Re: Noch einmal Trametes hirsuta?

Svampskogen, (vor 4600 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas

Vielen lieben Dank für deine Zusammenstellung der Literatur über Pilzsoziologie. Da ist ja doch so manches dabei...
Schade gibt es (noch?) kein umfassendes Buch zu den Pilzgesellschaften. Es ist wohl auch fragwürdig, ob es so etwas für die Pilze je geben wird.
Fasziniert haben mich auch kleinräumige Vorkommen von spezifischen Gesellschaften, wie das gehäufte Auftreten seltener Röhrlingsarten an bestimmten Waldstellen.
Das Thema ist wirklich sehr interessant, nur ist es für einen Laien ohne entsprechende Literatur recht schwierig in das Thema reinzukommen ohne viele Jahre Erfahrung und vor allem auch genaue Beobachtung der Natur. Ich hoffe hier auch mal ein wenig besser Bescheid zu wissen...

Beste Grüsse Jonas

Hallo Jonas,
ja gibt es, aber kaum etwas Zusammenhängendes.
Das Trametetum hirsutae wurde von Annemarie Runge, der Frau des bekannten
Pflanzensoziologen Fritz Runge aufgestellt. Veröffentlicht in den
"Westfälischen Pilzbriefen".
Die erste und damals wirklich bahnbrechende Arbeit über Pilzsoziologie stammt
von meinem verehrten Mentor Dr. Hans Haas von 1933: "Die
bodenbewohnenden Großpilze in den Waldformationen einiger Gebiete von
Württemberg. Beih. Bot. Centralbl. 50 Abt.II: 35-134." Darin werden
erstmals Pilze verschiedener Biotope mit Angaben zu ihrer Soziabilität und
Abundanz dargestellt, so wie Braun-Blanquet dies 5 Jahre zuvor für die
Pflanzen eingeführt haben. Damals war diese Soziologie selbst bei den
Botanikern durchaus noch umstritten.
Eine weitere wichtige Arbeit hierzu stammt von Darimont 1973 und behandelt
die Kalkbuchenwälder der Ardennen. Darauf nimmt dann Jahn et al. 1967
Bezug, ergänzt von Jahn 1989. Siehe z. B. hier:
http://wwwuser.gwdg.de/~rjahn/Pilzbriefe/PB_Bd_10_29.pdf
Und noch ein Werk in dieser Hinsicht, das eine Reihe von Pilzgesellschaften
listet, aber allerdings nicht oder kaum beschreibt: Bresinsky, Kreisel
& Primas: Mykologische Standortkunde. Regensb. mykol. Schriften, Band
5. Vieles davon basiert übrigens auf Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde,
Band 4
So, das ohne Anspruch auf Vollständigkeit als Einstieg. Mehr fällt mir aus
dem Stehgreif jetzt grad nicht ein, aber bestimmt gibt es noch viele
Einzelpublikationen zu diesem Thema. Ein sehr spannendes Thema, für mich
DAS Thema schlechthin bei Pilzen und viel interessanter als das reine
Artenbestimmen (das natürlich Voraussetzung für Bestandsaufnahmen ist),
allerdings immer zwingend mit langjährigen Beobachtungen verbunden.
beste Grüße,
Andreas


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