unbekannter Blätterpilz
Hallo, Blätterpilzkenner,
dieser Pilz wurde kürzlich auf einer Exkursion bei Waldkraiburg (Oberbayern) gefunden. Aber bevor ich ihn näher vorstelle, muss ich erst einmal sehen, ob das Bild durchkommt ...
Gruß, Till
![[image]](/archiv/forum/webbbs/userpics/pic330440.jpg)
Till, (vor 4018 Tagen)
Hallo, Blätterpilzkenner,
dieser Pilz wurde kürzlich auf einer Exkursion bei Waldkraiburg (Oberbayern) gefunden. Aber bevor ich ihn näher vorstelle, muss ich erst einmal sehen, ob das Bild durchkommt ...
Gruß, Till
![[image]](/archiv/forum/webbbs/userpics/pic330440.jpg)
Ja, auch wenn es zu klein ist, probiere ich es mal:
Unbekannter Blätterpilz aus dem Anzenberger Holz bei Aschau/Inn
Till R. Lohmeyer
Da beschäftigt man sich ca. vier Fünftel seines Lebens mit den Pilzen – und dann wird einem eine Art gebracht, die sich sämtlichen Bestimmungsbemühungen entzieht. Gut, bei den Cortinarien (Schleierlingen) ist so etwas gang und gäbe, und das gilt auch für eine Reihe kleiner Braunsporer, doch das sind halt Pilze, die mir nicht besonders liegen. Wenn ich mich dann ausnahmsweise doch mal ersthaft mit einem von ihnen befasse, komme ich in der Regel wenigstens zu einer Untergattung oder einer Artengruppe. Bei dem rätselhaften Weißsporer aus dem Anzenberger Holz, einem durchaus ansehnlichen Exemplar, stehe ich jedoch vor einem Rätsel.
Am Ende unserer Exkursion drückte mir ein Teilnehmer, der zum ersten Mal mit uns unterwegs war, einen Lamellenpilz in die Hand, bei dem mir vom ersten Moment an klar war, dass ich so etwas noch nie gesehen hatte. Hier die wichtigsten Merkmale:
BRD-BY-MÜ 7740-3, Anzenberger Holz n. von Aschau am Inn, um 530m ü. NN, 26.09.2015
Einzelexemplar. Der genaue Fundort ist nicht mehr nachvollziehbar. Im Gebiet dominieren Fichten, Kiefern und Birken.
Hut 9,5cm breit, flach trichterförmig mit genabelter Mitte und gewelltem, ungerieftem Rand; Oberfläche wie feines Wildleder, unter der Lupe wie bereift, am Rd. z. T. feinhaarig, stumpf porphyrbraun oder -braungrau (wie Porphyrellus pseudoscaber, exakt wie Russula anthracina bei Marxmüller "Russularum Icones" 2014, Bd. 1, Tf. S. 69, Exemplar oben rechts, Mitte des Hutes).
Lamellen auffallend entfernt stehend und sehr breit am (sehr dünnen) Hutfleisch mit adernartigen Stegen untereinander verbunden, zunächst weiß erscheinend, aber bei näherem Betrachten mit deutlichem buttergelbem Ton; auf Druck nicht fleckend; eher spröde als wachsartig-weich; am Stiel gerade angewachsen, ohne „Burggraben“, nicht herablaufend. Geruch zunächst unauffällig, nach einem Tag etwas muffig, ohne klassische Komponenten wie Mehl oder Seife. Geschmack mild.
Stiel 3,8cm lang, maximal bis 1,5cm breit, oben auf ca. 1cm grau bereift, darunter leicht angeschwollen und braunrindig.
Mikromerkmale: Lamellenschneiden fertil, ohne Cheilozystiden, Basidien viersporig. Sporen je nach Lage breit- bis schmalellipsoid und tropfenförmig zugespitzt, inamyloid, nicht dextrinoid, nicht metachromatisch, meist zwischen 5,2 und 7um lang und +- 4um breit, mit markantem Apiculus; wenn noch an den Basidien oft mit einem großen Öltropfen. Hyphen der Huthaut zylindrisch, verzweigt, mit Schnallen. Sporenpulver weiß.
Bestimmungsversuche: Spontan dachte ich an einen Krempentrichterling (Leucopaxillus) aus der Gruppe um L. gentianeus (die Abb. 42.7A bei Ludwig I passt habituell recht gut) Die Gattung hat jedoch amyloide, meist auch warzige Sporen. Ähnlich negativ verlief die Suche bei den Weichritterlingen (Melanoleuca), die ebenfalls amyloide, warzige Sporen besitzen, außerdem passte die Beschaffenheit der Huthaut nicht. Bei den größeren Raslingen (Lyophyllum) findet man andere Sporen und meist Cheilozystiden sowie glatte Hüte und oft auch verfärbendes Fleisch. Der Schneckling Hygrophorus camarophyllus sieht ebenfalls ähnlich aus, hat aber größere Sporen, herablaufende Lamellen und eine glatte Huthaut sowie eine andere Lamellentrama
Hat jemand da eine Ahnung?
Schöne Grüße, Till
![[image]](/archiv/forum/webbbs/userpics/pic330441.jpg)
Jetzt hoffe ich, das noch fehlende Bild erwischt zu haben ...
![[image]](/archiv/forum/webbbs/userpics/pic330443.jpg)
Gernot, (vor 4018 Tagen) @ Till
Hallo Till,
könntest du vielleicht etwas größere Fotos einstellen?
Schöne Grüße
Gernot
Joschi Siembida , (vor 4017 Tagen) @ Till
Hallo Till,
blöde Idee, aber könnte es nicht ein etwas (mikroskopisch) misratenes Breitblatt sein, oder vielleicht 'ne andere Clitocybula Art?
Bei der Witterung dieses Jahr ist doch einiges anders wie sonst.
Gruß Joschi
Gernot, (vor 4017 Tagen) @ Till
Hallo zusammen,
Till hat mir die Fotos in Originalgröße geschickt, hab sie verkleinert und hochgeladen:
![[image]](http://i59.tinypic.com/es2aue.jpg)
![[image]](http://i58.tinypic.com/2luwfgm.jpg)
![[image]](http://i61.tinypic.com/2lj2a7a.jpg)
Schöne Grüße
Gernot
Servus Till und Gernot,
hätte hier spontan an einen zu dunkel geratenen Keulenfuß-Trichterling gedacht ((Ampullo-)Clitocybe clavipes). Die Sporen passen auch, jedenfalls nach dem guten alten Moser.
Gruß
Helmut
Der Juergen, (vor 4017 Tagen) @ Helmut
Hallo Helmut und Till
hätte hier spontan an einen zu dunkel geratenen Keulenfuß-Trichterling
gedacht ((Ampullo-)Clitocybe clavipes). Die Sporen passen auch, jedenfalls
nach dem guten alten Moser.
An den dachte ich auch. Es gibt diese seltsame, dunklere "Wiesen-Variante" des Keulenfüßigen Trichterlings, jedenfalls finde ich diese auf Wiesen:
http://www.pilzflora-ehingen.de/pilzflora/arthtml/aclavipes.php
Grüßle
Jürgen
Stephan Weißer, (vor 4017 Tagen) @ Gernot
Hallo zusammen,
meine erste Idee wäre der Büschelrasling (Lyophyllum decastes).
FG
Stephan
Till, (vor 4017 Tagen) @ Stephan Weißer
Vielen Dank für eure Ideen!
Beim Keulenfußtrichterling, der zurzeit bei uns häufig ist, bin ich kurz zusammengezuckt - das wäre ja der (befürchtete) Blackout gewesen ... Aber unser Pilz hatte definitiv keine weit herablaufenden, dafür aber breitere und weiter entfernt stehende Lamellen sowie schmalere Sporen (die Mikros hat ein Freund noch "gegengemessen").Die auffallenden aderigen Verbindungen am Lamellengrund sind, soweit ich weiß, für den Keulenfuß auch nicht typisch. Trotzdem behalte ich die Idee mal im Hinterkopf, vielleicht gibt es da abweichende Formen.
Bei Lyophyllum decastes passen die Lamellenfarbe und die Sporenform nicht (bei decastes rund) - außerdem hätte ich den längst verzehrt; er ist mir einer der liebsten ...
Schöne Grüße
Till
Hallo zusammen,
Till hat mir die Fotos in Originalgröße geschickt, hab sie verkleinert und
hochgeladen:
Schöne Grüße
Gernot
Servus zusammen,
könnte das nicht vielleicht doch ein Graublatt sein? Auf dem Lamellenfoto sieht es für mich so aus, als würden die cremegelben Lamellen zumindest an den Schneiden grauen.
Habt ihr mal die siderophile Granulation probiert oder versucht, bei Lyophyllum zu schlüsseln?
Beste Grüße
Hias
Illja, (vor 4017 Tagen) @ interhias
Hallo,
auf die schnelle, kurzstieliger Weichritterling?
gruss Illja
Till, (vor 4017 Tagen) @ interhias
Servus, Hias,
gedacht habe ich schon an Lyophyllum, aber da passen bei allen Arten, die entfernt in Frage kommen könnten, die Sporen nicht. Oder sie haben in Gegensatz zu unserm Pilz Cheilozystiden. Oder sie verfärben sich (bei uns definitiv keine rötliche oder blaue Verfärbung, grau nur in den Fraßstellen auf dem Hut). Auf "Siderophilie" haben wir allerdings noch nicht untersucht - da muss ich erst mal schauen, ob ich das überhaupt noch kann ...
Versäumt habe ich leider, beim Frischpilz auf die eventuelle Ablösbarkeit der Lamellen zu achten - was ja die These "Keulenfuß" stützen würde. Aber ein schon relativ alter Keulenfuß mit gerade angewachsenen Lamellen?
Servus (noch einmal)
Till
Servus zusammen,
könnte das nicht vielleicht doch ein Graublatt sein? Auf dem Lamellenfoto
sieht es für mich so aus, als würden die cremegelben Lamellen zumindest an
den Schneiden grauen.
Habt ihr mal die siderophile Granulation probiert oder versucht, bei
Lyophyllum zu schlüsseln?
Beste Grüße
Hias
Wolfgang P., (vor 4017 Tagen) @ Gernot
Hallo an alle,
die bisherigen Vorschläge gefallen mir nicht so recht, daher ein neuer Vorschlag:
Im Ludwig 1, 7.10B ist ein stämmiges Exemplar von Calocybe obscurissima abgebildet, das mich an den gezeigten Pilz erinnert.
Wolfgang
Rudi, (vor 4017 Tagen) @ Wolfgang P.
Hallo Wolfgang,
der hat aber u.a. sehr engstehende, leuchtend weisse Lamellen...
LG Rudi
Wolfgang P., (vor 4016 Tagen) @ Rudi
Hallo Wolfgang,
der hat aber u.a. sehr engstehende, leuchtend weisse Lamellen...
LG Rudi
Hallo Rudi,
diese Art habe ich zugegeben noch nicht gefunden, aber andere Calocyben sehr wohl, und ich finde die Gattung durchaus erwägenswert.
C. onychina (die ich auch nicht kenne) soll gelbe Lamellen haben, von ionides gibt es braune Formen, ...
Grüße,
Wolfgang
Andreas , (vor 4016 Tagen) @ Wolfgang P.
Hallo,
eine Calocybe mit 9,5 cm Hutdurchmesser kann ich mir nicht vorstellen, außerdem stimmen die Farben zu keiner der bekannten Arten.
beste Grüße,
Andreas
Hallo Rudi,
diese Art habe ich zugegeben noch nicht gefunden, aber andere Calocyben sehr
wohl, und ich finde die Gattung durchaus erwägenswert.
C. onychina (die ich auch nicht kenne) soll gelbe Lamellen haben, von ionides
gibt es braune Formen, ...
Grüße,
Wolfgang
Hallo,
meine spontane Idee wäre ja (Seifen-)Ritterling gewesen ....
Was spricht denn da dagegen? Dass er nicht rötet, o.k., und die Beschreibung der Hutoberfläche passt auch nicht so recht. Ist der Hutrand tatsächlich kurzhaarig?
beste Grüße,
Andreas
Hallo, Andreas,
das Chamäleon "Seifenritterling" stand auch bei uns schon ganz am Anfang auf der Kandidatenliste. Auch wenn weder im Wald noch daheim auch nur ein Anflug von Seifenduft festzustellen war. Und die Oberfläche war eben nicht glatt, sondern wirklich wildlederartig, matt, "velutinous", ja am Rand geradezu feinst filzig (ob "kurzhaarig" ist vielleicht eher eine Definitionsfrage, aber so sah es unter dem Binokular aus). Das war auch der Grund, warum ich erst an Leucopaxillus dachte. Der definitiv fehlende "Burggraben" am Lamellenansatz spricht auch eher gegen Tricholoma.
Zu Calocybe: C. obscurissima hat engstehende, weiße Lamellen - die Art kommt bei uns immer wieder mal vor und wird zuerst meist für eine Melanoleuca gehalten, bis einen dann der Mehlgeruch in die richtige Richtung führt.C. onychina: Das klingt interessant! Dem Tipp gehen wir auf jeden Fall noch nach - aber jetzt hab ich leider einen Termin und muss fort ... bis dann!
Till
Hallo,
meine spontane Idee wäre ja (Seifen-)Ritterling gewesen ....
Was spricht denn da dagegen? Dass er nicht rötet, o.k., und die Beschreibung
der Hutoberfläche passt auch nicht so recht. Ist der Hutrand tatsächlich
kurzhaarig?
beste Grüße,
Andreas
Joschi Siembida , (vor 4006 Tagen) @ Till
Hallo Till,
hat sich der Bestimmling schon zu erkennen gegeben?
Gruß Joschi
Till, (vor 4005 Tagen) @ Joschi Siembida
Hallo Joschi,
nein, bisher haben wir den Pilz nicht korrekt benennen können. Der interessanteste Tipp kam aber von Wolfgang P., und das war Calocybe (Rugosomyces) onychinus, der unserem Fund vor allem makroskopisch sehr nahe kam (auch wenn man im Internet die unter diesem Namen auffindbaren Bilder von M. Kuo und L. Stridvall anschaut). Allerdings waren die Sporen unseres Pilzes deutlich größer und mehr tropfenförmig als breitellipsoid, die eher entfernt- als engstehenden Lamellen eher blass als leuchtend gelb, und auch die HDS war eine andere. Die eigenartigen bogigen Verbindungen zwischen den Lamellen, die stellenweise schon an Phylloporus pelletieri erinnerten, sind für C. onychinus auch nirgends erwähnt.Und der Lamellenansatz (gerade) passte auch nicht zu den diversen Arten mit herablaufenden oder ausgebuchteten Lamellen, die wir sonst noch verglichen haben.
Momentan sind wir mit unserem Latein am Ende. Vielleicht müsste man noch die "exotische" Literatur (Südeuropa, Nordamerika) durchstöbern. Oder es war tatsächlich eine bisher unbeschriebene Art. Dumm ist, dass sich der genaue Fundort nicht mehr feststellen lässt - es war in einem ausgedehnten, relativ einförmigen Waldgebiet, und der Finder war ein absoluter Laie, der mir am Ende der Wanderung seinen Korb zeigte.
Andererseits - was wäre unsere Mykologie, wenn es nicht immer wieder diese vertrackten Rätselfunde gebe?!
So um 1980 herum fand ich mehrfach einen Röhrling, den ich partout nicht bestimmen konnte - er passte einfach nicht in die bekannten Raster. 1986 später beschrieb Redeuilh Boletus depilatus - und mit einem Schlag war alles klar!
Schöne Grüße & Dank an alle, die zur Diskussion beigetragen haben
Till
Hallo Till,
hat sich der Bestimmling schon zu erkennen gegeben?
Gruß Joschi
Joschi Siembida , (vor 4002 Tagen) @ Till
Hallo Till,
Danke für die Rückmeldung und viel Erfolg bei der weiteren Bestimmung.
Gruß Joschi
Hallo zusammen!
Aus aktuellem Anlass:
Im Nachbarforum ist ein Pilz aufgetaucht, der zumindest makroskopisch eine sehr große Ähnlichkeit mit diesem Fund hat.
http://www.pilzforum.eu/board/thema-welche-pilze-sind-das--31156?pid=303273#pid303273
Wenn es die selbe Art ist, vielleicht bringen die Bilder der jüngeren Fruchtkörper noch einen Aufschluss. Oder der Finder stellt noch etwas Material zu Verfügung, um dem weiter nachzugehen.
Liebe Grüße,
Pablo.
Hallo zusammen!
Aus aktuellem Anlass: Im Nachbarforum ist ein Pilz aufgetaucht, der zumindest
makroskopisch eine sehr große Ähnlichkeit mit diesem Fund hat.http://www.pilzforum.eu/board/thema-welche-pilze-sind-das--31156?pid=303273#pid303273
Wenn es die selbe Art ist, vielleicht bringen die Bilder der jüngeren
Fruchtkörper noch einen Aufschluss. Oder der Finder stellt noch etwas
Material zu Verfügung, um dem weiter nachzugehen.
Liebe Grüße,
Pablo.
Hallo Pablo,
sieht ziemlich ähnlich aus, stimmt, aber ich denke dass es sich da um Melanoleuca cognata handelt. Das wäre mikroskopisch schnell überprüft (zumindest die Gattung ...).
Tills Pilz war jedoch definitv keine Melanoleuca, den Mikromerkmalen nach.
beste Grüße,
Andreas
Hallo, Andreas!
Hui, so dunkel?
Aber es macht durchaus Sinn. Glaube ich dir also.
Dann ist aber in der Tat klar, daß der und Tills Fund nichts miteinander zu tun haben.
LG, Pablo.
Hallo Pablo,
sieht ziemlich ähnlich aus, stimmt, aber ich denke dass es sich da um
Melanoleuca cognata handelt. Das wäre mikroskopisch schnell überprüft
(zumindest die Gattung ...).
Tills Pilz war jedoch definitv keine Melanoleuca, den Mikromerkmalen nach.
beste Grüße,
Andreas
Hallo, Andreas!
Hui, so dunkel?
Aber es macht durchaus Sinn. Glaube ich dir also.
Dann ist aber in der Tat klar, daß der und Tills Fund nichts miteinander zu
tun haben.
LG, Pablo.
Hallo Pablo,
das war aber keine Bestimmung! Ich bin nicht restlos sicher, sollte schon noch überprüft werden, falls möglioch und es jemanden so brennend interessiert dass er Zeit investieren will ....
beste Grüße,
Andreas
Hallo,
ich möchte noch mal auf den unbekannten Blätterpilz aus Südostbayern zurückkommen. Inzwischen habe ich eine Abbildung gefunden, die nahezu 100%ig mit unserem Pilz übereinstimmt. Wer den Band "Arctic & Alpine Fungi - 2" von Gro Gulden und Kolbjörn Mohn Jenssen besitzt, kann sich mal auf S. 17 das Foto von Clitocybe lateritia Favre anschauen. Da stimmt makroskopisch eigentlich alles, außer vielleicht der Lamellenansatz, der im Text als "herablaufend" bezeichnet wird. Auf dem Bild ist diese Eigenschaft aber eher schwach ausgeprägt ("breit angewachsen bis kurz herablaufend" würde ich das nennen). Optimal passen die entferntstehenden, aderig verbundenen Lamellen, die farblich in deutlichem Kontrast zu Hut- und Stielfarbe stehen, und die Beschaffenheit der Huthaut, die als "pubescent to felty" bezeichnet wird.
Die Probleme sind die Sporen (deutlich zu groß!) und der "arktisch-alpine" Habitat.
C. lateritia ist auch im "Pilzkompendium 3" dargestellt, aber irgendwie kann ich die beiden Darstellungen nicht in Einklang bringen. Ob das wirklich die gleiche Art ist wie bei Gulden & Co.?? Nach Ludwig wäre ich jedenfalls nie auf C. lateritia gekommen.
Meine weiteren "Ermittlungen" haben mich dann zur Originalbeschreibung bei Favre (1955) geführt. Sie passt, wenn ich das richtig interpretiere, viel besser zur Beschreibung Ludwigs als zu den "Arctic ... fungi". Die Lamellen sind "stark herablaufend", der Habitus typisch trichterlingsförmig mit anderer Stiellänge/Hutbreite-Relation, und in der Farbe sind rötliche/rotbraune Töne eingemischt, die bei unserem und dem nordischen Pilz fehlen. Unter dem Strich ist die Originaldiagnose nicht mit unserer Art vereinbar.
In seinen Anmerkungen erwähnt Erhard Ludwig nun eine Clitocybe sublateritia Bon, eine größere, mediterrane Art mit "breiten, samtigen bis fast wolligen, dunkelbraunen Hüten und gleichfarbigem Stiel. Lam. fast entfernt, weißlich, dann creme-ockerlich." Die Sporen sind kleiner als bei lateritia - allerdings hat der Pilz angeblich "zyl.-gewundene bis koralloide CheiloZ."
"Mediterran" klingt für den Rand des warmen Inntals defintiv besser als "arktisch-alpin". Hat jemand vielleicht Zugang zu Docum. mycologiques 102, S. 17 und / oder Flore mycologique d'Europe 4, S. 45 + Tf. I-F ?? Vielleicht ist das die richtige Piste???
Danke für eure Geduld - aber irgendwie finde ich es auch spannend, so einem Rätselfund kollektiv auf die Schliche zu kommen ...
Till