Neottiella albocincta

Ingo Jürgens, (vor 3994 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde,

die beiden großen Moosschälchen (Neottiella vivida und N. rutilans) sind bei mir in der Senne nicht allzu selten. Insbesondere in etwas älteren Sandgruben mit großen Beständen der jeweiligen Wirtsmoose (Polytrichum piliferum bzw. P. juniperinum) wird man im Winterhalbjahr meist schnell fündig.
Das deutlich kleinere Atrichum-Moosschälchen (Neottiella albocincta) habe ich dagegen lange vergeblich gesucht. Es scheint trotz der Häufigkeit des Wirtsmooses (Atrichum undulatum) recht selten zu sein und vermag sich möglicherweise nur unter sehr bestimmten Standortbedingungen anzusiedeln.
Die jetzt von mir entdeckten Exemplare stehen in einer noch jungen und vollbesonnten Feuchtheide auf einem nährstoff- und humusarmen, schwach lehmigen Sandboden. Das Wirtsmoos kommt hier in sehr großen Beständen vor, bleibt aber recht klein. Außerdem scheint es sehr unter sommerlichen Trockenperioden zu leiden, viele Triebe werden braun und wachsen nicht weiter. Im Herbst/Winter erscheinen dann frische (grüne) Triebe und das Moos erholt sich.
Insgesamt fand ich über hundert Fruchtkörper des Atrichum-Moosschälchens, die aber alle recht klein waren. Kaum ein Exemplar hatte einen Durchmesser von mehr als 5 mm, meist waren es nur 3 bis 4 mm. Außerdem war partout keine fotogene Gruppe zu finden, die Fruchtkörper standen fast ausnahmslos sehr vereinzelt im Sand zwischen den Moosen (siehe Foto).
Beigefügt habe ich auch ein Mikrofoto mit den Sporen. Das netzartige Ornament wurde mit sehr stark verdünnter Baumwollblaulösung leicht angefärbt (bei höherer Konzentration der Färbelösung verändern die Sporen doch sehr stark ihre Form, aus breitelliptisch wird dann schmalelliptisch).
Die ersten Funde von Neottiella albocincta in Deutschland stammten ja überwiegend von Friedhöfen. Wie sieht es mittlerweile aus, wo bzw. in welchen Biotopen wurde die Art noch gefunden?

LG Ingo

Neottiella albocincta mit Wirtsmoos (Atrichum undulatum)
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Neottiella albocincta, Sporen
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Re: Neottiella albocincta

DirkW, (vor 3992 Tagen) @ Ingo Jürgens

hallo ingo,

wir kennen n. albocincta inzwischen auch von pionierstandorten = renaturierte abraumhalden im nördlichen ruhrgebiet. die anfängliche vermutung, das sei ein "friedhofspilz" (was immer das eigentlich heißen soll ...) ist sicher so nicht mehr haltbar ...
die frk. können aber auch locker mal einen halben zentimeter oder mehr erreichen. nach meiner erfahrung sind die rippen des ornaments wesentlich kräftiger, breiter als bei der vergleichbaren n. rutilans.

beste grüße

dirk

Re: Neottiella albocincta

Rudi, (vor 3992 Tagen) @ DirkW

hallo ingo und dirk

Mein bisher einziger Fund stammt aus einem Graben in einem Buchen und Eichenwald im Steigerwald.
Der etwa 2-3m breite und 2 Meter tiefe Graben bot bodennah nicht nur das Moosschälchen, sondern direkt daneben auch blaumilchende Becherlinge...

http://pilzseite.de/Pilzgalerie/Neottiella/albocincta/FrameSet.htm

LG Rudi