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Fragen: Mikroskop-Reagenzien bei Exsikkaten

Harald Andres Schmid, (vor 3880 Tagen)

Hallo, zusammen,
[image]

Die Mikroskopgruppe unseres Vereins ist in dieser Jahreszeit
vornehmlich auch mit Exsikkaten beschäftigt.
Aufarbeiten von Funden vom letzten Jahr.

Dabei werden immer wieder Fragen an mich herangetragen,
bei denen ich neben meinen persönlichen Erfahrungen
und den Angaben in der Fachliteratur
noch zusätzliche Meinungen von Euch hören möchte:

Messgenauigkeit:
Wieweit stimmen die Dimensionen nach dem Einweichen
noch mit den Massen bei Frischpilzen überein,
wenn man zum Beispiel die Wanddicke bei Zystiden misst?
Habt Ihr da schon Abweichungen und Ungenauigkeiten
gegenüber Präparaten mit Frischpilzen erlebt?
Spielt das Einweichmedium eine Rolle? (Glamalc, KOH...)
Anders gefragt:
Quillt ein Stück Exsikkat direkt in Kongorot
nach Eurer Erfahrung genauso zuverlässig auf,
wie bei einem Einweichen in 4% KOH?
(Kongo SDS flockt oft aus, wenn vorgängig in KOH eingeweicht wird).

Dazu gleich die nächste Frage:

Reagenzien und Exsikkate:
Bei welchen Reagenzien weicht Ihr vorgängig
nicht mit einem anderen Medium ein?
Natürlich haben wir da unsere eigenen Erfahrungen,
aber ich würde gerne noch andere Meinungen hören.

Bei Abklärung auf Amyloidität zum Beispiel
weichen wir mittlerweile direkt in Melzer ein,
die Reaktion ist nicht so eindeutig,
wenn wir vorgängig in KOH eingeweicht haben.

Bei der Huthaut eines Täublings hatte ich jedoch gerade einen Fall,
bei dem die Hutkrümelchen des Trockenpilzes
direkt in Sulvovanillin, ohne vorgängiges Einweichen,
keine Einfärbung der Pileozystiden zeigten.

Wie sind da Eure Erfahrungen
mit Inkrustierungen in Karbolfuchsin,
Pileozystiden in Sulvovanillin,
Metachromasie mit Brillantkresilblau,
Patentblau bei Chrysozystiden, usw?

Und wie steht es in Fällen, bei denen es nicht anderes geht,
als vorgängig etwas grössere Stücke z.B. in Glamalc einzulegen,
um dann Schnitte machen zu können?
Meist sind ja bei solchen Schnitten keine Reagenzien nötig,
das es mehr um das grossflächige Betrachten von Strukturen geht,
aber was, falls doch, wie handhabt Ihr das?

Ich freue mich auf Rückmeldungen Eurer Erfahrungen.

Lieben Gruss, Euer getreuer Harald Andres

Re: Fragen: Mikroskop-Reagenzien bei Exsikkaten

interhias ⌂, (vor 3879 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Servus Harald,

Dabei werden immer wieder Fragen an mich herangetragen,
bei denen ich neben meinen persönlichen Erfahrungen
und den Angaben in der Fachliteratur
noch zusätzliche Meinungen von Euch hören möchte: Messgenauigkeit:
Wieweit stimmen die Dimensionen nach dem Einweichen
noch mit den Massen bei Frischpilzen überein,
wenn man zum Beispiel die Wanddicke bei Zystiden misst?
Habt Ihr da schon Abweichungen und Ungenauigkeiten
gegenüber Präparaten mit Frischpilzen erlebt?
Spielt das Einweichmedium eine Rolle? (Glamalc, KOH...)
Anders gefragt: Quillt ein Stück Exsikkat direkt in Kongorot
nach Eurer Erfahrung genauso zuverlässig auf,
wie bei einem Einweichen in 4% KOH?
(Kongo SDS flockt oft aus, wenn vorgängig in KOH eingeweicht wird).

Bei Exsikkaten verwende ich zum Anfärben KongoNH3, da quellen die Zellen genauso auf wie in KOH. Zu Messungenauigkeiten kann ich nicht viel sagen, weil ich fast nur Exsikkate mikroskopiere. Bislang sind mir aber keine außergewöhnlichen Unterschiede aufgefallen.

Dazu gleich die nächste Frage: Reagenzien und Exsikkate:
Bei welchen Reagenzien weicht Ihr vorgängig
nicht mit einem anderen Medium ein?
Natürlich haben wir da unsere eigenen Erfahrungen,
aber ich würde gerne noch andere Meinungen hören.
Bei Abklärung auf Amyloidität zum Beispiel
weichen wir mittlerweile direkt in Melzer ein,
die Reaktion ist nicht so eindeutig,
wenn wir vorgängig in KOH eingeweicht haben.
Bei der Huthaut eines Täublings hatte ich jedoch gerade einen Fall,
bei dem die Hutkrümelchen des Trockenpilzes
direkt in Sulvovanillin, ohne vorgängiges Einweichen,
keine Einfärbung der Pileozystiden zeigten.
Wie sind da Eure Erfahrungen
mit Inkrustierungen in Karbolfuchsin,
Pileozystiden in Sulvovanillin,
Metachromasie mit Brillantkresilblau,
Patentblau bei Chrysozystiden, usw?

Exsikkatpräparate landen bei mir zum Jodtest immer direkt in Melzer, Sporen sowieso, aber auch Zellstrukturen wie Lamellentrama bei Mycena - es geht ja nur um die Farbreaktion. Die Huthaut von Täublingen wird nach Einhellinger/Jurkeit grundsätzlich nur mit Wasser eingeweicht. Pileos von Exsikkaten wollen manchmal nicht so recht grauen oder tun es schwächer als bei Frischpilzen. Erkennen kann man sie aber trotzem. Die Prozedur mit Karbolfuchsin funktioniert bei Exsikkat genauso wie beim Frischpilz.

Und wie steht es in Fällen, bei denen es nicht anderes geht,
als vorgängig etwas grössere Stücke z.B. in Glamalc einzulegen,
um dann Schnitte machen zu können?
Meist sind ja bei solchen Schnitten keine Reagenzien nötig,
das es mehr um das grossflächige Betrachten von Strukturen geht,
aber was, falls doch, wie handhabt Ihr das?

So einen Fall hatte ich noch nicht. Ich finde, dass man Exsikkate genauso und manchmal sogar besser schneiden kann als Frischpilze.

Ich freue mich auf Rückmeldungen Eurer Erfahrungen.
Lieben Gruss, Euer getreuer Harald Andres

Beste Grüße
Hias

Re: Fragen: Mikroskop-Reagenzien bei Exsikkaten

Andreas ⌂, (vor 3878 Tagen) @ interhias

Hallo,

Bei Exsikkaten verwende ich zum Anfärben KongoNH3, da quellen die Zellen
genauso auf wie in KOH. Zu Messungenauigkeiten kann ich nicht viel sagen,
weil ich fast nur Exsikkate mikroskopiere. Bislang sind mir aber keine
außergewöhnlichen Unterschiede aufgefallen.

Ich quelle meistens in KOH (3%) auf und färbe kurz mit Kongo/NH3, indem ich einfach das Präparat kurz in einen daneben auf dem Objektrräger liegenden Tropfen Kongorot ziehe, und dann wieder zurück ins KOH. Bei Shcnitten die nicht verrutschen dürfen ziehe ich natürlich das Kongorot in den KOH-Tropfen zum Präparat hin, und nicht umgekehrt. Daher verwende ich auch immer Kongo/NH3 und nicht Kongo/SDS.
Kongo/NH§ quillt besser als Kongo/SDS. KOH 3% quillt etwas schneller und gründlicher als Kongo/NH3 meienr Erfahrung nach

Exsikkatpräparate landen bei mir zum Jodtest immer direkt in Melzer, Sporen
sowieso, aber auch Zellstrukturen wie Lamellentrama bei Mycena - es geht
ja nur um die Farbreaktion. Die Huthaut von Täublingen wird nach
Einhellinger/Jurkeit grundsätzlich nur mit Wasser eingeweicht. Pileos von
Exsikkaten wollen manchmal nicht so recht grauen oder tun es schwächer als
bei Frischpilzen. Erkennen kann man sie aber trotzem. Die Prozedur mit
Karbolfuchsin funktioniert bei Exsikkat genauso wie beim Frischpilz.

In diesen Fällen lege ich auch immer direkt in Melzer ein, hat sich bei den Mikroskopierkursen eindeutig als besser erwiesen, auch bei Metachromasie

So einen Fall hatte ich noch nicht. Ich finde, dass man Exsikkate genauso und
manchmal sogar besser schneiden kann als Frischpilze.

Wenn sie nicht zu bröselig sind. Ich habe versucht, von Clitopilus hobsonii Huthautschnitte aus Exsikkatmaterial zu machen - keine Chance. Dadruch dass diese Pilze leicht gelifizierte Hyphen haben, sind die im getrockneten Zusatnd wie Knäckebrot. Hier habe ich dann tatsächlich mal mit Glamalc gearbeitet und ganz guten Erfolg gehabt. Allerding s tupfe ich nur ein klein wenig an die Stelle die ich Schneiden will, nicht etwas das Pilzstück in Glamalc einweichen!Das Pilzmaterial wird dann gleichzeitg etwas geschmeidig (ohne komplett aufzuweichen) und hält besser zusammen.

beste Grüße,
Andreas

Dank!

Harald Andres Schmid, (vor 3878 Tagen) @ Andreas

Hallo, Matthias und Andreas,

Ganz lieben Dank!
Man lernt einfach nie aus...
Ich wünsche Euch einen guten Pilzwinter.
Bei uns herrscht fast Frühling,
aber immer noch ziemlich pilzfrei...

Lieben Gruss, Harald

Hallo,
Ich quelle meistens in KOH (3%) auf und färbe kurz mit Kongo/NH3, indem ich
einfach das Präparat kurz in einen daneben auf dem Objektrräger liegenden
Tropfen Kongorot ziehe, und dann wieder zurück ins KOH. Bei Shcnitten die
nicht verrutschen dürfen ziehe ich natürlich das Kongorot in den
KOH-Tropfen zum Präparat hin, und nicht umgekehrt. Daher verwende ich auch
immer Kongo/NH3 und nicht Kongo/SDS.
Kongo/NH§ quillt besser als Kongo/SDS. KOH 3% quillt etwas schneller und
gründlicher als Kongo/NH3 meienr Erfahrung nach
In diesen Fällen lege ich auch immer direkt in Melzer ein, hat sich bei den
Mikroskopierkursen eindeutig als besser erwiesen, auch bei Metachromasie
Wenn sie nicht zu bröselig sind. Ich habe versucht, von Clitopilus hobsonii
Huthautschnitte aus Exsikkatmaterial zu machen - keine Chance. Dadruch
dass diese Pilze leicht gelifizierte Hyphen haben, sind die im
getrockneten Zusatnd wie Knäckebrot. Hier habe ich dann tatsächlich mal
mit Glamalc gearbeitet und ganz guten Erfolg gehabt. Allerding s tupfe ich
nur ein klein wenig an die Stelle die ich Schneiden will, nicht etwas das
Pilzstück in Glamalc einweichen!Das Pilzmaterial wird dann gleichzeitg
etwas geschmeidig (ohne komplett aufzuweichen) und hält besser zusammen.
beste Grüße,
Andreas