Re: Nebelraslinge von Rika - Fortsetzung 2
Hallo Andreas,
danke, das war eine Klasse Untersuchung. Schade dass diese am Ende
nur ein Teilergebnis hatte. Aber so ist das halt des Öfteren im
"Pilzgeschäft".
Alles Gute noch zum neuen Jahr für Alle.
Gruß Klaus
Hallo liebe Rika, hallo alle die's interessiert,
wenden wir uns also der Lamelle zu.
Die Lamellentrama hätte ich deutlich regulär erwartet, also mit +/- parallel
verlaufenden Hyphen. Sie ist aber ausgesprochen untermischt. Als irregulär
würde ich sie aber nicht bezeichnen wollen, dazu schlängeln sich mir die
Hyphen doch zu wenig. Ich würde denn Begriff "subregulär"
verwenden wollen.
Zystiden konnte ich keine finden. Da in der gesamten Gruppe auch keine zu
erwarten waren, verwundert das nicht unbedingt.
Basidien sind allesamt viersporig, bei den wenigen mit Sterigmen die ich
finden konnte. Überhaupt wirkte das Hymenium erstaunlich unreif, für eine
doch mindestens ausgewachsenen Fruchtkörper. Basalschnallen konnte ich
sehen. Die Basidien waren für die Gattung normal, also nicht besonders
kurz oder langgestreckt.
Die Sporen sind elliptisch, ich konnte allerdings fast keine finden. Die
wenigen die ich sah bewegten sich im Bereich 8-9 x 4-4,5 µm. Das ist ganz
schön groß und ganz schön breit ....
Sie sind weder amyloid, noch dextrinoid.
Ich habe dann ein Lamellenfragment in Baumwollblau/Milchsäure für eine halbe
Stunde erhitzt, um die Cyanophilie zu testen. Cyanophile Sporen zeigen
eine stark blaue Färbung der Sporenwand. Das ist nicht so einfach zu
beurteilen, weil sie ja das ganze Präparat blau färbt. BWB ist kein
selektives Zellwandfärbemittel wie Trypanblau oder Kongorot. Dennoch ist
an den beiden unten gezeogten Sporen klar zu sehen, dass die Sporenwand
keineswegs als cynophil gelten kann. Sie ist im Gegenteil sogar
verhälnismäßig wenig angefärbt, vor allem im Vergleich zum restlichen
Gewebe.
Auffallend war, dass etliche zu mehreren verklumpte Sporenhüllen zu sehen
waren. Eine davon habe ich unten abgebildet. Nicht gut zu erkennen, aber
so sieht das halt bei leeren Sporen aus. Hat man besseres (reiferes)
Material, dann kann man oft wirklich schön zu Viererpäckchen verklebte
Tetraden sehen. Aber dennoch, ihr relativ häufiges Vorkommen ist schon ein
wichtiges Merkmal.
So, und was folgert man nun daraus?
Also als sicher würde ich ansehen, dass wir diesem Pilz in der Gattung
Clitocybe s. l. suchen müssen.
Aber welche Art? Vielleicht ja doch Clitocybe nebularis, die Nebelkappe?
Gegen Nebelkappe sprechen die Sporen. Sie sind etwas zu groß (könnte ich
gerade noch tolerieren), aber sie sind eben nicht cyanophil, was sie für
die Nebelkappe sein sollten.
In meiner Verzweiflung bin ich nochmal durch den Schlüssel für Clitocybe in
der Flora Agaricina Neerlandica.: 1. Hut hygrophan
1* Hut nicht hygrophan
Das können wir, glaub ich guten Gewissens, als nicht hygrophan beantworten
23. Sporen tränenförmig, Hut trichterförmig
23* Sporen nicht tränenförmig, Hut kkonvex bis niedergedrückt
Eindeutig letzteres. Die Sporen sind elliptisch und der Hut ist auch nicht
trichterförmig
28. Geruch nach Anis
28* Geruch nicht nach Anis
Klar, kein Anisgeruch
29. Spp.-Farbe tief ocker, Lamellen sehr eng stehend (= Nebelkappe)
29* Spp.-Farbe weiß bis blass creme, Lamellen dicht bis mäßig entfernt
Rika nannte uns ja die Sporenpulverfarbe als blass creme (Romagnesi 1b-2a)
und am Exsikkat konnte ich auch keine auffallend dicht stehenden Lamellen
bemerken. Damit müssen wir letztere Alternative bejahen und sind somit an
der Nebelkappe vorbei.
30. Stiel mit auffallenden Rhizoiden
30* Stiel ohne auffallende Rhizoiden
klar, ohne Rhizoide.
32. Geschmack sehr bitte, Sporen cyanophil
32* Geschmack nicht bitter, Sporen nicht cyanophil
Den Geschmack habe ich nicht überprüft, aber die Sporen sind nicht cyanophil,
also letztere Alternative zutreffend
33 Hut blass rosalich-lederfarben, Lamellen dicht stehend und oft gegabelt
33* Hut dunler, isabell- bis dunkel graubraun, Lamellen nicht gegabelt
Hier trifft auch eindeutig letzteres zu.
34 Hut isbaell-braun, Lamellen angewachsen bis herablaufend (C. alexandri)
34* Hut dunkel grau bis dunkel braun, Lamellen stark herablaufend
Sowohl Hutfarbe als auch deutlich herablaufende Lamellen passen besser zu
letzterer Alternative. C. alexandri hätte zudem rundlichere Sporen und
auch neben dem vakuolären ein inkrustierendes Pigment.
35 Hut braun, Lamellen cremefarben, Geruch süßlich ................ C.
clavipes
35* Hut grau, Lamellen weiß, Geruch mehlig .................... C.
trulliformis
Uff, also C. trulliformis meine ich gut zu kennen. Das ist ein Pilz der eher
aussieht wie eine kleine, graue gibba mit kontrastierenden Lamellen.
Sollte Rikas Pilz womöglich der Keulenfuß-Trichterling sein???
Das kommt mir genauso unwahrscheinlich vor, als dass es die Nebelkappe sein
soll!
Geht man allerdings nur von den Mikromerkmalen aus, dann spricht manches
dafür: Acyanophile Sporen, die Sporengröße von 6,5-9,5 x 4-5 µm, rein
vakuoläres Pigment, und vor allem auch eine subreguläre bis irreguläre
Lamellentrama ("the hymenophoral trama is more irreugular than in
other species of Clitocybe" -> FAN 3: 50). Dagegen spricht
makroskopisch die Größe, das büschelige Wachstum, der nicht auffallend
keulige Stiel, die nicht kontrastierende Lamellenfarbe, das nicht rein
weiße Sporenpulver. Mikroskopisch sprechen die beobachteten Sporentetraden
dagegen.
So bin ich nun mit meiner Weisheit am Ende und lege den Pilz als Clitocybe
spec. zur Seite. Vielleicht ergibt sich ja durch Peter Spechts
Untersuchungen noch etwas neues später mal.
Tut mir leid, ein Name ist nun nicht rausgekommen. Aber immerhin können die
Nebelkappenbefürworter für sich verbuchen, dass die Nebelkappe ja noch
nicht völlig aus dem Rennen ist
beste Grüße,
Andreas
