Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Andreas ⌂, (vor 4286 Tagen)

Hallo liebe Rika, hallo alle die's interessiert,

habe heute etwas mit Rikas Pilzen und Vergleichsmaterial rumgepanscht und bin eigentlich recht zufrieden.

Vorgehensweise:
Von 3 Pilzarten habe ich jeweils ein Stück Lamelle in Eisenbeize (nach Clemencon) für ca. 10-20 Minuten eingelegt. Die Einwirkdauer soll mindestens 5-10 Minuten betragen, länger ist kein Problem. Kann sogar für Wochen in Eisenbeize fixiert werden.
Danach wurde das Lamellenfragment jeweils in ein Reagenzglas mit 3 ml Karminessigsäure übertragen. OHNE vorheriges Auswaschen! Die Karminessigsäure wird durch das eisenbeizegetränkte Pilzstückchen gleich sehr dunkel.
Die drei Reagenzgläser stellte ich in ein Glas mit Wasser, das auf einer Heizplatte stand. Mittels der Heizplatte wurde das Wasserbad so stark erwärmt, dass es deutlich dampfte, aber sich keine Siedebläschen bildeten.
Nach ca. 1 Stunde kippte ich dann den Inhalt auf Filterpapier, wo ich dann mein jeweils konplett schwarz verfärbtes Pilzstückchen wiederfand.
Das Pilzstück wurde ein Mal in Lactoglyzerol geschwenkt, dann ein winziges Fragment in einen neuen Tropfen Lactoglyzerol übertragen und gequetscht.

Das Resultat seht ihr unten.

Ich habe 3 Pilzarten untersucht:

a) Rikas Nebelraslinge, denn um die ging es ja eigentlich.
b) Ein schwärzendes Lyophyllum, als sicher bestimmtes Lyophyllum zum Vergleich. Ob die Art 100% sicher Lyophyllum amariusculum ist, wie von mir bestimmt, spielt in diesem Fall keine Rolle.
c) Clitocybe alexandri, als sich NICHT als Lyophyllum bestimmten Pilz zum Vergleich. In Ermanglung von Nebelkappe (hab keinen Beleg im Herbar ....) hab ich eben diese Clitocybe genommen.

Unten seht ihr nun 4 Mikrobilder mit gequetschtem Hymenium dieser drei Arten. Ihr dürft nun raten, welches Bild zu welcher Art gehört. Richtig, eine Art ist zwei Mal vertreten .....

Deshalb als Rätsel, weil ich gerne sehen möchte, ob es für Personen, die nicht wissen welches Bild welcher Pilz ist, trotzdem erkennbar ist. Im Mikroskop war die Sache noch eindeutiger als auf den nicht gerade gelungenen Bildern, daher bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Viel Spaß beim Raten!

Andreas

[image]

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

UmUlmHerum, (vor 4286 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

da haben Dich die Nebelraslinge aber ganz schön gebizzelt, dass Du Dich trotz Rotz – ´tschuldigung: trotz Erkältung (hat sich grad so gut gereimt) gleich dran gemacht hast! Und mit Deinem Widerspruch zu den "büscheligen Nebelkappen" hast Du ins Schwarze getroffen = das absolute Gegenteil von Spielverderber ;-)) Nun gibt es also doch eine spannende Geschichte!

Deine Bilder habe ich mir lange angeschaut, klar ist m.E. eigentlich nur die Nr. 3, das sollte die Clitocybe sein – die paar wenigen schwarzen Pünktchen sind sicher keine richtige Granulation. Außerdem: sehe ich da nicht eine kondomiforme Zystide??

Zu den dunklen Würschten auf Bild 1 sag´ ich lieber nix, außer dass sie bei dieser Vergrößerung recht einheitlich/gleichmäßig gefärbt aussehen. Nun geht es also um Bild 2 und 4, sprich Rikas Nebelrasling oder der Buchsblättrige. Die Basidien sehen sich auf den beiden Bildern aber auch verfl... ähnlich. Jetzt habe ich geschwind ein Stückchen von meinen Exsikkaten eingeweicht und angeschaut – hat mich nicht wirklich schlauer gemacht. Also bringe ich mal die Psychologie ins Spiel: ich halte es für unwahrscheinlich, dass Du den Nebelrasling gleich auf Position 1 und 2 stellst. Damit wird aus dem 50:50-Ratespiel eine Quote von mindestens 65:35 ––> mein Tipp ins Blaue: Bild-Nr. 4 ist der Nebelrasling.

Lieber Andreas, ich hoffe, Du lüftest nicht nur das Geheimnis, welches Foto von welchem Pilz stammt, sondern schreibst uns auch noch genauer, um wen oder was es sich nun handelt. Gerne auch mit weiteren Details über diese Art, da in GroPiBaWü nix über elliptisch-sporige Raslinge steht und ich keine weiterführende Literatur habe.

Schade, dass sich (bisher?) niemand traut, einen Tipp abzugeben...

Herzliche Grüße – Rika

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Hallo liebe Rika, hallo alle die's interessiert,
habe heute etwas mit Rikas Pilzen und Vergleichsmaterial rumgepanscht und bin
eigentlich recht zufrieden.
Vorgehensweise: Von 3 Pilzarten habe ich jeweils ein Stück Lamelle in
Eisenbeize (nach Clemencon) für ca. 10-20 Minuten eingelegt. Die
Einwirkdauer soll mindestens 5-10 Minuten betragen, länger ist kein
Problem. Kann sogar für Wochen in Eisenbeize fixiert werden.
Danach wurde das Lamellenfragment jeweils in ein Reagenzglas mit 3 ml
Karminessigsäure übertragen. OHNE vorheriges Auswaschen! Die
Karminessigsäure wird durch das eisenbeizegetränkte Pilzstückchen gleich
sehr dunkel.
Die drei Reagenzgläser stellte ich in ein Glas mit Wasser, das auf einer
Heizplatte stand. Mittels der Heizplatte wurde das Wasserbad so stark
erwärmt, dass es deutlich dampfte, aber sich keine Siedebläschen bildeten.
Nach ca. 1 Stunde kippte ich dann den Inhalt auf Filterpapier, wo ich dann
mein jeweils konplett schwarz verfärbtes Pilzstückchen wiederfand.
Das Pilzstück wurde ein Mal in Lactoglyzerol geschwenkt, dann ein winziges
Fragment in einen neuen Tropfen Lactoglyzerol übertragen und gequetscht.
Das Resultat seht ihr unten.
Ich habe 3 Pilzarten untersucht: a) Rikas Nebelraslinge, denn um die ging es
ja eigentlich.
b) Ein schwärzendes Lyophyllum, als sicher bestimmtes Lyophyllum zum
Vergleich. Ob die Art 100% sicher Lyophyllum amariusculum ist, wie von mir
bestimmt, spielt in diesem Fall keine Rolle.
c) Clitocybe alexandri, als sich NICHT als Lyophyllum bestimmten Pilz zum
Vergleich. In Ermanglung von Nebelkappe (hab keinen Beleg im Herbar ....)
hab ich eben diese Clitocybe genommen.
Unten seht ihr nun 4 Mikrobilder mit gequetschtem Hymenium dieser drei Arten.
Ihr dürft nun raten, welches Bild zu welcher Art gehört. Richtig, eine Art
ist zwei Mal vertreten .....
Deshalb als Rätsel, weil ich gerne sehen möchte, ob es für Personen, die
nicht wissen welches Bild welcher Pilz ist, trotzdem erkennbar ist. Im
Mikroskop war die Sache noch eindeutiger als auf den nicht gerade
gelungenen Bildern, daher bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Viel Spaß beim Raten!
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Andreas ⌂, (vor 4286 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

schön dass Du Dich zu den Bildern äußerst.

Ich glaube, Du bist mit den Bildern auch ziemlich nahe dran, aber es muss was durcheinandergekommen sein. Du sprichst bei Bild 3 von "die Clitocybe" und danach bei Bild 2 und 4 von §Nebelrasling oder der Buchsblättrige". Der Buchsblättrige ist aber doch die Clitocybe alexandri. Wo bleibt denn dann mein schwärzender Rasling?

Was aber auf jeden Fall stimmt ist die Interpretation der Bilder als solches:
Die wenigen Pünktchen auf Bild 3 reichen nicht als richtige Granulation aus, sind also keine Basidien mit siderophiler Grtanulation. Und Bild 1 hat einen homogen grauen Inhalt, sprich auch keine siderophile Granulation. Bild 2 und 4 dagegen sind derselbe Pilz, stimmt, und das sind nun Basidien mit siderophiler Granulation.

Mit diesen Aussagen sollte es jetzt nicht mehr schwer sein, die richtigen Schlüsse für Deinen Pilz zu ziehen ;-)

beste Grüße,
Andreas

Deine Bilder habe ich mir lange angeschaut, klar ist m.E. eigentlich nur die
Nr. 3, das sollte die Clitocybe sein – die paar wenigen schwarzen
Pünktchen sind sicher keine richtige Granulation. Außerdem: sehe ich da
nicht eine kondomiforme Zystide??
Zu den dunklen Würschten auf Bild 1 sag´ ich lieber nix, außer dass sie bei
dieser Vergrößerung recht einheitlich/gleichmäßig gefärbt aussehen. Nun
geht es also um Bild 2 und 4, sprich Rikas Nebelrasling oder der
Buchsblättrige. Die Basidien sehen sich auf den beiden Bildern aber auch
verfl... ähnlich. Jetzt habe ich geschwind ein Stückchen von meinen
Exsikkaten eingeweicht und angeschaut – hat mich nicht wirklich schlauer
gemacht. Also bringe ich mal die Psychologie ins Spiel: ich halte es für
unwahrscheinlich, dass Du den Nebelrasling gleich auf Position 1 und 2
stellst. Damit wird aus dem 50:50-Ratespiel eine Quote von mindestens
65:35 ––> mein Tipp ins Blaue: Bild-Nr. 4 ist der Nebelrasling.
Lieber Andreas, ich hoffe, Du lüftest nicht nur das Geheimnis, welches Foto
von welchem Pilz stammt, sondern schreibst uns auch noch genauer, um wen
oder was es sich nun handelt. Gerne auch mit weiteren Details über diese
Art, da in GroPiBaWü nix über elliptisch-sporige Raslinge steht und ich
keine weiterführende Literatur habe.
Schade, dass sich (bisher?) niemand traut, einen Tipp abzugeben...
Herzliche Grüße – Rika
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Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

interhias ⌂, (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Hallo zusammen,

interessantes Ergebnis!

So sieht es also aus, wenn man siderophile Granulation bei Nicht-Lyophyllen ausprobiert. Bei Bild 1 ist es reicht eindeutig: homogen. Bei Bild 3 sind schon Körnchen zu sehen - bei meiner Breitenbach/Kränzlin-Methode wäre ich da wohl ins Zweifeln gekommen. Der Unterschied zu 2 und 4 ist aber markant. Demnach wäre Rikas Schwammerl kein Rasling.

Beste Grüße
Hias

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Ulysses, (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

da eine sichere Lyophyllum-Art dabei ist, werden zu dieser die Bilder 2 und 4 gehören, auf denen die Basidien gleichmäßig dunkel getüpfelt sind.

Was jetzt allerdings 1 und was 3 ist? Tippen würde ich, dass 3 die Clitocybe alexandri ist, und 1 der ominöse Nebelrasling...

Jedenfalls sieht es m.E. nach Abzug der eindeutig positiven Bilder so aus, dass der Nebelrasling tatsächlich kein Rasling, sondern ein Nebling ist.

Schöne Grüße
Josef

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

UmUlmHerum, (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

ja, ich bin da namenstechnisch etwas durcheinander geraten, fiel mir heute Nacht aber erst im Bett auf... Also *EDIT*: Statt "Buchsblättriger" hatte ich "Lyophyllum amariusculum" (Bitterlicher Rasling) gemeint. Bei der Interpretation Deiner 4 Bilder bin ich allerdings davon ausgegangen, dass die drei 1000x-Bilder verschiedene Pilze zeigen, während Bild 1 "nur" den Überblick einer der drei Arten darstellt = Fehlschluss.

Meiner bescheidenen Literatur nach sollten alle Raslinge in den Basidien eine siderophile Granulation haben. Ausnahme der weiße Lerchenspornrasling, der aber inzwischen (deswegen?) den Trichterlingen (Clitocybe connata) zugerechnet wird. Also müssen bei Deinen drei Vergleichspilzen zumindest je einer Granulation haben, einer nicht, und der Dritte wäre "meiner"... wobei es ja noch andere Gattungen mit sid. Gran. gibt!?

Wenn also Bild 2 und 4 den gleichen Pilz zeigen, dann muss dieser Lyophyllum amariusculum sein, und vermutlich zeigt Bild 3 dann meinen Pilz, während für Bild 1 nur noch Clitocybe alexandri übrig bleibt.

Kann man nun wirklich sagen, diese büscheligen Dinger seien sicher Nebelkappen?

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
schön dass Du Dich zu den Bildern äußerst.
Ich glaube, Du bist mit den Bildern auch ziemlich nahe dran, aber es muss was
durcheinandergekommen sein. Du sprichst bei Bild 3 von "die
Clitocybe" und danach bei Bild 2 und 4 von §Nebelrasling oder der
Buchsblättrige". Der Buchsblättrige ist aber doch die Clitocybe
alexandri. Wo bleibt denn dann mein schwärzender Rasling?
Was aber auf jeden Fall stimmt ist die Interpretation der Bilder als solches:
Die wenigen Pünktchen auf Bild 3 reichen nicht als richtige Granulation
aus, sind also keine Basidien mit siderophiler Grtanulation. Und Bild 1
hat einen homogen grauen Inhalt, sprich auch keine siderophile
Granulation. Bild 2 und 4 dagegen sind derselbe Pilz, stimmt, und das sind
nun Basidien mit siderophiler Granulation.
Mit diesen Aussagen sollte es jetzt nicht mehr schwer sein, die richtigen
Schlüsse für Deinen Pilz zu ziehen ;-)
beste Grüße,
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Andreas ⌂, (vor 4285 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

... wobei es ja noch andere Gattungen mit sid. Gran. gibt!?

stimmt, das sind Calocybe, Nyctalis und Tephrocybe.
Ich glaube aber, man hat auch Rhodocybe-Arten mit siderohiler Granulation gefunden, finde aber keinen Literaturbeleg dazu. Vielleicht täusche ich mich auch.

Wenn also Bild 2 und 4 den gleichen Pilz zeigen, dann muss dieser Lyophyllum
amariusculum sein, und vermutlich zeigt Bild 3 dann meinen Pilz, während
für Bild 1 nur noch Clitocybe alexandri übrig bleibt.

stimmt, genau so isses.

Kann man nun wirklich sagen, diese büscheligen Dinger seien sicher
Nebelkappen?

Das würde ich so nicht sagen wollen. Sicher ist eigentlich nur, dass ich mit meinem Tipp "Lyophyllum decastes ss. l." wohl daneben liege. Vorausgesetzt die braunen Büschelraslinge haben alle vorschriftsmäßig siderophile Basidien (wovon ich mal ausgehen würde), dann kann es also keiner Sinn. 0 : 1 gegen mich ....
Ob es aber wirklich Nebelkappen sind, das bezweifle ich immer noch, ehrlich gesagt. Im Präparat fanden sich auch merkwürdig zystidenartig aussehende Elemente im Hymenium. Das könnten einsporige, degenerierte Basidien sein, was bei merkwürdigen Witterungsbedingungen immer mal vorkommt. Es könnten aber auch wirklich Zystiden sein. Dafür ist aber Eisenbeize und Karminessigsäure wahrlich nicht das richtige Beobachtungsmedium. Ich werde mir die Mikromerkmale nochmal in Kongorot anschauen, vielleicht ergibt sich da ja noch was erleuchtendes.

beste Grüße,
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Peter S., (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Also: wenn 2 und 4 derselbe Pilz ist und wenigstens ein sicheres Lyophyllum dabei war, dann zeigen 2 und 4 das von Andreas als L. amariusculum bestimmte Pilzchen.
Sicher ist dann auch, dass der Nebelrasling kein Lyophyllum ist, denn es gibt kein weiteres Bild, das einem Lyophyllum zugeordnet werden könnte.
Daraus den Schluss zu ziehen, dass der Nebelrasling damit sicher eine Nebelkappe ist, ist ganz sicher falsch.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass es eine Nebelkappe ist, das ist aber auch alles was jetzt bewiesen ist.
Wer sagt denn, dass es keine büschelig wachsende Clitocybe gibt, die so ähnlich wie eine Nebelkappe aussieht, und derzeit gar keinen Namen hat, weil das noch niemand mitgekriegt hat, dass es den Pilz gibt und der bislang immer als merkwürdige Nebelkappe fehlbestimmt wurde?

@Rika: Alles ist im Fluss. Lyophyllum connatum war mal kurz wieder Clitocybe connata und ist nun neuerdings Leucocybe connata (eine Gattung zu der nur noch Leucocybe candicans gehört, allen eher als Clitocybe candicans bekannt).

Vorschlag: Ich hätte dann auch gern ein Stückchen Nebelrasling für die Sequenzierung.

Beste Grüße - Peter

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Andreas ⌂, (vor 4285 Tagen) @ Peter S.

Hallo,

Vorschlag: Ich hätte dann auch gern ein Stückchen Nebelrasling für die
Sequenzierung.

ich bring Dir am 24. ein Stück mit. Rika braucht nicht extra nochmal was zu versenden.
Vorher wird ich aber noch mikroskopieren, was der Pilz sonst noch so hat. Ich halte das auch eher für eine andere Clitocybe, als für C. nebularis.

beste Grüße,
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Peter S., (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Hallo,
ich bring Dir am 24. ein Stück mit. Rika braucht nicht extra nochmal was zu
versenden.
Vorher wird ich aber noch mikroskopieren, was der Pilz sonst noch so hat. Ich
halte das auch eher für eine andere Clitocybe, als für C. nebularis.
beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas, ja, das wäre schön.

Beste Grüße - Peter

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Mison, (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika und Andreas und alle Anderen,

neben relativ späten Neujahrswünschen ist es mir echt ein Anliegen, euch für diesen spannenden Thread zu danken. Ich hatte schon gespannt auf die Weiterentwicklung gewartet und freue mich fast genauso wie Rika, dass du, Andreas, dich dieses Pilzchens so sorgfältig angenommen hast.
Das nur als kleines Zeichen, dass die meist stummen Mitleserinnen und -leser durchaus noch bei der Sache sind - auch in diesem Forum.

Liebe Grüße aus dem mild verregneten Bremen
Simon

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Mani walter, (vor 4285 Tagen) @ Mison

Hallo alle zusammen

Gestattet mir bitte, mich Simon anzuschliessen. Eure interessanten Betrachtungen sind auch in den Süden durchgereicht und da verarbeitet worden. Tolle Arbeit von Andreas und alles förderlich vertiefend.

Was bleibt noch zurück für mich? Grübel...grübel?
Foto 3
Andreas´ C. alexandri müssten 4-sporige Basidien besitzen - OK?
Foto 1
Pilz besitzt extremvermiculierende Elemente des Hymenophors UND dazu sind neben Rikas Abbildungen (n.V.m. etwas harablaufende Lamellen) auch elliptische Sporen mit ihren zu C.nebularis passenden Abmessungen gegeben.

Haben diese Pilze Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aushalten müssen?
Gäbe es 20cm grosse Raslinge? OK?

Danke euch sehr. Es war sehr spannend.
Mit besten Grüssen Mani

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Andreas ⌂, (vor 4285 Tagen) @ Mani walter

Hallo Mani,

Was bleibt noch zurück für mich? Grübel...grübel?
Foto 3
Andreas´ C. alexandri müssten 4-sporige Basidien besitzen - OK?

Alle untersuchten Pilze hatten (vorwiegend zumindest) 4-sporige Basidien.
Bild 3 ist aber Rikas Nebelrasling, Clitocybe alexandri ist Bild 1

Foto 1
Pilz besitzt extremvermiculierende Elemente des Hymenophors UND dazu sind
neben Rikas Abbildungen (n.V.m. etwas harablaufende Lamellen) auch
elliptische Sporen mit ihren zu C.nebularis passenden Abmessungen gegeben.

Die Sporenmaße passen nicht so ganz optimal zu C. nebularis.
Aber die weit herablaufenden Lamellen des Exsikkates schließen Lyophyllum definitiv aus.

Haben diese Pilze Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aushalten müssen?
Gäbe es 20cm grosse Raslinge? OK?

Kann vorkommen, durchaus. Normalerweise ist zwar so bei 12-15 cm Hutdurchmesser Schluss, aber einzelne übergroße Fruchtkörper können schon mal vorkommen.

beste Grüße,
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - 1. Ergebnisse

Mani walter, (vor 4284 Tagen) @ Andreas

Hallo Mani,
Alle untersuchten Pilze hatten (vorwiegend zumindest) 4-sporige Basidien.
Bild 3 ist aber Rikas Nebelrasling, Clitocybe alexandri ist Bild 1
Die Sporenmaße passen nicht so ganz optimal zu C. nebularis.
Aber die weit herablaufenden Lamellen des Exsikkates schließen Lyophyllum
definitiv aus.
Kann vorkommen, durchaus. Normalerweise ist zwar so bei 12-15 cm
Hutdurchmesser Schluss, aber einzelne übergroße Fruchtkörper können schon
mal vorkommen.

Sali Andreas
Vielen Dank - für deine Hilfe! Grübel... ist nun geklärt. Habe alles angepasst und gerne zur Kenntnis genommen.
LG. an Alle Mani

Re: Nebelraslinge von Rika - Sammelantwort

UmUlmHerum, (vor 4285 Tagen) @ Andreas

Hallo alle miteinander!

schön, dass wieder ein bisschen Leben in dieses Forum gekommen ist! Ich wollte schon einen Betrag schreiben in Richtung "und der Letzte macht das Licht aus...". Danke, dass Ihr mich davon abgehalten habt!

So, jetzt mal was zu den näheren Fundumständen, zur besseren Einschätzung, inwieweit die Frk. frostgeschädigt sein könnten:
Die "Nebelraslinge" wuchsen in regelrechten Nestern innerhalb einer lockeren Fichtenreisigschicht, die 20 - 30 cm tief war. Selbst die 20-cm-Hüte schauten nur gerade so oben raus (3. Bild). Das könnte Ihr am besten auf den Bildern vom 19.12.14 in meinem Eröffnungsbeitrag sehen (http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=248077). Bis zum Zeitpunkt der Entnahme für die Exsikkate (27.12.14) hatten wir ein paar Nächte mit leichtem Frost so um die minus 1-2°C. Ich denke, dass diese Reisigschicht die Frk. weitgehend frostfrei gehalten hat. Am 25.12.14 begann es zu schneien, und bis zur Entnahme am Nachmittag des 27.12.14 lagen dort 20 - 30 cm Neuschnee, der ja auch recht gut isoliert. Da es inzwischen schon wieder zu tauen begonnen hatte, waren die Frk. ordentlich durchweicht. Nach dem rund 30 stündigen Trocknen bei 30-40°C waren einige Hutstücke glasig und braun – die haben wohl zu weit oben gestanden und Frost abbekommen, ich habe sie entsorgt. Die kleinen Frk. haben durchweg unvollständig ausgebildete Lamellen, vermutlich steril. So sah die Aufsammlung am 27.12.14 aus (von den grün angekreuzelten Frk. hat Andreas Exsikkate erhalten):

[image]

... verglichen mit dem Zustand am 19.12.14 natürlich nur "suboptimal".

[image]

Peter hat erstmal abgewartet, was Andreas in Sachen Granulation herausfindet ;-) und sich nun auch eingeklinkt – danke für Dein Interesse! (Ich hatte schon befürchtet, Du liest hier gar nicht mit... aber irgendwo müssen die > 600 Klicks ja herkommen ;–) ) Für eine Clitocybe würden auch die ganzen unspezifischen 0815-Mikro-Merkmale sprechen. Schade, dass es mit der Sequenziererei immer so lange dauert...

Was denkt Ihr eigentlich über die filzige Stielbasis (teilw. das ganze untere Drittel des Stiels)? Wer kann oder darf sowas haben? Hier eine Ausschnittvergrößerung, leider habe ich davon keine spezielle Aufnahme gemacht.

[image]

Zur Erinnerung hier auch noch der Link zu meinen Fotos von der HDS und der Lamellentrama:
http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=248149

Bin neugierig, wie es weiter geht!

Viele Grüße - Rika

Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 1

Andreas ⌂, (vor 4284 Tagen) @ Andreas

Hallo liebe Rika, hallo alle die's interessiert,

Nachdem nun abgeklärt war, dass es kein Lyophyllum sein konnte, bleibt eigentlich nur etwas aus dem Bereich Clitocybe im weitesten Sinne übrig. Das Exsikkat zeigte ja stark herablaufende Lamellen, was auch auf Rikas Foto in der Spüle gut sichtbar ist. Ich habe übrigens den älteren Fruchtkörper untersucht: Im Foto der Pilze in Rikas Spüle ist es der rechte Fruchtkörper. Aber ist es auch wirklich Clitocybe nebularis?

Was bleibt also noch?
Zunächst die Gattungszugehörigkeit zu überprüfen, und dann zu sehen, wie sich Clitocybe nebularis denn von anderen Clitocyben, Lepistas oder ähnlichem unterschieden könnte.

Was untersucht man da?
- Sporen, das ist klar: Größe, Ornamentierung, Amyloidität/Dextrinoidität zu überprüfen ist Standard. Bei CLitocybe s. l. kann auch die Cyanophilie eine Rolle spielen, ferner ob die Sporen im Exsikkat gerne zu Tetraden verkleben oder nicht.
- Das Hymenium: Basidien, Zystiden, Schnallen, Trama
- Hutdeckschicht: Aufbau, Hutzystiden, Schnallen, Gelifizierung
- Stieloberfläche: Habe ich mir geschenkt, da mir in dieser Gruppe von Pilzen da keine zur Artabgrenzung dienenden Merkmale bekannt sind.

Die Hutdeckschicht seht ihr unten.
Ich hatte zunächst einen Tangentialschnitt gemacht, weil den Hut eh wegen der Lamellentrama so angeschnitten hatte. Dieser Schnitt ist nioht zu empfehlen, denn man sieht ganz gut, dass dadurch viele Hyphen durchgeschnitten werden, man schaut also in sie hinein. Das sind die relativ häufigen rundlich-ovalen Elemente (Bild 3)
Im Radialschnitt (Bild 1 und 2) sieht man dagegen gut, dass es sich um eine liegende Kutis aus relativ dünnen Hyphen handelt. Hie und da sieht man mal eine Schnalle, z. B. in Bild 1. Die oberste Hyphenschicht wirkt ein wenig gelifiziert, aber das kann am (unvollständigen?) Aufquellen des Material liegen.

Aus Rikas Eingangsposting kann man noch gut die Pigmentsituation sehen: Vakuoläres, bräunlich getöntes Pigment. Keine Inkrustationen. Auch auf Rikas Bild sind Schnallen gut erkennbar.

Gut soweit, bringt uns jetzt aber nicht so richtig weiter. Dass Schnallen da sind konnte man ebenso erwarten, wie das die HDS eine liegende Kutis ist. Rein vakuoläres Pigment kann wichtig sein, das ist ein zu beachtendes Merkmal bei Clitocybe (insbesondere bei den nicht-hygrophanen Arten, die jetzt großteils Infundibulicybe heißen ...).

Da ich nur ein Bild jeweils hochladen kann, folgt gleich Teil 2 ....

[image]

Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Andreas ⌂, (vor 4284 Tagen) @ Andreas

Hallo liebe Rika, hallo alle die's interessiert,

wenden wir uns also der Lamelle zu.

Die Lamellentrama hätte ich deutlich regulär erwartet, also mit +/- parallel verlaufenden Hyphen. Sie ist aber ausgesprochen untermischt. Als irregulär würde ich sie aber nicht bezeichnen wollen, dazu schlängeln sich mir die Hyphen doch zu wenig. Ich würde denn Begriff "subregulär" verwenden wollen.

Zystiden konnte ich keine finden. Da in der gesamten Gruppe auch keine zu erwarten waren, verwundert das nicht unbedingt.

Basidien sind allesamt viersporig, bei den wenigen mit Sterigmen die ich finden konnte. Überhaupt wirkte das Hymenium erstaunlich unreif, für eine doch mindestens ausgewachsenen Fruchtkörper. Basalschnallen konnte ich sehen. Die Basidien waren für die Gattung normal, also nicht besonders kurz oder langgestreckt.

Die Sporen sind elliptisch, ich konnte allerdings fast keine finden. Die wenigen die ich sah bewegten sich im Bereich 8-9 x 4-4,5 µm. Das ist ganz schön groß und ganz schön breit ....
Sie sind weder amyloid, noch dextrinoid.
Ich habe dann ein Lamellenfragment in Baumwollblau/Milchsäure für eine halbe Stunde erhitzt, um die Cyanophilie zu testen. Cyanophile Sporen zeigen eine stark blaue Färbung der Sporenwand. Das ist nicht so einfach zu beurteilen, weil sie ja das ganze Präparat blau färbt. BWB ist kein selektives Zellwandfärbemittel wie Trypanblau oder Kongorot. Dennoch ist an den beiden unten gezeogten Sporen klar zu sehen, dass die Sporenwand keineswegs als cynophil gelten kann. Sie ist im Gegenteil sogar verhälnismäßig wenig angefärbt, vor allem im Vergleich zum restlichen Gewebe.
Auffallend war, dass etliche zu mehreren verklumpte Sporenhüllen zu sehen waren. Eine davon habe ich unten abgebildet. Nicht gut zu erkennen, aber so sieht das halt bei leeren Sporen aus. Hat man besseres (reiferes) Material, dann kann man oft wirklich schön zu Viererpäckchen verklebte Tetraden sehen. Aber dennoch, ihr relativ häufiges Vorkommen ist schon ein wichtiges Merkmal.

So, und was folgert man nun daraus?

Also als sicher würde ich ansehen, dass wir diesem Pilz in der Gattung Clitocybe s. l. suchen müssen.

Aber welche Art? Vielleicht ja doch Clitocybe nebularis, die Nebelkappe?

Gegen Nebelkappe sprechen die Sporen. Sie sind etwas zu groß (könnte ich gerade noch tolerieren), aber sie sind eben nicht cyanophil, was sie für die Nebelkappe sein sollten.

In meiner Verzweiflung bin ich nochmal durch den Schlüssel für Clitocybe in der Flora Agaricina Neerlandica.:
1. Hut hygrophan
1* Hut nicht hygrophan
Das können wir, glaub ich guten Gewissens, als nicht hygrophan beantworten
23. Sporen tränenförmig, Hut trichterförmig
23* Sporen nicht tränenförmig, Hut kkonvex bis niedergedrückt
Eindeutig letzteres. Die Sporen sind elliptisch und der Hut ist auch nicht trichterförmig
28. Geruch nach Anis
28* Geruch nicht nach Anis
Klar, kein Anisgeruch
29. Spp.-Farbe tief ocker, Lamellen sehr eng stehend (= Nebelkappe)
29* Spp.-Farbe weiß bis blass creme, Lamellen dicht bis mäßig entfernt
Rika nannte uns ja die Sporenpulverfarbe als blass creme (Romagnesi 1b-2a) und am Exsikkat konnte ich auch keine auffallend dicht stehenden Lamellen bemerken. Damit müssen wir letztere Alternative bejahen und sind somit an der Nebelkappe vorbei.
30. Stiel mit auffallenden Rhizoiden
30* Stiel ohne auffallende Rhizoiden
klar, ohne Rhizoide.
32. Geschmack sehr bitte, Sporen cyanophil
32* Geschmack nicht bitter, Sporen nicht cyanophil
Den Geschmack habe ich nicht überprüft, aber die Sporen sind nicht cyanophil, also letztere Alternative zutreffend
33 Hut blass rosalich-lederfarben, Lamellen dicht stehend und oft gegabelt
33* Hut dunler, isabell- bis dunkel graubraun, Lamellen nicht gegabelt
Hier trifft auch eindeutig letzteres zu.
34 Hut isbaell-braun, Lamellen angewachsen bis herablaufend (C. alexandri)
34* Hut dunkel grau bis dunkel braun, Lamellen stark herablaufend
Sowohl Hutfarbe als auch deutlich herablaufende Lamellen passen besser zu letzterer Alternative. C. alexandri hätte zudem rundlichere Sporen und auch neben dem vakuolären ein inkrustierendes Pigment.
35 Hut braun, Lamellen cremefarben, Geruch süßlich ................ C. clavipes
35* Hut grau, Lamellen weiß, Geruch mehlig .................... C. trulliformis

Uff, also C. trulliformis meine ich gut zu kennen. Das ist ein Pilz der eher aussieht wie eine kleine, graue gibba mit kontrastierenden Lamellen.
Sollte Rikas Pilz womöglich der Keulenfuß-Trichterling sein???
Das kommt mir genauso unwahrscheinlich vor, als dass es die Nebelkappe sein soll!
Geht man allerdings nur von den Mikromerkmalen aus, dann spricht manches dafür: Acyanophile Sporen, die Sporengröße von 6,5-9,5 x 4-5 µm, rein vakuoläres Pigment, und vor allem auch eine subreguläre bis irreguläre Lamellentrama ("the hymenophoral trama is more irreugular than in other species of Clitocybe" -> FAN 3: 50). Dagegen spricht makroskopisch die Größe, das büschelige Wachstum, der nicht auffallend keulige Stiel, die nicht kontrastierende Lamellenfarbe, das nicht rein weiße Sporenpulver. Mikroskopisch sprechen die beobachteten Sporentetraden dagegen.

So bin ich nun mit meiner Weisheit am Ende und lege den Pilz als Clitocybe spec. zur Seite. Vielleicht ergibt sich ja durch Peter Spechts Untersuchungen noch etwas neues später mal.

Tut mir leid, ein Name ist nun nicht rausgekommen. Aber immerhin können die Nebelkappenbefürworter für sich verbuchen, dass die Nebelkappe ja noch nicht völlig aus dem Rennen ist :-)

beste Grüße,
Andreas

[image]

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Lentinus, (vor 4284 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
danke, das war eine Klasse Untersuchung. Schade dass diese am Ende
nur ein Teilergebnis hatte. Aber so ist das halt des Öfteren im
"Pilzgeschäft".

Alles Gute noch zum neuen Jahr für Alle.
Gruß Klaus

Hallo liebe Rika, hallo alle die's interessiert,
wenden wir uns also der Lamelle zu.
Die Lamellentrama hätte ich deutlich regulär erwartet, also mit +/- parallel
verlaufenden Hyphen. Sie ist aber ausgesprochen untermischt. Als irregulär
würde ich sie aber nicht bezeichnen wollen, dazu schlängeln sich mir die
Hyphen doch zu wenig. Ich würde denn Begriff "subregulär"
verwenden wollen.
Zystiden konnte ich keine finden. Da in der gesamten Gruppe auch keine zu
erwarten waren, verwundert das nicht unbedingt.
Basidien sind allesamt viersporig, bei den wenigen mit Sterigmen die ich
finden konnte. Überhaupt wirkte das Hymenium erstaunlich unreif, für eine
doch mindestens ausgewachsenen Fruchtkörper. Basalschnallen konnte ich
sehen. Die Basidien waren für die Gattung normal, also nicht besonders
kurz oder langgestreckt.
Die Sporen sind elliptisch, ich konnte allerdings fast keine finden. Die
wenigen die ich sah bewegten sich im Bereich 8-9 x 4-4,5 µm. Das ist ganz
schön groß und ganz schön breit ....
Sie sind weder amyloid, noch dextrinoid.
Ich habe dann ein Lamellenfragment in Baumwollblau/Milchsäure für eine halbe
Stunde erhitzt, um die Cyanophilie zu testen. Cyanophile Sporen zeigen
eine stark blaue Färbung der Sporenwand. Das ist nicht so einfach zu
beurteilen, weil sie ja das ganze Präparat blau färbt. BWB ist kein
selektives Zellwandfärbemittel wie Trypanblau oder Kongorot. Dennoch ist
an den beiden unten gezeogten Sporen klar zu sehen, dass die Sporenwand
keineswegs als cynophil gelten kann. Sie ist im Gegenteil sogar
verhälnismäßig wenig angefärbt, vor allem im Vergleich zum restlichen
Gewebe.
Auffallend war, dass etliche zu mehreren verklumpte Sporenhüllen zu sehen
waren. Eine davon habe ich unten abgebildet. Nicht gut zu erkennen, aber
so sieht das halt bei leeren Sporen aus. Hat man besseres (reiferes)
Material, dann kann man oft wirklich schön zu Viererpäckchen verklebte
Tetraden sehen. Aber dennoch, ihr relativ häufiges Vorkommen ist schon ein
wichtiges Merkmal.
So, und was folgert man nun daraus?
Also als sicher würde ich ansehen, dass wir diesem Pilz in der Gattung
Clitocybe s. l. suchen müssen.
Aber welche Art? Vielleicht ja doch Clitocybe nebularis, die Nebelkappe?
Gegen Nebelkappe sprechen die Sporen. Sie sind etwas zu groß (könnte ich
gerade noch tolerieren), aber sie sind eben nicht cyanophil, was sie für
die Nebelkappe sein sollten.
In meiner Verzweiflung bin ich nochmal durch den Schlüssel für Clitocybe in
der Flora Agaricina Neerlandica.: 1. Hut hygrophan
1* Hut nicht hygrophan
Das können wir, glaub ich guten Gewissens, als nicht hygrophan beantworten
23. Sporen tränenförmig, Hut trichterförmig
23* Sporen nicht tränenförmig, Hut kkonvex bis niedergedrückt
Eindeutig letzteres. Die Sporen sind elliptisch und der Hut ist auch nicht
trichterförmig
28. Geruch nach Anis
28* Geruch nicht nach Anis
Klar, kein Anisgeruch
29. Spp.-Farbe tief ocker, Lamellen sehr eng stehend (= Nebelkappe)
29* Spp.-Farbe weiß bis blass creme, Lamellen dicht bis mäßig entfernt
Rika nannte uns ja die Sporenpulverfarbe als blass creme (Romagnesi 1b-2a)
und am Exsikkat konnte ich auch keine auffallend dicht stehenden Lamellen
bemerken. Damit müssen wir letztere Alternative bejahen und sind somit an
der Nebelkappe vorbei.
30. Stiel mit auffallenden Rhizoiden
30* Stiel ohne auffallende Rhizoiden
klar, ohne Rhizoide.
32. Geschmack sehr bitte, Sporen cyanophil
32* Geschmack nicht bitter, Sporen nicht cyanophil
Den Geschmack habe ich nicht überprüft, aber die Sporen sind nicht cyanophil,
also letztere Alternative zutreffend
33 Hut blass rosalich-lederfarben, Lamellen dicht stehend und oft gegabelt
33* Hut dunler, isabell- bis dunkel graubraun, Lamellen nicht gegabelt
Hier trifft auch eindeutig letzteres zu.
34 Hut isbaell-braun, Lamellen angewachsen bis herablaufend (C. alexandri)
34* Hut dunkel grau bis dunkel braun, Lamellen stark herablaufend
Sowohl Hutfarbe als auch deutlich herablaufende Lamellen passen besser zu
letzterer Alternative. C. alexandri hätte zudem rundlichere Sporen und
auch neben dem vakuolären ein inkrustierendes Pigment.
35 Hut braun, Lamellen cremefarben, Geruch süßlich ................ C.
clavipes
35* Hut grau, Lamellen weiß, Geruch mehlig .................... C.
trulliformis
Uff, also C. trulliformis meine ich gut zu kennen. Das ist ein Pilz der eher
aussieht wie eine kleine, graue gibba mit kontrastierenden Lamellen.
Sollte Rikas Pilz womöglich der Keulenfuß-Trichterling sein???
Das kommt mir genauso unwahrscheinlich vor, als dass es die Nebelkappe sein
soll!
Geht man allerdings nur von den Mikromerkmalen aus, dann spricht manches
dafür: Acyanophile Sporen, die Sporengröße von 6,5-9,5 x 4-5 µm, rein
vakuoläres Pigment, und vor allem auch eine subreguläre bis irreguläre
Lamellentrama ("the hymenophoral trama is more irreugular than in
other species of Clitocybe" -> FAN 3: 50). Dagegen spricht
makroskopisch die Größe, das büschelige Wachstum, der nicht auffallend
keulige Stiel, die nicht kontrastierende Lamellenfarbe, das nicht rein
weiße Sporenpulver. Mikroskopisch sprechen die beobachteten Sporentetraden
dagegen.
So bin ich nun mit meiner Weisheit am Ende und lege den Pilz als Clitocybe
spec. zur Seite. Vielleicht ergibt sich ja durch Peter Spechts
Untersuchungen noch etwas neues später mal.
Tut mir leid, ein Name ist nun nicht rausgekommen. Aber immerhin können die
Nebelkappenbefürworter für sich verbuchen, dass die Nebelkappe ja noch
nicht völlig aus dem Rennen ist :-)
beste Grüße,
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Peter S., (vor 4283 Tagen) @ Andreas

Hallo,

also ganz sicher ist das nicht C. trulliformis, da bin ich ganz Deiner Meinung Andreas.
Aber auch der Keulenfußtrichterling, der ja gar kein Trichterling mehr ist, sondern zu den Hygrophoraceae gestellt wurde und deshalb eben in die Gattung Ampulloclitocybe, ist m. E. schon a. G. der Makroskopie (Lamellendichte) auszuschließen.
Ich denke, ich sollte nicht spekulieren - also warten wir erst mal ab.

Beste Grüße - Peter

Re: Nebelraslinge v. Rika - Forts. 2 - Fotos

UmUlmHerum, (vor 4282 Tagen) @ Andreas

Hallo lieber Andreas (+ Peter + alle Anderen)!

Da hast Du Dich ja richtig reingekniet – herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht!

Beim Schlüsseln gehe ich weitestgehend mit Deinen Entscheidungen konform, lediglich bei Nr. 30 möchte ich mal nachfragen:
30. Stiel mit auffallenden Rhizoiden
30* Stiel ohne auffallende Rhizoiden
klar, ohne Rhizoide.

Mangels eigener Erfahrung weiß ich nicht genau, ab wann man von auffallenden Rhizoiden spricht. Bei manchen Pilzen haben sie eine auffällige Farbe (weiß, gelb...), dann sieht man sie natürlich gleich ... und findet sie "auffallend".

Nachdem der Föhnsturm allen Schnee geschmolzen hat, war ich gestern noch mal am Standort für weitere Fotos (siehe unten) und habe gleich noch ein 1/2 kg reife Frk. eingepackt. Dabei habe ich zwei Büschel vorsichtig und mühevoll aus dem Reisig ausgegraben und speziell auf Würzelchen hin untersucht – Pfeil + Pünktchen zeigen welche davon. Sie sind halt farblich nicht so auffallend, aber schon deutlich. Wie schätzt Ihr die ein? Sollte man im Schlüssel an dieser Stelle vielleicht (auch nur testhalber) mal anders abbiegen?

[image]

Dass die Sporen gerne in (4er) Grüppchen zusammenklumpen, kann ich nur bestätigen. Ungewöhnlich fand ich noch die kurzen Verzweigungen an den Hyphen, habe allerdings zu wenig Mikro-Erfahrung, um das als relevant oder irrelevant beurteilen zu können. Mikro-Bilder davon gefällig?

Zu den Sporen:
Der fette Abwurf vom 19.12.14 existiert noch. Die Frk. von der gestrigen Entnahme liegen gerade beim Absporen - was sie auch tun, wenn auch nicht so heftig wie die vom 19.12.14. Wer will, kann ja die Sporen (nur in Wasser) von meinem eingestellten Foto ( http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=248077 ) selbst noch mal nachmessen: der Ø des Okular-Sichtfeldes beträgt 160 µm. Wer es ganz genau machen möchte, kann noch einen Korrekturfaktor wg. Verzerrung (kein Plan-Objektiv) verwenden: den Radius in drei gleiche Teile zerstückeln – der innere Kreis plus 5% – der mittlere Ring passt genau – der äußere Ring minus 5%.

So, jetzt noch ein paar Standort-Fotos von gestern, die Frk. haben sich gut gehalten unter dem Schnee. Ich habe sogar den Eindruck, sie hätten sich weiterentwickelt, weil ich keine mehr mit nicht-ausgebildeten Lamellen dabei hatte.

Habitat:
[image]

Der Keulenfüßige Trichterling (Ampulloclitocybe clavipes) kommt hier tatsächlich vor, aber der wächst nicht so büschelig, max. 2 Frk. zusammen, abgesehen von den anderen widersprechenden Merkmalen. Das büschelige Wachstum halte ich für ein "hartes" Merkmal bei meinem Fund:
[image]
[image]

Und hier noch mal ein Größenvergleich: mein gutes, altes Nokia ist 10,4 cm lang, der Hut hat Ø 20 cm. Die gewellten Hüte vom vorletzten Bild im Ursprungsbeitrag (link s.o.) sind sogar noch ein bisschen größer.
[image]

Will vielleicht jemand noch Frischmaterial? Ich denke, bei diesem Wetter könnte man einen Postversand mit belüftetem Maxibrief durchaus wagen.

Viele Grüße – Rika

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Peter S., (vor 4281 Tagen) @ Andreas

Hallo nochmal,

auch auf die Gefahr hin, dass der ein oder andere meine nachfolgende Aussage als despektierlich bezeichnet. Ich betone ausdrücklich: Ich schreibe das mit großem Respekt und mit Demut, aber:
Bitte nehmt zum schlüsseln von Trichterlingen niemals den Schlüssel von T. Kuyper aus der FAN. In der Flora Agaricina Neerlandica werden für die Niederlande gerade einmal 34 Arten für die Gattung angegeben. Vorsichtig geschätzt wird der europäische Bestand mit ca. 120 Arten (Ludwig) angenommen. Kuyper hat hier Mitte der 90er bei der Artendifferenzierung das verkörpert, was man gemeinhin als "Lumper" bezeichnet. Auch in den Niederlanden geht man mittlerweile von mindestens 70 dort vorkommenden Arten der Gattung Clitocybe s.l. (also noch mit Infundibulicybe, Trichocybe...) aus.
Ich kenne für Clitocyben keinen besseren Schlüssel als den von Frieder Gröger in den Regensburger Mykologischen Schriften Band 13.

Beste Grüße - Peter

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Andreas ⌂, (vor 4281 Tagen) @ Peter S.

Hallo,

Bitte nehmt zum schlüsseln von
Trichterlingen niemals den Schlüssel von T. Kuyper aus der FAN.
Ich kenne für Clitocyben keinen besseren Schlüssel als den von Frieder Gröger
in den Regensburger Mykologischen Schriften Band 13.

Hast ja recht, aber die FAN lag grad neben mir auf dem Tisch und für den GRÖGER hätt ich erst nach oben gehen müssen ;-)

beste Grüße,
Andreas

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Tanja, (vor 4281 Tagen) @ Andreas

Hallo,
Hast ja recht, aber die FAN lag grad neben mir auf dem Tisch und für den
GRÖGER hätt ich erst nach oben gehen müssen ;-)
beste Grüße,
Andreas

Du müßtest unten bei dir aber auch einen Gröger haben.... ;-)

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Peter S., (vor 4280 Tagen) @ Tanja

Du müßtest unten bei dir aber auch einen Gröger haben.... ;-)

Habt Ihr angebaut? So weitläufig hatte ich das gar nicht in Erinnerung, dass Ihr hier übers Forum chattet.

Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2

Sollingschreck, (vor 4279 Tagen) @ Peter S.

Habt Ihr angebaut? So weitläufig hatte ich das gar nicht in Erinnerung, dass
Ihr hier übers Forum chattet.

Hallo zusammen, ich muss auch gerade schmunzeln! Aber ich schließe mich den anderen an, ein äußerst spannender Beitrag und ich bin gespannt ob noch etwa herauskommt.
Beste Grüße
Holger