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Bestimmungsfrage: Trichterling?

UmUlmHerum, (vor 2790 Tagen)

Hallo miteinander!

Ist hier noch jemand? Der/die mir vielleicht mal wieder Unterstützung bei dieser Pilzbestimmung geben kann?

Diese kleinen Pilze finden sich regelmäßig im Fichtenwald, stets gemeinsam mit dem FiZa-Rübling im Moos – selbe Zeit, selber Standort. Sie stehen einzeln (nicht gesellig wie die klassische Clitocybe fragrans), der Hut-Ø ist 2,5...3,5 cm, groblamellig, einheitlich blassocker gefärbt, nur schwach hygrophan, mit starkem Geruch nach Bittermandel (Extrem-Anis sozusagen).
Extrem schlanke Sporen mit Q = 2,5...3,0, Sporengröße (6,5) 7,4 (8,1) x (2,4) 2,7 (2,8)

Am Wochenende habe ich nun endlich mal einen Fruchtkörper mitgenommen und stürzte mich in den Clitocybe-Schlüssel in GPBW... um immer nur im Nirwana zu enden:
1 (hygrophan) – 2 – 3 (Geruch nach Anis(-samen)...) – 4 – 5 = passt nix = Nirwana
1 (nicht hygrophan) – 35 (Anisgeruch deutlich) – 36: entweder C. odora (passt nicht) oder Hut ohne Grün (passt) + Sporen max. 6µm (passt nicht) – 37 = C. subalutacea oder C. erubescens = bei beiden passen die Sporen nicht = Nirwana

Das ist doch ein so häufiger Pilz, ich finde ihn aber weder im LAUX noch im GERHARDT noch in der Pilzflora Ehingen, scheitere am Schlüssel ... so langsam frage ich mich, ob das überhaupt eine Clitocybe ist? Aber ein Hellsporer mit soo einem starken Anis-/Bittermandel-Geruch?

Kann mir geholfen werden?

Viele Grüße – Rika

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Re: Bestimmungsfrage: Trichterling?

Ulysses, (vor 2790 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

also die Gleichung »Bittermandel = (Extrem-)Anis« kann ich wirklich nicht nachvollziehen... Bittermandel = Marzipan würde ich dagegen unterschreiben, ebenso Anis = Fenchelsamen ;-)

Was aber natürlich alles erst mal nichts zu Deinem Pilz beiträgt. Bilder von oben und Bilder ohne Schnee (also mit sichtbarer Stielbasis) hast Du nicht zufällig?

Ich könnte mir ja vorstellen, falls es an einem Wegrand ist oder an einer beliebten Hunde-Route, dass es was aus der Richtung um amarescens sein könnte. Dafür sind aber die Sporen Deines Fundes zu lang. Deshalb meinerseits keine echte Idee.

LG
Josef

Re: Bestimmungsfrage: Trichterling?

UmUlmHerum, (vor 2790 Tagen) @ Ulysses

Hallo Rika,
also die Gleichung »Bittermandel = (Extrem-)Anis« kann ich wirklich nicht
nachvollziehen... Bittermandel = Marzipan würde ich dagegen
unterschreiben, ebenso Anis = Fenchelsamen ;-)
Was aber natürlich alles erst mal nichts zu Deinem Pilz beiträgt. Bilder von
oben und Bilder ohne Schnee (also mit sichtbarer Stielbasis) hast Du nicht
zufällig?
Ich könnte mir ja vorstellen, falls es an einem Wegrand ist oder an einer
beliebten Hunde-Route, dass es was aus der Richtung um amarescens sein
könnte. Dafür sind aber die Sporen Deines Fundes zu lang. Deshalb
meinerseits keine echte Idee.
LG
Josef

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Hallo Josef,

dank´ Dir für die Antwort!
Mit den Gerüchen ist es ja immer so eine Sache... Ich dachte dabei an die verschiedenen Champignons, da mischt sich das Marzipan doch auch mit Anis (Agaricus augustus z.B.). Der Pilz vom Samstag riecht auch jetzt als Exsikkat noch nach herber Bittermandel, also gar nicht süßlich in Richtung Marzipan, schon eher mit einer Anis-/Fenchelnote.

An Fotos habe ich im Moment wirklich nur das Gezeigte, das hatte ich aus rein ästhetischen Gründen aufgenommen ... und dann doch das Pilzchen mitgenommen, weil ich endlich einen Namen dafür wollte. Der Stiel geht gerade runter, nix weiter Auffälliges, nach Basalfliz müsste ich mal schauen, brauche dafür aber neuen Pilz. Was die Hutoberseite betrifft: sie ist nicht genabelt, nicht bereift und nicht gerieft (allenfalls durchscheinende Lamellen). Ich werde die Tage mal kurz noch welche holen, die gibt´s wirklich "überall".

Aber das ist wirklich ein Allerweltspilz! Er wächst nicht am Wegrand, sondern im Moos der Fichtenwälder neben den FiZaRü. Drunter ist Kalk, aber durch die Fichten bestimmt oberflächensauer.

Vielleicht hast Du oder andere doch noch eine Idee?

Viele Grüße – Rika

Re: Bestimmungsfrage: Trichterling? Nachtrag

UmUlmHerum, (vor 2790 Tagen) @ UmUlmHerum

Nachtrag:
in der Lamellentrama gibt es vereinzelt Schnallen.
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Hallo Josef,
dank´ Dir für die Antwort!
Mit den Gerüchen ist es ja immer so eine Sache... Ich dachte dabei an die
verschiedenen Champignons, da mischt sich das Marzipan doch auch mit Anis
(Agaricus augustus z.B.). Der Pilz vom Samstag riecht auch jetzt als
Exsikkat noch nach herber Bittermandel, also gar nicht süßlich in Richtung
Marzipan, schon eher mit einer Anis-/Fenchelnote.
An Fotos habe ich im Moment wirklich nur das Gezeigte, das hatte ich aus rein
ästhetischen Gründen aufgenommen ... und dann doch das Pilzchen
mitgenommen, weil ich endlich einen Namen dafür wollte. Der Stiel geht
gerade runter, nix weiter Auffälliges, nach Basalfliz müsste ich mal
schauen, brauche dafür aber neuen Pilz. Was die Hutoberseite betrifft: sie
ist nicht genabelt, nicht bereift und nicht gerieft (allenfalls
durchscheinende Lamellen). Ich werde die Tage mal kurz noch welche holen,
die gibt´s wirklich "überall".
Aber das ist wirklich ein Allerweltspilz! Er wächst nicht am Wegrand, sondern
im Moos der Fichtenwälder neben den FiZaRü. Drunter ist Kalk, aber durch
die Fichten bestimmt oberflächensauer.
Vielleicht hast Du oder andere doch noch eine Idee?
Viele Grüße – Rika

Re: Bestimmungsfrage: Trichterling?

Andreas ⌂, (vor 2789 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

zweifelsfrei einer der Duft-Trichterlinge.
Das einzige was nicht so recht passt ist die Sporenbreite, die bei Deiner Messung unter den Literaturwerten liegt. Woran das liegt kann mehrere Gründe haben:
Klimatische - im Winter bei tiefen temperaturen hat man oft eine hohe Anzahl deformierter Sporen, bisweilen auch Kollektionen mit komplett abnormen Sporen.
Technische - du hast zu schmal gemessen (das würde ich ausschließen) oder du hast Pech in der Auswahl der Sporen gehabt (ist es ein Abwurfpräparat? Wieviele Sporen hattest du?)
Taxonomische - du hast eine Kollektion einer Art gefunden, deren bisher bekannte Variationsbreite deine Kollektion nicht umfasst. Oder du hast eine bisher unbekannte Varietät oder Art gefunden.

Ich würde am ehesten auf ersteres tippen.

Wenn Du zu diesem Komplex der Duft-Trichterlinge noch weiteren Input möchtest, dann würde ich den GRÖGER empfehlen, der in den Fußnoten zu Clitocybe fragrans noch einige Hinweise gibt. Schlanksporige Kollektionen wurden auch früher schon beobachtet und auch als taxonomische Differenzierung verwendet. Allerdings vielleicht nicht ganz soooo schlank, aber Q-Werte von 2,0-2,2 sind immerhin auch in der Literatur bekannt. KUYPER hat sich mit der Gruppe schon beschaäftigt, und ROMAGNESI auch.

beste Grüße,
Andreas

Re: Bestimmungsfrage: Trichterling?

UmUlmHerum, (vor 2788 Tagen) @ Andreas

Hallo Rika,
zweifelsfrei einer der Duft-Trichterlinge.
Das einzige was nicht so recht passt ist die Sporenbreite, die bei Deiner
Messung unter den Literaturwerten liegt. Woran das liegt kann mehrere
Gründe haben: Klimatische - im Winter bei tiefen temperaturen hat man oft
eine hohe Anzahl deformierter Sporen, bisweilen auch Kollektionen mit
komplett abnormen Sporen.
Technische - du hast zu schmal gemessen (das würde ich ausschließen) oder du
hast Pech in der Auswahl der Sporen gehabt (ist es ein Abwurfpräparat?
Wieviele Sporen hattest du?)
Taxonomische - du hast eine Kollektion einer Art gefunden, deren bisher
bekannte Variationsbreite deine Kollektion nicht umfasst. Oder du hast
eine bisher unbekannte Varietät oder Art gefunden.
Ich würde am ehesten auf ersteres tippen.
Wenn Du zu diesem Komplex der Duft-Trichterlinge noch weiteren Input
möchtest, dann würde ich den GRÖGER empfehlen, der in den Fußnoten zu
Clitocybe fragrans noch einige Hinweise gibt. Schlanksporige Kollektionen
wurden auch früher schon beobachtet und auch als taxonomische
Differenzierung verwendet. Allerdings vielleicht nicht ganz soooo schlank,
aber Q-Werte von 2,0-2,2 sind immerhin auch in der Literatur bekannt.
KUYPER hat sich mit der Gruppe schon beschaäftigt, und ROMAGNESI auch.
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Andreas,
herzlichen Dank für Deine Kommentare!

Ja, für einen Vertreter der fragrans-Gruppe halte ich diesen Fund auch.
Dieser eine Frk. hat nicht freiwillig ausgesport. Ich habe ein paar Lamellenstücke für 1-2 Std. in einen Wassertropfen gelegt und dann die freien Sporen angeschaut – Messungen aus 8 Sporen. Dass der Q-Wert tatsächlich bei 2,5 bis 3 liegt, kann man ja an dem Sporenfoto sehen...

Gestern habe ich in einem anderen Fichtenforst (der schneller zu erreichen war, apere Südlage = wärmebegünstigt) eine neue Kollektion aufgesammelt – grob makroskopisch würde ich sie für dieselbe Art halten oder zumindest für sehr ähnlich, wenn auch stärker hygrophan und klarer Anis-Geruch. Hier sind die Sporen weniger schlank: (6,7) 7,86 (9,2) x (3,1) 3,76 (4,1); Q = (1,8) 2,1 (2,3); aus 14 Messungen aus Abwurf – das würde auch zu Deinen Angaben passen.
Bei der neuen Kollektion komme ich in den Schlüsseln von GPBW sowie MOSER relativ eindeutig zu Clitocybe obsoleta. KRIEGLSTEINER schreibt dazu: Morphologie: von C. fragrans durch den einfarbigen Hut ohne dunkleren Mittelbereich und die schmäleren und geringfügig kürzeren Sporen unterschieden.

Die von Dir erwähnte Literatur habe ich leider (noch) nicht – wenn ich nur endlich den Gutschein für Deinen Myko-Shop finden würde, der seit meinem letzten Umzug verschollen ist... Ich muss mir jetzt endlich zumindest die GRÖGERs kaufen! Peter Specht befasst sich auch mit diesen Duft- (und anderen) Trichterlingen und droht mit neuen Arten ;-)

Auf alle Fälle werde ich, sobald die Böden wieder aufgetaut sind, beim ersten Standort nochmal nach frischen Frk. schauen. Dann bin ich gespannt auf die Sporen...

Viele Grüße – Rika

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