bisher unbeschriebene Art geben die ganz ähnlich aussieht, vielleicht ist das ja die". Ich möchte sehen, welcher Kursteilnehmer daraufhin dann enttäuscht den Kurs verlässt weil er nun nicht "genau" weiß wie sein Täubling heißt ...
Wieso sollen wir nicht mehr miteinander über Pilzfunde und Bestimmungen diskutieren können? Weil einer kommen könnte und sagen könnte "so wie ihr bestimmt ist das alles Käse"? SOOO kommt ja auch keiner, aber zu sagen "die Merkmale, nach dene ihr bisher die Arten in der Gruppe bestimmt haben, die sind NACH NEUEN ERKENNTNISSEN nicht tauglich zur Artbestimmung", das kann sehr wohl passieren. Und dann braucht man weiterhin gut NACH HERKÖMMLICHER LITERATUR bestimmte Kollektionen um irgendwann auf die Idee zu kommen, was denn die zuverlässigen Trennmerkmale sein könnten. Ganz oft wird das sicherlich eine Kombination aus Merkmalen sein. Die hehre Wunschvorstellung eines Bestimmungsschlüssels, der nur ganz klar eindeutige Alternativen stellt, die auf jeden gefundenen Pilzfruchtkörper ganz eindeutig zutreffen um damit ganz eindeutige Bestimmungen zu erlangen - vergiss es. Dazu ist die Natur viel zu sehr im Fluss.

Freu Dich doch dran, dass wir mitten in der Weiterentwicklung der Mykologie drin sitzend, dass wir derzeit sooo viel Forschungen fast life mitbekommen, gerade durch Felix und Jesko bei Russula oder Cortinarius, wie noch nie zuvor. Freu Dich dran, dass die Verbindungen zwischen Feldmykologen und universitären Mykologen so fließend sind wie nie zuvor (kommt mir jedenfalls so vor). Etliche MykologiestudentInnen machen eine PSV-Prüfung, viele AmteurmykologInnen machen das Currrikulum zum Universitär Geprüften Fachberater für Mykologie! Hier und da und dort gibt es Projekte in denen beide Seiten zusammenarbeiten. Noch jie war es so einfach, mit interessanten Kollektionen das Interesse bei jemandem zu wecken, der Möglichkeiten hat etwas sequenzieren zu lassen, jemanden zu treffen der Möglichkeiten hat REM-Aufnahmen zu machen oder ähnliches, so dass heute nahezu jeder ernsthaft sich wissenschaftlich interessierende Hobbymykologe auch tatsächlich Möglichkeiten nutzen kann, von denen wir vor 20 jahren noch nicht mal geträumt haben.
Drösel deine Risspilze doch ruhig auf und stelle die Kollektionen zusammen, in denen nur 12 der 14 geforderten Merkmale passen und daneben die andere, bei der nur 11 Merkmale passen. Fosche nach deinen Möglichkeiten, und suche Kontakt zu Leuten die weitere Möglichkeiten haben. Gerade bei Risspilzen weißt Du ebenso gut jemanden wie ich. Davon profitieren wir doch auch ungemein. Auch wenn ich weiß, o.k., in der Gruppe wird grad geforscht, da wird irgendwann in 5 bis 10 Jahren eine neue Monographie herauskommen, dann werden wir unsere Funde anders untersuchen udn anders benennen. Aber diese Studien basieren doch auf den nach bisheriger Literatur gemachten Bestimmungen. Der Großteil dieser neuen Erkenntnisse baut auf alten auf und somit ist das meiste alte kompatibel bzw. übertragbar.

Ich frage nochmal Wo liegt dein Problem? Ich kann keines erkennen!

beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas,
toll, dass ich dich mit meiner überspitzten Provoziererei aus der Deckung
locken und zum Schreiben eines solch tiefgehenden Beitrages bringen
konnte. Er geht optimal auf die Fragen ein, die mich als Hobbypilzkundler
bzw. als PSV (Hobbymykologe oder gar Amateurmykologe mag ich mich schon
gar nicht mehr nennen!) umtreiben. Gerne würde ich auf deinen Beitrag als
Ganzes antworten, aber seine Länge macht es etwas leichter mit der
Einhake-Technik.
Och nöö, Vogelkunde ist doch langweilig ;-)
Der Amateurmykologe könnte das Namensproblem z. B. dadurch lösen, dass er
einen von ihm gefundenen Pilz nur noch als Samtfußrübling (oder, sofern im
Mesobrometum bei Hauhechel gewachsen, als Hauhechel-Samtfußrübling) und
nicht mehr als Flammulina velutipes/onotis/... benennt, d. h. einfach
keine botanischen Namen mehr verwendet, wenn sie sich doch eh gerade in
Luft auflösen. So weit hört es sich einfach an.
Aber wie macht man's jetzt bei einem Hohlstieltäubling? Schließlich gibt es
ja etliche Täublinge mit hohlem Stiel, nicht nur die violetten scharfen
Cremesporer unter Tanne. Man kann ja nicht immerzu sagen: mein Pilz ist
das, was man früher Russula cavipes genannt hat, mein Pilz gehört in das
R. cavipes-Aggregat, mein Pilz gehört in die Gruppe um R. cavipes... Was
schreibt man z. B. auf das Schild bei der Pilzausstellung, was sagt man
bei der Lehrexkursion? Irgendwie traut man sich ja fast nicht mehr, sich
auf einen botanischen Namen festzulegen, wenn man nicht weiß, ob der vor
ein paar Monaten durch einen Fachartikel pulverisiert wurde. Oder auf eine
Internet-Anfrage einen Namen zu nennen, wenn man weiß, zwei Tage später
meldet sich jemand mit der Aussage: die Bestimmungsmerkmale in dieser
Sektion kannst du alle vergessen, der Pilz ist so nicht benennbar. Das ist
schon ziemlich frustrierend. Kennst du schon eine Lösung für dieses
Problem?
Die universitäre Mykologie hat wie jede Disziplin mMn aber auch die Aufgabe,
ihre Forschungsergebnisse an die Hobbymykologen zu kommunizieren. Sonst
würde sie mit großer Energie raketengleich von der Erde abheben und im All
schweben, womit letztlich niemandem gedient wäre: nicht den
Hobbymykologen, aber auch nicht den Wissenschaftlern selber, die ja schon
auch wollen, dass ihre Forschungsergebnisse irgendwann mal das allgemeine
Bewusstsein erreichen und die von der pilzkundlichen "Basis" in
der Feldforschung unterstützt werden sollen.
Jetzt: was ist die pilzkundliche "Basis", mit der die universitäre
Mykologie kommuniziert? Wie sich die Sachlage momentan darstellt, sind das
einige Dutzend Personen, die Zeit und Lust haben, sich Zugang zu
Fachartikeln zu verschaffen. Seither waren es Tausende und Abertausende,
mit denen die Kommunikation über die Instrumente Pilzbuch (Vademecum, MHK,
Pareys, Gattungsmonografien...), Lehrwanderung, Tagung und Seminar lief.
Unter den jetzt bekannten Umständen wäre es vielleicht besser, erst einmal
keine der etablierten Pilzbücher aufzulegen, keine Lehrseminare
(wohlgemerkt: nicht Workshops!) jenseits der PSV-Ebene mehr abzuhalten und
keine Lehrwanderungen mehr zu veranstalten, so lange zu befürchten ist,
dass alles "Wissen", was dort an die Basis kommuniziert wird,
Pseudowissen und letztlich Datenschrott ist. Ich für meinen Teil erwäge
gerade, erst einmal meine Seminar-Anmeldungen zu stornieren und auch keine
weiteren Fachbücher zu kaufen, bis sich der Erkenntnisssturm gelegt hat,
und werde auch interessierten Dritten Entsprechendes empfehlen.
Ich würde mir wünschen, dass ich von diesen Ergebnissen zunächst einmal
erfahre, und zwar nicht häppchenweise, sondern in Form einer Übersicht.
Erst dann ist an eine weitere Zusammenarbeit mit der universitären
Mykologie zu denken. Dieser sollte klar sein, dass der jetzige Zustand zu
einem massiven Abbröckeln der "Gewährsleute"-Basis (wie sie von
KIRCHNER und EICHLER genannt und auch von G. KRIEGLSTEINER in sein
BW-Projekt eingebunden wurde) führen könnte.
Jetzt wird's spannend. Ich hatte mich schon immer bei Täublingen gefragt, wie
es kommt, dass ein im Feld vorgefundener Täubling aus einem referenziellen
Katalog von 14 Merkmalen immer nur 10 bis 12 Merkmale, eigentlich nie aber
alle 14 Merkmale gleichzeitig aufweist. Bei Risspilzen ist die Quote
meiner Erfahrung nach noch schlechter. Der wohl richtige Schluss, der
daraus zu ziehen ist: die referenziellen Merkmalskataloge sind mangelhaft,
da sie Merkmale enthalten, die zur eindeutigen Artkennzeichnung nicht
taugen. Einer Klärung dieser Phänomene sähe ich mit äußerst großem
Interesse entgegen. Z. B. würde ich mich sofort bei einem Täublingskurs
anmelden, der diesen neuen Erkenntnissen den Rang einräumt, den diese
offensichtlich haben. Und selbstverständlich würde ich mir von jemandem,
der Zugang zu den neuen Erkenntnissen hat und mit der Basis kommuniziert,
erhoffen, dass dieser nicht nur sagt: alles, was seither über
Täublings-/Risspilzbestimmung publiziert wurde, ist Käse, sondern auch
klar benennt, wie man nach neuem Kenntnisstand stattdessen vorgehen
sollte. Sonst endet es ja damit, dass es in Europa nur drei, vier Hansels
gibt, die Täublinge und Risspilze bestimmen können. An einem solchen
Zustand kann niemand Interesse haben.
Insoweit kann es der universitären Mykologie also doch nicht ganz egal sein,
ob ihre Erkenntnisse von den Feldmykologen rezipiert werden.
Nun, die Entdeckung selbst ist nicht das Dilemma. Auch die Kommunikation der
Ergebnisse nach unten ist kein Dilemma, höchstens ein Problem, vielleicht
auch nur eine Aufgabe.
Was wir jetzt aber ein paar Jahre lang wohl nicht mehr leisten können:
fröhliche Kommunikation mit Hobbypilzkundlern über die
Speise-/Giftpilzmorphologie hinaus. Das hier diskutierte Problem hat sich
an der Atropurpurinae-Emeticinae-Problematik entzündet, aber kann andere
Täublingssektionen natürlich genau so betreffen, ebenso wie andere
Gattungen, an denen bisher nur nicht genügend herumgeforscht wurde.
Oder siehst du das anders?
Aber mit was? Nur mit dem Zusenden von Exsikkaten und dem Mitlaufenlassen bei
Exkursionen? Oder mit mehr?
Feind trifft es selbstverständlich nicht, aber die neue Art der Forschung
schafft schon Probleme für die Kommunikation mit der Basis (nicht für die
PSV-Speisepilz-/Giftpilzmorphologie der DGfM, aber für alles darüber
Hinausgehende), für die irgendwann Lösungen hersollten.
LG
Stephan

Re: Russula cavipes? NH3

Andreas ⌂, (vor 3893 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

tja, was ist denn nun sicher an dem Pilz?
Mit Merkmalsangaben die nachher dann doch nicht stimmen ist es schwierig Pilze zu bestimmen. Täublinge im Besonderen ...

Wieso soll ich nicht glauben wollen dass es da noch was gäbe?
Ich glaube allerdings in der Tat nicht, dass es außer Russula cavipes noch einen weiteren derzeit beschriebenen Täubling gibt der die Merkmale "scharf", "violettroter Hut" "starkes Gilben" "hohler Stiel" und "positive Ammoniak-Reaktion" vereinigt.
Wenn Felix weiß, dass es eine bisher nicht beschriebene cavipes-Verwandte gibt und er die vermutet - gut. Ich kann nicht hellsehen.
Wenn die Ammoniak-Reaktion nun doch nicht stimmt und der Stiel nur bei einem Pilz so holh war - gut, dann fällt cavipes aus. Aber woher soll ichs wissen, ich verlass mich halt schon drauf was du an Merkmalen beschreibst.
Zur Erinnerung, vom ersten Bild her hatte ich auch nicht auf cavipes getippt, erst dadurch dass Du erst atrorubens und dann atropurpurea ausgeschlossen hast, dann den gekammert-hohlen Stiel gezeigt hast und von starkem Gilben berichtetest - kam eben R. cavipes in Betracht. Wozu die Ammoniakreaktion dann als engültiges Merkmal passte.
Wir werden sehen, ob sich was molekular ergibt und was dann von den Merkmalen noch übrig bleibt. Eigentlich nicht gerade die Reihenfolge mit der man üblicherweise Pilze bestimmt ... ;-)

beste Grüße,
Andreas

________________________________________________________________________________

Hallo Andreas,
es schneit zwar schon wieder, aber ich will niemand auf´s Glatteis führen ;-)
Es war & ist ja eine Bestimmungsanfrage und kein Rätsel. Zum Rätseln
gibt es aber trotzdem genug bei dieser Kollektion.
Also: Bei allen halbwegs erwachsenen Frk. war der Stiel gekammert, nur bei
einem recht jungen Frk. war er noch wattig gefüllt, bei einem sehr alten
Frk. fast komplett hohl – das passt schon weit schon.
Es gab nur 1 Frk., der sich mit 25% NH3 an der Stielspitze (außen) ein wenig
orangerot verfärbt hat, an den Lamellen kann man eine Verfärbung nur
erahnen. Diesen Pilz hatte ich am 27.1.16 (Mi.) bei der ersten Aufsammlung
mitgenommen. Er lag dann bis 30.1.16 (Sa.) auf der Terrasse in einer
halbgeöffneten Box und gammelte vor sich hin, hatte aber keinen
(sichtbaren) Schimmel. Spät in der Nacht machte ich dann mit diesem Frk.
den NH3-Test, weil alle anderen Frk. inzwischen beim Trocknen waren.
Nachdem alle anderen getesteten Frk. NH3-negativ waren, vermute ich
inzwischen, dass die Rotfärbung bei diesem Einen vielleicht mit einem
Befall oder anderem Gammel zu tun haben könnte – siehe Foto unmittelbar
nach dem NH3-Auftrag.
Peter P. hat mir gestern ein Foto mit einer schönen Kollektion Eurer
Thüringer R. cavipes geschickt – so sehen die bei Lothar + Christian +
Michael auch aus. Wie ich das sehe, durchgehend violett mit gelegentlichen
Grüntönen, ohne weißen Hutrand, ohne so kräftiges Rot.
Du magst wohl nicht recht glauben, dass es neben R. cavipes noch eine andere
Art geben könnte?
Viele Grüße – Rika

Re: Russula cavipes? NH3

UmUlmHerum, (vor 3893 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

´tschuldigung, dass ich nicht gleich am ersten Tag den ganzen Bestand zerschnitten und berichtet habe, ab welcher Pilzgröße der Stiel noch gefüllt oder schon gekammert ist... Eigentlich hatte ich gehofft, eine Erklärung dafür zu bekommen, wieso 1 Pilz schwach NH3-positv ist und 3 oder 4 andere der gleichen Art nicht...

Du hast es doch sehr gut erkannt und zusammengefasst:

Ich glaube allerdings in der Tat nicht, dass es außer Russula cavipes noch
einen weiteren derzeit beschriebenen Täubling gibt, der die Merkmale
"scharf", "violettroter Hut", "starkes Gilben" "hohler Stiel" und "positive
Ammoniak-Reaktion" vereinigt.
Wenn Felix weiß, dass es eine bisher nicht beschriebene cavipes-Verwandte
gibt und er die vermutet - gut.

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass die Ammoniak-Reaktion zweifelhaft ist.
Ansonsten: siehe meine Antwort an Stephan.

Viele Grüße – Rika

Re: Rote Täublinge vom 28.1.16 – nicht cavipes

UmUlmHerum, (vor 1532 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo miteinander!

Heute bin ich bei Recherchen mal wieder über diesen alten Thread gestolpert.

Zur Info für alle, die dies hier zufällig durchlesen: Diese Kollektionen wurden im Frühjahr 2016 von Jesko & Felix sequenziert, und sie sind nicht identisch zu Russula cavipes! Da noch zu wenige andere Kollektionen vorliegen, gibt´s auch noch keinen neuen Namen (außer ich bin da nicht auf dem Laufenden – bitte gerne korrigieren).

An unterscheidenden Makro-Merkmalen haben wir gefunden:
– Hutfarben nur weiß-rot-violett-schwarz, jung weißer Hutrand, kein grün oder braun
– Stiel beim Trocknen grauend
– Geruch deutlich obstartig, keinesfalls nach Wurstbrühe

Nachdem mir Christian damals noch eine Portion sicherer R. cavipes zum Vergleich besorgt hatte und im späten Herbst weitere Kollektionen der neuen Art wuchsen, versuchte ich, mikroskopische Unterschiede zu finden. Ich hatte den Eindruck, dass sich die beiden Arten im Sporenornament leicht unterscheiden, vor allem in der Höhe desselben. Um dies aber wirklich abzusichern, bräuchte ich erst mal eine bessere Optik an meinem 1970er Zeiss-Mikroskop und möglichst einen Kamera-Tubus + Mess-Software... Um was es dabei geht – hier ein Ausschnitt aus einer Mail von Jesko:
Verfeinerte Mikromerkmale (oft bei anderen Gattungen schon länger so üblich) umfassen zunächst gründliche Messungen der sinnvollerweise messbaren Elemente (z.B. Sporen, Endzellen von Huthauthyphen, Zystiden ...), also nicht einfache Intervallermittlung, sondern z.B. mindestens 50 Messungen jeder Größe, um die artspezifische interkarpische Variabilität der Durchschnittswerte zu bestimmen. Das Sporenornament lässt sich über Indikatoren quantitativ bewerten. Hierzu nimmt man einen 3-my-Kreis auf der Sporenoberfläche und zählt die isolierten Warzen, die Warzengruppen, die Warzenverbindungen und die Grate. Bei Huthaut (Messungen) Differenzierung nach Hutmitte und Hutrand und Dicke der Huthaut. Differenzierte Marginalzellen an der Lamellenschneide (ja/nein, Form). Dichte der Pleurozystiden auf den Lamellenflächen (z.B. 500-800 pro qmm)...

Vielleicht findet ja jemand von Euch diese roten hohlstieligen Täublinge und mag sich damit detaillierter beschäftigen ... oder Exsikkate an Jesko oder Felix schicken?

Viele Grüße – Rika

____________________________________________________________________-

Hallo miteinander!
Den ganzen Herbst über hat sich hier kaum ein Täubling blicken lassen – und
heute (= gestern) gleich 5 Stück! Und was für hübsche Dinger! Tief im Moos
eingebettet, schauten nur die roten Köpfchen raus.
Standort: Hochsträß bei Ulm, 640m NN, Lösslehm über Kalk, am Rande eine
Weißtannenwaldes mit Eiche, Buche, Fichte nebendran, im Moos.
Hut: Ø 4 cm; feucht schmierig, trocken seidig-matt; jung glatt, älter grob
gerieft (= zwischen den Lamellen eingefallen); Rand lange leicht
eingerollt; dünnfleischig (auf 1/4 scheint die rote Huthaut durch, wenn
man den Pilz ins Licht hält und auf die Lamellen schaut); Huthaut am Rand
abziehbar (weniger als 1/4 des Radius); Farben: leuchtendes dunkelrot mit
einem Stich ins Violette, weißliche Flecken, weißlicher Rand (sehr
auffällig).
Lamellen: relativ entfernt stehend; kräftig; ohne Zwischenlamellen; am Grund
leicht anastomisierend; cremeweiß.
Stiel: Ø 8 mm x 40 mm lang, voll; Basis etwas spindelig verjüngt; weißlich,
feucht creme-grau.
Geschmack: ordentlich scharf, aber nicht so heftig wie die Spei-Täublinge; ob
da noch "bitter" dabei war, kann ich nicht sagen.
Mikro: Sporen mit Stacheln, Warzen und kurzen Graten; Maße 8,7...10,4 x
8,3...10,4
Massenhaft Zystiden – auf der Lamellenfläche "gerade Hörner" mit
abgerundeten Spitzen, manchmal mit kleinem Köpfchen – auf der Huthaut
entweder lange, dünne Pileos oder Haare?
Zum Namen habe ich schon einen Verdacht, das Einzige, was nicht passt, sind
die zu großen Sporen. Aber dafür könnte es einen Erklärung geben: ich habe
fast nur 2-sporige Basidien gesehen! Eigentlich hat man diese Art hier in
der Gegend + weiteren Umgebung noch nicht gefunden bzw. kartiert :-/
In Anbetracht der Uhrzeit stelle ich jetzt erst nur die Standort-Fotos ein,
die Mikros folgen "morgen" (= heute, aber deutlich später).
Tipps werden gerne + jederzeit entgegengenommen!
Guten Nacht – Rika