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Zweiter Harpunenschwamm

UmUlmHerum, (vor 3321 Tagen)

Hallo miteinander!

Letzte Woche fand ich an einem finalmorschen Baumstamm einige weiße "Zungen". Als ich die Haifischzähne (Metuloide) an den Lamellen und die Gallertschicht unter der Huthaut im Mikro sah, war klar: eine Hohenbuehelia. Mein Glück war, dass ich mich durch einen Fund im November 2016 schon ausführlich mit der Gattung Hohenbuehelia beschäftigt hatte und somit die Merkmale kannte. (Das zu meiner Ehrenrettung, nachdem ich den Brennenden Rübling im Fichtenwald nicht erkannt hatte...)

Der liegende Fruchtkörper hat eine Länge von 60 mm und eine Breite von 35 mm. Die dichten Lamellen erreichen zahlreich den kurzen, flachen Stiel, im Randbereich gibt es Lamelletten, und auch Verzweigungen. Die Hutoberfläche ist zu 2/3 mit einem weißen Filz bedeckt. Die Hyphen haben dicke Schnallen. Außer den Metuloiden habe ich keine Zystiden gefunden. Dicke der Gallertschicht 60 µm.

Zur genauen Artbestimmung fehlen mir (wieder mal) die Sporen. Kann es sein, dass der Pilz in den 6 Tagen, die er in der Box im Kühlschrank verbracht hat, alle Sporen verloren hat?? Oder schon wieder was Steriles? Wenn es klappt, werde ich heute noch mal nach frischen(?!) Frk. am Standort schauen... Mein Arbeitsname ist, bis jetzt jedenfalls, Hohenbuehelia auriscalpium, der Ohrlöffel-Harpunenschwamm oder auch Späne-Muscheling genannt.

Tipps und Meinungen zu diesem Fund nehme ich gerne entgegen ;-)

Viele Grüße – Rika

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Lamellenschnitt, Metuloide, 80X:
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Dito, 320x:
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Schnitt der HDS, die helle Schicht ist das Gallert, 80X:
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Re: Zweiter Harpunenschwamm

Birgit, (vor 3321 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

hat der Pilz nicht abgesport? Merkwürdig, ich hatte die nämlich auch gerade. Die Sporen kollabierten bei mir sehr leicht, also am besten nix runterkratzen vom Abwurf, sondern gleich auf einen Objektträger absporen lassen und dann direkt mikroskopieren. Da findet man dann auch Sporen, wenns leer aussieht.

Anbei noch ein Mikrofoto von mir, wo man ausser den Metuloiden die Cheilozystiden sieht, die eine Klebekappe haben, die zum Nematodenfangen verwendet wird.

herzliche Grüße

Birgit

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Re: Zweiter Harpunenschwamm

UmUlmHerum, (vor 3321 Tagen) @ Birgit

Hallo Rika,
hat der Pilz nicht abgesport? Merkwürdig, ich hatte die nämlich auch gerade.
Die Sporen kollabierten bei mir sehr leicht, also am besten nix
runterkratzen vom Abwurf, sondern gleich auf einen Objektträger absporen
lassen und dann direkt mikroskopieren. Da findet man dann auch Sporen,
wenns leer aussieht.
Anbei noch ein Mikrofoto von mir, wo man ausser den Metuloiden die
Cheilozystiden sieht, die eine Klebekappe haben, die zum Nematodenfangen
verwendet wird.
herzliche Grüße
Birgit

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Hallo Birgit,

herzliche Dank für Deine Infos + Foto! Ich war daraufhin am Nachmittag im Wald, habe den Standort glücklich wiedergefunden... und den "neuen" Frk. daheim sofort auf den Objektträger gelegt: er hat perfekt ausgesport! Und die Inkrustierungen an den Metuloiden waren jetzt auch da ... und die Nematodenfangeinrichtungen zahlreich vorhanden – und zwar in rauen Mengen an den Lamellenschneiden(!) und nicht "zwischen den Lamellen" wie in GPBW steht.

Was lerne ich daraus? (1) Der brutale Nematodenfänger ist ein ganz sensibles Kerlchen – er verträgt keine Woche im Kühlschrank ohne sich halb aufzulösen. Und nun frage ich mich, wie kann man dann am Exsikkat solche Merkmale erkennen? Wohl gar nicht. Deswegen sollte m.E. bei Beschreibungen immer angegeben sein, ob sich die Merkmale auf lebende oder tote Präparate beziehen. (2) Nicht alles, was in dicken Büchern steht, stimmt.

Ich habe jetzt noch nicht nachgemessen, zu wenig Zeit – fahre morgen (= heute) wieder nach Uffing, aber ich denke, mit diesen Sporen wird es schon Hohenbuehelia auriscalpium sein.

Gute Nacht – Rika

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Re: Zweiter Harpunenschwamm

interhias ⌂, (vor 3319 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Hohenbuehelia kannst du wie die meisten anderen Pilzgattungen problemlos anhand von Exsikkatmaterial bestimmen. Den Sporenabwurf musst du natürlich sofort vom Frischpilz anfertigen und dem Exsikkat beilegen (z.B. zwischen zwei Objektträgern). Wenn du die Pilze sofort oder am nächsten Tag auf den Trockner legst, bleiben die meisten Merkmale erhalten.

Natürlich ist es von Gattung zu Gattung verschieden, wie lange Pilze im Kühlschrank frisch bleiben. Trotzdem würde ich Bestimmlinge generell nie länger als 1-2 Tage im Kühlschrank aufbewahren. Merkmale können zum Teil verschwinden oder sich verändern. Wenn keine Zeit zum Mikroskopieren ist, ab aufs Dörrex damit und dann im Winter untersuchen.

Das gilt natürlich nicht für Ascomyceten.

Beste Grüße
Hias

Re: Zweiter Harpunenschwamm

UmUlmHerum, (vor 3318 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

merci für Deine Hinweise! Ja, Du bist eben ein Exsikkat-Spezialist, was ich von mir nicht behaupten kann. Vielleicht werde ich es ja noch... Bei der Hohenbuehelia hatte ich mir jeden Abend vogenommen, sie genauer anzuschauen ... und habe es einfach nicht gepackt. So wurde sie immer älter, usw. Ein noch schlimmeres Schicksal erlitten der vermutliche Violettmilchender Becherling (von dem ich dachte/denke, der geht auch makromäßig klar) und ein dunkelbrauner Öhrling, der der Kröten-Öhrling sein könnte – sie sind im Kühlschrank vertrockent. Beim Harpunenschwamm hat mich immerhin der Ehrgeiz gepackt (wenn ich ihn schon poste), sodass ich noch ein frischens Exemplar aus dem Wald geholt habe... und daraus gelernt, dass man das Zeug nicht solange rumziehen sollte. Tja, und dann kommt noch das Problem, dass ich keinen Dörrex habe. Seitdem ich einen Flachbildschirm verwende, fällt auch die Trocknung auf dem alten Röhrenmonitor weg. Alles nicht so einfach für so amateurhafte Improvisateure ;-)

Viele Grüße – Rika

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Hallo Rika,
Hohenbuehelia kannst du wie die meisten anderen Pilzgattungen problemlos
anhand von Exsikkatmaterial bestimmen. Den Sporenabwurf musst du natürlich
sofort vom Frischpilz anfertigen und dem Exsikkat beilegen (z.B. zwischen
zwei Objektträgern). Wenn du die Pilze sofort oder am nächsten Tag auf den
Trockner legst, bleiben die meisten Merkmale erhalten.
Natürlich ist es von Gattung zu Gattung verschieden, wie lange Pilze im
Kühlschrank frisch bleiben. Trotzdem würde ich Bestimmlinge generell nie
länger als 1-2 Tage im Kühlschrank aufbewahren. Merkmale können zum Teil
verschwinden oder sich verändern. Wenn keine Zeit zum Mikroskopieren ist,
ab aufs Dörrex damit und dann im Winter untersuchen.
Das gilt natürlich nicht für Ascomyceten.
Beste Grüße
Hias

Re: Zweiter Harpunenschwamm - Nachtrag

UmUlmHerum, (vor 3318 Tagen) @ interhias

Hi Hias,

noch eine Frage zum Exsikkat vom Harpunenschwamm: sind da die Nematoden-Fangeinrichtungen inkl. Klebekappen wiederzuerwecken (falls schnell und schonend getrocknet)?

Gute Nacht – Rika

Re: Zweiter Harpunenschwamm - Nachtrag

interhias ⌂, (vor 3317 Tagen) @ UmUlmHerum

Hi Hias,
noch eine Frage zum Exsikkat vom Harpunenschwamm: sind da die
Nematoden-Fangeinrichtungen inkl. Klebekappen wiederzuerwecken (falls
schnell und schonend getrocknet)?
Gute Nacht – Rika

Hallo Rika,

Hohenbuehelia cf. abietina:
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Hohenbuehelia tremula:
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Beste Grüße
Hias

Re: Zweiter Harpunenschwamm - Nachtrag

UmUlmHerum, (vor 3317 Tagen) @ interhias

Hallo Hias, besten Dank!

Du hast mich soeben davon überzeugt, dass man diese sensiblen Strukturen auch bei Exsikkaten noch sehen kann. Also sollte ich meine bisherige Zurückhaltung, was das Mikroskopieren von Trockenmaterial angeht, doch mal überdenken?! Aber eigentlich war es mir auch im Winter nie langweilig... ;-)

Viele Grüße aus Uffing (rund 110 Liter/qm in den letzten beiden Tagen) – Rika