Re: Lyophyllum/Tephrocybe boudieri?
Hallo,
Wir hatten vor 7 Jahren mal diese Frage in unserer Gruppe hier in SO-Bayern. Ich denke, mein Freund Thomas Glaser nimmt es mir nicht übel, wenn ich mich hier u. a. auf seine damalige Diskussion berufe. Er beschrieb 4 Aufsammlungen einer Art, die er nach Großpilze BW problemlos als Lyophyllum ozes bestimmt hatte. "Auch mit dem 'alten' Moser landete ich bei T. ozes. Beide orientierten sich an Altmeister Ricken - 'Collybia ozes - im Nadelwald auf dem Erdboden, gesellig. Häufig.' Bei Gulden endete ich bei L. confusum. hier ist ozes eine helmlingsähnliche Art."
Ich (TRL) verglich Thomas' Beschreibung mit jenem Pilz, den ich ungefähr genauso oft wie er sein "ozes" in der gleichen Region als "L. boudieri" bestimmt hatte - aber eben nach Kühner/Romagnesi 1954, complém. -, und kam zu der Auffassung, dass die Unterschiede minimal waren. Thomas dazu: "L. boudieri ... soll sich nur durch eine dunklere Hutfarbe unterscheiden ... (Meinen Fund) nenne ich vorerst L. ozes ss. Singer, Ricken, Moser."
Die Diskussion zeigt, dass die Problematik schon bei den alten "Klassikern" auftaucht. Deshalb ist es ja so wichtig, dass man bei jeder irgendwie kritischen Art "im Sinne von" dazuschreibt. Damit kann man ganz gut leben - andernfalls müsste man ja strenggenommen immer die Typuskollektion untersuchen, was natürlich völlig unrealistisch ist.
Gute Nacht
Till
,
derartige Funde hab ich aus der Regensburger Umgebung und von der
Schwäbischen Alb auch mehrere. Immer über neutralem bis basischem
Untergrund, ansonsten aber recht wenig anspruchsvoll (Laub, Nadel, feucht,
mäßig trocken, Frühsommer bis kurz vor dem ersten starken Frost).
Bestimmt hab ich diese als Lyophyllum ozes ss. Großpilze BW , da das zu
100 % dem Pilz entspricht.
Wie Du schon sagst, findet sich dieses Artkonzept sonst nirgends. Dort, wo
L. ozes aufgeführt wird, handelt es sich um eine ganz andere Art, die mit
dem in GP BW unter diesem Namen behandelten Taxon nicht übereinstimmt.
Warum es nun allerdings zweierlei Graublätter namens "ozes"
gibt, konnte ich bislang nicht aufklären.
Zu L. inolens : Das ist m. E. ein deutlich größerer Pilz (Hut bis 5 (6)
cm) Durchmesser, der zumindest bei meinen Funden recht ähnlich Gymnopus
butyraceus aussah. Das, was ich L. ozes (GP BW) nenne, hat schmalere
Fruchtkörper (Hut bis 2-3 cm, Stiele dünner).
Zu L. boudieri : Diese Art hat m. E. niedrige, im Längsschnitt rundliche
bis abgeflachte Hüte, die im feuchten Zustand recht dunkel (bis
kohlenbraun) gefärbt sind, während L. ozes (GP BW) ± schmal zugespitzte
Hüte hat, die auch feucht heller sind (bis horngrau o.ä.). Ob aber Farbe
und Form des Huts konstant sind und zur Abtrennung der Arten taugen?
Wahrscheinlich hilft Dir das bei Deinem Problem auch nicht weiter... Aber
vielleicht hat ja jemand anders den "roten Faden" für den Weg
durch den Lyophyllum -Schlüssel.
Beste Grüße
Josef