Januarpilze

UmUlmHerum, (vor 3907 Tagen)

Hallo miteinander!

Hier noch eine kleine Nachlese von dem Waldspaziergang (als die Kamera noch Saft hatte), von dem auch dieser Raustielige Wasserfuß + der Knorpelige Drüsling stammen. Das sind zwar alles keine Raritäten, aber trotzdem hübsch anzuschauen...

(1) Beginnen wir mit einem Klassiker, den ich immer wieder gerne fotografiere: Samtfuß-Rübling (Flammulina velutipes), der an einer geborstenen Eiche fruktifiziert:
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(2) Wer kriecht denn da unter der Rinde hervor? Goldgelber Zitterling (Tremella mesenteria), genaugenommen sollte dies die Nebenfruchtform sein.
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(3) Diese ondulierten Kerle habe ich "Krauser Zwergknäulig" genannt, eine soeben erfundene Varietät von Panellus stipticus:
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(4) Zu Diesen hier fehlt mir noch der Name: diese Stummelfüßchen wuchsen in rauen Maßen auf Fichtenästen und haben einen Stummelfuß, der dem oben genannten Bitteren sehr ähnlich sieht. Traut sich jemand, ohne Mikro einen Namen vorzuschlagen?
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(5) Zu guter Letzt noch ein Porling, der auf der Unterseite einer Fichtenholz-Palette zum wiederholten Male sein Unwesen treibt – wie man an der überwucherten, alten Fruchtschicht erkennt. Auch wieder ein recht ästhetischer Pilz, der Violette Lederporling (Trichaptum abietinum):
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Tipps zu Nr. (4) werden dankend entgegengenommen! (Als Belohnung gibt´s ein paar Fotos von gaanz tollem Haareis vom 14.1.16 – der Tag, bevor der Winter kam...)

Viele Grüße – Rika

Re: Januarpilze

Gernot, (vor 3907 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Samtfuß-Rübling (Flammulina velutipes)

Samtfußrübling im weiteren Sinne, ja. :-)

(2) Wer kriecht denn da unter der Rinde hervor? Goldgelber Zitterling
(Tremella mesenteria), genaugenommen sollte dies die Nebenfruchtform sein.

Nebenfruchtform? Wieso das?

(4) Zu Diesen hier fehlt mir noch der Name: diese Stummelfüßchen wuchsen in
rauen Maßen auf Fichtenästen und haben einen Stummelfuß, der dem oben
genannten Bitteren sehr ähnlich sieht. Traut sich jemand, ohne Mikro einen
Namen vorzuschlagen?

Schau mal bei Panellus mitis.

Schöne Grüße
Gernot

Re: Januarpilze + Haareis

UmUlmHerum, (vor 3906 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

dank´ Dir für Deine prompte Antwort!

Samtfußrübling im weiteren Sinne, ja. :-)

Im Auwald und auf Weide würde ich schon zum Mikro greifen. Aber hättest Du hier wirklich Zweifel an F. velutipes auf Eiche im "normalen" Wald?

Nebenfruchtform? Wieso das?

Vor ein paar Jahren hat mal jemand zu mir gesagt, diese intensiv orangefarbenen, gekräuselten Frk. wären die NFF, die transparent gelblichen "Lappen" die HFF – falsch? Auf dem gleichen Ast waren auch "richtige" Zitterlinge in klassischer Form + transparentem Goldgelb. Beide "Formen" also unter gleichen Bedingungen. Oder sind die Orangefarbenen nur ganz junge Frk.? Ich lasse mich gerne aufklären!

Schau mal bei Panellus mitis.

Danke für das Mit-der-Nase-Draufstoßen! Den Milden Zwergknäueling hatte ich einfach nicht auf dem Radar! Immerhin war mir die Stummelstiel-Ähnlichkeit schon aufgefallen, aber dann kam nix mehr im Hirn ;-)

Schöne Grüße
Gernot

So, nun zur "Belohnung", auch gerne für Doris, das wunderbare Haareis vom 14.1.16. Zur Entstehung gibt es verschiedene Thesen, die aktuellste könnt Ihr in diesem FAZ-Artikel vom 17.11.2015 lesen. Ob dies die wirklich richtige Erklärung ist? Ich habe da so meine Zweifel...
http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/raetsel-um-haareis-bildung-auf-totem-ho...

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Viele Grüße – Rika

Re: Januarpilze + Haareis

Gernot, (vor 3905 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Im Auwald und auf Weide würde ich schon zum Mikro greifen. Aber hättest Du
hier wirklich Zweifel an F. velutipes auf Eiche im "normalen"
Wald?

Das Substrat ist m. E. wenig aussagekräftig. Ich mikroskopiere die Samtfüße immer, wenn ich sie genau bestimmen möchte, ansonsten schreibe ich einfach F. velutipes s. l.

Vor ein paar Jahren hat mal jemand zu mir gesagt, diese intensiv
orangefarbenen, gekräuselten Frk. wären die NFF, die transparent
gelblichen "Lappen" die HFF – falsch?

Das wäre mir neu…

Tolle Haareis-Fotos!

Schöne Grüße
Gernot

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

UmUlmHerum, (vor 3904 Tagen) @ Gernot

Hallo Rika,
Das Substrat ist m. E. wenig aussagekräftig. Ich mikroskopiere die Samtfüße
immer, wenn ich sie genau bestimmen möchte, ansonsten schreibe ich einfach
F. velutipes s. l.
Das wäre mir neu…
Tolle Haareis-Fotos!
Schöne Grüße
Gernot

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Hallo Gernot,

und wie oft findest Du F. elastica im normalen Wald und nicht auf Weide? F.v. : F.e. = 20 : 1 würde ich so aus dem Bauch raus schätzen... oder noch seltener?

Wegen der Nebenfruchtform vom Goldgelben Zitterling habe ich in meinen alten Fotos + Mails gesucht und bin mit einer Mail von Hermine fündig geworden:
Hallo Rika, ja, das sieht gut aus, finde ich. Ich hänge Dir meine Fotos an. Man sieht schön, dass die Konidien hefeartig keimen. Die Anamorphe hört auf den hübschen Namen Hormomyces :-)
Wenn es Dich näher interessiert, habe ich noch Mikros von mir. Allerdings war das alles im Dez. 2013, da hatte ich das Mikroskop gerade mal ein paar Monate. Hier noch ein Standort-Foto vom damaligen Fund.

Viele Grüße – Rika

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Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

Gernot, (vor 3904 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

alleine die Tatsache, dass F. velutipes s. str.(*) von Weide und F. elastica(*) von anderen Substraten als Weide bekannt ist, hält mich davon ab, die Arten ohne Mikroskopie anzusprechen – ganz davon abgesehen, dass ich es mir auch nicht zutrauen würde, diese Arten makroskopisch von F. fennae, F. populicola und F. rossica zu trennen. Andere sind da vielleicht mutiger/haben mehr Erfahrung als ich. Flammulina elastica(*) ist auf Weichhölzern in Auwäldern m. E. n. auf jeden Fall die häufigere Art aber sie ist durchaus auch in anderen Habitaten (inkl. "normale" Wälder) anzutreffen.

(*) Diese Namen sind jeweils in Bezug auf Kollektionen zu verstehen, die anhand der in der Literatur üblicherweise angeführten Unterscheidungsmerkmale (Sporenmorphologie) bestimmt wurden. Genetische Untersuchungen anhand von ITS-Sequenzen haben gezeigt, dass die bisher zur Bestimmung herangezogenen morphologischen Merkmale zur Unterscheidung von F. elastica von F. velutipes s. str. tatsächlich gar nichts taugen, siehe Ripková et al. (2010).

Zu Hormomyces: Ich hab das asexuelle Stadium von Tremella mesenterica noch nie bewusst gesehen aber zumindest die bei Google gefundenen Fotos scheinen eher einen ausgebreiteten, intensiv rosa-orange gefärbten Pilz zu zeigen (eigentlich anders als dein Foto – ?). Deine Mikros würden mich interessieren!

Schöne Grüße
Gernot

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

UmUlmHerum, (vor 3904 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

merci für Deine Infos zu den Samtfüßen! Insbesondere:

(*) Diese Namen sind jeweils in Bezug auf Kollektionen zu verstehen, die
anhand der in der Literatur üblicherweise angeführten
Unterscheidungsmerkmale (Sporenmorphologie) bestimmt wurden. Genetische
Untersuchungen anhand von ITS-Sequenzen haben gezeigt, dass die bisher zur
Bestimmung herangezogenen morphologischen Merkmale zur Unterscheidung von
F. elastica von F. velutipes s. str. tatsächlich gar nichts taugen, siehe
Ripková et al. (2010).

Demnach müsste man weitere (andere) morphologische Unterscheidungsmerkmale finden oder – um Andreas zu zitieren – die Pilze dieser Gattung am Besten unbesehen in die Pfanne hauen ;-)

Nun zu Hormomyces:
Man findet beim Googeln schon etliche Bilder (inkl. Mikros) dieser Anamorphe, auch in der orangegelben Form → wie der Name eigentlich schon aussagt "Hormomyces aurantiacus". Wikipedia schreibt dazu: Hormomyces is a genus of fungi in the family Tremellaceae. The genus, which contains anamorphic versions of Tremella, has a widespread distribution, and contains three species.[1] The genus was circumscribed by German mycologist Hermann Friedrich Bonorden in 1851.
Und führt folgende drei Arten auf: H. aurantiacus, H. paridiphilus, H. peniophorae

Super Mikro-Bilder sind auch im Link meiner damaligen Mail, hier ein Ausschnitt der Korrespondenz mit Hermine, meine Mail an sie:

Deine Konidien-Idee ist interessant - ich habe gerade darüber im Netz recherchiert, und mich in einer 100 Jahre alten Veröffentlichung festgelesen (Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Wort und Bild. Band IX. Kryptogamen-Flora: Moose, Algen, Flechten und Pilze; ca. 30000 Arten und Varietäten bearbeitet von Dr. W. Migula; Pilze. 2. Teil). Tolle Beschreibungen, Bilder und Schlüssel - bloß: wie findet man auf den 772 Seiten gezielt was? Zum Glück steht Tremella schon auf Seite 15 ;-)

Hier gibt es Mikro-Fotos von T. m. inklusive Konidien; die Hyphen der HFF haben Schnallen: http://www.marn.at/pilze-index/mesenterica_mikro.html Ich finde aber, dass die Hyphen bei meinem Fund viel weniger verzweigt sind!?

Diesen orange-gelben Pilz hatte ich jetzt 2x unterm Mikro. Nur, als Anfängerin in dieser Welt kann ich vieles, was ich sehe, noch nicht einordnen. So langsam dämmert es mir, dass die vielen, kleinen Dinger doch Sporen sein können, und zwar von einer NFF - deswegen die unrunde Form = Abschnürungen. Bei meinem gestrigen, zweiten Mikro-Anlauf stellte ich mit Entzücken fest, dass sich die Strukturen mit Baumwollblau schön anfärben lassen, und ich somit auch was Sichtbares fotografieren konnte! Hier mal eine Makro- und Mikro-Beschreibung, so gut, wie ich das mit meinem (Un-) Kenntnisstand eben kann:

Funddaten:
22.12.2013, MTB 7625-133

Standort (48.350146,9.843749):
Waldrand mit viel Totholz eines gepflanzten, mäßig jungen Laubwaldes (hauptsächlich Eiche und Hainbuche, auch Ahorn, Rotbuche, Esche, Linde, einzelne alte Fichten (Restbestand), vereinzelt Wildkirsche, Birke, Weide; am Rand Gebüsch aus Schlehen, Holunder, Pfaffenhütchen, Geissblatt, Brombeeren, Brennnesseln..., dann eine Mähwiese. Die Öhrchen wachsen auf einem liegenden, ziemlich toten Laubholz = Feld-Ahorn (Acer campestre), die Rinde sprengend.

Fruchtkörper:
Leuchtend orange-gelbe, folienartige Öhrchen; brechen aus der Rinde dieses Totholzes (Feld-Ahorn) hervor, gesellig bis reihig oder büschelig; Fruchtkörper 15 - 30 mm breit; 0,3 - 0,4 mm dick; gefaltet; zäh (nicht brüchig); an der Anwuchsstelle 2 mm dick; äußere Oberfläche mit Lupe schollenartig aufgebrochen (Frostschaden?). Die Fkr. sind ganz frisch, keinesfalls eingetrocknet - sie waren 6 Tage vorher noch nicht da.

Mikro:
Beim Schneiden fällt auf, dass sie gummiartig zäh sind. Beim Dünnschnitt zerfällt es in einen innere und eine äußere Haut/Schicht. Im Wasser haben sich sofort makroskopische "Nebel" gebildet, die ich für Unmengen an Sporen halte. Die äußere Haut besteht aus sehr langen, dünnen Hyphen (Ø 1-2 µm), die nur selten verzweigt sind, keine Schnallen gefunden. Die Struktur der inneren (Frucht-)Schicht lässt sich nicht richtig erkennen, weil alles voller Sporen ist. Man sieht aber einige große "Blasen" vorstehen, die auch im Wasser nebendran gelegentlich rumschwimmen, siehe die beiden Mikro-Bilder (Nr. 26 = im Wasser nebendran, Nr. 29 = in der gelben Fruchtschicht). Schläuche sehe ich keine, also wohl ein Basidio.
Größen:Ungleichmäßig-runde Sporen mit Ø 2 - 3,3 µm; dickwandige "Blasen" (= Ballonzellen?) - 3 Stück vermessen: 17 x 15 / 18 x 13,5 / 14,5 x 6

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Viele Grüße – Rika

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

Gernot, (vor 3904 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Insbesondere: Demnach müsste man
weitere (andere) morphologische Unterscheidungsmerkmale finden

Genau!

oder – um Andreas zu zitieren – die Pilze dieser Gattung am Besten unbesehen in die
Pfanne hauen ;-)

Ja, dann würde man wenigstens etwas Sinnvolles mit ihnen machen. :P

Nun zu Hormomyces : Man findet beim Googeln schon etliche Bilder (inkl.
Mikros) dieser Anamorphe, auch in der orangegelben Form

Könntest du das eine oder andere Foto zur orangegelben Form verlinken? Bei mir zeigen diese Fotos immer nur "normale" T. mesenterica, die Google findet, weil irgendwo auf der entsprechenden Website "Hormomyces aurantiacus" als Synonym angeführt ist.

Ich habe nun in Seifert et al. (Genera of Hyphomycetes) nachgeschaut: Demnach ist H. aurantiacus keineswegs das asexuelle Stadium von T. mesenterica! Zitat zu Hormomyces: "Teleomorph: Tremella, fide Donk 1966, but the connection was questioned by Tubaki 1976; H. aurantiacus is certainly not the anamorph of Tremella mesenterica as often reported, fide Seifert." (Hervorhebung von mir.)

Hormomyces aurantiacus hat kettenförmig angeordnete Konidien, siehe die Abbildung in Seifert et al. oder hier bzw. wird das in der Originalbeschreibung so erwähnt ("Ketten runder Hyphen") und illustriert.

Der von dir erwähnte Link zeigt ganz andere Strukturen (keine kettenförmigen Konidien). Ob das das "richtige" asexuelle Stadium von T. mesenterica ist? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, hab auf die Schnelle auch keine Literatur dazu gefunden, die mir zugänglich ist. Deine Fotos sind für mich auch schwer zu beurteilen, da man die Konidiophoren nicht gut sieht.

Für mich bleibt also noch offen, wie das tatsächliche asexuelle Stadium von T. mesenterica aussieht bzw. in welcher Form man das in der freien Natur antreffen kann. Z. B. in dem von dir bereits erwähnten Werk (Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Wort und Bild) wird beschrieben, wie die Konidien in denselben Fruchtkörpern gebildet werden, in denen dann später ganz normal Basidien und Basidiosporen reifen. Falls jemand mehr dazu weiß oder Zugang zu jüngerer Literatur hat, in der das Thema behandelt wird, würde mich das sehr interessieren!

Schöne Grüße
Gernot

(Tremella/Hormomyces sind wohl die nächsten Kandidaten für die Pfanne!)

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

UmUlmHerum, (vor 3904 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot!

Könntest du das eine oder andere Foto zur orangegelben Form verlinken? Bei
mir zeigen diese Fotos immer nur "normale" T. mesenterica, die
Google findet, weil irgendwo auf der entsprechenden Website
"Hormomyces aurantiacus" als Synonym angeführt ist.

Wenn ich "Hormomyces" als Suchbegriff eingebe, kommen folgende Sites mit orangegelben Formen:
http://botany.cz/cs/tremella-mesenterica/
http://www.agrozoo.net/jsp/Galery_one_image.jsp?id_galery=ba443e91258d45e69c36b6831d232...
https://sites.google.com/site/scottishfungi/species-profiles/tremella-mesenterica-ye
Eingangszitat der o.a. Site: Common Name: Yellow Brain (and lookalike Tremella aurantia)
(Old scientific names include: Tremella lutescens; Hormomyces aurantiaca the latter referring to asexual fruit bodies producing conidiophores)

Ich habe nun in Seifert et al. (Genera of Hyphomycetes) nachgeschaut: Demnach
ist H. aurantiacus keineswegs das asexuelle Stadium von T. mesenterica!
Zitat zu Hormomyces: "Teleomorph: Tremella , fide Donk 1966, but
the connection was questioned by Tubaki 1976; H. aurantiacus is
certainly not the anamorph of Tremella mesenterica as often reported,
fide Seifert." (Hervorhebung von mir.)

Vielleicht täuscht sich Seifert et al.? Würdest Du es als "Beweis" ansehen, wenn die (m.E.) HFF und NFF unmittelbar nebeneinander oder sogar miteinander verbunden wächst? So gesehen bei dem Januar-2016-Fund, nur nicht dokumentiert, weil es für mich ja keine Zweifel gab. Ich persönlich glaube, dass bei Tremella mesenterica die geschlechtliche + die ungeschlechtliche Form gleichzeitig bzw. im selbem Frk. vorliegen kann, wobei die ungeschlechtliche vorauseilend ist (siehe Flora D, A & CH). Nachdem ich diese orangegelben Folienblätter öfters mal sehe, kann ich beim nächsten Fund – mit inzwischen besseren Mikrokenntnissen – noch mal genauer untersuchen. Vielleicht finde ich ja auch eine Übergangsform. Aber nach den strengen Frösten ist im Moment sicher noch Pause.

Hormomyces aurantiacus hat kettenförmig angeordnete Konidien, siehe die
Abbildung in Seifert et al. oder hier bzw. wird das in der
Originalbeschreibung so erwähnt ("Ketten runder Hyphen") und
illustriert .

Dazu zwei der Bilder von Hermine (ich hoffe, sie hat nichts dagegen) – 1x Makro + 1x Mikro mit Ketten:
[image]
[image]

Der von dir erwähnte Link zeigt ganz andere Strukturen (keine
kettenförmigen Konidien). Ob das das "richtige" asexuelle
Stadium von T. mesenterica ist? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, hab auf
die Schnelle auch keine Literatur dazu gefunden, die mir zugänglich ist.
Deine Fotos sind für mich auch schwer zu beurteilen, da man die
Konidiophoren nicht gut sieht.
Für mich bleibt also noch offen, wie das tatsächliche asexuelle Stadium von
T. mesenterica aussieht bzw. in welcher Form man das in der freien Natur
antreffen kann. Z. B. in dem von dir bereits erwähnten Werk ( Flora von
Deutschland, Österreich und der Schweiz in Wort und Bild ) wird
beschrieben, wie die Konidien in denselben Fruchtkörpern gebildet werden,
in denen dann später ganz normal Basidien und Basidiosporen reifen. Falls
jemand mehr dazu weiß oder Zugang zu jüngerer Literatur hat, in der das
Thema behandelt wird, würde mich das sehr interessieren!
Schöne Grüße
Gernot
(Tremella/Hormomyces sind wohl die nächsten Kandidaten für die Pfanne!)

Nanana, wer wird denn gleich die Flinte ins Korn werfen ... oder die Hormomyces statt Safran bzw, Curcuma zum Färben in den Reis?

Viele Grüße – Rika

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

Gernot, (vor 3901 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Wenn ich "Hormomyces" als Suchbegriff eingebe, kommen folgende
Sites mit orangegelben Formen:

Danke, aber wer sagt denn jetzt, dass diese Fotos das asexuelle Stadium von T. mesentarica zeigen?

Vielleicht täuscht sich Seifert et al.? Würdest Du es als "Beweis"
ansehen, wenn die (m.E.) HFF und NFF unmittelbar nebeneinander oder sogar
miteinander verbunden wächst?

Seifert et al. schreiben ja nicht, dass T. mesenterica kein asexuelles Stadium ausbilden kann, sondern nur, dass Hormomyces aurantiacus eben nicht jenes asexuelle Stadium von T. mesenterica ist...

Schöne Grüße
Gernot

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

Ingo Wagner, (vor 3902 Tagen) @ Gernot

alleine die Tatsache, dass F. velutipes s. str.(*) von Weide und F.
elastica(*) von anderen Substraten als Weide bekannt ist, hält mich davon
ab, die Arten ohne Mikroskopie anzusprechen – ganz davon abgesehen, dass
ich es mir auch nicht zutrauen würde, diese Arten makroskopisch von F.
fennae, F. populicola und F. rossica zu trennen. Andere sind da vielleicht
mutiger/haben mehr Erfahrung als ich. Flammulina elastica(*) ist auf
Weichhölzern in Auwäldern m. E. n. auf jeden Fall die häufigere Art aber
sie ist durchaus auch in anderen Habitaten (inkl. "normale"
Wälder) anzutreffen.
(*) Diese Namen sind jeweils in Bezug auf Kollektionen zu verstehen, die
anhand der in der Literatur üblicherweise angeführten
Unterscheidungsmerkmale (Sporenmorphologie) bestimmt wurden. Genetische
Untersuchungen anhand von ITS-Sequenzen haben gezeigt, dass die bisher zur
Bestimmung herangezogenen morphologischen Merkmale zur Unterscheidung von
F. elastica von F. velutipes s. str. tatsächlich gar nichts taugen, siehe
Ripková et al. (2010).

Hallo Gernot!

Bloß zur Sicherheit nochmal nachgefragt:
Bedeutet das, dass man mikroskopisch anhand der Sporenlängen also Fl. velutipes s.str. nicht von Fl. elastica trennen kann?

VG Ingo W

Re: Januarpilze - NFF Tremella – Hormomyces

Gernot, (vor 3901 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

am besten setze ich gleich direkt ein Zitat aus der Arbeit von Ripková et al. (2010):

"Petersen et al. (2009) distinguished F. elastica, a species
phylogenetically related to F. velutipes, as differing from F.
velutipes by the ratio of length and width of spores (Q=
2.5–3). All our collections had a Q value up to 2.2 and,
following the concept of Petersen et al. (2009), they were
morphologically assigned to F. velutipes. However, 2 of 12
collections morphologically determined as F. velutipes had
sequences that corresponded to F. elastica as defined by
blast sequence homology and by sequence alignments with
known exemplars. Discrepancies in morphological and
molecular delimitation of F. velutipes and F. elastica
suggest that a critical revision of the current morphological
concept of F. elastica is needed and, for this reason, we
treat both species as the F. velutipes complex in the text/key
below."

Schöne Grüße
Gernot

zur Farbe - Re: Januarpilze Tremella – Hormomyces

Günter1, (vor 3903 Tagen) @ UmUlmHerum

Wegen der Nebenfruchtform vom Goldgelben Zitterling habe ich in meinen alten
Fotos + Mails gesucht und bin mit einer Mail von Hermine fündig geworden:
Hallo Rika, ja, das sieht gut aus, finde ich. Ich hänge Dir meine Fotos
an. Man sieht schön, dass die Konidien hefeartig keimen. Die Anamorphe
hört auf den hübschen Namen Hormomyces :-)
Wenn es Dich näher interessiert, habe ich noch Mikros von mir. Allerdings war
das alles im Dez. 2013, da hatte ich das Mikroskop gerade mal ein paar
Monate. Hier noch ein Standort-Foto vom damaligen Fund.
Viele Grüße – Rika

Hallo

Am Wochenende bin ich ebenfalls auf knallorange und gelbe Zitterlinge gestoßen.
Einen gelben hatte ich unters Mikro gelegt und Basidien gefunden, also HFF, vielleicht einfach nur Zufall.

Beim Suchen nach Entwicklungsgang etc. von T. mesenterica fand ich einiges in
Introduction to Fungi von Webster/Weber (http://www.dbbe.fcen.uba.ar/contenido/objetos/WEBSTER30521807395.pdf)
Dort schreibt er
"Variations in the intensity of fruit body coloration could be due to a stimulation of carotenoid synthesis by high light intensity because fruit bodies exposed to sunlight are often more deeply coloured than those in the shade (Wong et al., 1985)"

Grüße
Günter

Re: zur Farbe - Re: Januarpilze Tremella – Hormomy

UmUlmHerum, (vor 3902 Tagen) @ Günter1

Hallo
Am Wochenende bin ich ebenfalls auf knallorange und gelbe Zitterlinge
gestoßen.
Einen gelben hatte ich unters Mikro gelegt und Basidien gefunden, also HFF,
vielleicht einfach nur Zufall.
Beim Suchen nach Entwicklungsgang etc. von T. mesenterica fand ich einiges in
Introduction to Fungi von Webster/Weber
(http://www.dbbe.fcen.uba.ar/contenido/objetos/WEBSTER30521807395.pdf)
Dort schreibt er
"Variations in the intensity of fruit body coloration could be due to a
stimulation of carotenoid synthesis by high light intensity because fruit
bodies exposed to sunlight are often more deeply coloured than those in
the shade (Wong et al., 1985)"
Grüße
Günter

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Hallo Günter,

hattest Du die beiden Formen am gleichen Standort oder an verschiedenen?
Leg´ doch mal den Knallorangen unters Mikro. Bei meinem Fund vom Dez. 2013 war alles voll von diesen Konidiophoren, ähnlich wie bei einem fruchtenden Schleimpilz.

Die Webster/Weber/Wong-Theorie deckt sich nicht mit meinen Beobachtungen: (1) Beide Formen am gleichen Substrat zur gleichen Zeit unter gleichen Licht-/Temperatur-/Feuchtebedingungen. (2) Die orangenen Frk. sind sehr dünn, folien-/blattartig – die gelben Frk. sind mehrere Millimeter dick (2-4 mm).
Aber vielleicht sind gar nicht die knallorangenen "Folienohren" gemeint, sondern nur verschieden intensiv gelb gefärbte Frk. der (m.E.) HFF?

Ich werde jedenfalls die Augen offen halten und hoffentlich bald mal wieder beide Formen am gleichen Substrat finden – in der Hoffnung, an einem Frk. Konidien + Basidien nachweisen zu können. Oder Du oder Gernot oder sonst jemand wird fündig... über eine entspr. Info würde ich mich freuen!

Viele Grüße – Rika

Re: Mikro 1 - Re: Januarpilze Tremella

Günter1, (vor 3902 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

an meine Fundstellen komme ich wohl erst wieder in ca. 2 Wochen, um die gelben und orangenen nochmals genauer zu betrachten, ob die Zitterlinge so lange auf mich warten ?
Als ich die sah, dachte ich auch nicht, welch Interesse daran sich entwickelt.

"Aber vielleicht sind gar nicht die knallorangenen "Folienohren" gemeint, sondern nur verschieden intensiv gelb gefärbte Frk. der (m.E.) HFF? " Darauf muss ich mal achten, scheint mir einleuchtend.

Und da ich gerade nach langer Pause Mikro + Foto wieder aktiviert habe, weil ich die Heterobasidien selbst mal sehen wollte, anbei ein paar Bilder über deren Inhalt ich allerdings nicht ganz sicher bin.

Grüße
Günter

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Re: Mikro 1 - Re: Januarpilze Tremella

Andreas ⌂, (vor 3901 Tagen) @ Günter1

Hallo Günter,

ja, das sind Basidien.

beste Grüße,
Andreas

Re: Mikro 2 - Re: Januarpilze Tremella – Hormomy

Günter1, (vor 3902 Tagen) @ UmUlmHerum

Bild 2: hier vermute ich die Septierung der Heterobasidie zu sehen

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Re: Mikro 2 - Re: Januarpilze Tremella – Hormomy

Andreas ⌂, (vor 3901 Tagen) @ Günter1

Bild 2: hier vermute ich die Septierung der Heterobasidie zu sehen

richtig, du schaust von unten auf eine +/- senkrecht stehende Basidie drauf und kannst gut die drei Längsspeten sehen, die die Basidie in vier Segmente teilen.

beste Grüße,
Andreas

Re: Mikro 3 - Re: Januarpilze Tremella – Hormomy

Günter1, (vor 3902 Tagen) @ UmUlmHerum

Bild 3 : Basidie

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Re: Mikro 4 - Re: Januarpilze Tremella – Hormomy

Günter1, (vor 3902 Tagen) @ UmUlmHerum

Bild 4: Basidiospore

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Re: Mikro 4 - Re: Januarpilze Tremella – Hormomy

Andreas ⌂, (vor 3901 Tagen) @ Günter1

Bild 4: Basidiospore

Hallo Günter,

kann ich nicht interpretieren. 12-15 µm ist zu groß, die Sporen von T. mesenterica sind 7-10 µm, in Ausnahmefällen bis 12 µm groß.

beste Grüße,
Andreas

Re: Danke Andreas für die Kommentare

Günter1, (vor 3901 Tagen) @ Andreas

- kein Text -

Re: Januarpilze + Haareis

Doris, (vor 3905 Tagen) @ UmUlmHerum

Danke Rika,
einfach toll, und sogar mit modischer Einschlagfrisur,

LG Doris

Re: Januarpilze

Doris, (vor 3907 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

wunderschöne Pilzgemälde, eine Wohltat in dieser "eisigen" Zeit. Ich glaub, ich muss auch mal raus.
Über die Haareis-Bilder würde ich mich freuen, auch wenn ich sie mir nicht "verdienen" dann.

Grüße Doris

Re: Januarpilze

Lothar, (vor 3906 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

nicht dass es nötig wäre, Gernot zu bestätige, aber Panellus mitis ist natürlich richtig. Einer der häufigsten Pilze bei uns in der Wintersaison, aber auch in feuchten Perioden im Sommer zu finden. Ein schönes Merkmal der Art, das Du nicht beschreibst: schön gelatinöse, gut dehn- und trennbare Huthaut!
LG von Lothar

Re: Januarpilze

UmUlmHerum, (vor 3906 Tagen) @ Lothar

Hallo Rika,
nicht dass es nötig wäre, Gernot zu bestätige, aber Panellus mitis ist
natürlich richtig. Einer der häufigsten Pilze bei uns in der Wintersaison,
aber auch in feuchten Perioden im Sommer zu finden. Ein schönes Merkmal
der Art, das Du nicht beschreibst: schön gelatinöse, gut dehn- und
trennbare Huthaut!
LG von Lothar

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Hallo Lothar,

jetzt, nachdem mir der Pilz klar ist, würde ich dem Guten auch mal das Fell über die Ohren ziehen... ;-) die nächste Gelegenheit kommt bestimmt bald!

Viele Grüße – Rika