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Macolepiota-Vergleich

Roswitha, (vor 5447 Tagen)

Ich war heute mal kurz im Hauswald, der deshalb so heißt, weil er etwa 250 m von unserem Haus entfernt beginnt.
Es gab nicht viel zu entdecken, kleine weiße Trichterling und Flaschenstäublinge, dann jede Menge Riesenschirmlinge. Und zwar der Sternschuppige Riesenschirmling, Macrolepiota konradii. Das ist der Riesenschirmling, den ich in diesem Hainbuchen-Eichen-Buchen Mischwald mit eingestreuten Kiefern schon seit Jahren finde, oft auch in größerer Stückzahl.
Ich habe einige mitgenommen, schon mit dem Hintergedanken, sie hier vielleicht vorzustellen. Auf dem Rückweg entdeckte ich am Hang weiter unten noch eine Macrolepiota procera und erntete den Pilz unter Lebensgefahr (o. k. das ist etwas übertrieben, ich bin zumindest auf den Hintern gefallen).

Das ist M. konradii:
[image]

und hier die beiden "Parasole" im Vergleich:
[image]

Ob der große Pilz jetzt wirklich M procera ist, oder schon wieder eine Varietät wegen der starken Hutschuppung, kann ich jetzt nicht mit Sicherheit sagen. Eigentlich geht es mir auch eher um die Beschreibung von M. konradii.
Dieser rötet am Stiel leicht beim Reiben oder bei Verletzungen. Es ist ein helles fleischrot. Der Stiel selbst ist unterhalb des Rings manchmal noch einheitlich braun, er reißt meistens flockig auf, richtig genattert ist er eher selten.
Der Ring ist oben weiß und unten bräunlich mit einem flockig aufgerissenen Rand.
Er lässt sich verschieben, aber nur schwer und nicht besonders weit. Er ist oft nach oben gebogen.

Die Größe variriert sehr stark. Bei meinen Funden von einen Hutdurchmesser von 5cm und einer Stiellänge von etwa 8cm bis zu einem Hutdurchmesser von 14cm und eiener Stiellänge von etwa 20cm.
Die Anordnung der Hutschuppen ist auf den folgenden Fotos ganz gut zu erkennen.

Da bei mir im Garten Safranschirmlinge wachsen, habe ich sie zum Vergleich auch noch dazu gelegt. Es ist Macrolepiota rhacodes var. bohemica laut "Großpilze B-Ws", die heute wohl Chlorophyllum brunneum heißt.

[image]

[image]

Die Safranschirmlinge sind aber ziemlich alte Schlappen, bei denen der Ring schon weg ist, bzw. am Hut hängt. Vor 10 Tagen sahen sie noch so aus:

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Beim Schnitt durch Trama und Lamellen kann man erkennen, dass bei M. procera kein wirklicher Farbunterschied zwischen Lamellen und Hutfleisch besteht,
während bei M. konradii die Lamellen deutlich abgegenzt sind und eine leicht rosa Farbe aufweisen, solange sie frisch sind. Beim alten Safranschirmling hinten sind es eher gelbliche Töne.

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Das ist die Aufsicht in die Lamellen, die bei M. konradii auch einen rosa Schimmer haben, das Sporenpulver ist aber cremefarben.

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Bei M. procera sehen die Lamellen in der Aufsicht eher gelblich (gilbend) aus, obwohl auch da rosa Töne zu erkennen sind. Laut PdS sollte hier das Sporenpulver rosa sein. Das kann ich an dem Wenigen, das er bisher ausgesport hat noch nicht erkennen.
[image]

Wenn M. konradii alt wird, bekommen die Lamellen auch einen gilbend gelblichen Ton. Sie splittern dann auch nicht mehr sondern, verschmieren beim Darüberstreichen. Das ist dann ein gutes Kennzeichen dafür, dass der Pilz zu alt zum Essen ist, auch wenn er von oben noch gut ausssieht.

Falls jemand Interesse an Fotos von ganz jungen konradiis oder Standortbildern hat, kann ich den Wald morgen mit Kamera bewaffnet noch mal aufsuchen. Ist ja glücklicherweise nicht so weit weg :-)

Liebe Grüße
Roswitha

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Roswitha, (vor 5447 Tagen) @ Roswitha

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Re: Danke, schöner Vergleich!

42, (vor 5446 Tagen) @ Roswitha

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Re: Macolepiota-Vergleich

Gernot, (vor 5446 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

folgt man dem Konzept Vellingas, so ist Macrolepiota konradii ein Synonym von M. mastoidea. Tatsächlich wurde und wird der Name M. konradii bei uns für alle möglichen Riesenschirmlings-Arten verwendet, die nur wenige sternförmig angeordnete Hutschuppen besitzen. Einerseits beruhen diese unterschiedlichen Interpretationen auf M. konradii ss. orig., welche als ähnliche Art von M. mastoidea bzw. M. excoriata beschrieben wurde. Andererseits haben Breitenbach & Kränzlin M. konradii als M. procera-ähnliche Art mit wenigen, ± sternförmigen Hutschuppen dargestellt, was mit M. konradii ss. orig. wenig zu tun hat.

Was du uns zeigst ist also M. konradii ss. Breitenbach & Kränzlin, non ss. orig. und kann folglich auch nicht M. konradii genannt werden. Ich halte deine beiden Fruchtkörper daher für M. fuliginosa, welche sich von der bisweilen sehr ähnlichen M. procera hauptsächlich durch schwächer genatterte Stiele mit rötender Stielrinde und oft relativ lose aufliegende Hutschuppen auf ausgeprägt längsfaserigem Grund unterscheidet. Die Hutgrundfarbe und auch die Anzahl und Verteilung der Hutschuppen von M. fuliginosa kann aber auch zu einem gewissen Grad variieren. Gerne würde ich noch Fotos von jungen Fruchtkörpern sehen!

Dein Safranschirmling dürfte Chl. rachodes sein, sofern die Knolle nicht gerundet und der Ring relativ komplex gebaut ist. Zu den Safranschirmlingen schau auch mal hier bzw. in der anschließenden Diskussion.

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Macolepiota-Vergleich

Roswitha, (vor 5446 Tagen) @ Gernot

Hallo Roswitha,
folgt man dem Konzept Vellingas, so ist Macrolepiota konradii ein Synonym von
M. mastoidea. Tatsächlich wurde und wird der Name M. konradii bei uns für
alle möglichen Riesenschirmlings-Arten verwendet, die nur wenige
sternförmig angeordnete Hutschuppen besitzen. Einerseits beruhen diese
unterschiedlichen Interpretationen auf M. konradii ss. orig., welche als
ähnliche Art von M. mastoidea bzw. M. excoriata beschrieben wurde.
Andererseits haben Breitenbach & Kränzlin M. konradii als M.
procera-ähnliche Art mit wenigen, ± sternförmigen Hutschuppen dargestellt,
was mit M. konradii ss. orig. wenig zu tun hat.
Was du uns zeigst ist also M. konradii ss. Breitenbach & Kränzlin, non
ss. orig. und kann folglich auch nicht M. konradii genannt werden. Ich
halte deine beiden Fruchtkörper daher für M. fuliginosa, welche sich von
der bisweilen sehr ähnlichen M. procera hauptsächlich durch schwächer
genatterte Stiele mit rötender Stielrinde und oft relativ lose aufliegende
Hutschuppen auf ausgeprägt längsfaserigem Grund unterscheidet. Die
Hutgrundfarbe und auch die Anzahl und Verteilung der Hutschuppen von M.
fuliginosa kann aber auch zu einem gewissen Grad variieren. Gerne würde
ich noch Fotos von jungen Fruchtkörpern sehen!
Hallo Gernot,

ich habe meine Bestimmung makroskopisch gemacht nach Breitenbach und Kränzlin Band 4 Bild 250, angegebener Name: Macrolepiota konradii (Huijsm. ex P.D.Ort.) Mos. und nach Großpilze Baden-Württembergs, Band 4, Seite 129, angegebener Name:
Macrolepiota procera var. konradii (Huijsman ex Orton) Gminder.
Im Index fungorum findet sich der erste Name als "current name" und der 2. als Synonym dafür. Warum sollte es also nicht M. konradii sein.
Was ich über M. fuliginosa gefunden habe, spricht nicht dafür, das es mein Pilz ist.

Hier sind noch ein paar Fotos, heute Nachmittag im dunklen Wald aufgenommen:

[image]

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2 Farbvarianten des Hutes:

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Mit Chlorophyllum rhacodes hast du recht. Hier noch 2 Fotos vom Gartenschirmling:

[image]

[image]

Liebe Grüße
Roswitha

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Re: Macolepiota-Vergleich

Gernot, (vor 5446 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

du kannst deine Pilze aus dem einfachen Grund nicht M. konradii nennen, weil sie zwar der Beschreibung in Breitenbach & Kränzlin entsprechen mögen (auf die sich auch die Großpilze BWs stützt), diese mit der Originalbeschreibung von M. konradii jedoch nichts zu tun hat. Wie gesagt bezieht sich die Originalbeschreibung auf eine Art aus dem M. mastoidea-Komplex (laut Vellinga ist M. konradii synonym mit M. mastoidea - das kann man natürlich so sehen, muss man aber nicht) und nicht auf eine Art aus der Gruppe um M. procera. M. konradii ss. Breitenbach & Kränzlin ist daher als "ss. auct., non ss. orig." zu verwerfen. Nur weil ein Name häufig für eine Art verwendet wird, heißt das nicht, dass diese Anwendung korrekt ist; Beispiele gibt es hierfür genügend. Wenn du Index Fungorum benutzt hast, dann wirst du sicherlich auch Folgendes gesehen haben: "Macrolepiota konradii sensu Breitenbach & Kränzlin [BK 4: 216, pl. 250 (1995)], (also see Species Fungorum: Macrolepiota fuliginosa)". Dort steht also genau das, was ich bereits versucht habe zu erklären.

Die ganze Problematik wird übrigens auch von Vellinga in der Flora Agaricina Neerlandica Vol. 5 erklärt. Die dortige Darstellung von M. fuliginosa passt sehr gut zu deinem Fund. Hier ein Zitat: "Macrolepiota fuliginosa is rather variable in size, in its reddening reactions and in the colour of the spore print. Its main characteristics are the rather grey-brown colours of the velar patches on the pileus, which lie loosely on top of a strongly radially-fibrillose, pale grey-brown covering".

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Macolepiota-Vergleich

Gábor, (vor 5446 Tagen) @ Roswitha

Hallo Roswitha,

deine Pilze halte ich ebenfalls für Macrolepiota fuliginosa.

Wie Gernot bereits schrob, kenntlich an der wenig ausgeprägten Stielnatterung,
beim Kratzen rötende Stielrinde sowie lockere, leicht abwischbare Schüppchen
auf dem Hut:
[image]
[image]

LG, Gábor

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Re: Macolepiota-Vergleich

Gernot, (vor 5446 Tagen) @ Gábor

Hallo Gábor,

danke für diese sehr typischen Fotos von M. fuliginosa! Die Art kann auch mal richtig dunkel daher kommen, die wenigen locker aufliegenden Hutschuppen auf ausgeprägt längsfaserigem Grund und die rötende Stielrinde sind trotzdem vorhanden.

[image]

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Macolepiota-Vergleich

Roswitha, (vor 5445 Tagen) @ Gernot

Hallo Gábor und Gernot,

vielen Dank für eure Infos. Die Bilder von Gabor zeigen ja ganz eindeutig die gleiche Macrolepiota, wie ich sie hier finde.
Da ich in meiner Literatur M. fuliginosa nur in Großpilze BWs gefunden habe und dort die kurze Beschreibung (z.B.stärkere Stielnatterung) und auch das Foto so gar nicht meinem Pilz entsprachen, hatte ich fuliginosa ausgeschlossen.
Da Gernots Foto auch M. fuliginosa ist, muss ich also immer auf die rötende Stielrinde und die Schuppenverteilung achten.

Ihr habt mich jetzt wirklich schlauer gemacht. Mal sehen, ob der Pilz sich freut, wenn ich ihn mit dem richtigen Namen anspreche, nachdem er jahrelang einen falschen ertragen musste.

Liebe Grüße
Roswitha

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Re: Macolepiota-Vergleich

Toffel, (vor 5445 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot!

Dein Safranschirmling dürfte Chl. rachodes sein, sofern die Knolle nicht
gerundet und der Ring relativ komplex gebaut ist.

Dazu hätte ich mal eine Frage. Vellinga stellt Chl. rhacodes synonym zu M. rhacodes. So steht es auch im Index Fungorum. Des öfteren habe ich nun aber schon gelesen, dass die ehemalige M. rhacodes der jetzigen Chl. olivieri entspricht und Chl. rhacodes offenbar eine weitere Art ist. Ist das die aktuelle Auffassung und die von Vellinga (Chl. rhacodes = M. rhacodes) schon wieder veraltet? Nach der Tabelle in ihrer Arbeit wäre das (Chl. olivieri = M. rhacodes) ja einleuchtend.
Und dann doch noch eine Frage: Welche Schreibweise ist nun richtig; rhacodes oder rachodes?

Viele Grüße
Toffel

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rhacodes vs. rachodes

AK_CCM, (vor 5445 Tagen) @ Toffel

Hallo Toffel,

Und dann doch noch eine Frage: Welche Schreibweise ist nun richtig; rhacodes
oder rachodes?

Vellinga & Pennycook hatten einen Antrag auf Konservierung für Agaricus rachodes gestellt. Das "Nomenclature Committee for Fungi" hatte den Fall zwar diskutiert, konnte sich aber nicht einigen (7 Stimmen dafür, 7 dagegen, keine Enthaltung) - Eric Strittmatter hatte mich Mitte August darüber informiert. Damit geht der Fall an das übergeordnete "General Committee". Ob dort inzwischen eine Entscheidung getroffen wurde, weiß ich nicht. Vielleicht hat wer Zugriff auf die Mycotaxon und kann dort mal nachlesen.

Gruß, Andreas

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Re: Macolepiota-Vergleich

Gernot, (vor 5445 Tagen) @ Toffel

Hallo Toffel,

Vittadinis Originalbeschreibung von Lepiota rachodes (Descrizione dei funghi mangerecci più comuni dell'Italia: 158 (1883) [1885]) bezieht sich auf einen Garten-Safranschirmling, daher kann der Name Macrolepiota bzw. Chlorophyllum rachodes nicht für den Gemeinen Safranschirmling verwendet werden, der meistens in Fichtenwäldern vorkommt, in der Regel gänzlich düster olivgraubraun gefärbt ist und dessen Hutschuppen kaum zum Hutuntergrund kontrastieren. Aus diesem Grund wird für diese Art mit Chlorophyllum olivieri der älteste anwendbare Name verwendet.

Zur Schreibweise hat ja Andreas schon das Wichtigste gesagt. Ausführlich besprochen wird das Thema in Taxon 59(2) • April 2010: 623–627 und dort wird auch nochmals der Antrag auf Konservierung gestellt: "(1927) Proposal to conserve the name Agaricus rachodes (Basidiomycota) with that spelling. pp. 644-644(1)". Im Taxon 60(4) • August 2011 wurde die Weiterleitung an das General Comittee bekannt gegeben, in der letzten Ausgabe (Taxon 60(5) • October 2011) ist aber anscheinend noch keine Entscheidung enthalten.

Schöne Grüße
Gernot

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Danke euch beiden

Toffel, (vor 5445 Tagen) @ Toffel

- kein Text -