Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4144 Tagen)

Hallo miteinander!

diesmal habe ich eine vermutlich schwierige Frage an Euer Fachwissen. Seit 14 Tagen mache ich nun schon mit diesen geripptstieliegn Becherlingen rum, siehe Beitrag 249314. An diesem Standort gab es besagte ca. 10 Fruchtkörper, die ich seither alle 4 Tage aufgesucht habe, um reife Apos fürs Mikro einzusammeln. Die meisten davon sind eine Peziza-Art, vermutlich alles das Gleiche (hoffentlich!), ich muss die Mikros von den verschiedenen Apos aber erst noch auswerten, vergleichen, usw.

Nun war aber ein Fruchtkörper darunter, der keine Peziza ist. Es wäre schon sehr hilfreich, wenigstens einen Gattungsvorschlag dafür zu bekommen. Asco-Spitzen in Melzer nicht blau → keine Peziza. Sporen ohne große Tropfen → keine Helvella, keine Tarzetta, Sowerbyella passt m.E. auch nicht (u.a. wg. keine Wurzel).

Standort:
Ca. 25 Jahre alter Traubeneichen-Hainbuchen-Laubmischwald (früherer Fichtenforst), auf gut 600m NN, Untergrund sandiger Lößlehm, darunter Kalk, dicke Auflage aus verrotteten Laub (dunkler Humus), Hauptbegleitpflanze = Buschwindröschen, gleich daneben großblütiges, gelbes Springkraut, auch eine Brennnessel. 1 Fruchtkörper unter Linde/Hainbuche aus dem Boden kommend.

Makro-Beschreibung:
Farben siehe Fotos. Das Apothecium ist von 2 Seiten eingerollt, dadurch 45 mm "lang" und 20 mm "breit" (habe leider kein Foto von oben gemacht). Stiel ca. 10 mm lang, ebenso dick, leichte Längsfurchen (geripptstielig wäre hier übertrieben), am Übergang zum Apothicium befinden sich Rippen. Außen im randnahen Bereich stark kleiig. Der ganze Frk. war sehr brüchig und auch vermadet, weswegen er mir schon bei der Entnahme zerbrochen ist, siehe 2. und 3. Foto.

Bild 1 – am Standort:
[image]

Bild 2 und 3 – die Bruchstücke:
[image]
[image]

Bild 4 – ein sehr (sau-)mäßiges Bild vom Querschnitt durch ein aufgerolltes Ende des Apos, aber zur Orientierung geht´s schon; in Melzer, 20x:
[image]

Nun zu den Mikro-Merkmalen:
Am Auffälligsten finde ich die überlangen Paraphysen, die wie Haare oder Seegras über die Asci "wehen".

Trama: 4-schichtig, Ectal-Excipulum feine (kleie-bildende) runde Zellen (auch Haare? Siehe Bild 6 und) , drunter grobe runde Zellen, dann eine Zwischenschicht aus gestreckten, verzweigten Hyphen, das Subhymenium wieder größer rundzellig

Asci: 215...240 µm x 10...13 µm; operculat; Basis geteilt

Paraphysen: 345 ... 370 µm x 3...4 µm; filiform, gerade, septiert + mit Bläschen gefüllt

Sporen: 16 µm x 8 µm; elliptisch; in den Polseiten feine Guttulen-Häufchen; grobwarziges, flaches Ornament

Bild 5 – Überblick Hymenium (80x):
[image]

Bild 6 – Randbereich Hymenium-Excipulum (80x):
[image]

Bild 7 – Querschnitt hymeniumseitig (80x):
[image]

Bild 8 – Querschnitt excipulumseitig (80x):
[image]

Bild 9 – Asci- und Paraphysenspitzen in CRB (320x):
[image]

Bild 10 – unreifer Ascus mit Haar(?) (320x):
[image]

Bild 11 – Sporen mit Inhalt = polseitige Guttulen-Häufchen (im Schräglicht, 800x):
[image]

Bild 12 – Sporenornament (im Schräglicht, 800x):
[image]

Habt Ihr eine Idee zu diesem Becher? Über Vorschläge würde ich mich freuen!

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling???

Ulysses, (vor 4144 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

allein von der Form der Fruchtkörper her (schief nach einer Seite ausgezogen bis [namensgebend] ohrförmig) könnte es natürlich eine Otidea sein. Das aber nur als makroskopischer Tipp, von den breitelliptischen Sporen her könnte es aber auch passen!?

LG
Josef

Re: Gestielter Becherling???

Stephan Weißer, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Sporen ohne große
Tropfen

Die von dir gezeigten Sporen stecken noch in den Asci, sind also wohl unreif. Vielleicht ist das der Grund, dass die Tropfen noch nicht so klar rüberkommen? Denn bei einigen wenigen Sporen meine ich angedeutet 2 Tropfen zu sehen.

Rein makroskopisch erinnern die mich schon an Tarzetta. Ist natürlich nur eine Idee.

FG
Stephan

Re: Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

es ist blöd, dass ich kein Bild von oben gemacht habe. Aber es gibt keinen Schlitz, der zu einer Ohrform führen würde. Die Apo-Schüssel ist von den beiden gegenüberliegenden Seiten her zusammengedrückt/eingerollt, die Schüsselwand auch 3,5 mm dick. Eine Otidea würde ich definitiv ausschließen. Fällt Dir sonst noch eine mögliche Gattung ein?

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
allein von der Form der Fruchtkörper her (schief nach einer Seite ausgezogen
bis [namensgebend] ohrförmig) könnte es natürlich eine Otidea sein. Das
aber nur als makroskopischer Tipp, von den breitelliptischen Sporen her
könnte es aber auch passen!?
LG
Josef

Re: Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

ja, die meisten von mir gezeigten Sporen stecken in den Schläuchen ... weil mir die freien Sporen immer weggeschwommen sind bzw. zum Fotografieren zu sehr gezittert haben (keine scharfen Bilder). Das Ding hatte schon reife Asci/Sporen – und keine großen Tropfen drin. Zerquetscht habe ich die Dinger sicher auch nicht. Wo meinst Du, Tropfen sehen zu können, noch dazu 2?

Für Tarzetta passt die Form der Sporen nicht, die sind über die Querachse dicker, also leicht in Richtung fusiform. Auch die Tarzetta-Paraphysen sehen anders aus, nicht so weit überstehend, meist kopfig oder geteilt..

Aber weitere Ideen gerne zu mir!
(Die Sporen sehen seltsamerweise denen der anderen geripptstieligen Pezizas von diesem Standort verdammt ähnlich, inkl. der Guttulen-Häufchen + des Ornaments. Nur färben sich bei denen die Asco-Spitzen blau + die Paraphysen sind nicht so weit überstehen + eher mal leicht kopfig.)

Viele Grüße – Rika

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Die von dir gezeigten Sporen stecken noch in den Asci, sind also wohl unreif.
Vielleicht ist das der Grund, dass die Tropfen noch nicht so klar
rüberkommen? Denn bei einigen wenigen Sporen meine ich angedeutet 2
Tropfen zu sehen.
Rein makroskopisch erinnern die mich schon an Tarzetta. Ist natürlich nur
eine Idee.
FG
Stephan

Re: Gestielter Becherling???

Ulysses, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Die Apo-Schüssel ist von den
beiden gegenüberliegenden Seiten her zusammengedrückt/eingerollt

Gerade das würde aber doch wunderbar zu den sich erst nach und nach "entrollenden" Ohren passen, oder? Weitere Gattungstipps habe ich leider nicht auf Lager...

LG
Josef

Re: Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Ulysses

Hallo Rika,
Gerade das würde aber doch wunderbar zu den sich erst nach und nach
"entrollenden" Ohren passen, oder? Weitere Gattungstipps habe
ich leider nicht auf Lager...
LG
Josef

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Hallo Josef,

Du kennst waagrecht liegende Ohren? Deren Muschel seitlich auf einem Stiel ruht? Siehe Bild 1.
Es gibt eine mit den Ohren verwandte Gattung, die ein bisschen besser passen könnte: Arpinia. Hierzu ein Zitat von http://wl21www373.webland.ch/arpinia.htm

Verwechslungen wären möglich mit der Gattung Tarzetta. Die Gattung Arpinia unterscheidet sich von Tarzetta durch dicke Sporenwände, pleurorhynche Ascusbasen und nicht karminophile Zellkerne.

Die Gattung Arpinia gehört innerhalb der Familie der Pyronemataceae zum Tribus Otidea. Arpinia steht nahe bei der Gattung Otidea (Oehrlinge). Diese lässt sich aber gut makroskopisch unterscheiden durch die eingeschnittenen, ohrförmigen Fruchtkörper und mikroskopisch durch gebogene Paraphysenenden.

Innerhalb der Gattung Arpinia unterscheidet sich Arpinia inops durch die für die Gattung grossen breitellipsoiden Sporen mit tropfigem Inhalt. Arpinia inops ist Typusart der Gattung Arpinia.

Arpinia inops ist mein Fund allerdings nicht – keine Nadelstreu weit und breit. Meine Sporen kommen mir auch nicht besonders dickwandig vor, und dann wieder die Tropfen... ach je, ich sollte mir ein anderes Hobby suchen.

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling???

Ulysses, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

klaro, der Stiel passt nicht so recht zu Otidea. Vielleicht ist es aber auch eine Verwachsung o.ä. "Typisch" für eine der geläufigeren Gattungen sieht das Teil halt irgendwie gar nicht aus.

Ideal wäre natürlich, wenn am Standort nochmal was nachwächst...

LG
Josef

Re: Gestielter Becherling???

Der Juergen, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Hi Rika,

den Bruchstücken nach sieht das doch etwas "verwachsen" aus, also möglicherweise ein geschädigter Frk. Wenn man dann nur ein Exemplar hat, wirds schwierig. Ich würde sowas als "forensische Pilzbestimmung" bezeichnen. Das ist wie im richtigen "Krimileben"; leider nur EINE Leiche zur Verfügung, und die schon halb hinüber. Mein Leben ist etwas frustfreier geworden, nachdem ich beschlossen habe, nur noch Pilze von schönen, gesunden, vitalen Kollektionen (mit möglichst allen Altersstadien) mitzunehmen und zu mikroskopieren. Klappt aber auch nicht immer, das es ja noch sowas schreckliches wie Mürblinge gibt *g*

Grüßle
Jürgen

Re: Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Ulysses

Hallo Rika,
klaro, der Stiel passt nicht so recht zu Otidea. Vielleicht ist es aber auch
eine Verwachsung o.ä. "Typisch" für eine der geläufigeren
Gattungen sieht das Teil halt irgendwie gar nicht aus.
Ideal wäre natürlich, wenn am Standort nochmal was nachwächst...
LG
Josef

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Hallo Josef,

"Typisch" für eine der geläufigeren Gattungen sieht das Teil halt irgendwie gar nicht aus.
damit hast Du mein Problem exakt auf den Punkt gebracht!

Ich habe mich mit dem Hauptschlüssel für operculate Ascomyceten von Häffner (nach Geesteranus) rumgeschlagen, komme bei winzigen Coprophilen raus – das kann alles nicht sein... Wenn diese überlangen Paraphysen + die blauen Ascospitzen nicht wären, würde ich annehmen, dieser Frk. gehört schon zu den anderen Geripptstieligen, sogar die Sporengröße, Guttulen und Form sind seehr ähnlich. Aber dass so wesentliche Merkmale wie blauende Ascospitzen durch irgendeine Fehlbildung verändert sein können, ist doch sehr unwahrscheinlich!?

Den Standort habe ich seit 2013 unter Beobachtung (2014 nix gefunden), möchte auch am Freitag wieder hin zum Nachschauen ... und die anderen geripptstieligen Pezizas gerne rausbekommen.

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

tja, da stehen 10 Frk. mit unten Stiel und oben Becher auf 2 qm, und Du beobachtest sie schon seit 2 Wochen, nimmst bei jedem Besuch die Reifen oder zumindest ein Stückchen vom Becher mit fürs Mikro ... und dann stellst Du fest, dass einer keine Peziza ist! So kann es einem gehen im Leben ;-) Plan & gute Vorsätze hin oder her. Vergammelt war der Frk. ja durchaus nicht, und reife=bestimmbare Ascos haben zu dieser Jahreszeit eben gerne schon ein paar Maden drin. Dein Statement zu den Altersstufen passt sicherlich für z.B. Cortinarien, ist aber für Ascos nicht zutreffend – ich wäre recht bescheuert, wenn ich unreife Ascomyceten, die zu Hause nicht nachreifen, mitnehmen würde.

Viele Grüße – RIka

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Hi Rika,
den Bruchstücken nach sieht das doch etwas "verwachsen" aus, also
möglicherweise ein geschädigter Frk. Wenn man dann nur ein Exemplar hat,
wirds schwierig. Ich würde sowas als "forensische
Pilzbestimmung" bezeichnen. Das ist wie im richtigen
"Krimileben"; leider nur EINE Leiche zur Verfügung, und die
schon halb hinüber. Mein Leben ist etwas frustfreier geworden, nachdem ich
beschlossen habe, nur noch Pilze von schönen, gesunden, vitalen
Kollektionen (mit möglichst allen Altersstadien) mitzunehmen und zu
mikroskopieren. Klappt aber auch nicht immer, das es ja noch sowas
schreckliches wie Mürblinge gibt *g*
Grüßle
Jürgen

Re: Gestielter Becherling???

Andreas ⌂, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo,

bisweilen kommt es vor, dass bei Peziza die Blaufärbung mit Jod ausbleibt. Ist zwar selten, mir selbst auch auch schon zwei oder drei Mal untergekommen.
Vielleicht ist das des Rätsels Lösung? Zumindest wenn der EINE Fruchtkörper auch nicht anders aussah als die anderen neune ....

beste Grüße,
Andreas

Frage / Tipp

Gelbfieber, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo und guten Tag Rika,

….. Habt Ihr eine Idee zu diesem Becher? Über Vorschläge würde ich mich freuen!

wieviel reife Sporen hast du gemessen und waren die alle 16 x 8µm?
Unabhängig davon könnte ich mir vorstellen das dein Fund ausgeblaßt ist - jung aber knallgelb und gestielt war.

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

Re: Gestielter Becherling???

Joschi Siembida ⌂, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

von Ascos und dem Mikroskopieren hab ich ja so gar keine Ahnung, aber ich hätte folgende Idee:

Du hast nen ganzen haufen Pezizas bei denen einer schon optisch auffällt. Könnte natürlich was anderes sein, aber logischer und warscheinlicher wäre doch erst mal die gleiche Art. Wenn ich mir das Standortfoto und die Studioaufnahme anschaue, dann finde ich den schon merkwürdig für 'ne Peziza. Sie ist außen kleiig und gleichzeitig auch so weiß samtig überzogen und dazu auch noch zusammengerollt. Auf mich macht der Fruchtkörper einen kranken Eindruck. Die Mikros zeigen dann auch so komische lange Haare in der Fruchtschicht wenn ich Dich richtig verstehe. Ich glaube sowas haben die Pezizas eigentlich nicht. Wenn ich das jetzt mal kompiniere, wäre meine Schlussfolgerung, daß sich die Peziza Asci beim Sex 'ne Krankheit eingefangen haben.:-) Mit so 'ner Geschlechtskrankheit wirds vielleicht auch schwierig mit dem Kinderkriegen, sprich blaue Ascusspitzen. Ich denke Du hast es hier mit zwei Individuen (Pilzen) zu tun. Zum Thema fremder Pilz im der Fruchtschicht eines Ascos gabs hier irgendwann schon mal einen Beitrag.

Gruß Joschi

Re: Gestielter Becherling???

Andreas ⌂, (vor 4143 Tagen) @ Andreas

Hallo,

ach ja, noch die Frage, welche Peziza könnte es denn sein? Ich würde mal mit Peziza granulosa vergleichen - und dem Stiel nicht allzuviel Wichtigkeit beimessen ....

beste Grüße,
Andreas

Hallo,
bisweilen kommt es vor, dass bei Peziza die Blaufärbung mit Jod ausbleibt.
Ist zwar selten, mir selbst auch auch schon zwei oder drei Mal
untergekommen.
Vielleicht ist das des Rätsels Lösung? Zumindest wenn der EINE Fruchtkörper
auch nicht anders aussah als die anderen neune ....
beste Grüße,
Andreas

Re: Gestielter Becherling???

DirkW, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

hallo rika,

man müsste unbedingt das ornament mal genauer darstellen. ich denke, dass es sich gut um eine sowerbyella-art handeln könnte.

lg

dirk

Re: Frage / Tipp

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo und guten Tag Rika,
….. Habt Ihr eine Idee zu diesem Becher? Über Vorschläge würde ich mich
freuen!
wieviel reife Sporen hast du gemessen und waren die alle 16 x 8µm?
Unabhängig davon könnte ich mir vorstellen das dein Fund ausgeblaßt ist -
jung aber knallgelb und gestielt war.
Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

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Hallo Ursula,

die 7 Sporen waren zwischen 14,9...16,6 µm lang und 7,4...8,3 µm breit; statistisch gesehen, passt 16x8 recht gut. Bei Ascos sollte man die Sporengröße ja eh nicht auf die Goldwaage legen. Mehr Sporen wären schön gewesen, ich habe aber kaum scharfe Fotos in einer brauchbaren Seitenlage von den freischwimmenden hinbekommen :-( Zur Darstellung von Ornament + Inhalt habe ich deshalb auf Sporen in Asci zurückgegriffen.

Dass das Ding jung mal knallgelb gewesen sei, kann man m.E. ausschließen. Dafür habe ich die Stelle lange genug beobachtet. Sowerbyella, an die Du vermutlich denkst, passt von verschiedenen Merkmalen her nicht, siehe die Unterstreichungen:

Zitat von http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/OestZPilz_12_0141-0151.pdf
aus einem Aufsatz mit ausführlichen Beschreibungen zu den 5 in Europa vorkommenden Sowerbyella-Arten von WOLFGANG KLOFAC und HERMANN VOGLMAYR (2003):

Entscheidende gattungsspezifische Merkmale liefert vor allem die Mikroskopie
(MORAVEC 1988). So sind für das ektale Excipulum die in der Regel dünnwandigen,
hyalinen, hyphenartigen Haare, welche rundlichen Zellen entspringen
, charakteri-
stisch; nur sporadisch finden sich auch dickwandigere, bräunliche Haare. Die Paraphy-
sen
sind variabel, selten gerade, meist aber verbogen und gekrümmt, mit verbreiterten
Enden und enthalten ein Pigment
, das den gattungstypischen Geruch nach Lactarius
helvus (FR.) FR. auslösen soll (MORAVEC 1988). Für die Artbestimmung sind neben
Sporengröße und -form vor allem die artspeziflsch unterschiedliche Sporenornamenta-
tion entscheidend.

Fällt Dir nicht zufällig etwas zu diesen langen Paraphysen ein? Ist doch relativ ungewöhnlich, dass die Paraphysen um Faktor 1,5 länger sind als die Asci?! Oder wie siehst Du das?

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling???

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ DirkW

man müsste unbedingt das ornament mal genauer darstellen. ich denke, dass es
sich gut um eine sowerbyella-art handeln könnte.
lg
dirk

Hallo Dirk,

Sowerbyella habe ich schon mehrfach hin und her gedreht und gewendet: das Ornament könnte schon zu den Warzig-Sporigen passen, aber es fehlen die äußeren Haare, die Sporengröße passt nicht und vor allem die Paraphysen sehen ganz anders aus. Eine Wurzel sollte ein "Wurzel-Becherling" eigentlich haben, muss aber nicht unbedingt sein – meiner hatte keine. Siehe den Link in meiner Antwort an Gelbfieber.

Ich hatte 3 Schnitte unterm Mikro: in Wasser, in Melzer und in Kresylblau. Die besten Bilder habe ich schon gepostet ... und den inzwischen verflüssigten Becher gestern in den Abfluss gespült. Insofern gibt es wenig Hoffnung auf eine genaueres Ornament.

Vielleicht hat ja Andreas recht damit, dass es doch eine Peziza ist, deren Ascospitzen ausnahmsweise nicht blau färben?

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling??? +

UmUlmHerum, (vor 4143 Tagen) @ Andreas

Hallo,
bisweilen kommt es vor, dass bei Peziza die Blaufärbung mit Jod ausbleibt.
Ist zwar selten, mir selbst auch auch schon zwei oder drei Mal
untergekommen.
Vielleicht ist das des Rätsels Lösung? Zumindest wenn der EINE Fruchtkörper
auch nicht anders aussah als die anderen neune ....
ach ja, noch die Frage, welche Peziza könnte es denn sein? Ich würde mal mit
Peziza granulosa vergleichen - und dem Stiel nicht allzuviel Wichtigkeit
beimessen ....
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

das ist ja interessant, dass die Jodreaktion bei einer Peziza auch mal fehlen kann! Damit ergeben sich durchaus neue Perspektiven.

Aber den Stiel könnte ich allenfalls bei diesem, hier vorgestellten Exemplar vergessen, nicht bei all den anderen Bechern – da macht der Stiel manchmal die halbe Höhe des Frk. aus, siehe Foto eines reifen(!) Bechers:

[image]

Jeder von diesen 9 Becherling sah makroskopisch verschieden aus, wirklich eine enorme Vielfalt. Aber mikroskopisch waren sie sich schon recht ähnlich, z.B. Sporengröße, Trama-Aufbau. Aber es gibt unterschiedliches Ornament – die einen feinwarzig, ein anderer deutlich gröber warzig, ein junger Frk. glattsporig (kann das mit dem Alter = der Jugend zu tun haben?) ... Ich werde eine Zusammenstellung dieser ganzen Population in einem neuen Thread bringen, sonst wird das hier zu verwirrend.

Peziza granulosa hat eigentlich längere + schmalere Sporen!?
Was denkst Du über die überlangen, geraden, nicht-kopfigen Paraphysen?
Oder greifen wir Joschis Idee auf – wenn eine Peziza schon keine Jodreaktion zeigt, dann dürfen auch die Paraphysen anders aussehen?

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling??? +

DirkW, (vor 4143 Tagen) @ UmUlmHerum

hallo klaas,

peziza granulosa hat glatte sporen! und scheidet damit meiner meinung nach aus, wenn deine sporen denn ein ornament haben. man sieht es aber nicht wirklich … peziza granulosa hat auch einen zentralen nucleus und meist gegrümmte paraphysen mit gelbkörnigem inhalt. deine sporen sehen eigentlich sehr nach arvernensis aus. die kleinen öl-cluster an den polen. auch die zentrale textura intricata spricht für peziza. was für p. arvernensis aber widerum nicht gut passt ist, dass die paraphysen nicht mal ansatzweise apikal kopfig verdickt sind. auch wären die sporen etwas zu klein.
irgendwas stimmt mit dieser aufsammlung oder deiner untersuchung nicht …

lg

dirk

Re: Gestielter Becherling???

Andreas ⌂, (vor 4142 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Vielleicht hat ja Andreas recht damit, dass es doch eine Peziza ist, deren
Ascospitzen ausnahmsweise nicht blau färben?

es war ja nur EINER VON NEUN Fruchtkörpern, der nicht geblaut hat - die anderen acht haben mit Jod geblaut, oder habe ich das falsch verstanden?
Peziza arvernensis würde ich auch nicht ausschließen, die kann auch gelegentlich so einen Pseudo-Stiel bekommen, auch auf morschem Holz wachsen (wie P. micropus) und ich hatte da auch mal ein Apothezium ohne Jod-Reaktion.
Also warum nicht, aber wie Dirk schon sagte, das Sporenornament sollte mal deutlich gezeigt werden (Baumwollblau, möglichst erhitzen).

Zu den Paraphysen kann ich nichts sagen, das habe ich so noch nie irgendwo gesehen. Würde ich aber eher als unbedeutende Anomalie abtun, wenn sonst alles auf eine Art passen würde.

beste Grüße,
Andreas

Re: Gestielter Becherling??? Sammelantwort

UmUlmHerum, (vor 4142 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas, Dirk, Joschi & alle anderen, die sich hierzu geäußert haben,

herzlichen Dank für Eure ganzen Ideen und Anregungen!

Ich nehme jetzt mal Eure Hypothese an, dass auch der einzelne Becher mit den überlangen Paraphysen + ohne Jodreaktion trotzdem eine Peziza ist ... und dass dieser + die übrigen 9 vielleicht dieselbe Art sind. Der Aufbau der Trama ist bei allen ± gleich. Das Ectal-Excipulum kann Haare haben oder kleiig (ablösende Zellhäufchen der äußersten Schicht) sein. Alle Sporen haben keine großen Tropfen, sondern mehr oder weniger viele kleine. Das Ornament ist bei allen recht flach – von nur rau über feinwarzig-punktiert bis gröber warzig-punktiert. Sporengröße 13,5...16,6 x 7,4...9. Paraphysen bei allen außer dem Einen kaum länger als die Asci, manche leicht kopfig.

Im Moment habe ich kein Material mehr, das ich mikroskopieren könnte – das ganze Zeug ist im Laufe der letzten Woche im Kühlschrank vergammelt :-( ich kann also nur das vorhandene Bildmaterial auswerten. Das letzte Mal vor Ort war ich am 24.5.15, da war kein Nachwuchs in Sicht gewesen. Vermutlich hat es sich dort für dieses Jahr ausgebechert. Aber ich will dieser Tage noch mal vorbei schauen. Wenn ich noch was finde, dann kann ich Eure Ratschläge umsetzen – z.B. das Sporenornament versuchen, klarer raus zu kitzeln.

Von den 10 Apos habe ich 5 mikroskopiert. Auf den gleichen 2 qm gab es noch eine Gruppe mit 7 größeren Becherlingen (Peziza sp.) ohne Stiel, die ich Euch bisher unterschlagen hatte. Summa summarum sind das Makro- und Mikro-Bilder + Sporenmaße von 6 (äußerlich) verschiedenen Peziza-ähnlichen Becherlingen. Seit mehreren Tage denke ich schon drüber nach, wie ich die Informationsfülle übersichtlich rüberbringen könnte. Am liebsten wäre mir ja eine Matrix mit allen Merkmalen der Sechs gewesen, aber das ist nicht groß genug darstellbar.

Nun habe ich vorhin einen Versuch mit einer Collage pro Frk. gestartet, die ich hier testhalber einstelle: Es handelt sich um die bisher unterschlagenen 7 Becherlinge ohne Stiel, die Mikros sind von dem größten Apothecium rechts, das mich vor Ort heftig angesport hatte. Wäre so eine Collage ausreichend? Erkennt Ihr alles gut genug? Oder müsste ich doch größere Einzelbilder einstellen? Tipp am Rande, weil es immer wieder vergessen wird: MAC "Apfel" / PC (war das nun Strg oder Alt oder beides?) und "+" zum Vergrößern (mit "-" wird´s wieder kleiner). Wenn das so okay wäre, dann mache ich von den anderen Frk. auch noch solche Collagen.

Viele Grüße – Rika

[image]

Hallo Rika,
es war ja nur EINER VON NEUN Fruchtkörpern, der nicht geblaut hat - die
anderen acht haben mit Jod geblaut, oder habe ich das falsch verstanden?
Peziza arvernensis würde ich auch nicht ausschließen, die kann auch
gelegentlich so einen Pseudo-Stiel bekommen, auch auf morschem Holz
wachsen (wie P. micropus) und ich hatte da auch mal ein Apothezium ohne
Jod-Reaktion.
Also warum nicht, aber wie Dirk schon sagte, das Sporenornament sollte mal
deutlich gezeigt werden (Baumwollblau, möglichst erhitzen).
Zu den Paraphysen kann ich nichts sagen, das habe ich so noch nie irgendwo
gesehen. Würde ich aber eher als unbedeutende Anomalie abtun, wenn sonst
alles auf eine Art passen würde.
beste Grüße,
Andreas

Re: Gestielter Becherling??? Sammelantwort

DirkW, (vor 4141 Tagen) @ UmUlmHerum

für mich ganz klar peziza arvernensis! vielleicht war diese unterschlagungstaktik nicht so hilfreich ;-)

lg

dirk

Re: Gestielter Becherling??? Sammelantwort

UmUlmHerum, (vor 4141 Tagen) @ DirkW

für mich ganz klar peziza arvernensis! vielleicht war diese
unterschlagungstaktik nicht so hilfreich ;-)
lg
dirk

Hallo Dirk,

bei der Collage A denke ich auch an P. arvernensis. Nur verstehe ich Deinen 2. Satz dabei nicht – diese 7er-Gruppe wächst schön zusammen auf einem "Haufen", ordentlich aus dem Boden (können natürlich auch auf Holz), ganz ohne Stiel, in dunkleren Farben, mit innen zur Basis hin welligem Apo-Boden und sind deutlich größer im Ø (reif 6 cm). Die anderen 10 Frk. stehen verstreut, max. 2 zusammen, haben einen deutlichen Stiel, Ø max. 4 cm, sind gelblich (auch im Alter) und der Apo-Boden ist schüssel-eben. Ich sehe da keinen zwangsläufigen Zusammenhang. Der Buchenwald-Becherling ist in diesem Wald häufig, 2013 etliche Hundert. Daneben fand ich um die Ecke eine Menge P. varia, auch Tarzetta catinus und Peziza succosa.

Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling??? Sammelantwort

Andreas ⌂, (vor 4141 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

so langsam kann ich nicht mehr folgen, wieviele Kollektionen Du nun gerade am diskutieren bist, wie diese aussehen bzw. in was sie sich unterscheiden, und welche Merkmale sie haben.
Welchen Sinn hatte die Kollage A, wenn Dir eh klar war, dass das P. arvernensis ist und Du die eh für was anderes hältst als den im Anfangs-Posting gezeigte Pilz?

beste Grüße,
Andreas

Hallo Dirk,
bei der Collage A denke ich auch an P. arvernensis. Nur verstehe ich Deinen
2. Satz dabei nicht – diese 7er-Gruppe wächst schön zusammen auf einem
"Haufen", ordentlich aus dem Boden (können natürlich auch auf
Holz), ganz ohne Stiel, in dunkleren Farben, mit innen zur Basis hin
welligem Apo-Boden und sind deutlich größer im Ø (reif 6 cm). Die anderen
10 Frk. stehen verstreut, max. 2 zusammen, haben einen deutlichen Stiel, Ø
max. 4 cm, sind gelblich (auch im Alter) und der Apo-Boden ist
schüssel-eben. Ich sehe da keinen zwangsläufigen Zusammenhang. Der
Buchenwald-Becherling ist in diesem Wald häufig, 2013 etliche Hundert.
Daneben fand ich um die Ecke eine Menge P. varia, auch Tarzetta catinus
und Peziza succosa.
Viele Grüße – Rika

Re: Gestielter Becherling??? Sammelantwort

UmUlmHerum, (vor 4141 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
so langsam kann ich nicht mehr folgen, wieviele Kollektionen Du nun gerade am
diskutieren bist, wie diese aussehen bzw. in was sie sich unterscheiden,
und welche Merkmale sie haben.
Welchen Sinn hatte die Kollage A, wenn Dir eh klar war, dass das P.
arvernensis ist und Du die eh für was anderes hältst als den im
Anfangs-Posting gezeigte Pilz?
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,

diese Collage hatte ich halt schon fertig – ich wollte doch bloß wissen, ob ich die anderen auch in dieser Art gestalten kann. Ausreichende Größe der Fotos, genug Infos? Das hatte ich in dem Beitrag zwar schon geschrieben, ist aber wohl im (vielen?) Text untergegangen...

Gute Nacht – RIka