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Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Souler, (vor 9818 Tagen)

Hallo Zusammen,

ich habe hier im Forum sehr viel über Pilze gelernt.
Immer wieder habe ich auch über Böden (kalk/sauer etc) gehört. Dieses Thema interessiert mich, zumal ich mich damit noch nie besonders beschäftigt habe.

Über Antworten zu Fragen wie:
-Was sind die "besseren" Böden? (Gibts die überhaupt?)
-Wie erkennt man kalkhaltige oder saure oder was weiß ich für Spuren enthaltende?
-Gibt es Pilzarten die ausschließlich auf bestimmten Böden vorkommen?
-etc.
würde ich mich freuen.

Mit Interesse und Dank vorab
Souler

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Boris, (vor 9818 Tagen) @ Souler

Hallo Zusammen,
ich habe hier im Forum sehr viel über Pilze gelernt.
Immer wieder habe ich auch über Böden (kalk/sauer etc) gehört. Dieses Thema interessiert mich, zumal ich mich damit noch nie besonders beschäftigt habe.
Über Antworten zu Fragen wie:
-Was sind die "besseren" Böden? (Gibts die überhaupt?)
-Wie erkennt man kalkhaltige oder saure oder was weiß ich für Spuren enthaltende?
-Gibt es Pilzarten die ausschließlich auf bestimmten Böden vorkommen?
-etc.
würde ich mich freuen.
Mit Interesse und Dank vorab
Souler

Hi! Zunächst mal Danke für den Experten, aber ich weiß nicht ob ich diese Lorbeeren verdient habe. Dazu ist meine Felderfahrung doch noch zu gering, ich würde mich eher als Fortgeschrittenen bezeichnen. Experten zu dem Thema Pilze und Biotoparten sind für mich Leute wie Krieglsteiner oder Zehfuß, es mag sich lohnen hier mal nach Literatur zu recherchieren.

Ganz grob kann man Böden einstufen nach:

Dem Nährstoffgehalt. Manche Pilze (Riesenbovist, einige Lepiota-Arten, Champignons..) liebens "deftig". Entsprechende Zeigerpflanzen sind dann auch Brennesseln etc...

Der Feuchtigkeit. Viele Pilze z.B. einige Bauchpilze lieben eher trockene Standorte, der Wasserkreisling als anderes Extrem wächst halb untergetaucht.

Dem Kalkgehalt. Siehe dazu mein Posting in Archiv 8, "Einführung in die Pflanzensoziologie". Es scheint zwar viele Pilze zu geben die kalkfeindlich, kalktolerant oder säureliebend sind, aber eine nähere Differenzierung ist wohl nur in Einzelfällen sinnvoll. So wachsen die meisten säureliebenden Arten sowohl auf Granit wie auch auf Sandsteinuntergrund.

Zeigerpflanzen sind ein faszinierendes Thema, das viel Erfahrung braucht. Ein gutes Einsteigerbuch habe ich in Archiv 12 unter "Literaturhinweis für Sandro" genannt, da sind aber noch keine Pilze dabei. Zumindest kann man mit Hilfe der Pflanzengesellschaften schon mal auf das Vorhandensein potentieller Pilzfunde schliessen.

Viel Spaß! Boris

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Tom, (vor 9818 Tagen) @ Boris

Es scheint zwar viele Pilze zu geben die kalkfeindlich, kalktolerant oder säureliebend sind, aber eine nähere Differenzierung ist wohl nur in Einzelfällen sinnvoll.

Hallo,

Die Frage, ob eine weiter Differenzierung der Böden sinnvoll ist oder nicht, interessiert mich auch (siehe Posting im letzten Archiv). Im Rahmen meiner Suche eines Diplomarbeitsthemas habe ich bei mir an der Uni versucht etwas darüber herauszufinden. Dazu habe ich einen Waldbauproffessor (Freiburg) und meinen Bodenbiologieprof aus der Bodenkunde in Hohenheim befragt, und beide waren sich einig: Der Einfluß des Bodens auf das Pilzwachstum wird wahrscheinlich höher sein als bisher angenommen, das Problem sei, daß darüber so gut wie nichts bekannt sei, da: " Da
Untersuchungen aber im wesentlichen von Biologen durchgeführt werden,
sind die Angaben aus bodenkundlicher Sicht meist unbefriedigend." (Zitat Bodenbiologe). Es gäbe aber eigentlich niemanden, der sich darin auskennt. Einzige Anlaufstelle: Fr. Prof. Kroppke (oder so), Tübingen. Der Forschungsbedarf in dieser Richtung ist insbesondere bei den Mykorrhizapilzen auch wirtschaftlich interessant, da es auch viele Arten gibt, die landwirt. Nutzpflanzen mykorrhizieren. Könnte man Saatgut geplant impfen, würde sich die chem. Industrie totärgern, da sie mit großen Umsatzeinbrüchen im Pflanzenschutzsektor zu rechnen hätte. Aber dafür müßte erst noch mehr über den Einfluß der Standortfaktoren auf Pilze in Erfahrung gebracht werden müsssen.
Bewerber für Doktorarbeiten werden mit Kußhand angenommen.

Grüße, Tom

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Boris, (vor 9818 Tagen) @ Tom


: Es scheint zwar viele Pilze zu geben die kalkfeindlich, kalktolerant oder säureliebend sind, aber eine nähere Differenzierung ist wohl nur in Einzelfällen sinnvoll.

Hallo,
Die Frage, ob eine weiter Differenzierung der Böden sinnvoll ist oder nicht, interessiert mich auch (siehe Posting im letzten Archiv). Im Rahmen meiner Suche eines Diplomarbeitsthemas habe ich bei mir an der Uni versucht etwas darüber herauszufinden. Dazu habe ich einen Waldbauproffessor (Freiburg) und meinen Bodenbiologieprof aus der Bodenkunde in Hohenheim befragt, und beide waren sich einig: Der Einfluß des Bodens auf das Pilzwachstum wird wahrscheinlich höher sein als bisher angenommen, das Problem sei, daß darüber so gut wie nichts bekannt sei.

Meine eigenen Beobachtungen zeigen, dass es einige Pilzarten gibt, die sehr strenge Bodenansprueche haben, der ueberwiegende Teil jedoch sehr anpassungsfaehig ist. Man nehme z.B. den Netzstieligen Hexenpilz mit seiner Variationsbreite von reinen Kalkboeden bis zu sauren Boeden mit nur Spuren von Kalk. Ich habe schon Flocken- und Netzstielige Hexis fast nebeneinander gefunden und halte Pilze fuer sehr anpassungsfaehig, wie ich ja auch schon mal im Zusammenhan mit dem Wetter gesagt habe. Auf meinem Campus z.B. wachsen Suillus granulatus, luteus und collinitus trotz ihrer unterschiedlichen Bodenansprueche in trauter Dreieinigkeit.
Natuerlich gibt es auch einige wenige Arten wie Satanspilz oder Kaiserling die sowohl an den Boden als auch an das Wetter knallharte Ansprueche stellen (deswegen sind sie auch selten), aber das halte ich eher fuer die Ausnahme. Oft haben solche Pilze nur am Rand ihres Verbreitungsgebiets solch strenge Bodenansprueche. Moeglich ist auch das Auftreten bodenspezifischer Standortrassen. Den seltenen Hasenroehrling (Gyroporus castaneus) z.B. habe ich auf zwei voellig unterschiedlichen Boeden gefunden. In meinem loessreichen Waldmeister-Kalkbuchenwald war er typisch zimtbraun wie er in den Pilzbuechern sein soll. Auf praktisch kalkfreiem Eisenerzboden (Fulgurit) erschien er in hoechst ungewoehnlichen dunkel schwarzbraunen Exemplaren, und zwar in Massen! Auch hier gibt es wahrscheinlich fliessende Uebergaenge, das genauere Differenzieren nach dem Bodentyp halte ich fuer eine Sisyphusarbeit und nur in Einzelfaellen durchfuehrbar.

Viel Erfolg, Boris

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

tom, (vor 9818 Tagen) @ Boris

Hallo,

Die Unterscheidung nach Bodentypen halte ich inzwischen auch für wenig relevant- die Hauptmasse der Feinwurzeln befindet sich im Oberboden. Aber wenn die Korngrößenverteilung Einfluß auf die Zahl und Größe der Feinwurzeln nimmt, dann hängt doch- zumindest dadurch indirekt- auch das Mykorrhizawachstum von der Korngrößenverteilung und somit der Bodenart ab? Ersteinmal unabhängig von der Bodenreaktion bzw. des Ursprungsgesteins.
Die Feldansprache auf die Bodenart ist nicht sehr aufwendig, denke schon, daß das ein lohnendes Feld für Hobbymykos sein könnte!

Auf den Zusammenhang mit dem Wetter, auf den Du hinweist: weißt Du zufällig, in welchem Archiv ich das Posting finde?

erdige Grüße, Tom

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Boris, (vor 9818 Tagen) @ tom

Hallo,
Die Unterscheidung nach Bodentypen halte ich inzwischen auch für wenig relevant- die Hauptmasse der Feinwurzeln befindet sich im Oberboden. Aber wenn die Korngrößenverteilung Einfluß auf die Zahl und Größe der Feinwurzeln nimmt, dann hängt doch- zumindest dadurch indirekt- auch das Mykorrhizawachstum von der Korngrößenverteilung und somit der Bodenart ab? Ersteinmal unabhängig von der Bodenreaktion bzw. des Ursprungsgesteins.
Die Feldansprache auf die Bodenart ist nicht sehr aufwendig, denke schon, daß das ein lohnendes Feld für Hobbymykos sein könnte!
Auf den Zusammenhang mit dem Wetter, auf den Du hinweist: weißt Du zufällig, in welchem Archiv ich das Posting finde?
erdige Grüße, Tom

Hi! Der Artikel handelte ueber "Saisonale Schwankungen" und liegt in Archiv 10.

Gruss, Boris

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Andreas Gminder, (vor 9813 Tagen) @ Boris

Hallo,
ich habe die Diskussion leider erst jetzt bemerkt, aber vielleicht ist mein Beitrag trotzdem noch von Interesse.
Ich habe das Vergnügen, mit German Krieglsteiner zusammen die Auswertung der Daten für die Bände der Baden-Württemberg-Flora zu machen und habe in den jetzt dann erscheinenden Bänden die Röhrliungsartigen bearbeitet. Im nächsten Band werden's dann die Trichterlingsartigen und alles Schirmlings-ähnlich sein (wenn ich mich nicht vorher vom Fernsehturm stürze ...). Jedenfalls haben die Auswertungen bei den Röhrlingen oft ein sehr klares Bild gegeben, was die bevorzugten Böden anbelangt. Allerdings ist dazu oft auch etwas Interpretation nötig und ich bin leider kein Fachmann was dieses Thema betrifft. Auffallend war jedoch, daß sich viele als kalkliebend geltenden Röhrlinge als ziemlich strikte Neutral-Zeiger herausgestellt haben: z.B. Sommer- und Schwarzhütiger Steinpilz, die ganzen Raritäten wie Boletus rhodoxanthus, regius, pseudoregius, queletii. Lediglich B. satanas und vermutlich auch B. fechtneri sind wohl als Kalkfordernd einzustufen. Das drückte sich dann auch in den angegebenen Waldgesellschaften aus: Die "Neutralzeiger" im Eichen-Hainbuchenwald auf Mergelböden, lehmig zwar und damit "bessere" Böden, aber mit nur geringem Kalkanteil, die "Kalkzeiger" dagegen im Orchideen-Buchenwald auf Muschelkalk. Jetzt kommt aber die Problematik an der ganzen Geschichte: Diese Idealvorstellung ist in der Praxis (also im Wald) in vielen Fällen nicht so eindeutig. Da steht im Orchideen-Buchenwald eben auch mal ein paar Eichen rum und schon ist an der Stelle der Oberboden etwas angesäuert, weil a) Eichenblätter nun mal saurer verwittern als die sehr milden Buchenblätter und b) das an der Eichenborke herablaufende Wasser den pH-Wert im Boden rund um die Hauptwurzeln der Eiche merklich absenkt. Dort wird man dann folglich selbst über Kalkboden Säurezeiger finden können (Flockenstieliger Hexen-Röhrling, Cortinarius torvus etc.). Anders herum kennt wohl jeder den Kalkeinfluß der geschotterten Waldwege im Schwarzwald über saurem Buntsandstein, wo dann plötzlich Phlegmacien, manche Schnecklinge und solche Arten vorkommen können.
Leider sind aber sicherlich nicht alle Pilze als entsprechende Zeiger geeignet und weitere Faktoren wie Stickstoffgehalt, Mineralversorgung und vor allem Wärme spielen mit eine Rolle. Diese Kombinationen zu Ergründen dürfte wohl in vielen Fällen sehr schwierig sein, wenn nicht gar chancenlos. Vor allem bei seltenen Arten, von denen nur wenige Daten zu erhalten sind, sind ökologische Aussagen problematisch.
Ein Fakt scheint aber festzustehen: Mediterrane (wärmeliebende) Arten brauchen offensichtlich einen desto höheren Kalkgehalt im Boden je weiter sie ins rauhe Klima des Nordens vordringen. Zumindest bei den Boleten ist dies zu beobachten. Während der Schwarzhütige Steinpilz und der Königs-Röhrling im Mittelmeergebiet unter Eichen und Kastanien auf saurem Boden wachsen, kommt er bei uns im Schönbuch im neutralen Eichen-Hainbuchenwald vor, an seiner Nordgrenze in Schweden (auf Gotland) jedoch auf reinem Kalk mit pH von 7,5-8!
Gleiches gilt auch für Hygrophorus russula und sicherlich für etliche weitere Arten, offenbar nicht jedoch für den Kaiserling. Bei dieser Art scheint die "Ersatzfunktion" Kalk gegen Wärme nicht zu funktionieren, vielleicht auch daher die extreme Seltenheit bei uns. In den warmen Gegenden Süddeutschland herrscht nunmal meist neutraler bis basischer Boden vor. Ausnahmen sind z.B. manche Ecken in der Pfalz und Hänge im Stadtgebiets Stuttgart (urbane Aufheizung) zum Neckar hin auf Stubensandstein. Ansonsten aber Fehlanzeige.

: Es scheint zwar viele Pilze zu geben die kalkfeindlich, kalktolerant oder säureliebend sind, aber eine nähere Differenzierung ist wohl nur in Einzelfällen sinnvoll.

In manchen Gattungen / Gruppen ist eine Diferenzierung sehr wohl sinnvoll und mich persönlich macht es wesentlich mehr stutzig wenn ein und dieselbe Pilzart sowohl auf Wachholderheiden als auch im Fichtenwald wachsen soll, als wenn sie statt einem blauen Hut einen gelben hat.

Hallo,
Die Frage, ob eine weiter Differenzierung der Böden sinnvoll ist oder nicht, interessiert mich auch (siehe Posting im letzten Archiv). Im Rahmen meiner Suche eines Diplomarbeitsthemas habe ich bei mir an der Uni versucht etwas darüber herauszufinden. Dazu habe ich einen Waldbauproffessor (Freiburg)

Meinst du den Dr. Bücking?

und meinen Bodenbiologieprof aus der Bodenkunde in Hohenheim befragt, und beide waren sich einig: Der Einfluß des Bodens auf das Pilzwachstum wird wahrscheinlich höher sein als bisher angenommen, das Problem sei, daß darüber so gut wie nichts bekannt sei.

Das ist auch meine Meinung! Aber wie soll man die Lösung der anstehenden Fragen angehen? Man kann eben die meisten Pilze nicht unter Laborbedingen ziehen und dann auch noch den in freier Natur vorhandenen Konkurrenzdruck simulieren, der m. E. nach auch eine sehr große Rolle spielt.

Meine eigenen Beobachtungen zeigen, dass es einige Pilzarten gibt, die sehr strenge Bodenansprueche haben, der ueberwiegende Teil jedoch sehr anpassungsfaehig ist. Man nehme z.B. den Netzstieligen Hexenpilz mit seiner Variationsbreite von reinen Kalkboeden bis zu sauren Boeden mit nur Spuren von Kalk. Ich habe schon Flocken- und Netzstielige Hexis fast nebeneinander gefunden und halte Pilze fuer sehr anpassungsfaehig, wie ich ja auch schon mal im Zusammenhan mit dem Wetter gesagt habe.

Wenn Netz- und Flockenstielige hexen-Röhrlinge zusammen vorkommen, wie ich es auch schon gesehen habe, so doch stets auf neutralen Böden die für beide den Grenzbereich darstellen. Und der Flockenstielige zeigt dann die stärker oberflächenversauerten Stellen an (Eichenblätter, humusarme Stellen die dem sauren Regen keine Puffer bieten, etc.) wie übrigens auch Polytrichum attenuatum. Der Netzstielige kommt dagegen an den humusreicheren Stellen vor, zumindest wenn es sich um Laubstreu "milder" Bäume handelt (Buche, Hainbuche) oder neben Wegrändern die entweder kalkbeeinflußt sind oder deren minimal größerer Stickstoffreichtum den an eher mineralarme Böden gebundenen Flockenstieligen Hexen-Röhrling vergrault.

Auf meinem Campus z.B. wachsen Suillus granulatus, luteus und collinitus trotz ihrer unterschiedlichen Bodenansprueche in trauter Dreieinigkeit.

Natuerlich gibt es auch einige wenige Arten wie Satanspilz oder Kaiserling die sowohl an den Boden als auch an das Wetter knallharte Ansprueche stellen (deswegen sind sie auch selten), aber das halte ich eher fuer die Ausnahme. Oft haben solche Pilze nur am Rand ihres Verbreitungsgebiets solch strenge Bodenansprueche.

Exakt!

Moeglich ist auch das Auftreten bodenspezifischer Standortrassen. Den seltenen Hasenroehrling (Gyroporus castaneus) z.B. habe ich auf zwei voellig unterschiedlichen Boeden gefunden. In meinem loessreichen Waldmeister-Kalkbuchenwald war er typisch zimtbraun wie er in den Pilzbuechern sein soll. Auf praktisch kalkfreiem Eisenerzboden (Fulgurit) erschien er in hoechst ungewoehnlichen dunkel schwarzbraunen Exemplaren, und zwar in Massen!

Rein hypothetisch und nicht bewiesen, sozusagen als Arbeitsthese:
Möglich wäre doch auch, dass eben dieser andere Boden mit einer anderen Mineralzusammensetzung (und damit auch anderen Verwertungmöglichkeiten für den Pilz) schuld ist an einer etwas anderen Pigment-Produktion, weil die Aufnahme bestimmter Stoffe aus dem Boden die Produktion bestimmter (Farb-)Stoffe im Pilz beeinflußt. Es könnte doch sein, daß das Vorhandensein einer hohen Eisenionenkonzentation die verstärkte Produktion von Melanin hervorruft -> der Pilz wird dunkler braun. Aber das ist nur so eine Gedankenspielerei von mir.

Auch hier gibt es wahrscheinlich fliessende Uebergaenge,

Natürlich, den bei den Bodentypen gibt's ja auch fließende Übergänge ...

das genauere Differenzieren nach dem Bodentyp halte ich fuer eine Sisyphusarbeit und nur in Einzelfaellen durchfuehrbar.

Tja, da hast du sicherlich nicht unrecht. Aber mich fasziniert gerade dieser Aspekt der Pilzkunde besonders. Vielleicht bin ich da durch meinen geistigen Mentor Hans Haas eben entsprechen beimpft ...

Herzliche Grüße aus Stuttgart, wo hoffentlich in der nächsten Tauperiode die Haasiella venustissima aufzufinden sein wird!

Andreas Gminder

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Frage an Andreas...

Boris, (vor 9812 Tagen) @ Andreas Gminder

Gleiches gilt auch für Hygrophorus russula und sicherlich für etliche weitere Arten, offenbar nicht jedoch für den Kaiserling. Bei dieser Art scheint die "Ersatzfunktion" Kalk gegen Wärme nicht zu funktionieren, vielleicht auch daher die extreme Seltenheit bei uns. In den warmen Gegenden Süddeutschland herrscht nunmal meist neutraler bis basischer Boden vor. Ausnahmen sind z.B. manche Ecken in der Pfalz und Hänge im Stadtgebiets Stuttgart (urbane Aufheizung) zum Neckar hin auf Stubensandstein. Ansonsten aber Fehlanzeige.

Nach meiner eigenen Beobachtung scheint der Kaiserling aber schon leicht kalkhaltige Boden zu bevorzugen. Ich kenne einen Standort den er mit Boletus aereus und Platanthera bifolia teilt. Reine Kalkböden scheint er genauso zu meiden wie reine saure Buntsandsteinböden. Ich denke Amanita caesaera scheint in unseren Breiten ein typischer Neutralzeiger für warme Eichen/Kastanienwälder auf etwas reicheren Böden zu sein.

Andreas, ich würde meine pilz- bzw. pflanzensoziologischen Kenntnisse gerne weiter vertiefen. Hast du irgenwelche Literaturhinweise hierzu von K. oder anderen?

Danke im voraus, Boris

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Re: Antwort von Andreas ....

Andreas Gminder, (vor 9806 Tagen) @ Boris

[...]

Nach meiner eigenen Beobachtung scheint der Kaiserling aber schon leicht kalkhaltige Boden zu bevorzugen. Ich kenne einen Standort den er mit Boletus aereus und Platanthera bifolia teilt.

B. aereus ist für mich eine Säure- bis Neutralzeiger (vermutlich abhängig von der Bodenwärme). Platanthera bifolia ist ziemlich bodenvag. Neben Standorten auf Kalk kommt sie aber auch im Schwarzwald im Feldberggebiet, Belchen, Schauinsland sehr reichlich vor. Der Granit dort ist sicherlich kalkfrei und auch kaum basisch zu nennen. Aber die Mineralversorgung muß gut sein, vielleicht auch durch Druckwasser aus tiefen Schichten. Alle mir bekannten Schwarzwaldfunde stammen aus sehr nassen Biotopen, während meine (vielen) Kalkfunde aus dem Stuttgarter Raum, der Alb etc. wesentlich trockener standen.

Reine Kalkböden scheint er genauso zu meiden wie reine saure Buntsandsteinböden. Ich denke Amanita caesaera scheint in unseren Breiten ein typischer Neutralzeiger für warme Eichen/Kastanienwälder auf etwas reicheren Böden zu sein.

Ja, da stimme ich dir gerne zu.

Andreas, ich würde meine pilz- bzw. pflanzensoziologischen Kenntnisse gerne weiter vertiefen. Hast du irgenwelche Literaturhinweise hierzu von K. oder anderen?

Es gibt ziemlich wenig gut zugängliches, aber recht viele zerstreute Einzelabhandlungen. Vor allem Artikel über bestimmte Biotoptypen (Brandstellen, Sanddünen, Buchenwälder etc etc.) gibt es reichlich, auch aus anderen Ländern.

Die erste derartige Abhandlung stammt übrigens von Dr. Haas und war seine Dissertation. Das war 1932, nur 3 Jahre nach Braun-Blanquet! Jeder hat ihm damals von diesem Thema abgeraten, konnten sich doch selbst Braun-Blanquet bei den Botanikern noch kaum durchsetzen!
Im Beiheft zum Botanischen Centralblatt, 2. Abt. Bd. 50 ist auf den Seiten 35-134 eine Kurzfassung abgedruckt.

Von den allgemeinen Werken (stets auf Pilze bezogen) sind die wichtigsten wohl:
Bresinsky, Kreisel & Primas (1995) - Mykologische Standortkunde. Regensburgische Mykologische Schriften 5: 1-304 [Ich kann nix dazu sagen, denn ich kenne es leider nicht - erzählt das bitte keinem ...]
Darimont (1973) - Recherches mycosociologiques dans le forets de Haut Belgique, no. 170, 220 S., Bruxelles [DIE Standardliteratur schlechthin - jedenfalls bis die mykologische Standortkunde herauskam (s.o.)]
Krieglsteiner (1993) - Einführung in die ökologische Erfassung der Großpilze Mitteleuropas. Beiheft zur Zeitschrift für Mykologie 8: 1-240 [lehnt sich stark an das Kartierung 2000-Computerprogramm an, ist aber trotzdem sehr zu empfehlen!)

Daneben gibt's ungezählte Einzelabhandlungen wie z.B.
Dörfelt & Knapp (1977) - Mykofloristische Charakteristika hercynischer Orchideen-Buchenwälder. 1974 von den gleichen Autoren die subkontinental beeinflußten Eichen-Elsbeerenwälder der südlichen DDR
Winterhoff hat die Großpilzflora der Steppentrockenrasen untersucht, ebenso die der Erlenbruchwälder und der Sanddünen im Oberrheingebiet.
Einhellinger hat Moore und Eichen-Hainbuchenwälder genauestens bearbeitet, ebenso die Garchinger Heide
Kautt & Probst (1974) - Die Moos- und Pilzflora der Tellerklinge im Naturpark Schönbuch. Veröff. Landesstelle Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg, Band 42: 7-42
Wichtig auch die Doktorarbeit von Lothar Krieglsteiner (> 1000 Seiten, die zweitlängste Dissertation dieses Jahr!): Pilze im Naturraum Mainfränkische Platten und ihre Einbindung in die Vegetation. Regensburger mykologische Schriften 9, I-II: 1-905.

Usw., usw.

Es ist schier uferlos.
Hast du ein bestimmtes Biotop im Visier?

Grüße,
Andreas

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Danke!

Boris, (vor 9805 Tagen) @ Andreas Gminder

Es ist schier uferlos.
Hast du ein bestimmtes Biotop im Visier?

Danke! Hab ich mir ausgedruckt, vielleicht krieg ich ja über Fernleihe das eine oder andere. Als Pilzgeneralist interessiere ich mich für alle Arten von Biotoptypen, Warme Kalkbuchenwälder üben allerdings wegen ihrer Artenvielfalt den größten Reiz auf mich aus... :-)

Ciao, Boris

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Re: Danke!

Andreas ⌂, (vor 9801 Tagen) @ Boris

[...]
vielleicht krieg ich ja über Fernleihe das eine oder andere. Als Pilzgeneralist interessiere ich mich für alle Arten von Biotoptypen, Warme Kalkbuchenwälder üben allerdings wegen ihrer Artenvielfalt den größten Reiz auf mich aus... :-)

Das verstehe ich nur zu gut! Aber man läuft so oft umsonst in den Wald. In den Schwarzwaldmooren passiert einem das eigentlich nie, aber die Pilze sind meist nicht so spektakulär.
Wenn du Probleme mit der fernleihe bei bestimmten Titeln hast, kannst du mir gerne Bescheid geben. Das meiste dürfte ich in greifbarer Nähe haben, weil ich neben meinen Büchern auch die Zeitschriftenbibliothek des Vereins (Stuttgarter Pilzfreunde) verwalte und bei mir stehen habe (ca. 50 verschiedene Zeitschriften).
Ich kann dir und auch den anderen gerne Kopien machen. Aber man muss mich bisweilen öfters mal dran erinnern dass ich noch was zu schicken versprochen habe ....

Grüsse,
Andreas

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Bruno, (vor 9811 Tagen) @ Andreas Gminder

Hallo Andreas,
das ist ein sehr interessanter Beitrag.
Ich werfe noch einen weiteren Aspekt dazu : bei der Diskussion des Standorts muß auch betrachtet werden, ob bei der Bodenbildung das liegende Gestein mitspielt, oder ob dieses von einer anderen Schicht zugedeckt worden ist (zB manche saueren Standorte wie es eigentlich der Buntsandstein sein kann, mit kalkigem Löss, dieser kann wieder entkalkt worden sein -> Lösslehm etc). Kalk oder nicht Kalk muss auch nicht die Frage sauer oder neutral oder basisch beantworten, die Rolle des Kohlendioxids der Luft bzw Bodenluft ist zu beachten. Etc pp. Leider habe ich momentan keine Zeit mich hier gewinnbringend und ausführlich auszulassen. Vielleicht am Weekend..

Bruno

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

tom, (vor 9811 Tagen) @ Andreas Gminder

Dazu habe ich einen Waldbauproffessor (Freiburg)

Meinst du den Dr. Bücking?

Nein, Hanisch

und meinen Bodenbiologieprof aus der Bodenkunde in Hohenheim befragt, und beide waren sich einig: Der Einfluß des Bodens auf das Pilzwachstum wird wahrscheinlich höher sein als bisher angenommen, das Problem sei, daß darüber so gut wie nichts bekannt sei.

Das ist auch meine Meinung! Aber wie soll man die Lösung der anstehenden Fragen angehen? Man kann eben die meisten Pilze nicht unter Laborbedingen ziehen und dann auch noch den in freier Natur vorhandenen Konkurrenzdruck simulieren, der m. E. nach auch eine sehr große Rolle spielt.

Hmm, über das streng wissenschaftliche Vorgehen hab ich mir noch keine Gedanken gemacht, weil das schon nach Arbeit riecht- wollte erst mal abklopfen, ob an dem Gedanken was dran ist.
Ich habe mir bisher vorgestellt, nächste Saison mit dem Bodenprobennehmer in den Wald zu gehen, und im Prinzip eine Transsekte zu ziehen, mit Proben in direkter Nähe von Pilzvorkommen, zusätzlich Aufnahme von Pflanzensoziologischen Daten.
Aus meiner (bescheidenen) Erfahrung kann man etwa mit 10-15 Ansprachen/Tag rechnen. Nach ein paar Wochenenden wäre vielleicht eine Tendenz zu erkennen...oder eben auch nicht.

Würde mich über Reaktionen zur Machbarkeit/Unmöglichkeit dieser Idee freuen,

Gruß, Tom

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Johannes, (vor 9804 Tagen) @ Andreas Gminder

Was ist Laubstreu???
Bitte noch heute (2.12.'99) bis 10Uhr antworten..
Bittr, Bitte, Bitte!!!!!!!!
Ich brauche es für ein Biologie referat und finde nichts.

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

Thomas Pruß, (vor 9816 Tagen) @ Tom

Hallo Tom,
Bin selbst ehemaliger Hohenheimer. Wer ist Dein Prof für Bodenbiologie? Star?
Gruß
Thomas

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Re: Fragen an Georg, Boris u.a.Experten

tom, (vor 9813 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Tom,
Bin selbst ehemaliger Hohenheimer. Wer ist Dein Prof für Bodenbiologie? Star?
Gruß
Thomas

Otto Ehrmann, Doktorand. Hat eine Nachfolgerin, Prof. Kandeler

Gruß, Tom