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Welcher Stachelschirmling?

UmUlmHerum, (vor 3660 Tagen)

Hallo miteinander!

Gestern habe ich mir mal wieder 3 Std. Wald genehmigt. Wenn man lange genug sucht, findet man auch UmUlmHerum (Hochsträß) tatsächlich Pilze mit Hut und Stiel. Einer davon ist dieser hier:

Standort:
In dem Loch unter dem senkrecht stehenden Wurzelstock einer umgefallenen Fichte, rund 600 mNN, Braunerde über Kalk, hauptsächlich Fichte, einige Buchen.

Hut:
Ø 3,5 cm; mit geschopften Stacheln besetzt, zum Rand hin flockige Schuppen; Rand leicht eingerollt (der Pilz ist aber noch nicht ausgewachsen); alles kakaobraun. Flüchtiger, heller Haarschleier vom Rand zur "Ringzone" am Stiel.

Lamellen:
frei, untermischt, sehr dicht, cremeweiß

Stiel:
Ø 0,7 cm (an der Basis leicht verdickt), L = 7 cm; hohl; im Mittelteil ebenfalls mit kakaobraunen, schopfigen Stacheln, zur Basis hin erst anliegende Flocken, dann flächendeckende, dunkelbraune Faserschicht; oberhalb der "Ringzone" (es gibt keinen wirklichen Ring) cremeweiß, leicht längsriefig, kahl. (Auf dem Foto sind die Stacheln leider schon ziemlich abgegriffen.)

Sporen:
SPP weiß, hyalin, Jod stark positiv, ellipsoid bis zylindrisch
(4,2) 4,5 (4,9) x 2,5...2,9

Weitere Mikro-Merkmale:
Habe keine Cheilos gefunden; 4-sporige Basidien; Haare der Hutbekleidung mit Schnallen. Ansonsten siehe Fotos.

Standort:
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Makro-Ansichten:
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Sporen:
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Lamellenschneide, 320x:
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HDS, 320x:
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Huthaare, 320x
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Lamellenschnitt längs, 320x:
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Ich habe zwar schon einen Verdacht, finde aber nicht alle Merkmale bestätigt, auch das Habitat stimmt nicht so richtig. Was ist Eure Meinung zu diesem Pilz?

Merci & viele Grüße – Rika

Re: Welcher Stachelschirmling?

Stephan Weißer, (vor 3660 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,
meiner Meinung nach ganz klar eine Echinoderma, und zwar diesmal nicht Echinoderma asperum. Der Rest ist Schlüsselarbeit. Z. B. in Großpilze Baden-Württembergs ist ein Schlüssel drin.
FG
Stephan

Re: Welcher Stachelschirmling? Lepiota echinacea?

UmUlmHerum, (vor 3660 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Rika,
meiner Meinung nach ganz klar eine Echinoderma, und zwar diesmal nicht
Echinoderma asperum. Der Rest ist Schlüsselarbeit. Z. B. in Großpilze
Baden-Württembergs ist ein Schlüssel drin.
FG
Stephan

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Hallo Stephan,

dass dies ein Stachelschirmling, darüber sind wir uns einig. Es fragt sich nur, welcher? (Für L. asperum ist er viel zu klein und zu einfarbig.) Wenn ich alle Merkmale richtig interpretiere, komme ich bei Lepiota echinacea raus ("Echinoderma" wurde wieder zu "Lepiota" gestellt, was ich schade finde).

Mit dem Standort hatte ich so meine Probleme:
Wie schon geschrieben, ist dieser Pilz in einem Fichtenforst gewachsen. Die Buchenblätter, die man auf dem Standort-Foto sieht, dürfte der Wind in die Grube unter der Baumwurzel geweht haben. Nach GPBW soll dieser Schirmling fast ausschließlich in Laubwäldern gefunden worden sein. "Kalkhaltig" trifft natürlich zu.

Inzwischen neige ich dazu, den Standort (frisch aufgebrochener Boden unter einer umgestürzten Fichte) als "Ruderalfläche" zu interpretieren – dann passt alles. Nur hätte ich mir diese Annahmen gerne von Euch bestätigen lassen, ist schließlich ein nicht gerade häufiger Pilz, mit dem ich keine Erfahrung habe.

Viele Grüße – Rika

Re: Welcher Stachelschirmling? Lepiota echinacea?

interhias ⌂, (vor 3659 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

diese Stachelschirmlinge ham an Deife gseng ...
Es gibt mehrere makroskopisch sehr ähnliche Arten (calcicola, perplexa, echinacea u.a.), die in der Literatur (z.B. Gröger, Ludwig, Funga Nordica) nicht ganz einheitlich getrennt werden. Mal wird nach Vorhandensein/Fehlen eines Rings, mal nach Vorhandensein/Fehlen von Cheilos, mal nach Höhe und "Sitzfestigkeit" der Hutstacheln (bwz. deren mikroskopischer Beschaffenheit) getrennt.

Mir liegen zwei mikroskopisch (für mich) nicht trennbare Kollektionen vor, die ich beide L. calcicola genannt habe, wobei eine im Flachland in der Laubstreu, die anderen in den Bergen in der Nadelstreu wuchs. Beim Mikroskopieren ist mir aufgefallen, dass man die Cheilos leicht übersehen kann (einmal habe ich sie erst beim 3. Präparat gefunden).

Dein Fk sieht mit seinen hohen Stacheln genauso aus wie meine Kollektionen. Dein HDS-Foto zeigt wahrscheinlich nicht die Zellen der Stacheln.

Bisher habe ich in meinen Revieren nocht nichts anderes gefunden als "meine" L. calcicola.

Beste Grüße
Hias

Re: Welcher Stachelschirmling? Lepiota echinacea?

UmUlmHerum, (vor 3659 Tagen) @ interhias

Hallo Rika,
diese Stachelschirmlinge ham an Deife gseng ...
Es gibt mehrere makroskopisch sehr ähnliche Arten (calcicola, perplexa,
echinacea u.a.), die in der Literatur (z.B. Gröger, Ludwig, Funga Nordica)
nicht ganz einheitlich getrennt werden. Mal wird nach Vorhandensein/Fehlen
eines Rings, mal nach Vorhandensein/Fehlen von Cheilos, mal nach Höhe und
"Sitzfestigkeit" der Hutstacheln (bwz. deren mikroskopischer
Beschaffenheit) getrennt.
Mir liegen zwei mikroskopisch (für mich) nicht trennbare Kollektionen vor,
die ich beide L. calcicola genannt habe, wobei eine im Flachland in der
Laubstreu, die anderen in den Bergen in der Nadelstreu wuchs. Beim
Mikroskopieren ist mir aufgefallen, dass man die Cheilos leicht übersehen
kann (einmal habe ich sie erst beim 3. Präparat gefunden).
Dein Fk sieht mit seinen hohen Stacheln genauso aus wie meine Kollektionen.
Dein HDS-Foto zeigt wahrscheinlich nicht die Zellen der Stacheln.
Bisher habe ich in meinen Revieren noch nichts anderes gefunden als
"meine" L. calcicola.
Beste Grüße
Hias

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Hallo Hias,

besten Dank für Deine Anmerkungen! Ich hatte mich gestern schon auf Deiner HP diesbezüglich umgesehen... und schwank(t)e zwischen L.echinacea und L. calcicola. Wenn ich nach GPBW gehen, kommt L.echinacea raus. L. perplexa sollte was Größeres sein!?

Wie Du ja auch schreibst, weichen die Beschreibungen teilw. voneinander ab, oder es werden Merkmale nicht bei beiden Arten beschrieben – also kann ich sie nicht miteinander vergleichen.

So ist mir z.B. immer noch nicht klar, welche Rolle die Zellform der Haare wirklich spielen. Nun das nächste "Gag": die Haare bestehen aus rundlichen, wurstförmigen UND langgestreckten Zellen GLEICHZEITIG! Dazu habe ich vorhin noch ein paar Bilder gemacht:

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[image]

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Eine andere Besonderheit ist mir aufgefallen, die ich aber nirgends beschrieben (geschweigesdenn zugeordnet) finde: unter Auflicht sehen die Lamellenschneiden wie ein weißer Samtstrich aus. Ich dachte bei diesem Anblick schon, da müssen ja massig Cheilos drauf sein. Pustekuchen – bei Auflicht 80x (trocken) erkennt man nix cheilomäßiges (große Zystiden wie bei manchen Psathyrellas kann man da normalerweise gut erkennen + fotografieren), in Wasser getaucht sammeln sich in diesem "Filz" an der Lamellenschneide winzige Luftbläschen (siehe Foto: nun ein schwarzer Samtstrich), und das Ganze wird dadurch undurchsichtig = nicht gerade erhellend, ob da nun Cheilos drin versteckt sind oder nicht. Ich habe mehrere Millimeter Lamellenschneide abgesucht, zwischendrin auch bläschenfrei, aber lt. GPBW sollte die Cheilos von calcicola unübersehbar sein!?
[image]

Wenigsten eines ist sicher: das Ding hat keinen Ring! Und die Stacheln sind mit der HDS ein einziger, festverwobener Filz, schier nicht auseinander zu bekommen.

Kannst Du mit den Haar-Fotos nun Näheres sagen?

Viele Grüße – Rika

Re: Welcher Stachelschirmling? Lepiota echinacea?

interhias ⌂, (vor 3658 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

nach Gröger müsstest du deinen Fund wohl als E. calcicola schlüsseln, da die Warzen hoch sind, fest sitzen und mikroskopisch durch Zellen ausgebildet sind, die auch im Endbereich ellipsoid und nicht blasig-kugelig sind. Man sieht diese Zellketten der Hutstacheln sehr gut auf deinem Mikrofoto.

Gröger gibt Cheilozystiden übrigens auch für perplexum und echinaceum an, FN dagegen nur für perplexum und calcicola. Bei E. calcicola schreibt Gröger bei den zusätzlichen Informationen Stiel mit +/- häutigem Ring. +/- ist keine sehr präzise Angabe und in FN ist auch nur von einer Ringzone die Rede.

Hab noch mal nachgeschaut: Ich habe tatsächlich eine Kollektion von 2006 mit abwischbaren Schuppen und ohne Cheilozystiden - das wäre nach FN dann L. echinaceum.

Letztlich weiß ich nicht, was richtig ist, weil ich zu wenige verschiedene Kollektionen habe.

Grüße
Hias

Re: Welcher Stachelschirmling? Lepiota echinacea?

UmUlmHerum, (vor 3658 Tagen) @ interhias

Hallo Rika,
nach Gröger müsstest du deinen Fund wohl als E. calcicola schlüsseln, da die
Warzen hoch sind, fest sitzen und mikroskopisch durch Zellen ausgebildet
sind, die auch im Endbereich ellipsoid und nicht blasig-kugelig sind. Man
sieht diese Zellketten der Hutstacheln sehr gut auf deinem Mikrofoto.
Gröger gibt Cheilozystiden übrigens auch für perplexum und echinaceum an, FN
dagegen nur für perplexum und calcicola. Bei E. calcicola schreibt Gröger
bei den zusätzlichen Informationen Stiel mit +/- häutigem Ring. +/- ist
keine sehr präzise Angabe und in FN ist auch nur von einer Ringzone die
Rede.
Hab noch mal nachgeschaut: Ich habe tatsächlich eine Kollektion von 2006 mit
abwischbaren Schuppen und ohne Cheilozystiden - das wäre nach FN dann L.
echinaceum.
Letztlich weiß ich nicht, was richtig ist, weil ich zu wenige verschiedene
Kollektionen habe.
Grüße
Hias

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Hallo Hias,

merci für die Details aus Gröger und FN! Aber: die (losen) Enden der Stachelhaare sind bandförmig, kollabierte ewig lange, dünne Zellen. Die "Würstchen-Zellen" sind nur im verfilzen Bereich. Auf dem letzten Bild habe ich so einen Verlauf von den "Würstchen-Zellen" zu den "Bändchen" dargestellt, auf dem zweiten Bild siehst Du nur "Bändchen" = die losen Enden der Haare.

Im GPBW-Schlüssel trennen sich die Wege zu E. calcicola bzw. E. echinaceum bei Punkt 3: "Cheilozystiden fehlend oder kaum von Basidiolen unterscheidbar". Mit "ja" kommt über ... "Schuppen und Untergrund etwa gleichfarbig" zu E. echinacea, mit "nein" über ... "Lamellenschneide weiß(!)..." und "Hutschuppen 1-3 mm lang, dem Hut gleichfarben kakaobraun, Endzellen der HDS zum größten Teil länglich" klar zu E. calcicola. In der Einzelbeschreibung von E. calcicola: "Durch die schokoladen- bis weinbraune Färbung, fehlenden Cystiden (???), alt nur in der Hutmitte verbleibende Schüppchen..." Zu E. echinaceum schreibt er: "Vorrangig durch wenig kontrastierende Hutfärbung, flüchtige Ringzone und Fehlen deutlich ausgeprägter Cheilocystiden gekennzeichnet"

Fehler im Schlüssel? Oder beide Arten ohne auffällige Zystiden?

Ich habe Stücke von 3 verschiedenen Lamellen untersucht, hatte aber nur 1 Fruchtkörper → keine (auffälligen) Cheilos... what ever... kommt mir vor wie die Unterscheidung von Lentinellus castoreus vs. ursinus – da habe ich für mich beschlossen, den auf Nadelholz als "L. castoreus" zu bezeichen, den auf Laubholz als "L. ursinus", zumindest so lange keine neuen nachvollziehbaren Erkenntnisse vorliegen.

Quintessenz aus Deinen und meinen Quellen: ich habe das Pilzchen gerade zum Trocknen gelegt (und nicht entsorgt). Es ist übrigens völlig madenfrei.

Im Moment tendiere ich etwas stärker zu Lepiota/Echinoderma calcicola. Aber wer weiß...

Viele Grüße – Rika

P.S.: Ab kommendem Wochenende werde ich wieder für 1-2 Wochen in Uffing sein – hast Du nicht Zeit und Lust, mir die alpenländische Fungha an meinen Hechenrainer Hotspots näher zu bringen?

Re: Welcher Stachelschirmling? Lepiota echinacea?

interhias ⌂, (vor 3657 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Aber: die (losen) Enden der

Stachelhaare sind bandförmig, kollabierte ewig lange, dünne Zellen. Die
"Würstchen-Zellen" sind nur im verfilzen Bereich. Auf dem
letzten Bild habe ich so einen Verlauf von den
"Würstchen-Zellen" zu den "Bändchen" dargestellt, auf
dem zweiten Bild siehst Du nur "Bändchen" = die losen Enden der
Haare.

Ich hätte das umgekehrt interpretiert: Der Filz besteht aus einem Gewirr langer, zylindrischer Zellen, in den Stachelschuppen finden sich die aufgeblasenen ellipsoiden "Würstchenzellen".

Beste Grüße
Hias